Wer sich mit dem Minnesang des 12. Jahrhunderts und einem seiner Vertreter, Heinrich von Morungen, befasst, wird in der Forschungsliteratur immer wieder auf ein berühmtes Zitat aus einem seiner Liedern stoßen: „wan ich wart dur sî und durch anders niht geboren“ (MF 134,30) . Oft wird dieses Zitat als eine Selbstaussage des Dichters gedeutet, und in der Tat weist das Zitat ein Charakteristikum seines Œuvres auf. Das Zitat „Denn für sie allein wurde ich geboren“, das Helmut von Tervooren als „Kernsatz [Morungens] lyrischen Schaffen[s]“ bezeichnet, demonstriert das ausschließliche Thema seiner Lieder, nämlich die „fast monomanische Zentrierung des lyrischen Ichs auf die Minneherrin sowie seine als existenziell empfundene Abhängigkeit von ihr“. Denn die Existenz des Sängers beruht nur darauf, die Auserwählte zu preisen und um sie zu werben, selbst wenn es keinerlei Hoffnung darauf gibt, dass diese ihn erhört. Hierbei nimmt die angebetete Dame eine besondere Stellung bei Heinrich von Morungen ein. Denn anders wie bei den vorherigen Dichtern, ist Morungen der erste Dichter des deutschen Minnesangs, der die weibliche Schönheit der Frau in ihren Einzelzügen beschreibt, und auf sie nicht nur durch Beiwörter und kurze Vergleiche in seinen Liedern hindeutet. In der folgenden Arbeit soll nun diese Neuerung Morungens anhand einer Analyse zweier Lieder näher erläutert werden. Hierbei sollen vor allem die Lieder des sogenannten Frauenpreises untersucht werden, da hier der Sänger besonders ein Augenmerk auf die Schönheit der Herrin legt.
Zunächst wird jedoch ein kurzer Einblick in die wenig biographischen Informationen, die zu dem Dichter bekannt sind, erfolgen. Im zweiten Teil soll allgemein die Theorie der Minnelyrik erklärt werden. Im Anschluss daran soll auf ein spezifisches Thema der Minnelyrik eingegangen werden, nämlich den Frauenpreis, und inwieweit dabei Morungen eine Rolle spielt. Der letzte Teil der Arbeit wird sich schließlich ausschließlich der Analyse der Lieder 122,1 und 140,32 widmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Biographie Heinrich von Morungens
3. Die Theorie von der Hohen Minne
4. Der Frauenpreis in der Minnekanzone
4.1 Der Frauenpreis bei Heinrich von Morungen
5. Analyse der Lieder 122,1 und 140,32
5.1 Lied 122,1
5.2 Lied 140,32
5.3 Die Lieder 122,1 und 140,32 im Vergleich
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Minnedame im Werk von Heinrich von Morungen, insbesondere unter dem Aspekt des sogenannten Frauenpreises. Ziel ist es, anhand der Analyse der Lieder 122,1 und 140,32 darzulegen, wie Morungen durch spezifische Bildsprache und die Überhöhung der weiblichen Schönheit eine besondere Stellung im klassischen Minnesang einnimmt.
- Biographische Einordnung Heinrich von Morungens
- Grundlagen der Theorie der Hohen Minne
- Funktion und Kriterien des Frauenpreises in der Minnekanzone
- Analyse der Licht- und Glanzmetaphorik
- Vergleich der Lieder 122,1 und 140,32
Auszug aus dem Buch
4.1 Der Frauenpreis bei Heinrich von Morungen
Bei der Analyse der Lieder von Heinrich von Morungen fällt auf, dass viele Lieder genau solche Strophen des Frauenpreises enthalten, und all seine typischen Bilder und Vergleiche häufig diesem Lobpreis der Dame dienen. Dabei gelingt es Morungen seine Bilder so in Szene zu setzen, dass die Schönheit der Dame bis auf das Höchste hinaus gepriesen wird, indem er diese in Einzelzügen beschreibt. Zudem begegnet man dem Frauenpreis bei Morungen viel öfter als bei allen anderen Dichtern des frühen und des klassischen Minnesangs. Der Frauenpreis wird bei Morungen zu einem obligatorischen Element, der nicht nur in Einzelstücken über das Lied verteilt vorkommt, sondern wirklich einen gesamten Strophenteil oder eine Strophe füllt. Im Folgenden sollen nun zwei typische Frauenpreis- Lieder Morungens näher analysiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Œuvre von Heinrich von Morungen ein und thematisiert die Bedeutung des Zitats über seine existentielle Abhängigkeit von der Minneherrin.
2. Die Biographie Heinrich von Morungens: Dieses Kapitel fasst den aktuellen Wissensstand zu den biographischen Daten des Dichters zusammen und ordnet ihn in die Epoche des klassischen Minnesangs ein.
3. Die Theorie von der Hohen Minne: Es erfolgt eine theoretische Herleitung der höfischen Minne und der damit verbundenen fiktionalen Rollendichtung des Minnesangs.
4. Der Frauenpreis in der Minnekanzone: Dieses Kapitel definiert den Frauenpreis als Gattung und erläutert dessen laudative Funktion sowie spezifische Kriterien.
4.1 Der Frauenpreis bei Heinrich von Morungen: Der Fokus liegt auf der besonderen Bedeutung des Frauenpreises in Morungens Liedern und seiner Verwendung als festes strukturelles Element.
5. Analyse der Lieder 122,1 und 140,32: Eine detaillierte Untersuchung der beiden ausgewählten Lieder hinsichtlich ihrer poetischen Gestaltung und der Preisung der Dame.
5.1 Lied 122,1: Analyse der Lichtmetaphorik und der besonderen Stellung der Dame in diesem Lied.
5.2 Lied 140,32: Untersuchung der Natursymbolik und der Stimmungsumschwünge innerhalb dieses Liedes.
5.3 Die Lieder 122,1 und 140,32 im Vergleich: Ein direkter Vergleich der beiden Lieder hinsichtlich ihrer Thematik der Schönheitsüberhöhung und der Kronenmetaphorik.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Analyseergebnisse bezüglich der Rolle der Dame und des Frauenpreises bei Heinrich von Morungen.
Schlüsselwörter
Heinrich von Morungen, Minnesang, Hohe Minne, Frauenpreis, Laudative Rede, Minnekanzone, Lichtmetaphorik, Kronenmotiv, Mittelalterliche Literatur, Liebeslyrik, Preislied, Klassischer Minnesang, Tugend, Schönheitsideal, Rollendichtung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Minnedame bei dem bedeutenden Minnesänger Heinrich von Morungen und beleuchtet dabei speziell die Ausgestaltung des sogenannten Frauenpreises.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen des Minnesangs, die Gattung der laudativen Preiskanzone und die spezifische Bildsprache, die Morungen zur Überhöhung seiner Minneherrin einsetzt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, durch die Analyse der Lieder 122,1 und 140,32 aufzuzeigen, wie Morungen durch die detaillierte Beschreibung der weiblichen Schönheit eine Neuerung im klassischen Minnesang etabliert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textnahe Analyse der ausgewählten Lieder unter Berücksichtigung von Forschungsliteratur zur mittelhochdeutschen Minnekanzone angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Minne und zum Frauenpreis sowie in eine detaillierte Einzelanalyse der Lieder 122,1 und 140,32 inklusive eines vergleichenden Abschnitts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Heinrich von Morungen, Frauenpreis, Hohe Minne, Lichtmetaphorik und laudative Rede charakterisiert.
Welche Bedeutung hat das Kronenmotiv in den analysierten Liedern?
Das Kronenmotiv dient in beiden analysierten Liedern als Metapher, um die Minneherrin über alle anderen Frauen zu erheben und ihre absolute Einzigartigkeit zu unterstreichen.
Inwiefern unterscheidet sich Morungens Darstellung von der seiner Vorgänger?
Morungen gilt als der erste Dichter des deutschen Minnesangs, der die Schönheit der Frau in detaillierten Einzelzügen beschreibt, statt nur durch allgemeine Attribute oder Vergleiche auf sie hinzuweisen.
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- Anonym (Autor:in), 2013, Minnesang. Das Frauenpreislied bei Heinrich von Morungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283565