Einführung in die Humanistische Pädagogik nach Erich Fromm


Hausarbeit, 2013

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Haben und Sein: Begriffsklärung 4

3. Die humanistische Pädagogik Erich Fromms 5

4. Lernen 6

5. Lesen 9

6. Autorität 11

7. Fazit 12

8. Literaturverzeichnis 14

1. Einleitung

Erziehung ist ein unausweichlicher Teil unseres Lebens. Schließlich wird jeder Mensch in seiner Kindheit zwangsläufig zum Objekt von Erziehung. Dies fängt bei der Familie als erster Sozialisationseinheit an und erstreckt sich auf sämtliche soziale Systeme, in die der Einzelne bis zum Erreichen des Erwachsenenalters eingebunden wird. Später schlüpfen viele von uns selbst in die Rolle des Erziehers, sei es als Elternteil oder professioneller Pädagoge, und sehen sich spätestens dann mit der Frage konfrontiert, was denn eigentlich eine gute Erziehung ausmacht. Immerhin prägt uns kaum etwas so sehr wie die Erfahrungen, die wir als Zöglinge machen. Aus diesem Grund ist eine Reflexion über die Inhalte, Ziele, Konzepte, Werte und Normen von Erziehung unabdingbar. Etwas, das so fundamental in unser Leben eingreift und so unleugbar starke Auswirkungen sowohl auf den Einzelnen als auch die gesamte Gesellschaft hat, erfordert eine eingehendere Betrachtung. Die kritische Auseinandersetzung mit dem, was Erziehung leisten kann und soll, sowie der genaue Blick auf tatsächlich ausgeübte Erziehungsformen dienen jedoch nicht nur als Orientierungsrahmen für Erziehende, sondern geben uns auch Aufschluss darüber, wie sich aktuell vorherrschende und historisch gewachsene gesellschaftliche Strömungen in der Erziehung bemerkbar machen. Eine Analyse dieser Wechselwirkung liefert wertvolle Impulse für Theorie und Praxis, und ist deshalb ein durchaus lohnenswertes Unterfangen.

Aus der Fülle derjenigen, die sich im Laufe der Geschichte mit dieser Thematik beschäftigt haben, möchte ich für meine Hausarbeit den Psychoanalytiker und Sozialphilosoph Erich Fromm herausgreifen. Diese Wahl erscheint mir gerechtfertigt, denn auch wenn Fromm „kein Pädagoge […] war, geht er dennoch wiederholt auf die Erziehung des Menschen und pädagogische Grundprobleme […] ein“ (Claßen 1987, S. 9). Die pädagogisch relevanten Aspekte seines Denkens möchte ich im Folgenden anhand seines Buches „Haben oder Sein“ näher beleuchten. Hierbei lege ich besonderes Augenmerk auf das Kapitel „Haben oder Sein in der alltäglichen Erfahrung“, das meiner Ansicht nach den besten Einblick in Fromms humanistisches Verständnis von Erziehung und Bildung gibt. Methodisch verwende ich bei meiner Interpretation das wissenschaftliche Verfahren der Texthermeneutik nach Wolfgang Klafki (vgl. Rittelmeyer 2007, S. 125 ff.), auf welches ich allerdings im weiteren Verlauf meiner Arbeit nicht weiter eingehen werde.

2. Haben und Sein: Begriffsklärung

Bevor ich nun einzelne Passagen aus Erich Fromms erstmalig 1976 erschienenem Werk einer genaueren Analyse unterziehe, möchte ich die von ihm verwendeten Hauptbegriffe einführen und näher erläutern. Grundlage seines Denkens bildet die Unterscheidung menschlichen Erlebens in

zwei grundlegende Existenzweisen, zwei verschiedene Arten der Orientierung sich selbst und der Welt gegenüber, zwei verschiedene Arten der Charakterstruktur, deren jeweilige Dominanz die Totalität dessen bestimmt, was ein Mensch denkt, fühlt und handelt“ (Fromm 2001, S. 35).

Diese beiden konträren Orientierungen bezeichnet er mit Haben und Sein. „In der Existenzweise des Habens“, so Fromm, „ist die Beziehung zur Welt die des Besitzergreifens und Besitzens, eine Beziehung, in der ich jedermann und alles, mich selbst eingeschlossen, zu meinem Besitz machen will(ebd.). Glück findet der Mensch hier nur „in der Überlegenheit gegenüber anderen“ (ebd., S. 83), eine Einstellung, die laut Fromm „charakteristisch [ist] für den Menschen der westlichen Industriegesellschaft, in welcher die Gier nach Geld, Ruhm und Macht zum beherrschenden Thema des Lebens wurde“ (ebd., S. 31). Im Gegensatz dazu steht die Sein-Orientierung – „eine Existenzweise, in der man nichts hat und nichts zu haben begehrt, sondern voller Freude ist, seine Fähigkeiten produktiv nutzt und eins mit der Welt ist“ (ebd., S. 30). Es ist eine äußerst lebensbejahende Lebensform, bei der Glück im „Lieben, Teilen, Geben“ (ebd., S. 83) liegt und nicht in der Akkumulation von Status oder Besitz:

Ihr wesentlichstes Merkmal ist die Aktivität, nicht im Sinne von Geschäftigkeit, sondern im Sinne eines inneren Tätigseins, dem produktiven Gebrauch der menschlichen Kräfte. Tätigsein heißt, seinen Anlagen, seinen Talenten, dem Reichtum menschlicher Gaben Ausdruck zu verleihen“ (ebd., S. 89).

Sein hat aber noch eine weitere Bedeutung, es beschreibt auch „die wahre Natur, die wahre Wirklichkeit einer Person im Gegensatz zum trügerischen Schein“ (ebd., S. 35). In Anlehnung an die Ideale der Aufklärung nennt Fromm als „Voraussetzungen für die Existenzweise des Seins Unabhängigkeit, Freiheit und das Vorhandensein kritischer Vernunft“ (ebd., S. 89). Der wesentliche Unterschied zwischen Sein und Haben entspricht ihm zufolge „dem Unterschied zwischen dem Geist einer Gesellschaft, die den Menschen zum Mittelpunkt hat, und dem Geist einer Gesellschaft, die sich um Dinge dreht“ (ebd., S. 31). Wichtige Merkmale der Sein-Orientierung sind außerdem noch Wandel und Veränderung (vgl. ebd., S. 36), denn „lebende Strukturen können nur sein, indem sie werden, können nur existieren, indem sie sich verändern. Wachstum und Veränderung sind inhärente Eigenschaften des Lebensprozesses“ (ebd., S. 36). Das Sein in der Verwendung nach Fromm ist also ein eindeutig positiv besetzter Begriff und steht im Vergleich zum Haben für eine viel erstrebenswertere, da dem Geiste des Humanismus verhaftete, Art zu leben (vgl. Arnold 2002, S. 9f). Unsere aktuelle, gewinnorientierte Gesellschaft sieht Fromm allerdings als klassisches Beispiel für die Existenzweise des Habens (Fromm 2001, S. 73), die auch einen entsprechenden Gesellschafts-Charakter (vgl. ebd., S. 129) hervorgebracht hat:

„[D]ie Charakterstruktur des durchschnittlichen Individuums und die sozio-ökonomische Struktur der Gesellschaft, der diese angehört, [stehen] miteinander in Wechselbeziehung. Das Ergebnis der Interaktion zwischen individueller psychischer Struktur und sozio-ökonomischer Struktur bezeichne ich als Gesellschafts-Charakter. Die sozio-ökonomische Struktur einer Gesellschaft formt den Gesellschafts-Charakter ihrer Mitglieder dergestalt, daß sie tun wollen, was sie tun sollen . Gleichzeitig beeinflusst der Gesellschafts-Charakter die sozio-ökonomische Struktur der Gesellschaft: In der Regel wirkt er als Zement, der der Gesellschaftsordnung zusätzliche Stabilität verleiht (ebd.).

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Einführung in die Humanistische Pädagogik nach Erich Fromm
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Grundlagen der Bildungstheorie unter besonderer Berücksichtigung der geisteswissenschaftlichen Hermeneutik
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V283788
ISBN (eBook)
9783656836667
ISBN (Buch)
9783656836674
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Humanistische Pädagogik, Erich Fromm, Haben und Sein
Arbeit zitieren
Melanie Fuchs (Autor), 2013, Einführung in die Humanistische Pädagogik nach Erich Fromm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283788

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