Die Historie des deutschen Verlagswesens wurde durch zwei der bedeutendsten Verlage unserer heutigen Zeit geprägt: der Samuel Fischer Verlag und der Suhrkamp Verlag. Doch nicht nur mit ihren beiden Verlagsleitern, die mit Bedachtsamkeit ihre Aufgaben ausgeführt hatten, auch mit ihren namhaften Autoren gewannen diese Verlage vielschichtige Anerkennung.
Gegründet von Samuel Fischer im Jahre 1886, musste der S. Fischer Verlag gegen viele Hürden Widerstand leisten und sich später durch das Dritte Reich führen lassen. Zufolge der Begegnung Peter Suhrkamps mit dem Fischer Verlag begann nicht nur eine bereitwillige Geschäftsbeziehung, sondern auch eine vertrauensvolle Freundschaft zwischen ihm und der Fischer Familie, die jedoch wegen Unehrlichkeiten und falschen Entscheidungen zerbrach.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Samuel Fischer
2.1 Gründung des Fischer Verlags
3 Peter Suhrkamp
3.1 Der Einstieg in den S. Fischer Verlag
4 Die NS-Zeit: P. Suhrkamp rettet den S. Fischer Verlag
4.1 Die Zeit im Exil
5 Verletzung des Vertrauens
6 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den historischen Verlauf und die Teilung des traditionsreichen S. Fischer Verlags vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Herrschaft und der komplexen Beziehung zwischen Gottfried Bermann Fischer und Peter Suhrkamp. Ein zentrales Ziel ist es, die Beweggründe von Peter Suhrkamp für die spätere Verweigerung der Verlagsrückgabe trotz früherer Versprechen zu analysieren.
- Gründung und Entwicklung des S. Fischer Verlags unter Samuel Fischer.
- Die Rolle von Peter Suhrkamp als Leiter des Verlags in der NS-Zeit.
- Flucht der Familie Fischer ins Exil und die damit verbundenen vertraglichen Herausforderungen.
- Der Vertrauensbruch nach dem Zweiten Weltkrieg und die rechtliche Auseinandersetzung um die Verlagsrechte.
- Der Einfluss externer Akteure wie Hermann Hesse auf die finale Verlagsentscheidung.
Auszug aus dem Buch
Die Zeit im Exil
Mit reinem Gewissen und einer Erleichterung trotz der Erkenntnis die Heimat für eine ungewisse Zeit verlassen zu müssen, wanderte Familie Fischer aus. Gottfried Bermann Fischer drückte seine Verzweiflung wie folgt aus:
„Wie kann ich den Abschied von Deutschland schildern? Wie kann ich sagen, was ich empfand, als ich meinen Mitarbeitern im Verlag zum letzten Mal gegenübertrat? Zum letzten Mal! Daß es ein letztes Mal, ein Ende gab! Es war wie ein Tod, den ich lebend erlebte.“
Im Jahre 1936 wanderte Familie Fischer zunächst nach Wien aus, wo sie nur zwei Jahre verbringen werden sollten. Dort gründete G. Bermann Fischer den Exilverlag neu, als Bermann-Fischer Verlag Ges.m.b.H. Am 11. März 1938 wurde Familie Fischer mit der Nachricht bestürzt, dass deutsche Truppen einmarschiert waren, womit der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich folgte. Eine erneute Flucht stand bevor, mit dem Ziel nach Zürich. Durch das Kindermädchen, das in Wien zurückgeblieben war, wurden sie über aktuelle Geschehnisse im Land benachrichtigt. Die Verlagsgesellschaft, die G. Bermann Fischer in Wien hinterlassen hatte, verfiel aufgrund der Flucht in staatlichen Besitz. Bereits vier Monate nach der Flucht aus Wien wanderte Familie Fischer nach Stockholm und gründete dort den Bermann-Fischer Verlag Aktiebolag. Am 9. April 1940 gab es eine Besetzung Norwegens von deutschen Truppen, was für Familie Fischer eine erneute Flucht bedeutete.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Geschichte des S. Fischer und Suhrkamp Verlags ein und legt die Forschungsfrage zur historischen Teilung des Unternehmens dar.
2 Samuel Fischer: Das Kapitel beleuchtet die Biografie des Verlagsgründers von seiner Herkunft bis zum Aufbau seines ersten eigenen Verlags in Berlin.
2.1 Gründung des Fischer Verlags: Hier wird der Prozess der formellen Gründung und die erste geschäftliche Etablierung des S. Fischer Verlags beschrieben.
3 Peter Suhrkamp: Dieser Abschnitt zeichnet den Lebensweg Suhrkamps vom Lehrer über seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg bis hin zu seiner journalistischen Karriere nach.
3.1 Der Einstieg in den S. Fischer Verlag: Der Fokus liegt auf dem Beginn der Zusammenarbeit zwischen Suhrkamp und Samuel Fischer sowie Suhrkamps beruflicher Integration in den Verlag.
4 Die NS-Zeit: P. Suhrkamp rettet den S. Fischer Verlag: Das Kapitel thematisiert die Gefährdung des jüdischen Verlags durch die Nationalsozialisten und die Übertragung der Leitung an Suhrkamp.
4.1 Die Zeit im Exil: Es wird die Flucht der Familie Fischer über Wien nach Stockholm und die Gründung von Exilverlagen geschildert.
5 Verletzung des Vertrauens: Hier wird der Konflikt um die Rückgabe des Verlags nach dem Krieg und die vertraglichen Komplikationen zwischen Fischer und Suhrkamp analysiert.
6 Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Verlagsgeschichte und der Rolle der beiden Protagonisten ab.
Schlüsselwörter
S. Fischer Verlag, Peter Suhrkamp, Gottfried Bermann Fischer, Verlagswesen, Nationalsozialismus, Arisierung, Exilverlag, Verlagsgeschichte, Vertrauensbruch, Zweiter Weltkrieg, Literatur, Testament, Trading with the Enemy Act, Hermann Hesse, Verlagsrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die komplexe Geschichte des S. Fischer Verlags und dessen Teilung infolge der politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die Verlagsgründung, der Einfluss des NS-Regimes auf jüdische Unternehmen, die Exilsituation der Familie Fischer sowie die folgenschweren Differenzen zwischen den Verlegern Fischer und Suhrkamp.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den historischen Prozess der Verlagsleitung und die Gründe für die verweigerte Rückgabe des Unternehmens durch Peter Suhrkamp nach 1945 zu entschlüsseln.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine historische Analyse durch die Auswertung von Verlagschroniken, Biografien, Briefwechseln und zeitgenössischen Dokumenten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch: Von den Anfängen unter Samuel Fischer über die schwierige Zeit unter Suhrkamp während der NS-Diktatur bis hin zu den rechtlichen und persönlichen Auseinandersetzungen nach dem Zweiten Weltkrieg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind S. Fischer Verlag, Arisierung, Exil, Peter Suhrkamp, Vertrauensbruch und Verlagsgeschichte.
Welche Rolle spielte das Testament von Peter Suhrkamp in der Argumentation?
Das Testament dient als zentrales Beweisstück, da Suhrkamp darin explizit festhielt, den Verlag nur als Platzhalter für die Familie Fischer geführt zu haben, was seine späteren Handlungen widersprüchlich erscheinen lässt.
Wie beeinflusste Hermann Hesse die Entscheidung von Suhrkamp?
Hermann Hesse übte mit seiner Überzeugungskraft einen dominierenden Einfluss auf Suhrkamp aus und stärkte dessen Entschluss, den Verlag entgegen früherer Versprechen nicht an die Familie Fischer zurückzugeben.
- Arbeit zitieren
- Ellen Snow (Autor:in), 2013, Das Verhältnis der Verlage Fischer und Suhrkamp vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283834