Die vorliegende Arbeit wurde 1994 vom Fachbereich Philosophie und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg als Dissertation angenommen. Gedankt sei an dieser Stelle der Französischen Regierung und dem DAAD, die mir ein Stipendium für einen Studien- und Forschungsaufenthalt in Paris ermöglichten, der Friedrich-Ebert-Stiftung, die mir ein Promotionsstipendium gewährte sowie der Jürgen Rickertsen Stiftung für die Übernahme der Druckkosten. Für die engagierte Betreuung meiner Arbeit danke ich Herrn Priv.Doz. Bernhard H.F. Taureck und Herrn Prof.Dr. Wolfgang Detel. Vielen Freunden/-innen sei für Anregungen, Kritik sowie moralische und praktische Hilfe gedankt. Ganz besonderer Dank gebührt dabei Herrn Karl-Jürgen Hanßmann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Das Problem der Ethik bei Sartre: Eine erste Formulierung der Fragestellung
1.2. Forschungsliteratur und Präzisierung der Fragestellung
1.2.1. Zur Ontologie und Freiheitstheorie
1.2.2. Literatur zur Ethik Sartres
1.2.3. Literatur zum Verhältnis von Ontologie und Ethik
1.2.3.1. Hauptargumente gegen eine Vereinbarkeit von Ontologie und Ethik
1.2.3.2. Hauptargumente für die Vereinbarkeit
1.2.3.3. Zusammenfassung zur Forschungsliteratur
1.3. Die Begriffe "normative Ethik" und "Metaethik"
1.4. Die Fragestellung der vorliegenden Arbeit
1.5. Das Hauptergebnis der vorliegenden Arbeit
1.6. Die methodischen Ziele der vorliegenden Arbeit
1.7. Vertiefte Anwendung des methodischen Zieles auf die Theorie des Für-Sich als Mangel bei Sartre
1.8. Die Gliederung der vorliegenden Arbeit
1.9. Zur Klärung einiger, in der vorliegenden Arbeit verwendeter Begriffe
1.10. Primärtexte
1.10.1. Texte von Sartre
1.10.2. Texte aus dem Umkreis von Sartre
2. "Alle menschlichen Tätigkeiten sind äquivalent"
2.1. Das Für-Sich als Mangel
2.1.1. An-Sich und Für-Sich
2.1.1.1. "An-Sich" und "Für-Sich" bei Sartre: kurze, vorläufige Erklärung
2.1.1.2. Das Sein des An-Sich und das Sein des Für-Sich
2.1.1.3. Exkurs: Zu den Bedeutungen des Wortes "être" bei Sartre
2.1.2. Der Begriff des Mangels im allgemeinen bei Sartre
2.1.2.1. Der Mangel als Dreiheit
2.1.2.2. Der Mangel als "négation interne"
2.1.2.2.1. "Négation interne" und "négation externe" bei Sartre
2.1.2.2.2. Der Mangel als "négation interne"
2.1.2.2.3. Die bestimmende Funktion der "négation interne", insbesondere im Falle des Mangels als "négation interne"
2.1.2.2.4. Gegenstandsbereich der "négation externe" und der "négation interne"
2.1.2.2.5. Das Erscheinen des Mangels als "négation interne" in der Welt
2.1.3. Das Für-Sich als Mangel
2.1.3.1. "Der Mensch ist Mangel" als notwendige Bedingung für "Der Mangel kommt nur durch den Menschen in die Welt"
2.1.3.2. "Der Mensch ist Mangel", begründet durch das Verlangen
2.1.3.3. Das Mangelnde des Für-Sich
2.1.3.4. Zwei Aspekte des Verhältnisses zwischen An-Sich und Für-Sich
2.1.3.4.1. Die Selbstbestimmung des Für-Sich
2.1.3.4.2. Der ontologische Akt
2.1.3.4.3. Selbstbestimmung des Für-Sich und ontologischer Akt: zu ihrem Verhältnis
2.1.3.5. Das für die vorliegende Arbeit bedeutsame Ergebnis
2.1.3.6. Die Frage nach dem Sprung in der Argumentation
2.1.4. Das Mögliche ("possible") bei Sartre
2.1.4.1. Bestehendes, Mangelndes und Verfehltes der menschlichen Wirklichkeit
2.1.4.1.1. Das Mögliche als das Mangelnde des Für-Sich
2.1.4.1.2. Zur Begriffsverwendung
2.1.4.1.3. Lesarten zum Unterschied zwischen "possible" und "soi"
2.1.4.2. Das Sein des Möglichen
2.1.4.2.1. "Das Mögliche ist eine objektive Struktur von Seiendem"
2.1.4.2.1.1. Das Mögliche ist keine "réalité subjective": Zurückweisung der Positionen von Leibniz und Spinoza
2.1.4.2.1.2. Das Mögliche ist eine konkrete Eigenschaft bestehender Realitäten
2.1.4.2.1.2.1. Der Mensch muß sein eigenes Mögliches sein
2.1.4.2.1.2.2. Der Mensch muß "présence à soi" sein, damit die Möglichkeit in der Welt auftaucht
2.1.4.2.1.2.3. Nochmals: Das Mögliche ist keine psychische Realität
2.1.4.2.2. Das Mögliche ist nicht
2.1.4.2.3. Das Mögliche ist "par delà l'être"
2.1.4.2.4. Das Mögliche (er)möglicht sich
2.1.4.3. Korrekturen und Ergänzungen meiner Interpretation des "Möglichen" bei Sartre auf der Grundlage einer Analyse von Sartres Aussagen zum Sein des Möglichen
2.1.4.4. Zusammenfassung zum Möglichen des Für-Sich bei Sartre
2.2. Die eingeschränkte Bedeutung von Aussagen wie "Alle menschlichen Handlungen sind äquivalent"
2.2.1. Die "pessimistischen" Aussagen Sartres
2.2.2. Die "nihilistischen" Äußerungen
3. Der "Wert" bei Sartre
3. L Exkurs: Sartres Theorie des Entwurfes
3.2. Kurze Zusammenfassung der wesentlichen Bestimmungen des "Wertes" bei Sartre
3.3. Die Bestimmungen der Kategorie des "Wertes" im einzelnen
3.3.1. Der Wert ist das Sein des "soi"
3.3.2. "Valeur suprême" und Hierarchie der konkreten Werte
3.3.3. Die Subjektivität der Werte
3.3.3.1. Die Werte kommen durch den Menschen in die Welt
3.3.3.2. Sartre und der "esprit de sérieux"
3.3.3.2.1. Die Wertphilosophie Max Schelers
3.3.3.2.2. Der "esprit de sérieux" in den "Cahiers pour une morale"
3.3.3.3. Werte werden durch die Handlungen der Menschen geschaffen
3.3.3.4. Angst und moralisches Bewußtsein
3.3.4. Der Wert ist und ist nicht
3.3.5. Der Wert als Forderung
3.3.5.1. Der Wert als Forderung in "L'être et la néant"
3.3.5.2. "Valeur" und "exigence" in den späteren Werken
3.3.5.3. Verallgemeinerbarkeit des Wertes?
3.3.6. "Wir wählen nur das Gute"
3.4. Zusammenfassung
3.5. Vereinbarkeit der Werttheorie Sartres mit einer normativen Ethik und/oder Metaethik: Vereinbarkeitsthese
3.5.1. Kombination des Wertbegriffes bei Sartre mit einer normativen Ethik und/oder Metaethik: Vereinbarkeitsthese
3.5.2. Das Problem einer Dualität in Sartres Ausführungen zum Wert
3.5.2.1. Werte in der Welt, die von anderen geschaffen wurden
3.5.2.2. Werte in der Welt, die von mir hervorgebracht wurden
3.5.3. Die spätere Unterscheidung zwischen Wert und Forderung als Ausdruck der Dualität
3.5.4. Ergebnis
4. Freiheit und normative Ethik und/oder Metaethik
4.1. Sartres Freiheitsbeweise in "L'être et le néant"
4.1.1. Freiheit als Voraussetzung der Frage als eine menschliche Verhaltensweise: Von der Frage zur Freiheit
4.1.1.1. Sartres Argumentation
4.1.1.2. Die Bedeutung dieses Freiheitsbeweises für das Verhältnis "Freiheit - normative Ethik"
4.1.2. Intentionalität und Freiheit
4.1.2.1. Sartres Argumentation
4.1.2.2. Vergleich der beiden Freiheitsbeweise
4.1.2.3. Die Bedeutung des zweiten Beweises für das Verhältnis "Freiheit - normative Ethik"
4.1.3. Ergebnis der Erörterung und weiterführende Fragen
4.2. Exkurs: Freiheit - Entwurf
4.3. Freiheit und Anlässe bzw. Antriebe
4.3.1. Sartres Theorie der Anlässe und Antriebe als Versuch eines dritten Weges zwischen Deterministen und Vertretern einer Freiheit der Indifferenz
4.3.1.1. "Le motif"
4.3.1.2. "Le mobile"
4.3.1.2.1. Die erste Bedeutung des Wortes "mobile": Konstitution
4.3.1.2.2. Die zweite Bedeutung des Wortes "mobile": Ein neues Verhältnis von "motif" und "mobile"
4.3.1.2.3. Zwei Bedeutungen des Wortes "mobile"?
4.3.1.3. Versuch einer Systematisierung der Theorie der "motifs" und "mobiles"
4.3.2. Bedeutung der Ergebnisse für die Frage "Freiheit - normative Ethik"
4.3.2.1. Die Theorie der Anlässe und Antriebe als Modell für das Verhältnis "Freiheit - normative Ethik?"
4.3.2.2. Bedeutung der Ergebnisse für das Verhältnis "Freiheit - normative Ethik"
4.3.3. Bedeutung der Anlässe und Antriebe, sobald sie vom Für-Sich als solche gewählt wurden
4.3.4. Freiheit und Wille
4.4. Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse zum Verhältnis "Freiheit - normative Ethik und/oder Metaethik"
4.5. Vereinbarkeit und gegenseitige Ergänzung dieser Ergebnisse mit den Ergebnissen des Kapitels über Sartres Werttheorie
4.6. Die Vereinbarkeit von Freiheit mit normativer Ethik und/oder Metaethik
4.6.1. "Les mouches" als konkretes Beispiel der Vereinbarkeit von normativer Ethik und Freiheit
4.6.2. Freiheit in Situation
4.6.2.1. 459
4.6.2.2. Bedeutung für das Verhältnis "Freiheit - normative Sartres Theorie der. Freiheit in Situation"
4.7. Freiheit als kreative Freiheit: "La liberté cartésienne"
4.8. Die Nutzlosigkeit einer normativen Ethik: Versuch einer Lösung des Problems
4.8.1. Lösungsvorschlag
4.8.2. Normative Ethik als Appell
4.8.3. Zusammenfassung der Ergebnisse zur Frage der Nützlichkeit einer normativen Ethik und/oder einer Metaethik
4.9. Nihilismus?
4.10. Zusammenfassung des Kapitels
5. Zusatz: Normative Ethik und Metaethik - Unaufrichtigkeit, reine Reflexion, Authentizität und Freiheit als oberstes Ziel
6. Zusammfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht in der Untersuchung der Vereinbarkeit der Ontologie von Sartres Werk "L'être et le néant" mit einer normativen Ethik und/oder Metaethik. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob Sartres ontologische Grundlagen Ethiksysteme generell verbieten oder ob sie lediglich bestimmte Einschränkungen implizieren, ohne die Möglichkeit einer Ethik an sich auszuschließen.
- Ontologische Fundierung bei Sartre (An-Sich, Für-Sich, Mangel)
- Verhältnis von ontologischer Freiheit und moralischer Normativität
- Analytische Untersuchung der Begriffe "normative Ethik" und "Metaethik"
- Kritische Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur zur Sartre-Ethik
- Die Rolle der "Sartreschen Werte" gegenüber traditionellen normativen Systemen
Auszug aus dem Buch
Das Problem der Ethik bei Sartre: Eine erste Formulierung der Fragestellung
Die Frage einer Ethik bei Sartre reizt immer wieder Autoren zu Stellungnahmen und Untersuchungen. Dies verwundert nicht. So dürften sich viele Leser, die sich mit Sartre beschäftigen, bei erster Betrachtung mit immensen moralphilosophischen Problemen konfrontiert sehen. Eines dieser Probleme sei hier als Beispiel genannt: In Sartres erstem Hauptwerk EN finden sich Äußerungen wie "Alle menschlichen Handlungen sind gleichwertig" (EN, S. 721), es sei egal, ob sich jemand in Einsamkeit betrinke oder Völker führe (EN, S. 721), oder der Mensch sei die Quelle aller Werte, aber nichts rechtfertige ihn, diesen oder jenen Wert zu wählen (EN, S. 76). Wie nun, so wird sich mancher Leser fragen, sind solche Aussagen vereinbar mit Sartres doch sehr intensivem politischen Engagement?
Weitere Probleme ließen sich hinzufügen. Die-se Probleme werfen immer wieder die Frage nach Sartres Ethik wie auch die nach dem Verhältnis von Ontologie und Ethik bei Sartre auf. Nun kann unter der Frage nach der Ethik bei Sartre sehr Unterschiedliches verstanden werden. Dies zeigen auch die unterschiedlichen Ansätze der Forschungsliteratur. Eine systematische Arbeit über die Ethik Sartres müßte also zunächst deutlich machen, welcher Frage sie nachgeht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung ein, grenzt den Forschungsgegenstand ab und erläutert die methodische Herangehensweise an Sartres Werk im Kontext der Ethikdebatte.
2. "Alle menschlichen Tätigkeiten sind äquivalent": Hier wird die ontologische Basis untersucht, insbesondere die Struktur des Für-Sich als Mangel, um die Voraussetzungen für Sartres oft zitierte Aussagen zur Äquivalenz menschlicher Handlungen zu verstehen.
3. Der "Wert" bei Sartre: Dieser Abschnitt analysiert den spezifischen Wertbegriff bei Sartre und prüft, inwiefern dieser mit traditionellen Vorstellungen von Ethik und Werten vereinbar oder inkompatibel ist.
4. Freiheit und normative Ethik und/oder Metaethik: In diesem zentralen Kapitel wird die Vereinbarkeit von Sartres radikaler Freiheitstheorie mit den Anforderungen normativer ethischer Systeme erörtert und die Frage der Nützlichkeit einer solchen Ethik gestellt.
5. Zusatz: Normative Ethik und Metaethik: Dieses Kapitel betrachtet die Zusammenhänge zwischen Unaufrichtigkeit, Authentizität und der Möglichkeit, innerhalb des sartreschen Rahmens eine authentische ethische Haltung einzunehmen.
6. Zusammfassung: Abschließend werden die Ergebnisse der Untersuchung gebündelt und die Vereinbarkeit von Sartres Ontologie mit einer Ethik bekräftigt, wobei die spezifischen Grenzen dieser Vereinbarkeit hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Jean-Paul Sartre, L'être et le néant, Existentialismus, Ontologie, Ethik, Metaethik, Freiheit, Werttheorie, Authentizität, Für-Sich, An-Sich, Mangel, Faktizität, normative Ethik, moralische Verantwortung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Sartres ontologische Philosophie, wie sie in "L'être et le néant" dargelegt wird, eine normative Ethik oder Metaethik zulässt oder ob sie ethische Systeme grundsätzlich ausschließt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Ontologie Sartres (das Für-Sich, der Mangel), seine Theorie der Freiheit sowie der Begriff des Wertes bei Sartre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass Sartres Ontologie eine normative Ethik nicht grundsätzlich verbietet, auch wenn die Handlungen des Menschen faktisch unbeeinflusst von ethischen Systemen bleiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine systematische Rekonstruktion und Interpretation der sartreschen Texte durch, wobei er insbesondere Wert auf die genaue Analyse der Begriffe und des philosophischen Kontextes legt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem Mangel, der Werttheorie und der Freiheit bei Sartre sowie der Frage, wie diese Konzepte mit normativen ethischen Forderungen in Einklang gebracht werden können.
Welche Rolle spielt die Forschungsliteratur?
Die Forschungsliteratur wird kritisch analysiert, um aufzuzeigen, dass viele Interpreten Sartres Aussagen zur Unmöglichkeit einer Ethik aufgrund einer mangelnden Differenzierung in der Forschung falsch verstehen.
Wie löst der Autor das Problem der "Äquivalenz aller Handlungen"?
Er argumentiert, dass diese Aussagen Sartres aus dem Kontext der ontologischen Synthese zu verstehen sind und nicht bedeuten, dass ethische Kriterien zur Bewertung konkreter Handlungen unmöglich wären.
Kann ein Mensch bei Sartre authentisch sein?
Ja, Authentizität ist laut der Arbeit möglich, indem der Mensch sich seiner Freiheit bewusst wird, die Verantwortung für seine Werte übernimmt und erkennt, dass diese durch seine eigenen Handlungen geschaffen werden.
- Quote paper
- Uwe Töllner, Dr. (Author), 1995, Sartres Ontologie und die Frage einer Ethik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28388