Dass das Elternhaus den Schulerfolg junger Menschen in Deutschland maßgeblich bestimmt, ist allgemein bekannt. Doch in welchem Ausmaß genau und was sind die Gründe dafür? Diesen und anderen Fragen ist diese Hausarbeit nachgegangen.
In Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes heißt es: „Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Die Ergebnisse der PISA-Studie aus dem Jahr 2000 haben jedoch deutlich gemacht, dass die soziale Herkunft in Deutschland auf den schulischen Erfolg der SchülerInnen so viel Einfluss hat, wie in keinem anderen der untersuchten OECD-Staaten. Die weiteren PISA-Studien aus den Jahren 2003 und 2006, die IGLU-Studien von 2001 und 2006 sowie verschiedene kleinere Studien, die aufgrund der PISA- und IGLU-Ergebnisse durchgeführt wurden, kamen ebenfalls zu diesem Schluss.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen
2.1. Soziale Herkunft
2.2. Soziale Ungleichheit
2.3. Schulerfolg
3. Forschungsstand und (mögliche) Gründe
3.1. Die Ergebnislage zum Schulerfolg von GrundschülerInnen und dem Zusammenhang mit der sozialen Herkunft
3.2. Die Ergebnislage zum Schulerfolg von SchülerInnen und Schülern der Sekundarstufe und dem Zusammenhang mit der sozialen Herkunft
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den aktuellen Forschungsstand dazu, wie die soziale Herkunft – definiert über den sozioökonomischen Status der Herkunftsfamilie – den Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland maßgeblich beeinflusst oder bestimmt.
- Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg
- Einfluss des sozioökonomischen Status auf Bildungschancen
- Ursachen von Bildungsungleichheiten im deutschen Schulsystem
- Rolle von Elternhaus, Einkommen und Bildungsaspiration
- Auswirkungen der frühen Selektion auf den Bildungsweg
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Ergebnislage zum Schulerfolg von SchülerInnen und Schülern der Sekundarstufe und dem Zusammenhang mit der sozialen Herkunft
Bei den Jugendlichen zwischen 12 und 21 Jahren liegt der Anteil derer, die eine Klasse wiederholen müssen umso höher, je niedriger die soziale Herkunftsschicht ist. So betrug der Anteil der Jugendlichen aus der Unterschicht, die eine Klasse wiederholen mussten, im Jahr 2010 22%, in der Mittelschicht waren es 20% und in der Oberschicht 17%. Am geringsten war der Anteil in der oberen Mittelschicht mit 15% (vgl. Leven/ Hurrelmann/ Quenzel 2011, S. 79).
Insgesamt gehören „rund 40 Prozent der Schüler [und Schülerinnen], die Realschulen, Integrierte Gesamtschulen oder Schulen mit mehreren Bildungsgängen [nicht in allen Bundesländern vorhanden, in NRW durch die Sekundarschule in Planung] besuchen, zu den Schülern [und SchülerInnen], mit mindestens einem Misserfolg [Sitzenbleiben, Wechsel zu einer weniger anspruchsvollen Schule]“ (Schümer 2004, S. 77).
Wie an den Grundschulen, zeichnet sich auch an den weiterführenden Schulen ein Unterschied zwischen den verschiedenen sozialen Herkünften ab. Demnach haben 46% der SchülerInnen „aus der Unterschicht [...] bereits einmal die Erfahrung des drohenden Sitzenbleibens gemacht“, während dies in der Oberschicht lediglich auf 24% der SchülerInnen zutrifft (Leven/ Hurrelmann/ Quenzel 2011, S. 78). Ein Zusammenhang in dieser Hinsicht findet sich auch darin, dass der Anteil von SchülerInnen, die tatsächlich eine Klasse wiederholen mussten, an Hauptschulen 2010 mit 28% doppelt so hoch war, wie an Gymnasien (14%). An Realschulen betrug er 19% (ebd., S. 79). Da Gymnasien in stärkerem Maße von SchülerInnen der oberen als der unteren Schicht besucht werden, bzw. Hauptschulen einen wesentlich höheren Anteil an SchülerInnen der unteren Schicht aufweisen, scheint es nur eine Frage der Betrachtungsweise zu sein, um Auskunft über den Anteil der zurückgestuften SchülerInnen an den jeweiligen Schulformen zu bekommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema Bildungsgerechtigkeit im Kontext des Grundgesetzes und identifiziert den starken Einfluss der sozialen Herkunft auf den Schulerfolg als zentrales Problem im deutschen Bildungssystem.
2. Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begrifflichkeiten soziale Herkunft, soziale Ungleichheit und Schulerfolg, um ein einheitliches Verständnis für die weitere Untersuchung zu schaffen.
3. Forschungsstand und (mögliche) Gründe: Es werden Ergebnisse verschiedener Studien (PISA, IGLU, etc.) analysiert, die den Zusammenhang zwischen Herkunft und Schulerfolg sowohl für den Grundschul- als auch den Sekundarstufenbereich belegen und mögliche Ursachen diskutieren.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Vererbung von Bildungschancen im deutschen Schulsystem und unterstreicht die bildungspolitische Notwendigkeit eines gerechteren Bildungssystems.
Schlüsselwörter
Soziale Herkunft, Schulerfolg, Bildungschancen, soziale Ungleichheit, sozioökonomischer Status, Bildungsaspiration, Bildungsverlierer, Bildungssystem, PISA-Studie, IGLU-Studie, Hauptschule, Gymnasium, Elternhaus, Bildungsgerechtigkeit, Selektion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, inwieweit die soziale und ökonomische Herkunft von Kindern und Jugendlichen deren Erfolg im deutschen Bildungssystem determiniert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind der Einfluss des Elternhauses, die Rolle des Haushaltseinkommens, bildungsspezifische Disparitäten sowie die Auswirkungen des gegliederten Schulsystems auf die Bildungskarriere.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu klären, wie die soziale Herkunft den Schulerfolg der Schülerinnen und Schüler in der Bundesrepublik Deutschland beeinflusst oder grundlegend bestimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes auf Basis renommierter Bildungsstudien wie PISA, IGLU, der Shell Jugendstudie und der World Vision Kinderstudie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe definiert und anschließend die Ergebnislagen zu den Bildungschancen in der Grundschule sowie in der Sekundarstufe detailliert gegenübergestellt und analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie soziale Herkunft, Bildungsungleichheit, sozioökonomischer Status, Schulerfolg und Bildungsgerechtigkeit charakterisieren.
Welche Rolle spielt das Haushaltseinkommen für den Schulerfolg laut den untersuchten Daten?
Das Einkommen ist zwar dem Bildungsabschluss der Eltern oft nachrangig, hat jedoch laut der Analyse von Choi dennoch einen erheblichen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer Gymnasialempfehlung.
Warum wird im Text von einer "Bildungsverspätung" gesprochen?
Der Begriff beschreibt Phänomene wie das Sitzenbleiben oder spätere Einschulungen, die bei Kindern aus unteren sozialen Schichten häufiger auftreten als bei Kindern aus oberen Schichten.
- Citation du texte
- Marie Bolderer (Auteur), 2012, Wie die soziale Herkunft den Schulerfolg von Schülerinnen und Schülern determiniert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283890