Italien ist weltweit bekannt als das Land mit den vielen Dialekten. Tatsächlich kann man in der Apennin Halbinsel außer das Italienische auch zahlreiche weitere romanischen und nichtromanische Sprachen sowie Dialekte finden. Einer ihrer Regionen die aufgrund ihrer politischen und sprachlichen Situation besonders herausragt ist das Aosta-Tal.
Das Aosta-Tal liegt im Nordwesten, im Dreiländereck Italien, Frankreich, Schweiz und es ist nicht nur territorial, aber auch Einwohnermäßig die kleinste Region der Apennin Halbinsel. Nichtsdestotrotz ist sie aufgrund ihrer relativ komplexen sprachlichen Situation für Sprachwissenschaftler von besonderem Interesse. Zusammen mit Trentino-Südtirol und Friaul-Julisch-Venetien ist das Aosta-Tal einer der drei autonomen Regionen Italiens mit einen Sonderstatut. Dieses Sonderstatut erlaubt die Anerkennung einer weiteren Sprache neben der Nationalsprache Italienisch in den jeweiligen Regionen. Im Falle des Aosta-Tals ist das Französische die zweite Amtssprache. Diese Stellung des Französischen macht aus der italienischen Region ein Teil der Frankophonie, also die Gesamtheit der französischsprechenden Staaten. Neben dieser zwei Nationalsprachen werden ein patois - das Frankoprovenzalische - einen germanischen Dialekt - das Walser-Deutsch - und einen italienischen Dialekt - das Piemontesische – gesprochen; und weitere Sprachen und Dialekten sind durch die heutige Immigration dazu gekommen.
Das Aosta-Tal gibt in seiner Verfassung an, dass das Französische die gleiche Stellung wie das Italienischen in der Region habe. Nichtdestotrotz wird mit Hinblick auf die Frankophonie im Aostatal von einen Mythos gesprochen. Der Linguist Josserand äußert sich folgendermaßen über den Zustand des Französischen im Aosta-Tal: „La langue française […] est toutefois maintenue artificiellement. “ „Elle est une façade soigneusement ravalée. “
Da das Französische einer der Amtssprachen vom Aosta-Tal ist, stellt sich die Frage, warum in der Region so wenige Menschen diese sprechen. Um dies zu beantworten, werde ich zunächst die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse der Region erläutern. Daraufhin wird anhand des Beispiels Schule vorgestellt, wie die Verwendung der zwei Sprachen geregelt ist und ob diese der Anforderungen eines Bilingualismus in der Tat entspricht. Abschließend werden die Gründe für das Verschwinden des Französischen im Aosta-Tal vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte des Aostatal
3. Das Sonderstatut
3.1 Das Französische an den Schulen
3.2 Nur noch eine künstliche Aufrechterhaltung?
4. Schluss
5. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachliche Situation im italienischen Aostatal und geht der Forschungsfrage nach, inwiefern der offizielle, durch das Sonderstatut verankerte Bilingualismus in der Realität besteht oder ob das Französische lediglich künstlich aufrechterhalten wird.
- Historische Entwicklung der Sprachen im Aostatal
- Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen und des Sonderstatuts
- Sprachverwendung und Bildungsrealität im Aostatal
- Ursachen für den Rückgang des Französischen
- Soziolinguistische Bewertung der aktuellen Sprachsituation
Auszug aus dem Buch
Nur noch eine Künstliche Aufrechterhaltung?
Das Aosta-Tal befindet sich laut Statut in einer Bilingualen Situation. Ob dies jedoch auf der Realität zutrifft ist zweifelhaft. Das Linguistische Wörterbuch definiert folgendermaßen den Begriff „Bilingualismus“:
Das Bilingualismus ist entweder die gleich gute Beherrschung zweier Sprachen – die Fähigkeit, sich in der Zweitsprache so gut auszudrücken wie in der Erst- oder Muttersprache – oder die Beherrschung der zweiten Sprache nur in dem Maß, um sich von der ersten im gegebenen Fall unabhängig zu fühlen.
Im Aosta-Tal kann man also kaum von einer solchen Situation sprechen. Das Beispiel Schule zeigt, dass das Französische kein „muss“ ist, es bleibt also lediglich eine weitere Option neben dem Italienischen als Unterrichtssprache. Ebenso im Alltag der Aostaner scheint das Französische keinen Platz finden zu können. Eine Umfrage des Jahres 2002 im Auftrag der Fondation Chaneux ergab, dass von den Befragten Aostaner nur 0,5% Französisch in der Familie sprechen. Die Ergebnisse des Linguist Josserand sind zwar etwas höher, jedoch nicht von herausragender Bedeutung. Er gibt in seiner Untersuchung von 2003 an, dass nur annährend 1% der Aostanischen Bevölkerung zu Hause Französisch spricht. Demzufolge scheint es tatsächlich so, als ob trotz der Bemühungen der Region das Französische aufleben zu lassen, diese keinen positiven Ergebnissen erbringen. Die große Mehrheit der Bevölkerung gebraucht das Französische nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die komplexe sprachliche Situation der autonomen Region Aostatal und Vorstellung der zentralen Thesen und Forschungsfragen.
2. Die Geschichte des Aostatal: Überblick über die historische Entwicklung der Region von der Romanisierung bis zur faschistischen Italianisierungspolitik, welche die Grundlagen für die heutige Sprachlage legte.
3. Das Sonderstatut: Analyse der verfassungsrechtlichen Autonomie und der Bestimmungen zur sprachlichen Gleichstellung von Französisch und Italienisch.
3.1 Das Französische an den Schulen: Untersuchung der schulischen Sprachpolitik und der Diskrepanz zwischen gesetzlichem Anspruch und tatsächlicher Umsetzung im Unterricht.
3.2 Nur noch eine künstliche Aufrechterhaltung?: Kritische Hinterfragung der Lebensfähigkeit des Französischen im Alltag und der Auswirkungen historischer sowie soziologischer Faktoren auf den Spracherhalt.
4. Schluss: Fazit der Arbeit, das zu dem Ergebnis kommt, dass der Bilingualismus im Aostatal weitgehend als künstlich zu bezeichnen ist und das Französische zunehmend verdrängt wird.
5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Fachliteratur, Nachschlagewerke und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Aostatal, Französisch, Italienisch, Frankoprovenzalisch, Bilingualismus, Sonderstatut, Sprachpolitik, Frankophonie, Sprachwandel, Mehrsprachigkeit, Minderheitensprachen, Italianisierung, soziolinguistische Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die aktuelle sprachliche Situation im Aostatal, einer autonomen Region Italiens, in der laut Sonderstatut Französisch und Italienisch gleichberechtigte Amtssprachen sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Region, der Analyse der gesetzlichen Regelungen des Sonderstatuts, der Rolle des Schulsystems und der soziolinguistischen Realität der Sprachverwendung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob der verankerte Bilingualismus im Aostatal tatsächlich gelebt wird oder ob das Französische nur noch durch staatliche Vorgaben künstlich am Leben erhalten wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse linguistischer Fachliteratur sowie historischer Daten und Umfrageergebnisse zur Sprachennutzung im Aostatal.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den geschichtlichen Hintergründen, der rechtlichen Verankerung der Zweisprachigkeit im Sonderstatut sowie der praktischen Umsetzung und den soziokulturellen Gründen für den Rückgang des Französischen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Bilingualismus, Aostatal, Sprachpolitik, Minderheitensprachen und Frankophonie charakterisiert.
Welche Rolle spielt das Frankoprovenzalische für die Argumentation?
Das Frankoprovenzalische wird als die eigentliche, historische Muttersprache der Bevölkerung angeführt, um zu verdeutlichen, dass das Französische für viele Aostaner kulturell eine aufgezwungene Zweitsprache ist.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der Zukunft des Französischen?
Das Fazit ist pessimistisch: Die Arbeit konstatiert, dass das Französische im Aostatal kaum noch eine Rolle spielt und prognostiziert unter Berufung auf Experten, dass es langfristig von der dominierenden italienischen Sprache vollständig verdrängt werden könnte.
- Quote paper
- Alexia Soraia Pimenta Gomes Zonca (Author), 2014, Das Französische im Aostatal. Nur noch eine künstliche Aufrechterhaltung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/283911