Die Darstellung Asiens in Luis Palés Matos' Gedichtband "Azaleas"


Hausarbeit, 2014

10 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Historischer Kontext Asiens
1.1. China
1.2. Japan
1.3. Indien

2. Asiendarstellung in Azaleas
2.1. Darstellung des Hinduismus und des Buddhismus
2.2. Darstellung der Landschaft
2.3. Darstellung der Frauen
2.4. Darstellung des Orients als Gesellschaftsideal

Schlussbetrachtung

Bibliographie

Einleitung

Eine blühende, bunte Natur, zuvorkommende Menschen, eine Vielfalt an Leckerbissen und das gute alte Traditionsbewusstsein sind in unserer Gesellschaft wohl meist die ersten Assoziationen, die man mit dem Orient, genauer gesagt mit den Ländern China, Japan und Indien, in Verbindung bringt. Man hat meist klare Vorstellungen, wie es in diesen Ländern wohl aussehen muss, so sieht man in Indien belebte Straßen, auf denen sich auch Kühe zu sehen lassen bekommen, und an dessen Rand auch mal ein Yogi sitzen kann, der durch Meditation versucht, seine Erlösung zu erlangen. Mit China bringen wir meist eine bergige Landschaft und in neuster Zeit auch besonders einen blühenden Industriestaat mit klar definierten Regeln in der Gesellschaft in Verbindung. Vorstellungen von Japan sehen meist ähnlich aus.

Bei dem Erforschen des Gedichtbandes Azaleas, der im Jahr 1915 als erstes Werk von dem puerto-ricanischen Dichter Luis Palés Matos (1898-1959) veröffentlicht wurde, fällt ähnliches auf. Dieses Werk, das aus insgesamt 14 Gedichten besteht, beschreibt vor allem in dem Gedicht Nostalgia die vorbildliche Gesellschaft, die prächtige Landschaft und die eindrucksvollen Religionen des Orients und lobt diese mit höchsten Tönen. Doch inwiefern entsprechen diese Vorstellungen der Wirklichkeit?

Im Folgenden befasst sich der erste Teil mit einem kurzen Überblick der politischen Situation in den drei genannten Ländern. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Analyse der Darstellung Asiens in den Gedichten des Bandes Azaleas. Abschließend wird in der Schlussbetrachtung ein kleiner Vergleich dieser beiden Teile stattfinden und dann die Frage geklärt: Wie realistisch ist die Darstellung Asiens in dem Gedichtband von Palés Matos?

1. Historischer Kontext Asiens

1.1. China

Durch einen Militäraufstand am 10.10.1911 wurde die Qing-Dynastie, die seit 1644 an der Macht war, gestürzt und somit brach das Kaiserreich China zusammen. Die damit entstehende Republik China verfolgte das Ziel, „ein moderner, zivil geführter Nationalstaat zu werden, der westliche und chinesische Erfahrungen gleichermaßen berücksichtigte.“1 Dieser Versuch einer neuen Regierung brachte jedoch viele Probleme mit sich und so wurde die daraus hervorgegangene Regierung 1914 wieder aufgelöst.2 Auch schon kurz vor dieser Revolution hatte die Qing-Dynastie mit Reformbewegungen zu kämpfen, so beispielsweise mit dem Reformator Kang Youwei, der eine „Abschaffung des Alten und Verbreitung des Neuen“3 forderte. Insgesamt waren diese Zeiten bis 1915 also mit vielen politischen Spannungen verbunden und man versuchte, sich an den westlichen Strukturen zu orientieren und diese anzustreben.

1.2. Japan

Auch in Japan war die Zeit vor 1915 mit einigen Spannungen verbunden: Die Zeit des „kaiserliche[n] Japan[s]“4, das von 1890 bis 1919 andauerte, war von Kriegen mit China, Russland und Deutschland gekennzeichnet. Die politischen Änderungen ergaben sich beispielsweise aus dem kaiserlichen Reskript zur Erziehung, aus dem Jahr 1890, das eine „moderne Regierungstechnologie, von der viel von Deutschland übernommen war“5 vorsah. Insgesamt sehen wir also auch in Japan Instabilität und Reformbewegungen.

1.3. Indien

In Indien, das zu jener Zeit noch eine britische Kolonie war, wurden erste Forderungen der Unabhängigkeit laut. Die Briten waren an der Macht und so galt die Königin Victoria von Großbritannien als „Kaiserin von Indien“. Die politische Macht übte selbstverständlich auch im gesellschaftlichen Bereich großen Einfluss aus.6

2. Asiendarstellung in Azaleas

2.1. Darstellung des Hinduismus und des Buddhismus

Mit Asien verbindet Palés Matos ein bestimmtes Religionsbild. In seinem Gedicht Nostalgia benennt er die Götter „Brahma“ und „Buda“7 sofort in der ersten Strophe. Brahma ist einer der Hauptgötter des Hinduismus, der „die Funktion des Weltschöpfers“8 hat. Er wird als die oberste Macht gesehen, die weder Farbe noch Gestalt hat und als Ursprung der ganzen Welt gilt.9 Auch in den buddhistischen Schriften wird er genannt. Der Buddhismus ist „eine von Siddhārtha Gautama Śākyamuni >gestiftete< Religion“10. Dieser ist auch als Buddha bekannt und gilt als „Lehrer und Stifter[. Er] ist verehrungswürdig, ihm gebührt vorbehaltloses Vertrauen, und er gewährt in seiner geistigen Präsenz Hilfe allen, die ihn vertrauensvoll verehren.“11 Als Hauptziel des Buddhismus kann man die „Befreiung aus den Fesseln der selbstverursachten körperlichen, psychischen und mental wirksamen Verstrickungen“12 ansehen. Die Erwähnung der beiden Gottheiten in dem Gedicht kann man als eine Synekdoche auffassen, da sie stellvertretend für den gesamten Hinduismus und Buddhismus stehen. Wobei man in dem Gedicht keine klare Grenze zwischen den beiden Religionen vorfinden kann. Vielmehr werden sie als nebeneinander bestehende Glaubensrichtungen dargestellt, die sich ergänzen und vielleicht sogar zusammenschmelzen. So stirbt die Kaste „Paria“, die unterste Kaste im Hinduismus, auch die „Unberührbaren“ genannt, in der Gegenwart Buddhas13.

Buddha wird in dem Gedicht Nostalgia als eine erhabene und prächtige Person beschrieben: „Buda se eleva […] con una solemne grave majestad…“14. Mit „Hoheit“ oder „Majestät“ wird in der Regel ein mächtiger Herrscher angesprochen, den Buddha in diesem Fall darstellt. Weiter wird er als „gigante“ und „coloso“15 bezeichnet, was die hohe und mächtige Stellung unterstreicht und seine Macht symbolisiert. Seine Gottheit lässt sich in dem Vers 41 erkennen: „en la albura de sus ansias“16. Mit diesem blendenden Weiß assoziiert man einerseits seine Übernatürlichkeit und andererseits seine Reinheit. Auch die Tatsache, dass durch dieses blendende Weiß die Kaste der Paria sterben muss, also dass das „Minderwertige“ und „Böse“ in seiner Gegenwart weichen muss, charakterisiert Buddha als rein und gut. Als seine Heimat wird das Unendliche genannt17, was seine überdauernde Stellung andeutet und außerdem auf das Weltbild der Kreisläufe in den beiden Religionen hindeutet. Insgesamt wird in diesem Gedicht also ein sehr positives Bild von Buddha vermittelt.

Auch der Fluss Ganges, der durch Indien und Bangladesch fließt und als heiliger Fluss des Hinduismus gilt, wird in dem Gedicht angesprochen. Obwohl er mit wilden Wellen18 und mit dem Geschrei von wilden Tieren19 in Verbindung gebracht wird, was normalerweise eine ängstliche Stimmung hervorruft, wird er doch insgesamt als heiliger Fluss dargestellt, der durch heiliges Laub geschmückt wird20. Das Laub bezieht sich möglicherweise auf den Brauch der Hindus, die Asche der Verstorbenen in den Ganges zu zerstreuen. Das Laub könnte so als ein Symbol für das Leben in Kreisläufen stehen, da die Blätter am Baum wachsen, also Leben und durch das Abfallen langsam absterben, hierbei jedoch beispielsweise als Futter von Tieren weiterleben können. Weiterhin wird der Ganges als eine Stufe der „Leiter der Sehnsüchte“21 des lyrischen Ichs beschrieben. Mit dieser Leiter könnte vielleicht der Selbstfindungsprozess von Palés Matos selbst gemeint sein. Diesen Gedichtband gab er in dem jungen Alter von 17 Jahren heraus, ein Alter, in dem man bekanntlich dabei ist, seine eigene Persönlichkeit zu bilden und viele Werte der Kindheit zu hinterfragen. Diesen inneren Prozess kann man beispielsweise dem Gedicht Neurosis entnehmen, indem es heißt: „Yo no sé si soy sonámbulo o neurótico; / siento algos en el alma, y nos on míos…“22 Palés Matos ist vermutlich dabei, den eigenen christlichen Glauben in Frage zu stellen, da er hierin wahrscheinlich keine Erfüllung sieht. Dieser stellt ihn vielmehr vor die Tatsache der Sünde, wie man in den Gedichten Fruta prohibida und El cantar de los cantares erkennen kann und daher ist er nun offen für andere Religionen und deren Riten. Auch in dem Gedicht Ignorancia kann man diese Suche nach Erfüllung deutlich erkennen:

Jesucristo, Moisés, Mahoma, Buda,

me sumieron de súbito en la duda

pero seguí con la pregunta fijo,

[..]

que no pude entender lo que me dijo.23

Verwunderlich bei diesem Zitat ist jedoch, dass er auch Buddha und dessen Lehren nicht verstehen kann, die er, wie schon beschrieben, in dem Gedicht Nostalgia als gut und erhaben beschreibt. Seine Zuneigung zum Reinigungsritual im Ganges wird in dem letzten Vers des Gedichtes wiederum betont: „y me hundo en el Ganges como un hindú fanático.“24 Durch diesen Vergleich wird wiederum betont, dass das lyrische Ich ganz in den asiatischen Vorstellungen und Träumen versinkt. Gleichzeitig bildet dieser Vers den Abschluss des Gedichtbandes Azaleas. In dieser einzigartigen Stellung verweist er noch einmal verstärkt auf den Selbstfindungsprozess und dessen erhoffte Erfüllung in asiatischen Glaubensvorstellungen. Insgesamt werden die beiden Religionen jedoch nur sehr oberflächlich dargestellt und größtenteils nur auf die sichtbaren Riten reduziert.

2.2. Darstellung der Landschaft

Neben der Darstellung der fernöstlichen Religionen geht Palés Matos in dem Gedichtband auch auf die Landschaft Asiens ein. Alleine schon der Name Azaleas steht ganz klar für den Azaleenstrauch, der aus China, Indien und Japan stammt und dort als ein Glückssymbol gilt. Durch die Wahl dieses Titels für den Gedichtband sind klare Tendenzen des Interesses an der asiatischen Lebenswelt erkennbar. Außerdem charakterisiert Palés Matos Asien als „la tierra del té“25. Einerseits kann man diese Synekdoche mit den Teeplantagen in Verbindung bringen, für die besonders Indien und China heute immer noch bekannt sind. Auf diese Plantagen geht Palés Matos an anderer Stelle noch einmal ein und lobt den schönen Geruch, den diese verbreiten, so dass dadurch eine ideale Atmosphäre entsteht26. Mit dieser Beschreibung geht er auch auf den Geruchssinn ein, der durch den schönen Duft angesprochen wird. Andererseits kann man die Synekdoche auch auf die gesamte Pflanzenwelt beziehen, die durch die immer grünen Teepflanzen repräsentiert werden. Weiterhin wird schon die Luft an sich als herrschaftlich bezeichnet27. In den Vorstellungen des lyrischen Ichs über das alte Asiens ist die Luft vielleicht nicht so von Abgasen verpestet und es wünscht womöglich eine erfrischende und belebende Wirkung der Luft.

Auch einige Tiere Asiens werden in diesem Gedichtband angesprochen: Der Ibis, ein storchähnlicher Vogel, der sich erhebt28, kann als Metapher aufgefasst werden: so wie der Vogel sich in die Höhe erhebt, so wird auch das lyrische Ich durch den Anblick dieses Naturschauspiels und durch Gedanken an das „ideale Asien“ erfreut29. Außerdem werden auch noch die giftige Kobra30, der brüllende bengalische Tiger31, auch als Königstiger bekannt, und die Bengalkatze32 genannt. Mit diesen eher gefährlichen und angsteinflößenden Tieren möchte Palés Matos vielleicht auf die Abenteuerlichkeit Asiens anspielen, die für ihn als 17-jährigen bestimmt einen Anreiz ausübt. Dadurch, dass der brüllende Tiger jedoch mit den Wellen des Ganges in Verbindung gebracht wird, wird die drohende Gefahr verharmlost und auch die Bengalkatze wird verniedlicht, indem sie ihren Schwanz entfaltet. Zusammenfassend wird also auch die Landschaft mit der Flora und Fauna in dem Gedichtband idealisiert beschrieben.

[...]


1 Staiger (2003), S.628.

2 Vgl. Staiger (2003), S.628.

3 Vgl. Staiger (2003), S.615.

4 Hammitzsch (1984)2, S.295.

5 Hammitzsch (1984)2, S.295.

6 Vgl. Robinson (1989), S.123f.

7 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 3.

8 Glasenapp (1978), S.117.

9 Vgl. Glasenapp (1978), S.118.

10 Brück (2007), S.24.

11 Brück (2007), S.24-25.

12 Brück (2007), S.28.

13 Vgl. Palés Matos (1995), Nostalgia V. 38-40.

14 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 34-35.

15 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 38.

16 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 41.

17 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 39.

18 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 5.

19 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 42.

20 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 45.

21 Vgl. Palés Matos (1995), Nostalgia V. 44.

22 Palés Matos (1995), Neurosis V.1-2.

23 Palés Matos (1995), Ignorancia V.9-14.

24 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 50.

25 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 5.

26 Vgl. Palés Matos (1995), Nostalgia V. 10.

27 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 6.

28 Vgl. Palés Matos (1995), Nostalgia V. 9.

29 Vgl. Palés Matos (1995), Nostalgia V. 7.

30 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 40.

31 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 45.

32 Palés Matos (1995), Nostalgia V. 46.

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Details

Titel
Die Darstellung Asiens in Luis Palés Matos' Gedichtband "Azaleas"
Autor
Jahr
2014
Seiten
10
Katalognummer
V284141
ISBN (eBook)
9783656845539
ISBN (Buch)
9783656845546
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, asiens, luis, palés, matos, gedichtband, azaleas
Arbeit zitieren
Kristina Plett (Autor), 2014, Die Darstellung Asiens in Luis Palés Matos' Gedichtband "Azaleas", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284141

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