Platons Dialog „Kratylos“ gilt als die älteste vollständig überlieferte Schrift aus dem europäischen Raum, die sich mit Sprachphilosophie auseinandersetzt. Aus ihr erfahren wir, welche sprachphilosophischen Positionen dem damaligen Athen bereits bekannt waren und sie lässt Spekulationen darüber zu, wie Platon selbst über ebendiese Standpunkte dachte. Den Ausgangspunkt des Dialogs bildet die Beschäftigung mit der Frage, ob Namen durch Konvention festgelegt werden oder ob ihnen eine natürliche Richtigkeit zugrunde liegt. Die Auseinandersetzung mit diesen Positionen eröffnet weitere Fragen, die im Dialog behandelt werden. So setzt sich Platon bzw. sein literarischer Sokrates weiterhin mit den Fragen auseinander, inwiefern Namen überhaupt Dinge repräsentieren können, was von den Dingen durch Namen abgebildet werden sollte und wie etymologische Verfahren vor diesem Hintergrund einem Erkenntnisgewinn über die Dinge zuträglich sein können. Dies wiederum führt schließlich zu der Frage, wie das Sein selbst beschaffen ist, ob es als etwas ständig Fließendes im heraklitischen Sinne zu begreifen sei oder ob den seienden Dingen unveränderliche Ideen zugrunde liegen. Die vorliegende Arbeit wird sich an der Ausgangsfrage orientierend mit Platons Suche nach einer sinnvollen Theorie bei der Bildung und Zuordnung von Namen beschäftigen. Es soll hierbei der Frage nachgegangen werden, worin Platon ein Kriterium für die Richtigkeit von Worten sah und ob er hierbei den zeitgenössischen sprachphilosophischen Positionen etwas abgewinnen konnte. In einem ersten Schritt werden die Standpunkte zur Sprachphilosophie vor und zu Platons Zeit vorgestellt, die er im Dialog „Kratylos“ in zwei grundsätzlich gegenüberstehende Positionen bündelte. In einem weiteren Schritt wird gezeigt, inwiefern Platon sich mit ihnen auseinandersetzte. Hierbei wird auch Platons Ideenlehre als Möglichkeit zur Beantwortung der Fragestellung in Betracht gezogen und der Dialog „Kratylos“ auf mögliche Hinweise zur Ideenlehre hin untersucht.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung.
- Zeitgenössische Einflüsse auf Platons Sprachphilosophie
- Platons Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Auffassungen..
- Zur Konventionstheorie
- Zur Theorie von der natürlichen Richtigkeit der Benennungen
- Zu den Ansichten Homers.
- Das etymologische Verfahren und die Lehre Heraklits..
- Die Ideenlehre und die Benennung von Dingen.....
- Zusammenführung beider Thesen
- Schluss......
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert Platons Dialog „Kratylos“ und untersucht, wie Platon die Frage nach der Richtigkeit von Worten beantwortet. Sie beleuchtet die zeitgenössischen sprachphilosophischen Positionen, die Platon im Dialog einbezieht, und analysiert, inwiefern er diesen Positionen etwas abgewinnen konnte.
- Die Frage nach der naturgegebenen Richtigkeit von Worten.
- Die Bedeutung von Konventionen für die Bildung von Worten.
- Die Rolle der Etymologisierung im sprachphilosophischen Diskurs.
- Die Verbindung von Sprache und der Lehre von den Ideen.
- Platons Auseinandersetzung mit dem Denken von Homer und Heraklit.
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Der Dialog „Kratylos“ wird als Ausgangspunkt für die Untersuchung von Platons Sprachphilosophie vorgestellt. Die zentrale Frage, ob Namen durch Konvention festgelegt werden oder eine natürliche Richtigkeit besitzen, wird erläutert.
- Zeitgenössische Einflüsse auf Platons Sprachphilosophie: Dieses Kapitel behandelt die sprachphilosophischen Positionen, die Platon im Dialog „Kratylos“ einbezieht. Hier werden die Ansichten von Homer, Heraklit und den Anhängern der Konventionstheorie beleuchtet.
- Platons Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Auffassungen: Platons Umgang mit den verschiedenen Theorien wird anhand des Konzepts des nomothétes (Gesetzgebers) untersucht. Es wird gezeigt, wie er die These von der natürlichen Richtigkeit der Benennungen mit der Konventionstheorie zusammenführt.
Schlüsselwörter
Platons Sprachphilosophie, Kratylos, Namen, Konvention, natürliche Richtigkeit, Etymologisierung, Ideenlehre, Homer, Heraklit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Platons Dialog „Kratylos“?
Der Dialog ist die älteste europäische Schrift zur Sprachphilosophie und behandelt die Frage, ob Namen auf Konvention oder natürlicher Richtigkeit basieren.
Was besagt die Konventionstheorie im „Kratylos“?
Diese Theorie besagt, dass Namen und Bezeichnungen lediglich durch soziale Übereinkunft und Gewohnheit festgelegt werden.
Welche Rolle spielt Heraklit in diesem Dialog?
Platon setzt sich mit Heraklits Lehre vom ständigen Fluss der Dinge auseinander und prüft, ob Sprache dieses fließende Sein abbilden kann.
Wie verbindet Platon Sprache mit seiner Ideenlehre?
Die Arbeit untersucht, ob Platon in unveränderlichen Ideen das eigentliche Kriterium für die Richtigkeit der Benennung von Dingen sah.
Wer ist der „nomothétes“ im Kontext des Dialogs?
Der nomothétes ist der ideale Gesetzgeber oder Namensgeber, der die Namen so festlegt, dass sie das wahre Wesen der Dinge widerspiegeln.
- Quote paper
- B.Ed. Christoph Hendrichs (Author), 2013, Eine Analyse von Platons Ansicht über die Richtigkeit von Worten auf Grundlage des Dialogs "Kratylos", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284183