Zugrunde liegt die bizarr und grotesk anmutende Eingangsmontage des Films PERSONA des Regisseurs Ingmar Bergman. Bergman schrieb das Drehbuch zu diesem Film während eines Krankenhausaufenthaltes und zahlreiche Kommentare betonen, dass die Eingangskollage Bilder des Unterbewusstseins seien sowie dass das metafilmische Exposé bereits eine eigene Geschichte erzähle.
„Das ‘Gedicht in Bildern’ in der Exposition streut viele Motive aus, von denen nur wenige in der Erzählung […] aufgegriffen werden.“ Diese Aussage soll auf ihre Validität überprüft werden. Ziel dieser Arbeit wird es daher sein, zu eruieren, ob und
inwieweit der Film auf die Motive rekurriert, um sie gegebenenfalls als Hypothese falsifizieren zu können.
Der Übersichtlichkeit halber werden zunächst die einzelnen Motive kurz beschrieben und daran anschließend auf ihre Rekursivität hin untersucht. Da die gesamte „surrealistische Exposition“ lediglich fünf Minuten und 38 Sekunden
umfasst und der Bildwechsel teilweise für das Auge des Rezipienten zu schnell erfolgt, wird darauf verzichtet, die einzelnen Szenen mit Zeitangaben auszuweisen.
Sie werden aber in der chronologischen Reihenfolge behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Motive des „Gedichts in Bildern“
2.1 Penis
2.2 Cartoon
2.3 Hände
2.4 Stummfilm-Szene
2.5 Tarantel
2.6 Schlachten eines Schafes
2.7 ‘Kreuzigung’
2.8 Landschafts- und Innenaufnahmen
2.9 Junge
3. Schlussbemerkung
4. Bibliographie
4.1 Filmographische Angaben
4.2 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die hochkomplexe und surrealistische Eingangsmontage des Films PERSONA von Ingmar Bergman, um zu eruieren, inwieweit die dort gezeigten Motive im weiteren Filmverlauf aufgegriffen werden und ob sie als metatextuelles Exposé eine eigene narrative Bedeutung besitzen.
- Analyse der metatextuellen und selbstreflexiven Strukturen im Intro von PERSONA.
- Untersuchung der Rekursivität einzelner bildsprachlicher Motive im filmischen Kontext.
- Diskussion von Bergmans filmischer Handschrift und biografischer Einflüsse.
- Deutung der symbolischen Verknüpfungen zwischen den Protagonistinnen.
- Überprüfung der Hypothese, ob die Eingangsbilder lediglich fragmentarische Bedeutung haben oder inhaltlich in die Erzählung eingebunden sind.
Auszug aus dem Buch
2.5 Tarantel
Die nächste Einstellung zeigt in extremer Nahaufnahme eine krabbelnde Tarantel. Dieses Motiv fand schon in seinen Filmen WIE IN EINEM SPIEGEL (S 1961) und LICHT IM WINTER (S 1963) Verwendung, in denen Gott als Spinne erschienen ist. Hier wird Bergmans problembehaftete Einstellung zur Religion deutlich, die er als Sohn tiefgläubiger Eltern erworben hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Ziel der Arbeit definiert, die Validität der Eingangsmontage von PERSONA als "Gedicht in Bildern" zu prüfen und deren metatextuellen Charakter zu untersuchen.
2. Motive des „Gedichts in Bildern“: Dieser Hauptteil analysiert chronologisch die verschiedenen surrealen Einzelmotive, von biologischen Bildern bis hin zu filmhistorischen Zitaten, auf ihre Bedeutung und ihr Wiederauftauchen im Film.
3. Schlussbemerkung: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, wobei festgestellt wird, dass die Montage nicht nur ein meta-filmisches Konstrukt ist, sondern auch persönliche Erinnerungen und tiefgreifende Themen wie Identität und Tod widerspiegelt.
4. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet detailliert die filmographischen Daten zu PERSONA sowie die verwendete wissenschaftliche Fachliteratur auf.
Schlüsselwörter
Ingmar Bergman, PERSONA, Metatextualität, Selbstreflexivität, Filmanalyse, Eingangsmontage, Bildmotive, Film im Film, Symbolik, Identität, Surrealismus, Filmwissenschaft, Schwedisches Kino, Kinematographie, Interpretation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die enigmatische und dichte Eingangsequenz des Kultfilms PERSONA von Ingmar Bergman und untersucht deren Funktion innerhalb der Filmstruktur.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die metatextuellen Elemente des Films, die Verbindung von bildsprachlichen Motiven mit dem narrativen Inhalt sowie die selbstreflexive filmische Inszenierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die im "Gedicht in Bildern" gezeigten Motive eine reale Entsprechung im Film finden oder ob sie als bloße, isolierte Hypothesen zu betrachten sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine motivgeschichtliche und filmanalytische Untersuchung durchgeführt, die bildliche Symbole im Kontext des Gesamtwerks von Bergman betrachtet und mit filmwissenschaftlicher Sekundärliteratur abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich einer detaillierten Analyse von neun verschiedenen Motiven der Exposition, darunter der Penis, die Tarantel, die Kreuzigung und die Darstellung des Jungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Selbstreflexivität, Metatextualität, Montage, Symbolik und die spezifische Ästhetik von Ingmar Bergman definiert.
Wie interpretiert die Autorin das Motiv der Tarantel?
Das Motiv wird als Verweis auf Bergmans problematisches Gottesbild gedeutet, da die Spinne bereits in früheren Filmen wie WIE IN EINEM SPIEGEL als Metapher für Gott diente.
Welche Rolle spielt der Junge in der Eingangsmontage?
Der Junge, der bereits aus DAS SCHWEIGEN bekannt ist, wird als eine Art Projektion von Bergman selbst gesehen, der durch das Berühren der Leinwand eine Verbindung zwischen dem Zuschauer und der filminternen Realität schafft.
Welche Bedeutung kommt dem "lesbischen Phallus" zu?
Dieses Bild wird als visuelle Analogie für das homoerotische Verlangen und die Machtdynamik zwischen den beiden weiblichen Hauptfiguren interpretiert.
- Citar trabajo
- Claudia Rehmann (Autor), 2013, Selbstreflexivität oder wirrer Traum? Kohärenz zwischen einem "Gedicht in Bildern" und dem Film "Persona" von Ingmar Bergman, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284192