Anthropologische Grundlagen zu Herders Geschichtsphilosophie in "Auch eine Philosophie zur Bildung der Geschichte der Menschheit"


Hausarbeit, 2014
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II. Hauptteil
II. 1 Der Mench al Teil eine Organimu
II.2. Der Mench zwichen Anlagen und Umwelteinflüen
II.3. Herder zwichen holiticher und individualiticher Anthropologie
II.4 Der Mench und der inn der Gechichte

III. chlu

IV. Quellen- und Literaturverzeichni
IV.1. Quellenverzeichni
IV.2. Literaturverzeichni

I. Einleitung

Als Herder 1774 sein Werk Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit veröffentlichte, machte schon der polemische Titel klar, dass er sich mit seiner Geschichtsphilosophie von bestehenden Meinungen zeitgenössischer Philosophen abzugrenzen versuchte[1]. Dem - ihm verhassten - Verallgemeinerungs­streben der Aufklärungsphilosophen wollte er einen eigenen Ansatz gegenüberstellen [2]. In den Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit von 1783 stellte er die fertig ausgearbeitete Theorie seiner Geschichtsphilosophie der Öffentlichkeit vor - diese Schrift wird heute als sein wichtigstes Werk auf diesem Gebiet gewertet [3].

Herders Lebenswerk fußt, wie Marga 2005 explizit herausstellte, auf umfangreichen „geschichtlichen Beobachtungen und kulturellen sowie pädagogischen Anleitungen“[4], welche für ihn ein solches Gewicht hatten, dass er 1776 bereits forderte: „Alle Philosophie, die des Volkes sein soll, muss das Volk zu seinem Mittelpunkt machen, [...] welch neue fruchtbare Entwicklungen müssen sich hier nicht zeigen, wenn unsere ganze Philosophie Anthropologie wird“[5]. So sei es gerade nicht eine reine Geschichts­philosophie, die Herder in Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit zum Ausdruck bringe, sondern vor allem eine „Anthropologie [...], die wir heute eher in die Nähe der kulturellen Anthropologie stellen können“[6]. Gerhart Schmidt geht sogar so weit, zu behauten „das eine und einzige Grundthema Herders ist der Mensch“[7].

Diese Arbeit hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die anthropologischen Ansätze Herders in Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit herauszuarbeiten und so nachzuweisen, was Marga 2005 behauptete, nämlich dass die Auffassungen in den Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit bereits in Herdes Werk von 1774 gefunden werden können. Zu diesem Zeitpunkt seien sie aber nur als Intuition vorhanden gewesen [8], sie müssen also aus der Schrift erst erschlossen werden, was die vorliegende Arbeit leisten möchte. Ungewöhnlich ist Herdes Ein­bettung anthropologischer Prämissen in größere philosophische Theorieansätze dabei nicht, denn:

„Die traditionelle Philosophie thematisiert den Menschen oft nur indirekt, indem sie von Geist, von Leib und Seele, von Freiheit, Individuum, Subjekt und Selbstbewusstsein spricht.

An die Stelle einer expliziten Anthropologie tritt die Einordung des Menschen in trans­humane Kontexte; so [...] in der Geschichtsphilosophie“[9].

Die Anthropologie ist deshalb eine der jüngsten philosophischen Einzeldisziplinen, erst innovative Ansätze im 20. Jahrhundert (genannt seien hier Scheler, Plessner, Gehlen, Litt, Landmann) machten sie zur eigenständigen Disziplin, deren Ursprünge aber schon in den frühesten antiken Quellentexten nachgewiesen werden kann[10]. Gerade in der Geschichtsphilosophie - in der sich der Mensch ja, wie in der expliziten Anthropologie, selbst zum Objekt seiner Untersuchungen macht - scheinen Theorien ohne anthro­pologische Prämissen nur schwer vorstellbar. Umso wichtiger erscheint dem Verfasser dieser Arbeit die explizite Herausarbeitung dieser Ansätze in älteren Werken.

II. Hauptteil

II.1 Der Mensch als Teil eines Organismus

Zuerst soll hier eine Einordung des Individuums in das größere Ganze der Menschheit nach Herder versucht werden. Dabei können zwei Dimensionen unterschieden werden, zum einen die gegenwärtige Verbindung des Individuums zu gleichzeitig existierenden Individuen und Institutionen, zum anderen die zeitliche Verbindung zu vorher bzw. nachher existierenden Individuen und Institutionen. Herder entwarf zur Klärung dieser Verhältnisse eine „systemische“[11] Theorie. Deutlich wird seine Organismustheorie vor allem in verschiedenen Bildanalogien. Nach Gaiers Herderinterpretation erlangen diese Analogien dadurch Geltungskraft, dass sie

„,das redende Vorbild Gottes in allen Werken‘ [sind] und damit Vor-Bild der Menschengeschichte in der Natur wie auch verstehbare Rede. [...] Analogien aus der unbelebten und belebten Natur verlieren unter dem systematologischen Gesichtspunkt jede allegorisierende Willkür“[12].

Und in der Tat hat Weidenfeld bewiesen, dass „Herders Geschichtsphilosophie und seine sprachliche bzw. rhetorische Praxis eine Einheit bilden“ [13]. Die erste Analogie, welche bereits das Bild des Organismus mit einschließt, ist die des Waldes. Das „menschliche Geschlecht [sei] ein schöner Wald der Nachwelt“[14], dessen einzelne Bäume aber mit dem ersten und ursprünglichen Baum immer noch über die Wurzeln verbunden seien. Auch der einzelne Baum kann als Metapher für die Menschheits­entwicklung von der Wurzel zur Krone hin stehen. Der Baum schafft eine organische Verbindung zum Ursprünglichen und macht gleichzeitig die Entwicklung der Mensch­heit in Stufenfolgen sichtbar:

„Nicht mehr Samenkorn, wenns Sprößling, kein zarter Sprößling mehr, wenns Baum ist.

Über dem Stamm ist Krone; wenn jeder Ast, jeder Zweig derselben Stamm und Wurzel sein wollte - wo bliebe der Baum?“[15]

Diese organische Verbindung aller Entitäten bezog Herder auf die „Welt und Nach- welt“[16], sie hat also eine Komponente zeitlicher Abfolge und zeitlicher Gleichzeitigkeit. Diese Analogien verbinden den Einzelmenschen mit allem was vor ihm war und allem was er in seiner gegenwärtigen Umwelt vorfindet. Herder sieht die Welt und die Epochenfolgen also als ein „großes zusammenhängendes Netz“ [17].

Den deutlichsten Hinweis auf eine organisch konstituierte Wirklichkeit über die Zeit hinweg findet sich aber in der immer wiederkehrenden Metapher des Fadens und der Kette. „Die Vorsehung leitete den Faden der Entwicklung weiter“ [18] und die „Kette, die das Schicksal zog“[19] stehen bespielhaft für diese Analogie, die die überzeitliche Ab­hängigkeit der Entitäten untereinander deutlich hervorhebt. Entgegen einer rein teleo­logischen Lesart der Faden- und Kettenmetapher, die den Faden als Sinnbild der Ab-

Den deutlichsten Hinweis auf eine organisch konstituierte Wirklichkeit über die Zeit hinweg findet sich aber in der immer wiederkehrenden Metapher des Fadens und der Kette. „Die Vorsehung leitete den Faden der Entwicklung weiter“und die „Kette, die das Schicksal zog“ stehen bespielhaft für diese Analogie, die die überzeitliche Ab­hängigkeit der Entitäten untereinander deutlich hervorhebt.

[...]


[1] Marga, Andrei, Was sagt uns heute Herder? Rede Anlässlich der Verleihung des Herder-Preises (2005) an der Universität Wien, am 29. April 2005. URL: http://toepfer-fvs.de/fileadmin/user_upload/ Netzwerk_Magazin/Rede_Andrei_Marga_Was_sagt_uns_Herder.pdf (Aufruf am 01.12.2013), S. 2.

[2] Ebd. Vgl. Herder, Johann Gottfried, Auch eine Philosophie zur Bildung der Geschichte der Menschheit. Nachwort von Hans-Georg Gadamer. Frankfurt am Main 1967, S. 36.

[3] So beachtet Dreike die Schrift Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit gar nicht und stellt die Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit als Herders einziges geschichts­philosophisches Werk dar: Dreike, Beate Monika, Herders Naturauffassung in ihrer Beeinflussung durch Leibniz' Philosophie. Wiesbaden 1973 (Studia Leibnitiana Supplementa 10), S. 72.

[4] Marga, Was sagt uns heute Herder?, S. 2.

[5] Herder, Johann Gottfried, Wie die Philosophie zum Besten des Volkes allgemeiner und nützlicher werden kann. In: Herders Werke in fünf Bänden [Hrsg. v. Regine Otto]. Band 3 (1982), S. 37.

[6] Marga, Was sagt uns heute Herder?, S. 2.

[7] Schmidt, Gerhart, Der Begriff des Menschen in der Geschichts- und Sprachphilosophie Herders. In: Zeitschrift für philosophische Forschung, Band 8, Heft 4 (1954), S. 499. Dem schließt sich Leuser an: Leuser, Claudia, Theologie und Anthropologie. Die Erziehung des Menschengeschlechts bei Johann Gott­fried Herder. Frankfurt am Main [u. a.] 1996 (Würzburger Studien zur Fundamentaltheologie 19), S. 165.

Marga, Was sagt uns heute Herder?, S. 3.

[9] Breitenstein, Peggy H. und Rohbeck, Johannes (Hrsg.), Philosophie. Geschichte - Disziplinen - Kompetenzen. Weimar 2011, S. 324.

[10] Siehe hierzu: Ebd., S. 323-334.

[11] Gaier, Ulrich, Johann Gottfried Herder (1744-1803). Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit (1774). In: KulturPoetik, Band 4, Heft 1 (2004), S. 107.

[12] Ebd., S. 109.

[13] Weidenfeld, Christiane, Bildlichkeit und semantische Unschärfe. Johann Gottfried Herders Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit und die Frage nach dem Telos in der Geschichte. In: Herder Jahrbuch 11 (2012), S. 94.

[14] Herder, Auch eine Philosophie, S. 9f.

[15] Ebd., S. 98f.

[16] Ebd., S. 9.

[17] Wisbert, Rainer, Das Bildungsdenken des jungen Herder. Interpretation d[er] Schr[ift] „Journal meiner Reise im Jahr 1769. Frankfurt am Main 1987 (Europäische Hochschulschriften. Reihe 11, Pädagogik, Band 297), S. 169.

[18] Herder, Auch eine Philosophie, S. 18.

[19] Ebd., S. 99.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Anthropologische Grundlagen zu Herders Geschichtsphilosophie in "Auch eine Philosophie zur Bildung der Geschichte der Menschheit"
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Herder, Geschichte – Sprache – Übersetzung
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V284342
ISBN (eBook)
9783656846642
ISBN (Buch)
9783656846659
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herder, Geschichtsphilosophie, Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit, Anthropologie
Arbeit zitieren
Florian Stenke (Autor), 2014, Anthropologische Grundlagen zu Herders Geschichtsphilosophie in "Auch eine Philosophie zur Bildung der Geschichte der Menschheit", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284342

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