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Erklärungsansätze für das Borderline-Syndrom und Aspekte für die Soziale Arbeit

Title: Erklärungsansätze für das Borderline-Syndrom und Aspekte für die Soziale Arbeit

Academic Paper , 2003 , 35 Pages , Grade: 2

Autor:in: Daniela Heider (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Man geht heute davon aus, dass nicht die gesamte Borderline-Störung, sondern nur ihre zwei wesentlichen Faktoren vererbt werden: die impulsive Aggression und die affektive Instabilität. Eine besondere Verletzbarkeit ("Vulnerabilität") gegenüber der Entwicklung einer Borderline-Störung ergibt sich, wenn beide Faktoren einem Individuum gleichzeitig weitergegeben werden. Man spricht dann von einer genetisch bedingten Anfälligkeit für eine Störung in der Regulation von Impulsen und Emotionen, im Gegensatz zu der Anfälligkeit, die durch frühe Traumatisierungen entstehen kann.
Unter sozialwissenschaftlichen Erklärungsansätzen verstehe ich jene, die strukturelle Gegebenheiten mit individuellen Entwicklungen in Einklang bringen und umfassend die Umstände innerhalb des nahen Umfelds berücksichtigen. Solche Umstände können traumatische Erfahrungen beinhalten.
Im Jahr 1951 erstellte Bowlby im Auftrag der World Health Organisation eine Monographie, wonach "eine längere Deprivation von mütterlicher Zuwendung in früher Kindheit ernste und weitreichende Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung und damit für das ganze Leben eines Menschen haben kann." Dies war der Beginn einer umfassenden Erforschung der Auswirkungen von Kindheitserfahrungen auf die weitere Entwicklung der Persönlichkeit. Heute werden schwere und traumatische Erfahrungen, wie z.B. Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch, als Indikatoren für ein besonderes Risiko, an seelischen, körperlichen oder psychosomatischen Störungen zu erkranken, angesehen.
Der Zusammenhang zwischen dem Borderline- Syndrom und den Forschungsergebnissen besteht darin, dass bei überdurchschnittlich vielen Borderlinern solche traumatischen Kindheitserlebnisse festgestellt wurden. Die Traumaforschung stellt das bisherige Borderline- Konzept deshalb in Frage und vertritt den Ansatz, dass es sich beim Borderline- Syndrom um eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung handelt.
Kernberg hingegen legt seiner Theorie der Entstehung einer Borderline-Persönlichkeitsorganisation die Freud'sche Libidotheorie zugrunde. Er geht davon aus, "..., dass eine übermäßige Ausprägung prägenitaler und vor allem oraler Aggression bei beiden Geschlechtern eine vorzeitige Entwicklung ödipaler Triebstrebungen auslösen kann, so dass eine pathologische Verschränkung prägenitaler und genitaler Triebziele unter dem dominierenden Einfluss aggressiver Bedürfnisse entsteht."

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in das Thema "Borderline und Soziale Arbeit"

1.1 Erklärung der Begriffe

1.2 Historischer Überblick

1.3 Kontakt zu Borderlinern in Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit

2. Wichtige Erklärungsansätze und Modelle der Borderline-Störung

2.1 Der Beitrag neurobiologischer Faktoren zur Entwicklung einer Borderline-Störung

2.1.1 Impulsive Aggression und serotonerges System

2.1.2 Affektive Instabilität und cholinerges System

2.2 Sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze

2.2.1 Deprivation, Misshandlung und Missbrauch

3.2.2 Die strukturelle Seite der traumatischen Gewalterfahrungen

2.2.3 Die Familienorganisation

3.3 Kernbergs psychoanalytisches Erklärungsmodell

2.3.1 Libidotheorie und psychosexuelle Entwicklung

2.3.2 Die Entstehung einer Borderline-Persönlichkeitsorganisation

2.3.3 Die Funktionen der typischen Borderline-Strukturen

2.4 Systemische Theorien

2.4.1 Erzeugung und Sinn der Symptome

2.4.2 Die Borderline-Familienstrukturen und ihre Funktion

2.5 Die biosoziale Theorie der dialektisch-behavioralen Therapie

2.5.1 Emotionale Fehlregulation

2.5.2 Invalidierende Umgebungen

2.5.3 Die Wechselwirkungen

3. Zusammenfassende Bewertung der verschiedenen Ansätze

3.1 Vergleich und persönliche Einschätzung

3.2 Interessante Aspekte für die Soziale Arbeit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht verschiedene Erklärungsmodelle für das Borderline-Syndrom und leitet daraus notwendige Handlungsaspekte für die Soziale Arbeit ab, um betroffene Klienten in ihrem Umfeld besser unterstützen zu können.

  • Neurobiologische Erklärungsfaktoren der Borderline-Störung
  • Sozialwissenschaftliche und familiendynamische Ursachenforschung
  • Psychoanalytische Perspektiven nach Otto Kernberg
  • Systemische Sichtweisen auf Symptomatik und Familiensysteme
  • Anwendungsaspekte und präventive Ansätze für die Soziale Arbeit

Auszug aus dem Buch

2.3.3 Die Funktionen der typischen Borderline-Strukturen

Aggression und vor allem Angst sind nach diesen Annahmen eine ständige Bedrohung für Menschen mit einer Borderline-Störung. Kernberg geht davon aus, dass mit der beschriebenen gestörten psychosexuellen Entwicklung eine Ich-Schwäche verbunden ist, die Menschen mit einer Borderline-Störung charakterisiert. Die unspezifischen Anzeichen dieser Ich-Schwäche lassen sich in vier Punkten zusammenfassen:

1. Mangelhafte Angsttoleranz: Steigert sich die Angst eines Borderliners über ihr gewohntes Maß hinaus, so wird er mit großer Wahrscheinlichkeit mit einigen der oben genannten Symptome reagieren. Die Angsttoleranz lässt sich nur in langfristigen diagnostischen Untersuchungen feststellen.

2. Mangelhafte Impulskontrolle: Durch die mangelnde Kontrollfähigkeit kommt es immer wieder zu episodischen Impulsdurchbrüchen. Sie werden in der Regel ich-synthon erlebt, während zwischen dem impulsiven Persönlichkeitsanteil und den anderen Persönlichkeitsanteilen kein emotionaler Kontakt besteht. Deshalb wird der Impulsdurchbruch verleugnet, sobald der Verlust der Kontrolle wieder abgeklungen ist.

3. Mangelhaft entwickelte Sublimierungen: Unter Sublimierung versteht man den Prozess, in dem ein Individuum sozial nicht akzeptable Formen der Bedürfnisbefriedigung durch anerkannte Formen ersetzt. Beispielsweise wird ein Kind, das häufig Wutausbrüche hat, später Hochleistungssportler, um die überschüssigen Energien sinnvoll einzusetzen. Den Entwicklungsstand der Sublimierung kann man daran ablesen, wie genussfähig und kreativ ein Individuum ist. Je mehr diese beiden Kriterien zutreffen, desto ausgeglichener und konfliktfreier ist die Persönlichkeit eines Menschen. Fehlt die Fähigkeit zur Sublimierung, weist dies auf eine Ich-Schwäche hin. Borderline-Patienten, so Kernberg, seien unkreativ und freudlos.

4. Primärprozesshafte Denkformen: Ein weiteres Anzeichen der Borderline-Störung ist die Regression (=das Zurückfallen) zu primärprozesshaftem Denken. Es ist normalerweise bei Kindern in der ersten Lebensphase festzustellen und frei von Logik und Zeitvorstellungen. Bei Borderlinern wurde es in unstrukturierten psychologischen Tests vor allem in Form von primitiven Phantasien, von verminderter Fähigkeit zur adäquaten Berücksichtigung der äußeren Gegebenheiten und von der Verwendung formal auffälliger Formulierungen gefunden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung in das Thema "Borderline und Soziale Arbeit": Definition der zentralen Begriffe, historischer Kontext der Borderline-Diagnose und Darstellung relevanter Arbeitsfelder in der Sozialen Arbeit.

2. Wichtige Erklärungsansätze und Modelle der Borderline-Störung: Detaillierte Analyse verschiedener Theorien, von neurobiologischen und sozialwissenschaftlichen über psychoanalytische bis hin zu systemischen und biosozialen Modellen.

3. Zusammenfassende Bewertung der verschiedenen Ansätze: Kritische Gegenüberstellung der Modelle und Ableitung spezifischer Handlungsempfehlungen für die professionelle Soziale Arbeit.

Schlüsselwörter

Borderline-Syndrom, Soziale Arbeit, Borderline-Störung, Erklärungsansätze, Impulskontrolle, Traumata, Familienorganisation, Psychoanalyse, Systemische Theorie, Biosoziale Theorie, Emotionsregulation, Invalidierende Umgebung, Prävention, Resilienz, psychosoziale Entwicklung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine umfassende Übersicht über verschiedene psychologische und soziologische Erklärungsmodelle für das Borderline-Syndrom und verknüpft diese mit dem praktischen Handlungsbedarf für Sozialpädagogen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Borderline-Störung, den Auswirkungen frühkindlicher Erfahrungen auf die Familienstruktur sowie den therapeutischen Ansätzen, die für den Sozialbereich relevant sind.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Interventionsbedarf in der Sozialen Arbeit aufzuzeigen und Fachkräften ein besseres Verständnis für Borderliner zu ermöglichen, um diesen kompetent in schwierigen Lebensphasen zu begegnen.

Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?

Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche, die verschiedene klinische und theoretische Ansätze (von Kernberg bis Linehan) integriert und in den Kontext sozialpädagogischer Praxis setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse neurobiologischer, sozialwissenschaftlicher, psychoanalytischer, systemischer und biosozialer Theorien, die alle zur Entstehung der Borderline-Symptomatik beitragen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Borderline-Syndrom, systemische Familientherapie, Emotionsregulation, invalidierende Umgebung und Soziale Arbeit geprägt.

Warum spielt die Familienorganisation eine so große Rolle für die Entstehung des Syndroms?

Das Dokument erläutert, wie dysfunktionale Familienstrukturen, in denen beispielsweise Entwertungen oder Missbrauch an der Tagesordnung sind, die emotionale Entwicklung eines Kindes massiv stören und somit Borderline-Strukturen begünstigen.

Was bedeutet das "invalidierende Umfeld" im Kontext der dialektisch-behavioralen Theorie?

Ein invalidierendes Umfeld ist dadurch gekennzeichnet, dass die Äußerungen und Gefühle des Kindes nicht als valide anerkannt werden, was zu einer massiven Verunsicherung und mangelnden Emotionsregulation beim Betroffenen führt.

Wie sollten Sozialpädagogen laut der Autorin in der Praxis mit Borderlinern umgehen?

Die Autorin plädiert für ein positives, ressourcenorientiertes Menschenbild, bei dem Symptome nicht stigmatisiert, sondern als veränderbare Teilaspekte eines Systems verstanden werden, um dem Klienten gezielte Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten.

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Details

Title
Erklärungsansätze für das Borderline-Syndrom und Aspekte für die Soziale Arbeit
College
University of Applied Sciences Esslingen
Grade
2
Author
Daniela Heider (Author)
Publication Year
2003
Pages
35
Catalog Number
V284353
ISBN (eBook)
9783656839484
ISBN (Book)
9783668138841
Language
German
Tags
erklärungsansätze borderline-syndrom aspekte soziale arbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniela Heider (Author), 2003, Erklärungsansätze für das Borderline-Syndrom und Aspekte für die Soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284353
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