„Vaterschaft manifestiert sich nicht in einem Engagement in der Familie, sondern für die Familie: in der Erfüllung der Ernährerrolle“ (Behnke & Meuser, 2010, S. 2). Entgegen dieser traditionellen Sichtweise ist seit Ende des vergangenen Jahrhunderts in den Medien, der Familienpolitik, aber auch in der Familienforschung der „Diskurs einer neuen, aktiven, engagierten, involvierten Vaterschaft“ präsent (ebd.). Demnach stehen Väter heutzutage unter dem immer größer werdenden, normativen Druck, sich über die ‚Ernährerrolle‘ hinaus an „der alltäglichen Betreuung und Erziehung der Kinder“ zu beteiligen (ebd.). Anhand des Ergebnisberichts Meinungen und Einstellungen der Väter in Deutschland der forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH aus dem Jahr 2013 kann aufgezeigt werden, dass sich dies im Selbstverständnis von Vätern widerspiegelt. 81 Prozent [der Väter; Anm. d. V.] meinten, ein gute Vater verbringe so viel Zeit wie möglich mit seinen Kindern (forsa, 2013, S. 25). Jedoch gaben 41 Prozent der Befragten an, dass sie die Zeit mit ihrem Kind unter der Woche eher nicht und 13 Prozent, dass sie diese überhaupt nicht für ausreichend hielten (vgl. ebd. S. 12). Dementsprechend wünschten sich 43 Prozent der Väter, insbesondere solche mit kleinen Kindern unter sechs Jahren oder wenigstens drei Kindern, mehr Zeit für die Familie (vgl. ebd. S. 19).
[...]Angesichts dieser Entwicklungen sollen in dieser Hausarbeit daher die rechtlichen Grundlagen des Elterngeldes, dessen praktische Umsetzung sowie die damit in Zusammenhang stehenden Erfahrungen von Vätern analysiert werden, um abschließend zu beurteilen, inwiefern die mit der Neuorganisation 2007 angestrebten Ziele erreicht worden sind und ob weiterer Reformbedarf besteht. Zu diesem Zweck werden in dem auf die Einleitung folgenden theoretischen Teil zunächst die rechtlichen Grundlagen und Ziele des Elterngeldes vorgestellt. Daran anschließend wird auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes und bereits vorhandener Literatur eine erste Erfolgsbilanz gezogen. Anschließend soll, im empirischen Teil der Arbeit, durch den Einbezug von Fallbeispielen, ein tieferes Verständnis der Sichtweise von betroffenen Vätern erreicht sowie deren Erfahrungen gegenübergestellt werden. Abschließend werden die gewonnen Erkenntnisse zum Elterngeld diskutiert und dessen Erfolg sowie Reformbedarf beurteilt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Theoretischer Teil
1. Elternzeit und Elterngeld
1.1 Anmerkungen zur Elternzeit
1.2 Rechtliche Grundlagen und Ziele des Elterngeldes
2. Väter und Eltern(geld)zeit
2.1 Statistiken
2.2 Gestaltung in der Praxis
III. Empirischer Teil
1. Methodisches Vorgehen
1.1 Fragebogen
1.2 Auswertung
2. Vorstellung und Auswertung der Fallbeispiele
2.1 Vater A
2.2 Vater B
2.3 Vater C
2.4 Vater D
2.5 Gegenüberstellung
IV. Diskussion und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit analysiert die rechtlichen Grundlagen des Elterngeldes, seine praktische Umsetzung sowie die Erfahrungen von Vätern mit der Inanspruchnahme von Eltern(geld)zeit. Ziel ist es zu beurteilen, inwieweit die mit der Neuorganisation von 2007 angestrebten Ziele erreicht wurden und ob weiterer Reformbedarf besteht.
- Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen und Ziele des Elterngeldes.
- Erfolgsbilanz der Väterbeteiligung auf Basis statistischer Daten.
- Qualitative Untersuchung der Motive und Erfahrungen von Vätern anhand von Fallbeispielen.
- Diskussion von betrieblichen und gesellschaftlichen Hindernissen bei der Inanspruchnahme.
- Identifikation von Reformpotenzialen zur Förderung einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung.
Auszug aus dem Buch
I. Einleitung
„Vaterschaft manifestiert sich nicht in einem Engagement in der Familie, sondern für die Familie: in der Erfüllung der Ernährerrolle“ (Behnke & Meuser, 2010, S. 2). Entgegen dieser traditionellen Sichtweise ist seit Ende des vergangenen Jahrhunderts in den Medien, der Familienpolitik, aber auch in der Familienforschung der „Diskurs einer neuen, aktiven, engagierten, involvierten Vaterschaft“ präsent (ebd.). Demnach stehen Väter heutzutage unter dem immer größer werdenden, normativen Druck, sich über die ‚Ernährerrolle‘ hinaus an „der alltäglichen Betreuung und Erziehung der Kinder“ zu beteiligen (ebd.). Anhand des Ergebnisberichts Meinungen und Einstellungen der Väter in Deutschland der forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH aus dem Jahr 2013 kann aufgezeigt werden, dass sich dies im Selbstverständnis von Vätern widerspiegelt. 81 Prozent [der Väter; Anm. d. V.] meinten, ein gute Vater verbringe so viel Zeit wie möglich mit seinen Kindern (forsa, 2013, S. 25). Jedoch gaben 41 Prozent der Befragten an, dass sie die Zeit mit ihrem Kind unter der Woche eher nicht und 13 Prozent, dass sie diese überhaupt nicht für ausreichend hielten (vgl. ebd. S. 12). Dementsprechend wünschten sich 43 Prozent der Väter, insbesondere solche mit kleinen Kindern unter sechs Jahren oder wenigstens drei Kindern, mehr Zeit für die Familie (vgl. ebd. S. 19).
Immer mehr Väter wollen eine aktive Rolle im Leben ihrer Kinder einnehmen und sich deutlich mehr engagieren als ihre eigenen Väter. Sie sehen sich nicht mehr nur in der Rolle des „Ernährers“ oder des „Dekorationselternteils“, sondern wollen als fürsorglicher und engagierter Vater eine intensive Bindung zu ihren Kindern pflegen. (Jansen et. al., 2011, S. 5)
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel des Väterbildes hin zu einer aktiven Vaterschaft und führt in die rechtlichen Rahmenbedingungen des Elterngeldes als Instrument zur Unterstützung dieser Entwicklung ein.
II. Theoretischer Teil: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen von Elternzeit und Elterngeld und analysiert statistische Daten zur Väterbeteiligung sowie elterliche Motivstrukturen anhand der Literatur.
III. Empirischer Teil: Der empirische Teil umfasst die qualitative Auswertung von Experteninterviews mit vier Vätern, die ihre persönlichen Motive und betrieblichen Hürden bei der Inanspruchnahme von Eltern(geld)zeit darlegen.
IV. Diskussion und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse aus Theorie und Empirie zusammengeführt, um den Erfolg der Elterngeldregelung kritisch zu würdigen und Empfehlungen für eine stärkere Väterbeteiligung auszusprechen.
Schlüsselwörter
Elterngeld, Elternzeit, Väterbeteiligung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Ernährerrolle, aktive Vaterschaft, Partnermonate, betriebliche Hindernisse, Familienpolitik, Gleichstellung, Betreuung, Väter, Erwerbstätigkeit, Fallbeispiele, Diskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Neuorganisation des Elterngeldes durch das BEEG im Jahr 2007 und untersucht, inwieweit dieses Instrument Väter dazu motiviert hat, eine aktivere Rolle in der Kinderbetreuung zu übernehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die rechtlichen Voraussetzungen des Elterngeldes, die statistische Entwicklung der Väterbeteiligung, die Motive und Erfahrungen von Vätern sowie betriebliche und gesellschaftliche Barrieren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel besteht darin zu bewerten, ob die mit der Elterngeldreform angestrebten Ziele erreicht wurden und mit welchen Schwierigkeiten Väter bei der praktischen Umsetzung konfrontiert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse zur Elterngeldproblematik mit einem empirischen Teil, der auf qualitativen Interviews mit vier Vätern basiert.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Darstellung der gesetzlichen Grundlagen und statistischen Kennzahlen sowie einen empirischen Abschnitt, in dem Fallbeispiele von Vätern vorgestellt und analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Elterngeld, Elternzeit, Väterbeteiligung, Vereinbarkeit, aktive Vaterschaft und Gleichstellung geprägt.
Welche Rolle spielen die "Partnermonate" im Kontext dieser Arbeit?
Die Partnermonate werden als zentrales Instrument bewertet, um Väter zur Inanspruchnahme von Elternzeit zu bewegen und eine intensivere Bindung zum Kind zu fördern, wobei ihre Nutzung statistisch als Erfolgsfaktor hervorgehoben wird.
Welche Hindernisse nennen die befragten Väter konkret?
Die befragten Väter berichten insbesondere von konservativen Unternehmenskulturen, der Angst vor Karrierenachteilen, finanziellen Einbußen und mangelnden Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter einem Jahr.
- Citar trabajo
- Jasmin Brands (Autor), 2014, Väter und Eltern(geld)zeit. Über die Neuorganisation des Elterngeldes im Rahmen des BEEG und dessen Inanspruchnahme durch Väter, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284387