Die deutsche und die europäische Wellpappenindustrie. Aktueller Stand und Entwicklungen


Akademische Arbeit, 2006

58 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Zielsetzung und Problemstellungen
1.2. Methodik

2. Die Wellpappenindustrie in Deutschland
2.1. Struktur der deutschen Branche
2.2. Gegenwärtige wirtschaftliche Lage

3. Wettbewerbssituation
3.1. Auslastung der Branche
3.2. Investitionsquote
3.3. Neue Trends bei mittelständischen Wettbewerbern
3.4. Niedrige Renditen

4. Konkurrenz - bzw. Ersatzprodukte
4.1. Vollpappe und Holz
4.2. Mehrwegverpackungen aus Plastik

5. Markteintritt

6. Gesetzgebende Institutionen

7. Konzentration der europäischen Wellpappenindustrie
7.1. SCA (Svenska Cellulosa Aktiebolaget)
7.2. Kappa Packaging
7.3. JSG (Jefferson Smurfit Group)
7.4. Mondi
7.5. DS Smith
7.6. Besondere Ereignisse in 2005
7.6.1. Stellenabbau bei SCA
7.6.2. Fusion von Kappa Packaging und JSG

8. Der europäische Markt
8.1. Die fünf größten westeuropäischen Märkte
8.1.1. Italien
8.1.2. Frankreich
8.1.3. Großbritannien
8.1.4. Spanien
8.2. Osteuropa: Chance oder Risiko
8.2.1. Vorstellung einiger osteuropäischen Wellpappenmärkte

9. Innovationen
9.1. Innovationsstärke
9.2. RFID

10. Zusammenfassung und Prognosen
10.1. Herleitung und Resultat der quantitativen Prognose
10.2. Zusammenfassung und Ausblick

11. Literaturverzeichnis und weiterführende Literatur

1. Einleitung

Wellpappe ist im täglichen Leben allgegenwärtig. Beim Gang durch den Supermarkt trifft man u.a. auf Wellpappenkisten, in denen Obst gelagert wird. Auch im Haushalt befinden sich Konsumverpackungen, die aus der Pappe mit der verborgenen Welle hergestellt wurden. Häufigster Verwendungszweck ist der Einsatz als Transport-verpackung, wo sie sich als meist eingesetzter Verpackungsstoff etabliert hat. Hier beträgt der europäische Marktanteil 61 Prozent.[1] Oftmals wird Verpackung auch als eine unnötige Verschwendung von Ressourcen angesehen. Die Notwendigkeit von Transportverpackungen ist unumstritten, da das Produkt vor Schäden geschützt und das Transportieren von Produkten vereinfacht wird. Neben der funktionalen Bedeutung übernimmt Wellpappe durch anspruchsvolle Bedruckung zunehmend Marketingaufgaben. Durch eine permanente Weiterentwicklung von Wellpappe-verpackungen ergeben sich potentielle neue Anwendungsgebiete.

1.1. Zielsetzung und Problemstellungen

Zuerst wird der Wellpappenmarkt in Deutschland kurz vorgestellt. Legislative Institutionen können durch neue Gesetzgebungen oder Dokumentationspflichten die Branche negativ aber auch positiv beeinflussen. Im darauffolgenden Kapitel wird auf die zunehmende Konzentration der Branche eingegangen, die im speziellen durch die Expansionsstrategien der größten Wellpappenkonzerne entsteht. Der europäische Kontext findet im nächsten Kapitel Beachtung, indem die fünf größten europäischen Märkte sowie die Potentiale der osteuropäischen Wellpappenindustrie analysiert werden. Da Innovationen als Voraussetzung für Wirtschaftswachstum gelten, wird im Weiteren die Innovationsfähigkeit der Branche untersucht. Als Abschluss dient ein vorsichtiger Ausblick in die Zukunft.

Eine Branchenanalyse setzt eine Industrie in Beziehung zu ihrem wirtschaftlichem Umfeld. Dieses soll im Vorwege abgegrenzt werden. Wird die Wellpappenindustrie als Teil einer Wertschöpfungskette betrachtet, so ergibt sich als Vorstufe die Papierherstellung und als nachgestellte Stufe die Abnehmerindustrien. Alle weiteren Stufen der Wertschöpfungskette sollen in dieser Diplomarbeit nur in Ausnahmen berücksichtigt werden. Ausnahmen ergaben sich durch Einbeziehen der Altpapierverarbeitung und des Einzelhandels.

1.2. Methodik

Bei einer empirischen Arbeit werden Sekundär- und Primärdaten als Informations-quellen herangezogen. Der Hauptteil der Arbeit befasst sich mit der Auswertung von Sekundärdaten. Ein Vorteil besteht in der vergleichsweise kostengünstigen Beschaffung. Als Informationsquellen wurden Berichte der verschiedenen inter-nationalen Konzerne, der nationalen Wellpappenverbände, der unterschiedlichen Fachzeitschriften (dazu gehören u.a. APR, Pack Report, Verpackungsrundschau etc.), aus renommierten Wirtschaftszeitungen (u.a. Handelsblatt, Lebensmittel-zeitung) sowie amtliche Statistiken (u.a. Statistisches Bundesamt) und weitere Quellen herangezogen. Die Zusammenstellung des statistischen Datenmaterials wurde durch das wenig kooperative Verhalten der europäischen Wellpappen-verbände erschwert. Wirtschaftsauskünfte wurden nicht erteilt, wodurch eine komplexe Bearbeitung der europäischen Märkte erschwert wurde.

2. Die Wellpappenindustrie in Deutschland

Deutschland besitzt mit 20,1 Prozent den größten Anteil am europäischen Wellpappenmarkt. Dabei zeigte sich von 1996 bis 2004 ein durchschnittliches prozentuales Mengenwachstum von 2,44 Prozent. Nur in 2001 musste ein Rückgang um 0,5 Prozent hingenommen werden, der durch den Konsumrückgang aufgrund des Attentats vom 11. September verursacht wurde.[2] Folgende Grafik demonstriert das kontinuierliche Wachstum im absoluten Verbrauch, was gleichzeitig die Stabilität der Branche beweist.

Abbildung 1: Entwicklung des absoluten und relativen Verbrauchs 1996 - 2004

Quelle: in Anlehnung an: Fefco, 2005, S.11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Größe des Wellpappenmarktes ist in Zusammenhang mit der starken Bedeutung des Industriesektors zu setzen. Deutschland gehört neben den USA und Japan zu den wichtigsten Industriestaaten weltweit. Industrielle Betriebe gelten im Vergleich zum Dienstleistungssektor als besonders verpackungsintensiv. Ein Grund für die starke Wellpappennachfrage basiert u.a. auf dem zunehmendem Wachstum im Exportgeschäft. Exportgüter müssen speziell verpackt sein, um die langen Transportwege und um eventuell unterschiedliche Klimazonen zu überstehen. 2004 wurden Güter im Wert von 731 Milliarden Euro exportiert, dies entspricht einer Steigerung von 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 17,3 Prozent des Exports entfielen auf die wellpappenintensiven Branchen chemische Erzeugnisse sowie Nahrungs- und Genussmittel.[3]

Die folgende Tabelle stellt die größten deutschen Wellpappenhersteller in Reihenfolge ihres Umsatzes vor.

Tabelle 1: Führende Unternehmen in der Wellpappenindustrie in Deutschland [4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: in Anlehnung an: „Die führenden Unternehmen der deutschen Papierwirtschaft“ in: APR Nr. 13-14 vom 20.07.2005, S. 7-10

Drei große Konzerne führen die Wellpappenindustrie in Deutschland an, die von mittelständischen Unternehmen gefolgt werden. Aufgrund der Branchenstruktur kann dennoch nicht von einer dominierenden Rolle der Konzerne gesprochen werden, worauf folgendes Kapitel eingeht.

2.1. Struktur der deutschen Branche

Die deutsche Wellpappenindustrie lässt sich als zersplitterte Branche einordnen, da es sich um einen sehr fragmentierten Markt handelt, der trotz zunehmender M & As überwiegend mittelständisch geprägt ist.

Abbildung 2: Geographische Verteilung der Wellpappenunternehmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung (Eingezeichnete Unternehmen entsprechen den Mitgliedsfirmen des VDW (vgl. www.wellpappen-industrie.de), Karte aus Fischer Taschenbuch Verlag, 2005)

Die Deutschlandkarte zeigt die Verteilung der Fabriken, die mit einem roten Punkt gekennzeichnet sind, über das Bundesgebiet. Es sind 39 Unternehmensgruppen am Markt tätig, die insgesamt 110 Fabriken besitzen.[5] Die Wellpappenwerke sind sehr ungleichmäßig verteilt, da sie in manchen Regionen besonders konzentriert sind. Dies zeigt sich im Ruhrgebiet und im Norden Baden-Württembergs. In Bayern befinden sich viele Fabriken, die aber gleichmäßig über das Bundesland verteilt sind. Diese Zentren sind zum einen historisch geprägt, da viele Familienunternehmen sich vor vielen Jahrzehnten dort niedergelassen haben.[6] Die Ballungsräume repräsentieren aber gleichzeitig die industrielle Struktur Deutschlands und somit auch die Hauptkunden der Wellpappenindustrie. Bedeutende deutsche Wirtschaftsräume befinden sich in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg, da sich hier insbesondere die Unternehmen des verarbeitendem Gewerbes befinden. In diesen Bundesländern wird 59 Prozent des gesamten Umsatzes des verarbeitendem Gewerbes erwirtschaftet, was auch die Standortwahl der Wellpappenhersteller erklärt.[7]

Die Verteilung der Wellpappenunternehmen über ganz Deutschland ist zusätzlich durch die Kostenstruktur bedingt, da die Transportkosten einen relativ hohen Kostenanteil an der Gesamtleistung der Industrie besitzen. Eine Wellpappenfabrik kann generell Kunden nur innerhalb eines Radius bis zu 250 Kilometern um das Werksgelände bedienen, da man ansonsten nicht mehr wirtschaftlich arbeiten würde. Je veredelter die Wellpappenverpackung ist, desto größer sind die Radien. Die Radien müssen auf regionaler Ebene differenzierter betrachtet werden. Im Ruhrgebiet befinden sich 19 Fabriken in einer Region, was den Wettbewerb und den Preisdruck erhöht. Um hier wirtschaftlich arbeiten zu können, muss der Radius auf 120 Kilometer um das Werksgelände reduziert werden. Die Aufteilung des nationalen Gebietes in kleine Teilmärkte zeigt, dass es für große Konzerne schwierig ist, eine dominierende Stellung im Wellpappenmarkt einzunehmen. Hierfür wäre eine Positionierung in allen Teilmärkten Voraussetzung.

2.2. Gegenwärtige wirtschaftliche Lage

Der Jahresverlauf des Absatzvolumens der Wellpappe zeigt in 2005 ein kontinuierliches Wachstum. Während in den ersten beiden Quartalen nur Zuwächse in Höhe von 1,4 bzw. 2,7 Prozent erzielt werden konnte, wurde ein 4,1prozentiges Wachstum im 3. Quartal realisiert.[8] Das Umsatzwachstum war mit – 0,2 Prozent jedoch negativ. Eine gute Nachfrage kam aus dem Getränke- und Lebensmittelsektor.[9] Das zunächst schwache Wachstum wurde mit dem enttäuschendem Exportvolumen in die östlichen Nachbarstaaten im ersten Halbjahr 2005 begründet. Durch saisonale Verläufe blieben in den Sommermonaten sogar Werke geschlossen, sodass Kapazitäten aus dem Markt genommen wurden.[10]

Die Einschätzungen der Wellpappenhersteller sind differenziert zu betrachten, da eine pauschale Aussage schwer zu tätigen ist. Der wirtschaftliche Erfolg hängt vom Kundenstamm und der Region ab. Die hohe Wettbewerbsintensität scheint sich für die auszuzahlen, die sich über Preiskampf große Mengen gesichert haben. Deren Auslastung war im September/ Oktober 2005 sehr gut im Vergleich zu denen, die versucht haben, ihre Preise stabil zu halten. Insgesamt ist die Beschäftigung innerhalb Deutschlands saisonal sehr uneinheitlich verteilt.[11] Mittel- und Norddeutschland waren im Gegensatz zum Süden Deutschlands im Sommer gut ausgelastet. Sollten die Papierfabriken wie angekündigt ihre Preise im Oktober oder November erhöhen, so werden diese an die Kunden weitergegeben werden müssen.[12] Im Oktober 2005 war die Stimmung unter den Wellpappeherstellern gut, da sich das Produktionsvolumen und die Nachfragesituation verbessert hat. Die Beurteilung des Auftragsbestandes ging bei den Herstellern auseinander, von verhältnismäßig groß bis zu klein waren alle Beurteilungen gleichmäßig vorhanden. Die Erwartungen für November bis Januar sind bei den meisten Wellpappen-herstellern positiv. So erwarten 30 Prozent der Betriebe, dass sich die Inlands-verkaufspreise wieder erhöhen werden und 15 Prozent erwarten, dass sich auch das Produktionsvolumen erhöhen wird.[13]

3. Wettbewerbssituation

Als ein weiterer Einflussfaktor der Wellpappenindustrie soll die Wettbewerbsintensität untersucht werden. Die Rivalität im Wettbewerb wird durch die Gleichartigkeit der angebotenen Verpackungen verstärkt. Im Standardgeschäft gibt es keine großen Qualitätsunterschiede zwischen den Lieferanten.

3.1. Auslastung der Branche

Der Wettbewerb innerhalb einer Branche mit bestehenden Überkapazitäten ist sehr intensiv. Jeder Produzent ist bestrebt, seine Produktion auszulasten. Folgende Grafik verdeutlicht die Überkapazitäten in der deutschen Wellpappenindustrie.

Abbildung 3: Beschäftigung der Wellpappenindustrie in 2003 und 2004

Quelle: Statistisches Bundesamt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In den Jahren 2003 und 2004 lag die durchschnittliche Beschäftigung bei 87,3 Prozent. Im nationalen Vergleich steht die Wellpappenindustrie jedoch überdurch-schnittlich gut da, da in den betreffenden Jahren die Auslastung im verarbeitendem Gewerbe bei durchschnittlich 82,4 Prozent lag.[14] Eine Branche mit einer besseren Auslastung ist u.a. die Papierherstellung mit 93 Prozent in 2004.[15] Das Problem der Überkapazitäten wurde in Zeiten der wirtschaftlichen Boomphase Ende der 90er Jahre verschärft. So entstanden viele neuartige Fabriken, deren Marktaustritt relativ kostenintensiv gewesen wäre. Dies führte zu weiteren Überkapazitäten.[16]

3.2. Investitionsquote

Ein weiteres Instrument, was den Wettbewerb verschärft, sind Investitionen. Insbesondere Erweiterungsinvestitionen können die Kapazitäten der Branche spür-bar erhöhen. Jede Ersatzinvestition erhöht auch die Kapazitäten, da sich neue Maschinen durch eine verbesserte Produktivität auszeichnen. Folgende Tabelle gibt in alphabetischer Reihenfolge der Unternehmen eine Auswahl an Investitionen, die in den letzten zwei Jahren getätigt worden sind.

Tabelle 2:Beispiele für Investitionen seit 2003 [17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung (siehe Fußnoten)

Eine hohe Investitionsquote ist ein Zeichen für zunehmenden Wettbewerb. Eine Studie hat hierbei gezeigt, dass die Konzentration zu höheren Eigenkapitalquoten[18] bei den Papier- und Pappeherstellern geführt hat. Dabei konnte die Quote von 29,4 Prozent in 2001 auf 33,8 Prozent in 2003 gesteigert werden. Die Investitionsquote fiel jedoch im gleichen Zeitraum von 6,8 auf 4,7 Prozent.[19] Die Branche hat sich dennoch stabilisiert, die wirtschaftliche Bonität hat sich gebessert. Eine gute Eigenkapitalquote ist ein Zeichen für ausreichend Liquidität, was die Grundvoraussetzung für Investitionen ist.

Die Tabelle macht deutlich, dass insbesondere in bestehende Marktnischen investiert wird, was deren Attraktivität unterstreicht. Die Investitionskosten in die Marktnischen liegen höher als im Standardgeschäft. Die branchenüblichen Investitionsquoten sollten daher im Nischenbereich überschritten werden und bei über 10 Prozent liegen, da man hier nur durch Produktdifferenzierung am Markt bestehen kann. Um dies gewährleisten zu können, sollte permanent in das Equipment investiert werden. Ein Hersteller von Nischenprodukten ist für Kunden interessant, wenn er selbständig neue Verpackungslösungen anbietet.

3.3. Neue Trends bei mittelständischen Wettbewerbern

Die Investitionstabelle hat neue Entwicklungen in der Wellpappenindustrie verdeutlicht. Generell sind deutsche Wellpappenhersteller integrierte Unternehmen, die Wellpappenproduktion und -verarbeitung aus einer Hand anbieten. Die Quote liegt in Deutschland bei ca. 90 Prozent. Die neu entstandenen Wellpappenfabriken konzentrieren sich jedoch auf einen Teil der Wertschöpfungskette. Dies kann die Spezialisierung auf die Verarbeitung der Wellpappe zu Verpackungen oder die Herstellung von Wellpappebögen sein.

Die Prowell-Gruppe hat sich insbesondere auf die Herstellung von Wellpappebögen spezialisiert. Sie hat ein neues Wellpappenformatwerk in Schüttorf bei Offenbach eröffnet, welches eine Jahreskapazität von 140.000 Tonnen hat.[20] Hauptabnehmer wird die Müller Gruppe sein, die in der Marktnische Schwerwellpappe seine Produktionsstätten in Offenbach auf drei erhöht hat. Um die Rohstoffbasis zu sichern, wird Prowell die erste 3,30 Meter lange WPA für dreiwellige Wellpappe in Betrieb nehmen. Übliche Breiten sind 2,80 Meter. Durch die räumliche Nähe sind kurze Lieferzeiten garantiert. Müller plant sogar weitere Investitionen in Richtung Osten, um sich Standorte in der Nähe der Kunden zu sichern, die nach Osteuropa abwandern.[21] Im Beispiel Müller/Prowell wird dieses enge Vertrauensverhältnis durch EDI, eine datentechnische Vernetzung, gefestigt. Zudem ist dort mit Pro-Papier noch ein Wellpappenrohpapierhersteller positioniert.[22]

Ein neu geschaffenes Werk von Roba Corrugated in Weißenfels beschränkt sich auch auf die Herstellung von Wellpappebögen. Die WPA kann zusätzlich zu B- und C-Wellen auch Feinstwellpappe in den Profilen F und G herstellen. Zudem ist eine Flexodruckmaschine im Einsatz.[23] Für die Zukunft ist keine Weiterverarbeitungs-maschine geplant, da das Hauptgeschäft auf der Belieferung der voll- und wellpappe-verarbeitenden Industrie liegen wird. Durch die neue WPA möchte man den Verarbeitern die Möglichkeit bieten, den Anforderungen des Handels und der Markenhersteller an Druck- und Materialqualität gerecht zu werden.[24]

Der Vorteil von reinen Bogenherstellern für die verarbeitende Industrie sind kurzfristige Lieferungen, kleine Zuschnittmaße und die Möglichkeit, Kleinstmengen zu bestellen. Eine Voraussetzung für diesen Vorteil ist, dass man Standardqualitäten einsetzt. Bei Aufträgen außerhalb der Standardqualitäten erhöhen sich automatisch die Lieferzeit und die Mindestbestellmenge.[25]

Die Mittelständler spezialisieren sich zunehmend auf bestimmte Produktnischen. Neben den bereits besprochenen Marktnischen scheinen sich noch weitere heraus-ukristallisieren. Ein neues Werk in England produziert Wellpappe, die den Lebens-mittelhygienestandards entspricht. Durch neue Gesetzgebungen werden die Anforderungen an eine hygienische Wellpappenproduktion immer spezifischer.

3.4. Niedrige Renditen

Die Intensität des Wettbewerbs ist für die Höhe der zu erzielenden Renditen mitverantwortlich. Zur besseren Veranschaulichung werden die Renditen der Wellpappenindustrie und der Papierindustrie verglichen und erörtert. Als Vergleichs-größe gilt das EBITDA.[26]

Die Renditen in der deutschen Wellpappenindustrie betrugen in 2004 durchschnittlich 7 Prozent EBITDA. Werden hiervon die Aufwendungen für Zinsen, Abschreibungen und Amortisation abgezogen, so ergibt sich eine ungefähre Gewinnspanne von 1 Prozent vor Steuern. Die Wellpappenhersteller in Deutschland scheinen daher kaum kostendeckend arbeiten zu können.

Betrachtet man die veröffentlichten Renditen der großen Konzerne, so liegen deren Renditen offiziell über dem deutschen Branchendurchschnitt. Die Margen von SCA stammen aus 2003. In der Papierverarbeitung konnte eine Marge von 20 Prozent und im Bereich Verpackung von 13 Prozent erzielt werden. Die schwache Rendite im Verpackungsbereich wurde mit dem verlangsamten europäischen Wirtschafts-wachstum und den hohen Aufwendungen für Pensionen begründet.[27] Bei Kappa sieht die Renditenverteilung ähnlich aus, da im Geschäftsbereich Verpackungen ein EBITDA von 13,7 und bei Papier und Pappe sogar 25 Prozent erreicht wurden.[28] Die hohen Renditen im Papiersegment wurden mit der Reduzierung der Kapazitäten im Papiermarkt erklärt. Die Kapazitäten im Papiermarkt sind in den letzten 10 Jahren jährlich um 400.000 Tonnen gesunken.[29]

Die Industriebank stellt eine ähnliche Margenverteilung in den beiden Segmenten fest. Die hohe Konzentration im Papiermarkt hat zur Stabilisierung der Preise beigetragen.[30] Die Renditen der Wellpappenverpackungshersteller haben sich in den letzten Jahren immer weiter verschlechtert, so konnten die größten Wellpappen-hersteller in 2001 noch EBITDA von 15,8 bzw. 17,8 Prozent erreichen.[31]

Folgende Grafik gibt einen Überblick über die Entwicklungen der Renditen seit 1993. Hierzu werden die Rendite von Wellpappe und Verpackungsmitteln aus Wellpappe und die Rendite des verarbeitenden Gewerbes gegenübergestellt.

Abbildung 4: Entwicklung der Rentabilitäten seit 1993

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Feri Branchen Rating Deutschland

Das Problem der schlechten Renditen existiert seit 1993. Während die Renditen im Verarbeitendem Gewerbe kontinuierlich stiegen, stagnierten sie in der Wellpappen-industrie oder waren sogar rückläufig. Zu den Gründen gehören, dass Preiser-höhungen bei den Rohstoffen nie zeitnah an die Kunden weitergegeben werden können. Die Verhandlungsmacht der Abnehmerseite hat die Preise sowie die Rendite reduziert.

Das oberste Ziel der Wellpappenhersteller ist somit, die Renditen zu verbessern. Der momentane Preisdruck lässt eine Erhöhung der Preise nicht zu. Neben einem effizienten Kostenmanagement besteht die Möglichkeit, die Renditen durch eine Verbesserung der Produktivität zu erhöhen.[32] Dies lässt sich durch zusätzliche Investitionen in das Maschinenequipment realisieren, um z.B. Produktionsabläufe zu beschleunigen. Folgende Grafik zeigt Produktivitätssteigerungen anhand der jährlich erreichten Produktion in Quadratmeter pro gewerblichem Mitarbeiter.

[...]


[1] Vgl. SCA, 2005(1), S.24

[2] Daten basieren auf den Absatzzahlen in Quadratmeter von 1995 bis 2004 in: Fefco, 2005, S. 11

[3] Vgl. Fischer Taschenbuch Verlag, 2005

[4] Angaben mit * sind Schätzungen von APR. Die Zahlen geben nur den ungefähren Wellpappen-umsatz wieder, da bei integrierten Firmen auch der Umsatz mit WPR enthalten ist. Es gibt keine Daten über Mondi Packaging.

[5] Vgl. Fefco, 2005, S. 13

[6] Hierzu gehören u.a. Delkeskamp und Carl-Eichhorn-GmbH.

[7] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2005(2).

[8] Vgl. Christ, 2005, S. 3

[9] Vgl. „Papier- und Pappemarkt Deutschland“ in: Euwid-Verpackung Nr. 38, S. 2

[10] Vgl. „Papier- und Pappemarkt Deutschland“ in: Euwid-Verpackung Nr. 22, S. 4

[11] Vgl. „Papier- und Pappemarkt Deutschland“ in: Euwid-Verpackung Nr. 36, S. 4

[12] Vgl. „Papier- und Pappemarkt Deutschland“ in: Euwid-Verpackung Nr. 32, S. 4

[13] Vgl. IFO, 2005(2), Blatt I/K2

[14] Daten basieren auf Angaben der Industriebank.

[15] Vgl. VDP, 2005, S. 21

[16] Vgl. CPI, 2000, S.60

[17] Quellen in Reihenfolge der Zeilen: „ Delkeskamp installiert neue WPA in Nortrup“, 2003 in: VR Nr. 10/2003, S. 110f; Mosonpack: „Prinzhorn-Gruppe eröffnet neues Wellpappenwerk in Ungarn“, 2004 auf: www.a-p-r.de/archiv/pap-ztg/2004/apr13.html (29.10.2005); Müller: „Schwerwellpappe im neuen Werk“ in: Packreport Nr. 11, S. 6; „ Prowell mit neuem Formatwerk“. 2005 auf: www.a-p-r.de/archiv/pap-ztg./2005/apr04.html (04.11.05); Rigid corrugated: „VPK nimmt neues Wellpappewerk im britischen Selby in Betrieb“in: Euwid-Verpackung Nr. 23 vom 01.08.2005, S. 10; Roba: Vgl. “Produktionsstandort für Feinstwellpappe in Sachsen-Anhalt” in: APR Nr.21;, SCA Minden. „SCA Wellpappe produktiver“. 2003 in: VR Nr.1/2003, S.7; „ SCA Packaging Welba baut Standort aus“ in: Austropack vom 02/2005, S. 9; „ Seyfert Wellpappe gründet Tochterunternehmen zur Konfektionierung“ in APR Nr. 19 vom 04.10.2005, S. 9; “STI auf modernster Welle”. 2003. in: VR Nr. 6/2003, S.6, ; Thimm: „Papier- und Pappemarkt Deutschland“, Euwid-Verpackung Nr. 16 vom 13.06.2005, S. 4

[18] Das EK sollte etwa ein Drittel des Gesamtkapitals betragen. Ein hoher EK-Anteil macht unabhängig vom Bankeneinfluss und gibt Verschuldungsspielräume. Vgl. Gräfer, 2001, S. 136

[19] Vgl. Vogt, 2005, S. 11

[20] Vgl. „Prowell mit neuem Formatwerk“, 2005.

[21] Vgl. „Schwerwellpappe im neuen Werk“, 2005, S. 6

[22] Vgl. “Müller-Gruppe baut Wellpappenverarbeitungswerk bei Landau” , 2005

[23] Vgl. “Produktionsstandort für Feinstwellpappe in Sachsen-Anhalt”, 2005, S. 11

[24] Vgl. „Roba Corrugated hat das Werk Zorbau offiziell in Betrieb genommen“ , 2005, S. 11

[25] Vgl. APR, 2003, S. 21

[26] EBITDA bezeichnet die Gewinne, von denen noch Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Tilgungen abgezogen werden müssen. Vgl. Gräfer, 2001, S. 66

[27] Vgl. SCA, 2004, S. 2

[28] Rendite wurden errechnet anhand des Quotienten (EBITDA/Assets*100) in: Kappa Packaging, S. 5 und 68

[29] Vgl. Kappa Packaging, 2005, S. 5ff

[30] Vgl. Vogt, 2002, S. 8

[31] Angaben stammen von der Hypo-Vereinsbank. Die Hersteller wurden nicht namentlich genannt.

[32] Vgl. Kappa Packaging, 2005, S. 7

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Die deutsche und die europäische Wellpappenindustrie. Aktueller Stand und Entwicklungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
58
Katalognummer
V284496
ISBN (eBook)
9783656840572
ISBN (Buch)
9783656906513
Dateigröße
927 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wellpappenindustrie, Europa, Export, Verpackungsmarkt, Deutschland, Osteuropa
Arbeit zitieren
Christoph Kilian (Autor:in), 2006, Die deutsche und die europäische Wellpappenindustrie. Aktueller Stand und Entwicklungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284496

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