Einleitung
Im Rahmen der Auseinandersetzung mit dem Schriftsteller Frank Wedekind, möchte ich in dieser Arbeit einmal seine Zeit als Werbetexter näher beleuchten.
Für viele ist es zunächst sicher ganz und gar unbekannt, daß Wedekind überhaupt jemals in der Werbebranche gearbeitet hat. Das ist auch nicht allzu verwunderlich, wenn man bedenkt, wie wenig Literatur es zu diesem Thema gibt. Sicherlich mag man in Frage stellen, ob die Kenntnis über diese Periode überhaupt wichtig ist, um seine Werke zu interpretieren oder zugänglicher zu machen. Aber selbst, wenn das Wissen um seine Tätigkeit als Werbetexter bei der Firma Maggi uns keinen Aufschluß über Interpretationsansätze für dieses oder jenes Werk bieten kann, so ist es doch eine Möglichkeit, diesen Schriftsteller besser kennenzulernen und uns in ihn hineinzuversetzen, denn kaum ein Schriftsteller schreibt etwas, das völlig abgetrennt und unabhängig von seinem eigenen Leben entstehen kann.
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Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Wie kommt Frank Wedekind zur Firma Maggi?
III. Biographie Frank Wedekinds während seiner Zeit bei Maggi
IV. Wedekinds Reklamen
A. Die Stilmittel
B. Die Wirkung
C. Interpretation von Reklametexten
V. Zielgruppen
VI. Übersicht über Frank Wedekinds Biographie in der Zeit zwischen Oktober 1886 und Juli 1887
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die bisher wenig beleuchtete Phase in Frank Wedekinds Leben, in der er als Werbetexter für die Firma Maggi tätig war. Ziel ist es, diese biografische Episode tiefergehend zu erforschen und Wedekinds literarische Herangehensweise an die Werbegestaltung sowie den Kontext seiner damaligen Arbeit zu analysieren.
- Biografische Einordnung Wedekinds in der Zeit von 1886 bis 1887
- Analyse literarischer Stilmittel in Werbeanzeigen
- Untersuchung der psychologischen Wirkung und der Zielgruppenansprache
- Deutung der satirischen Anspielungen und literarischen Zitate innerhalb der Reklametexte
Auszug aus dem Buch
3. Interpretation von Reklametexten
Ein Wesentliches Merkmal Wedekindscher Reklamen sind allerdings, wie bereits erwähnt, Zitate aus bekannten literarischen Werken. Hier findet man Werbebotschaften, eingebettet in Zitate von Goethes Faust, Heinrich Heine, Bibelstellen oder der griechischen Sage, die, wenn man den Kontext der jeweiligen Zitate betrachtet, den gesamten Text als eine Sammlung satirischer Anspielungen erscheinen läßt. Deutlich wird dies an den folgenden Beispielen:
`Mein Ruh` ist hin, mein Herz ist schwer; ich finde sie nimmer und nimmermehr.´ - So seufzte die Frau Commerzienrath [sic], und eine krystallhelle Thräne [sic] fiel auf die letzte Nummer des Tagblattes; ach Gott, es war nur der Inseratentheil [sic]. Suchte sie vielleicht eine Heirathsannonce [sic]? - Unwürdiger Verdacht! Der Herr Commerzienrath [sic] stand, gleichfalls seufzend, neben ihr. `Da steht`s!´ sagte er und wies mit dem Finger hin. `Maggi!´ rief sie glückselig aus und athmete [sic] erleichtert. `Maggi`s Suppen-Nahrung und Boullion-Extract [sic]! Herrlich, vortrefflich! Goldmännchen, morgen giebt`s [sic] Maggi-Suppe!!´
Gleich zu Beginn diese Reklametextes finden wir ein Zitat aus Goethes Faust: „Mein Ruh ist hin, mein Herz ist schwer, [...]“ Dieses auch noch in heutiger Zeit mehr oder weniger bekanntes Zitat wurde auch von der Firma Chanel für den Herrenduft „Egoiste“ erst vor wenigen Jahren verwandt. Auch zu Wedekinds Zeit war der Ursprung dieses Zitates, nämlich Faust, den angesprochenen Lesern wohl bekannt, jedoch der Zusammenhang, aus dem er genommen wurde nicht. Davon ist zumindest Frank Wedekind ausgegangen, denn ansonsten hätte er sich dieses Zitates besser nicht bedienen sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Motivation der Autorin, die vernachlässigte Tätigkeit Wedekinds als Werbetexter zu untersuchen und in den Kontext seines literarischen Schaffens zu setzen.
II. Wie kommt Frank Wedekind zur Firma Maggi?: Dieses Kapitel beschreibt den finanziellen Notstand Wedekinds nach einem Zerwürfnis mit seinem Vater, der ihn dazu zwang, die Stelle als Werbeleiter anzunehmen.
III. Biographie Frank Wedekinds während seiner Zeit bei Maggi: Es wird die berufliche Tätigkeit Wedekinds in der Schweiz, seine geschäftliche Reise nach Leipzig und sein schrittweiser Übergang zur freiberuflichen Arbeit dargelegt.
IV. Wedekinds Reklamen: Hier werden die stilistischen Mittel, die psychologische Wirkung und die satirische Interpretation der Texte detailliert analysiert.
V. Zielgruppen: Dieses Kapitel erörtert, wie Wedekind die bürgerliche Familie und die Hausfrau ansprach und sein literarisches Wissen zur Aufwertung seiner Arbeit nutzte.
VI. Übersicht über Frank Wedekinds Biographie in der Zeit zwischen Oktober 1886 und Juli 1887: Eine chronologische Auflistung der wichtigsten Ereignisse und beruflichen Meilensteine in Wedekinds Leben während dieses Zeitraums.
Schlüsselwörter
Frank Wedekind, Maggi, Werbetexter, Literaturgeschichte, Reklame, Biografieforschung, Satire, Stilmittel, Zielgruppenansprache, Faust, 19. Jahrhundert, Konservenbranche, literarische Zitate, Nahrungsmittelindustrie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer spezifischen und wenig bekannten Phase im Leben des Schriftstellers Frank Wedekind, in der er als Werbetexter für die Firma Maggi tätig war.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die biografischen Hintergründe des Eintritts bei Maggi, die literarische Gestaltung der Werbeanzeigen, die Verwendung von Zitaten als Stilelement und die soziologische Betrachtung der Zielgruppen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Wedekinds Wirken als Werbetexter besser zu verstehen und aufzuzeigen, wie sich sein literarischer Hintergrund in seiner Arbeit widerspiegelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine biografische und literaturwissenschaftliche Untersuchung, die durch die Analyse von Werbetexten, Korrespondenzen und historischen Dokumenten gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der konkreten Analyse der Werbetexte, deren Stilmitteln (insbesondere dem Zitieren berühmter Werke) und der gezielten Ansprache potenzieller Kunden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Frank Wedekind, Werbetexter, Maggi, Satire, literarische Zitate und Biografie.
Warum nutzte Wedekind Zitate aus Werken wie „Faust“ in seinen Reklamen?
Wedekind wollte seiner Tätigkeit als Werbetexter einen intellektuellen Anspruch verleihen und die Aufmerksamkeit des Lesers durch einen hohen Wiedererkennungswert der Zitate gewinnen.
Inwiefern kann man Wedekinds Werbetechnik als „Antiwerbung“ bezeichnen?
Da Wedekind in seinen Zitaten oft den Kontext von Tod oder Leiden wählte, um für eine Suppe zu werben, könnte man diese Verknüpfung im Nachhinein als satirische Antiwerbung interpretieren.
- Quote paper
- Julia Siebert (Author), 1998, Frank Wedekind - Der Werbetexter als Literat - Der Literat als Werbetexter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2845