Schlafdeprivation bei Führungskräften wird immer häufiger zum Forschungsgegenstand psychologischer und betriebswirtschaftlicher Untersuchungen. Der mit einer Führungsposition verbundene Arbeitsaufwand und die daraus resultierenden zeitlichen Verpflichtungen können besonders bei Top-Executives und Managern großer Unternehmen zu chronisch vermindertem Nachtschlaf führen (Pilcher & Huffcutt, 1996; Hursh, Balkin, Miller, & Eddy, 2004; Barnes, 2011). Dabei sind nicht nur gesundheitliche Probleme als Folge unzureichenden Schlafverhaltens, sondern auch Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit zu erwarten (Van Dongen, Maislin, Mullington, & Dinges, 2003; Adam, Rétey, Khatami, & Landolt, 2006). Das Ziel dieser Arbeit ist es, existierende Forschungsarbeiten zu den Themen Schlafdeprivation und Führung sowohl theoretisch als auch empirisch zu analysieren und umfassend zu verbinden. Für einen ersten Überblick erfolgte dazu eine Darstellung von relevanten biopsychologischen Grundlagen zum Schlafprozess sowie von ausgewählten Modellen der Schlafregulation. Zum Thema Führung wurde ebenso in einer theoretischen Hinführung eine Übersicht über zentrale Führungstheorien sowie die Bedeutung von Top-Executives für den Unternehmenserfolg erarbeitet. Danach wurden zentrale empirische Forschungsarbeiten identifiziert und erläutert, in denen gezeigt werden konnte, wie sich Schlafmangel auf erfolgskritische Leistungsparameter bei Führungskräften auswirken kann. Abschließend wurden die Erkenntnisse aus den theoretischen Vorüberlegungen und Modellen zu Schlafdeprivation und Führung miteinander verknüpft und deren Gültigkeit im Hinblick auf die dargestellte empirische Befundlage kritisch diskutiert und reflektiert. Es konnte gezeigt werden, dass eine durch Schlafdeprivation induzierte Leistungsbeeinträchtigung bei Führungskräften auf individueller und organisationaler Ebene erfolgshemmend wirken kann.
Inhaltsverzeichnis
0. Abstract
1. Einleitung
2. Theorie
2.1 Biopsychologische Grundlagen
2.1.1 Definition Schlaf
2.1.2 Schlafstadien
2.1.3 Schlafdeprivation
2.1.4 Schlafregulation
2.1.4.1 Biologische Systeme
2.1.4.2 Zwei-Prozess-Modell der Schlafregulation
2.1.4.3 SAFTE-Modell
2.2 Führung
2.2.1 Definition Führung
2.2.2 Bedeutung von Executive Leadership
2.2.3 Führungstheorien
2.2.3.1 Conceptual Complexity Theories
2.2.3.2 Behavioral Complexity Theories
2.2.3.3 Strategic Decision-Making Theories
2.2.3.4 Visionary and Inspirational Theories
3. Empirische Ergebnisse
3.1 Studienergebnisse Schlafdeprivation
3.1.1. Prädiktoren der Schlafdeprivation
3.1.2 Schlafdeprivation und kognitive Leistungsfähigkeit
3.1.3 Schlafdeprivation und psychomotorische Leistungsfähigkeit
3.1.4 Schlafdeprivation und Arbeitsverhalten
4. Diskussion
5. Praktische Implikationen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen chronischer Schlafdeprivation und der beruflichen Leistungsfähigkeit von Führungskräften sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für den Unternehmenserfolg.
- Biopsychologische Grundlagen der Schlafregulation
- Theoretische Konzepte strategischer Führung
- Empirische Auswirkungen von Schlafmangel auf kognitive und psychomotorische Funktionen
- Einfluss von Schlafdeprivation auf Arbeitsverhalten und Entscheidungsfindung
- Präventionsmöglichkeiten und organisatorische Lösungsansätze
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Definition Schlaf
Der Schlaf ist wahrscheinlich eines der interessantesten Phänomene der menschlichen Existenz, und daher ist es auch wenig verwunderlich, dass über die Jahrhunderte zahlreiche Philosophen, Wissenschaftler und Künstler versucht haben diesen besonderen Zustand des Organismus zu ergründen. Aus etymologischer Betrachtung ist das deutsche Wort "Schlaf" ebenso wie die niederländische Variante "slaap" und das englische "sleep" altgermanischen Ursprungs und eine Nominalbildung zu "schlafen" (gotisch "sleps" und alt- und mittelhochdeutsch "slaf") (Borbély, 1984). In der Wissenschaft wird Schlaf häufig anhand charakteristischer Zustandsmerkmale, wie z. B. eines temporär verminderten Bewusstseins oder charakteristischer Veränderungen von Stoffwechselvorgängen und der Gehirnaktivität beschrieben (Breedlove, Watson, & Rosenzweig, 2010). Eine explizite Definition von Schlaf findet sich hingegen selbst in entsprechender Grundlagenliteratur nur selten. Die folgende Begriffsbestimmung der Autoren Peigneux, Laureys, Delbeuck und Maquet (2001) ist jedoch gut geeignet, Schlaf in einer prägnanten und dem Forschungsziel dieser Bachelorarbeit dienlichen Weise zu definieren:
Sleep is operationally defined as a specific behavior during which the organism adopts a recognizable posture (usually characterized by the relaxation of the antigravity musculature), during which the responsiveness to external stimuli is decreased and which is regulated by a homeostatic process whereby the deprivation of sleep subsequently leads to a sleep rebound. (S. A111)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Schlafdeprivation bei Führungskräften ein und erläutert die Relevanz des Themas im Kontext moderner Arbeitsanforderungen.
2. Theorie: Hier werden biopsychologische Grundlagen des Schlafes, Modelle der Schlafregulation sowie zentrale Führungstheorien und deren Bedeutung für den Unternehmenserfolg theoretisch hergeleitet.
3. Empirische Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert Studienergebnisse zu den Ursachen und Auswirkungen von Schlafdeprivation auf die kognitive sowie psychomotorische Leistungsfähigkeit und das Arbeitsverhalten.
4. Diskussion: Die Ergebnisse der theoretischen und empirischen Analysen werden hier miteinander verknüpft, kritisch reflektiert und im Hinblick auf ihre Bedeutung für Führungskräfte bewertet.
5. Praktische Implikationen: Abschließend werden konkrete Lösungsansätze für Individuen und Organisationen skizziert, um Schlafproblematiken im Management-Kontext zu reduzieren.
Schlüsselwörter
Schlafdeprivation, Führungskräfte, Executive Leadership, Leistungsfähigkeit, Schlafregulation, Zwei-Prozess-Modell, SAFTE-Modell, kognitive Funktionen, psychomotorische Vigilanz, Arbeitsverhalten, Cyberloafing, Unternehmenserfolg, Risikoverhalten, Schlafmangel, Gesundheitsprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen von Schlafmangel auf die Leistungsfähigkeit von Führungskräften und wie sich dieser Zustand auf den Unternehmenserfolg auswirken kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft die biopsychologische Schlafforschung mit betriebswirtschaftlichen Theorien zu Führung und strategischem Management.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die inhaltliche Lücke zwischen Schlafforschung und Führungstheorien zu schließen und die Auswirkungen von Schlafdeprivation auf erfolgskritische Leistungsparameter zu analysieren.
Welche wissenschaftlichen Modelle werden verwendet?
Besonders das Zwei-Prozess-Modell von Borbély zur Schlafregulation sowie das SAFTE-Modell zur Vorhersage kognitiver Leistung bei Schlafmangel werden detailliert betrachtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben den Grundlagen werden empirische Studien diskutiert, die zeigen, wie Schlafdeprivation die Aufmerksamkeit, Entscheidungsfindung und ethisches Verhalten im Beruf beeinträchtigt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlafdeprivation, Executive Leadership, kognitive Leistungsfähigkeit, SAFTE-Modell und Unternehmenserfolg sind die Kernbegriffe.
Welche Rolle spielt das Smartphone für den Schlafmangel von Führungskräften?
Die Arbeit identifiziert die spätabendliche Nutzung von Smartphones als kritischen Faktor, da sie sowohl durch die Hemmung von Melatonin als auch durch fehlende mentale Distanz zur Arbeit den Schlaf stört.
Wie wirkt sich Schlafmangel auf die Entscheidungsfindung von Managern aus?
Studien belegen, dass Schlafmangel zu einem sogenannten "risky shift" führt, bei dem Führungskräfte eher spekulative Gewinnchancen fokussieren und Risiken bei Verlusten falsch bewerten.
- Citar trabajo
- Bachelor of Science Philipp Johannes Lubensky (Autor), 2014, Auswirkungen von Schlafmangel auf die Leistungsfähigkeit bei Führungskräften und die damit verbundenen Erfolgskriterien des Unternehmenserfolges, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284651