Gesundheitsförderung ist wichtig, um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, einzelne Wünsche und Hoffnungen eines Individuums oder einer Gruppe wahrzunehmen und zu verwirklichen. Daher liegt die Gesundheitsförderung nicht nur im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitssektors, sondern auch bei den Politikbereichen, die die Förderung von einem umfassenden Wohlbefinden zum Ziel haben. [...]
„Gesundheit entsteht dadurch, dass man für sich und für andere sorgt, dass man in der Lage ist, selber Entscheidungen zu fällen und Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben, sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die allen ihren Bürgern Gesundheit ermöglichen“. Aus diesem Grund hat die Weltgesundheitsbehörde am 21.11.1986 in Ottawa eine internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung einberufen. Bei der Konferenz wurden erstmalig 38 globale Gesundheitsziele entwickelt. Das Gesundheitszielprogramm basiert auf der Grundlage der Alma-Ata und lautet: Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000. [...] Das Gesundheitsprogramm ist heute überarbeitet und trägt den Namen: Gesundheit 21. [---]
2011 wurden in Österreich zehn Gesundheitsziele verabschiedet, die für die nächsten zwanzig Jahre gültig sein werden. Auch in Deutschland wurde nach Verabschiedung der Gesundheitsziele von der WHO an einer Erarbeitung von Gesundheitszielen hervorheben, die seit kurzer Zeit umgesetzt werden. Im internationalen Vergleich fällt dabei auf, dass Deutschland und Österreich am längsten für die Erarbeitung und Umsetzung der Gesundheitsziele nach WHO-Vorbild brauchen. Es stellt sich so die Frage, wieso der Aufbau von Gesundheitszielen in den Ländern Österreich und Deutschland eine so lange Anlaufphase benötigt hat.
Die vorliegende Arbeit hat sich als Ziel gesetzt, die Gesundheitsziele von Deutschland und Österreich näher zu erläutern und Erklärungsansätze für die späte Entwicklung zu liefern. Dazu wird zunächst der Begriff der Gesundheitsziele definiert, um dann auf die historische Entwicklung der Gesundheitsziele und deren Schwerpunkte in Deutschland und Österreich näher einzugehen. Schließlich werden Erklärungen für die späte Entwicklung erörtert. Am Beispiel Englands soll aufgezeigt werden, wie eine zügige Entwicklung und Umsetzung erfolgreich vonstatten gehen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Begriffs Gesundheitsziele
3. Historische Entwicklung von Gesundheitszielen in Deutschland
4. Schwerpunkte der Gesundheitsziele in Deutschland
5. Historische Entwicklung von Gesundheitszielen in Österreich
6. Schwerpunkte der Gesundheitsziele in Österreich
7. Gründe für eine verspätete Gesundheitszielentwicklung
8. Frühere Entwicklung von Gesundheitsziele am Beispiel Englands
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die späte Entwicklung und Implementierung von Gesundheitszielen in Deutschland und Österreich im internationalen Vergleich. Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Schwerpunkte der Gesundheitszielprogramme beider Länder zu analysieren und Erklärungsansätze für die zeitliche Verzögerung sowie die Herausforderungen bei der Umsetzung unter Berücksichtigung nationaler Systembesonderheiten zu liefern.
- Historische Analyse der Gesundheitszielentwicklung in Deutschland und Österreich.
- Vergleich der thematischen Schwerpunkte und Prioritäten in beiden Gesundheitssystemen.
- Identifikation struktureller und politischer Hürden für eine zügige Gesundheitszielumsetzung.
- Kontrastierung mit dem britischen Modell als Beispiel für eine frühe Entwicklung.
- Untersuchung der Rolle von Akteursfragmentierung und sozioökonomischen Sicherheitsprinzipien.
Auszug aus dem Buch
3. Historische Entwicklung von Gesundheitszielen in Deutschland
Betrachtet man vor diesem Hintergrund den Umgang mit Gesundheitszielen in Deutschland, so fällt auf, dass Deutschland nicht nur in der Gesundheitsberichterstattung, sondern auch bei der Formulierung und Anwendung von Gesundheitszielen als Instrument der Steuerung des gesundheitspolitischen Handelns im internationalen Vergleich einen erheblichen Rückstand aufweist, da sie in der deutschen Gesundheitspolitik eine untergeordnete Rolle spielen (vgl. Rosenbrock, 2014). Auf der Bundesebene gibt es keine übergreifenden Gesundheitsziele für die Gesamtrepublik. Jedoch lassen sich in den einzelnen Bundesländern konkrete Ziele für das jeweilige Bundesland verzeichnen. Seit Mitte der 1980er Jahre hat somit auch Deutschland mit der Auseinandersetzung mit den Gesundheitszielen begonnen. Seit den 1990er Jahren haben einzelne Bundesländer aufgrund der von der WHO formulierten Gesundheitsziele eigene Gesundheitsziele entwickelt und verabschiedet (vgl. Wisma, 2002).Insbesondere werden hier Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Berlin aufgezählt (vgl. Rosenbrock, 2014). Dabei haben die Bundesländer unterschiedliche Entwicklungen und Umsetzungen für die Gesundheitsziele gewählt. Nordrhein-Westfalen hat sich beispielsweise eng an dem WHO-Zielprogramm orientiert. Im Vordergrund stand dabei ein partizipativer Ansatz mit Gesundheitskonferenzen. Im Gegensatz dazu sind in Berlin, Hamburg oder Sachsen-Anhalt die Analyse von Gesundheitsdaten der Ausgangspunkt (vgl. Wisma, 2002).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Konzept der Gesundheitsförderung gemäß der Ottawa-Charta und stellt die Forschungsfrage nach den Ursachen der späten Gesundheitszielentwicklung in Deutschland und Österreich.
2. Definition des Begriffs Gesundheitsziele: Dieses Kapitel erläutert den Fachbegriff Gesundheitsziele als vermittelndes Instrument zwischen Gesundheitspolitik und Berichterstattung zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung.
3. Historische Entwicklung von Gesundheitszielen in Deutschland: Es wird der langsame Prozess der Zielentwicklung dargestellt, der geprägt ist durch föderale Unterschiede und das Fehlen einer übergreifenden Strategie auf Bundesebene.
4. Schwerpunkte der Gesundheitsziele in Deutschland: Das Kapitel beleuchtet die sechs nationalen Gesundheitsziele und die Bedeutung der Chancengleichheit bei der gesundheitlichen Versorgung.
5. Historische Entwicklung von Gesundheitszielen in Österreich: Der Fokus liegt hier auf dem Beschluss der Bundesgesundheitskommission von 2011 und dem partizipativen Prozess zur Erarbeitung der zehn Rahmen-Gesundheitsziele.
6. Schwerpunkte der Gesundheitsziele in Österreich: Hier werden die österreichischen Schwerpunkte wie Determinantenorientierung und das Konzept "Health in all Policies" detailliert beschrieben.
7. Gründe für eine verspätete Gesundheitszielentwicklung: Das Kapitel analysiert strukturelle Probleme, wie die Fragmentierung der Akteure und die konkurrierende Gesetzgebung im deutschen Gesundheitssystem.
8. Frühere Entwicklung von Gesundheitsziele am Beispiel Englands: England dient als internationaler Vergleichsmaßstab, da dort bereits frühzeitig zielorientierte Ansätze erfolgreich implementiert wurden.
9. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, wobei die sozioökonomische Ausrichtung als wesentlicher Faktor für die zeitliche Verzögerung in Deutschland und Österreich bestätigt wird.
Schlüsselwörter
Gesundheitsziele, Gesundheitsförderung, Gesundheitspolitik, Deutschland, Österreich, WHO, Ottawa-Charta, Chancengleichheit, Gesundheitssysteme, Gesundheitsberichterstattung, Implementierung, Prävention, Lebensqualität, Sozialversicherung, Versorgungssteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Einführung und Entwicklung von Gesundheitszielen in Deutschland und Österreich im Vergleich und untersucht, warum diese Länder im internationalen Kontext vergleichsweise spät mit der Umsetzung begannen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Genese der Gesundheitsziele, die methodischen Ansätze zur Zielformulierung, der Einfluss föderaler Strukturen und die Bedeutung internationaler Vorbilder wie England.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel besteht darin, die Gesundheitszielprogramme Deutschlands und Österreichs zu erläutern und wissenschaftlich fundierte Erklärungsansätze für die späte Entwicklung dieser Konzepte in beiden Ländern zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und vergleichende Analyse auf Basis von Literaturstudien, offiziellen Berichten und gesundheitspolitischen Dokumenten durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert die Entwicklungspfade, Schwerpunkte, strukturellen Hürden (Fragmentierung, Gesetzeslage) und die erfolgreiche Praxis in England als Kontrastfolie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Gesundheitsziele, Gesundheitspolitik, Chancengleichheit und Systemvergleich charakterisieren.
Warum spielt die Fragmentierung der Akteure eine so wichtige Rolle bei der Verzögerung?
Die Fragmentierung führt zu einer unklaren Verteilung von Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Versicherungsträgern, was die Konsensfindung und die Erarbeitung einer einheitlichen Handlungsstrategie erschwert.
Inwiefern unterscheidet sich das englische Modell von dem in Deutschland und Österreich?
England hat durch eine stärkere nationale Steuerung, kurzfristigere und präzisere Zielsetzungen sowie eine großzügigere finanzielle Ausstattung eine zügigere und erfolgreichere Implementierung erreicht.
- Arbeit zitieren
- Corinna Schneider (Autor:in), 2014, Gesundheitspolitik im internationalen Vergleich: Deutschland, Österreich und England, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284685