Ich werde zu Beginn meiner Arbeit auf den Begriff der geistigen Behinderung Bezug nehmen und auf die vergangenen und aktuellen Lebensbedingungen von Menschen, die als geistig behindert gelten, eingehen. Darauf aufbauend sollen die bisherigen Überlegungen dann zusammengeführt werden.
Es wird um die Frage gehen, wie das Selbstbestimmungsparadigma auf Menschen mit geistiger Behinderung übertragen werden kann und welche bisherigen Errungenschaften und Erfolge in der Praxis bereits zu verzeichnen sind. Um den persönlichen Nutzen dieser Arbeit auch auf die handlungspraktische oder. fachlich-professionelle Ebene auszudehnen, gebe ich im letzten Teil Anregungen dazu, wie sich professionelle Helfer in Bezug auf ihr berufliches Selbstverständnis orientieren sollten und welche Rolle ihnen in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung zuteilwerden muss, um Selbstbestimmung als „neue Kultur des Helfens“ zu fördern und zu unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Menschen mit geistiger Behinderung
2.1. Definitionsansätze und Beschreibungsversuche
2.2. Geschichte der Behindertenarbeit und Enthospitalisierung
2.3. Von der Normalisierung zur Selbstbestimmung – Leitbilder in der Arbeit mit (geistig) behinderten Menschen
3. Selbstbestimmung für Menschen mit geistiger Behinderung?
3.1. Alltagsbezogene Selbstbestimmung durch tagesstrukturierende Aufgaben
3.2. Wohnen, Arbeit und Freizeit –Selbstbestimmung in allen Lebensbereichen
4. Perspektiven / Beispiel eines Handlungsmodells aus der Praxis (Werkstatthaus Hamburg – Wohnen und Arbeiten in der Stadt)
5. Konsequenzen für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit
5.1. Werte, Einstellungen und Bereitschaft der Mitarbeiter
5.1. Zur Rolle der professionellen Helfer
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das Paradigma der Selbstbestimmung erfolgreich auf Menschen mit geistiger Behinderung übertragen werden kann. Dabei wird analysiert, wie professionelle Unterstützungsstrukturen und die Haltung von Fachkräften gestaltet sein müssen, um Betroffenen ein sinnerfülltes Leben und eine echte Teilhabe am gesellschaftlichen Alltag zu ermöglichen.
- Normalisierungsprinzip und Integration in der Behindertenhilfe
- Entwicklung und Umsetzung des Selbstbestimmungs-Konzepts
- Praktische Handlungsmodelle (Beispiel Werkstatthaus Hamburg)
- Neuausrichtung der professionellen Rolle von Betreuern zu Assistenten
- Bedeutung der Teilhabe an Wohnen, Arbeit und Freizeit
Auszug aus dem Buch
3.2. Wohnen, Arbeit und Freizeit –Selbstbestimmung in allen Lebensbereichen
Die traditionellen Sondereinrichtungen, Großanstalten, Pflege- und Wohnheime, bieten meist keine optimalen Bedingungen, um die Leitgedanken Normalisierung, Integration und Selbstbestimmung entsprechend umzusetzen.27
„Normales“ Wohnen etwa bedeutet gemeinhin, neben dem Wohnraum auch eine eigene Küche und ein eigenes Bad zur Verfügung zu haben. Weiter gehören dazu ein eigener Eingang und ein Namensschild, dass der Räumlichkeit eine Identität verleiht. Im Allgemeinen kann der Besitzer bestimmen, zu welcher Zeit und in welcher Art und Weise er sie nutzt und wem er Zutritt gewährt. Ein Wohnraum sollte ein Ort der Geborgenheit sein, Privatsphäre bieten und hat mit Intimität, Selbstverwirklichung, selbstbestimmter Kommunikation und Autonomie im persönlichen Leben zu tun,27 was ohne Einschränkung auch für Menschen mit Behinderung gelten muss. Befragungen haben ergeben, dass auch sie eigene Vorstellungen und Zukunftsvisionen entwickeln und artikulieren, daher sind ihre Wünsche, Interessen und Einschätzungen zu akzeptieren und müssen ernst genommen werden. Die meisten geistig behinderten Menschen signalisieren Lebenszufriedenheit erst dann, wenn die Wohnbedingungen sowohl Sicherheit und Geborgenheit bieten, etwa durch Einzelzimmer, Privatsphäre, verlässliche Bezugspersonen, als auch Unabhängigkeit und die Möglichkeit einer autonomen Lebensführung zulassen (Empowerment, Selbstbestimmung, Partizipation).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert das erkenntnisleitende Interesse des Autors, basierend auf beruflichen Erfahrungen, und führt in die zentrale Fragestellung der Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung ein.
2. Menschen mit geistiger Behinderung: Dieses Kapitel behandelt definitorische Ansätze, die historische Entwicklung der Behindertenarbeit von der Ausgrenzung bis zur Normalisierungsbewegung und die Bedeutung des Wandels für das heutige Menschenbild.
3. Selbstbestimmung für Menschen mit geistiger Behinderung?: Hier wird die Übertragbarkeit des Selbstbestimmungs-Konzepts auf den Alltag, die Arbeitswelt und die Freizeitgestaltung diskutiert, unterstrichen durch die Forderungen der "People First"-Bewegung.
4. Perspektiven / Beispiel eines Handlungsmodells aus der Praxis (Werkstatthaus Hamburg – Wohnen und Arbeiten in der Stadt): Anhand des Stadthaus-Hotels wird ein konkretes Modell vorgestellt, das die Leitlinien der Normalisierung und Selbstbestimmung durch Personenzentrierung erfolgreich umsetzt.
5. Konsequenzen für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit: Das Kapitel thematisiert die erforderliche Veränderung des beruflichen Selbstverständnisses von Fachkräften, weg vom Betreuer hin zum Assistenten, der Ressourcen und Wünsche der Betroffenen in den Mittelpunkt stellt.
6. Schluss: Der Autor resümiert die gewonnenen Erkenntnisse, betont die Notwendigkeit einer partizipativen Haltung und plädiert für eine offensive Öffentlichkeitsarbeit sowie den weiteren Ausbau von Selbstvertretungsgruppen.
Schlüsselwörter
Selbstbestimmung, Geistige Behinderung, Normalisierung, Integration, Empowerment, Assistenz, Teilhabe, Sozialarbeit, Lebensweltorientierung, Behindertenhilfe, Personenzentrierung, Fachkräfte, Inklusion, Wohngruppen, Selbstvertretung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie das Ideal der Selbstbestimmung für Menschen mit geistiger Behinderung in die Praxis umgesetzt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Behindertenhilfe, die Konzepte Normalisierung und Integration sowie die Anforderungen an eine moderne, personenzentrierte Assistenz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie behinderte Menschen durch professionelle Begleitung und ein verändertes institutionelles Handeln mehr Kontrolle über ihr eigenes Leben gewinnen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und eine kritische Auseinandersetzung mit pädagogischen Konzepten sowie Praxisbeispielen, um ein theoretisch begründetes Fazit für die soziale Arbeit zu formulieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie sich Selbstbestimmung in den Lebensbereichen Wohnen, Arbeit und Freizeit realisieren lässt und welche neue Rolle professionelle Helfer dabei einnehmen müssen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die wichtigsten Begriffe sind Selbstbestimmung, Normalisierung, Empowerment, Assistenz und soziale Teilhabe.
Welche Rolle spielt das "Werkstatthaus Hamburg" im Dokument?
Es dient als praxisorientiertes Fallbeispiel, um zu verdeutlichen, wie die Theorie der Selbstbestimmung durch ein real existierendes Modell (Hotelbetrieb mit Wohnanbindung) erfolgreich umgesetzt wird.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Helfers vom klassischen Betreuer?
Der neue Ansatz des Assistenten löst die medizinische Defizitsicht ab. Statt über den Menschen zu bestimmen, agiert der Helfer als Unterstützer, der die Autonomie des Einzelnen fördert und dessen Lebensentwürfe ernst nimmt.
- Quote paper
- Mark Ormerod (Author), 2004, Angewandte Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284729