Paul-Hermann Gruner behauptet in seinem Buch „Frauen und Kinder zuerst“, dass Frauen und insbesondere Feministinnen selbst schuld sind, wenn ihre Arbeiten kritisiert werden. Sie suchen die Opferrolle und sie ist ja auch bequemer. Das vielbeschworene Patriarchat ist seiner Meinung nach noch existent, weil „…ein Regelwerk zwischen zwei Vertragsparteien, das ausschließlich auf Kosten einer Partei existiert…“ binnen kurzer Zeit zusammenbricht und unmöglich 2500 Jahre bestehen kann. Die 100jährige Sklaverei der Schwarzen in Nordamerika, die Apartheid in Südafrika, der 70 Jahre andauernde Kommunismus einschließlich Lenins und Stalins Regentschaft sowie Hitlers vergleichsweise kurzer Auftritt in der Geschichte sollen beweisende Beispiele sein. Er resümiert: „Wer so lange vergeblich auf sein Recht pocht…ist entweder unfähig…oder…es gibt sie so gar nicht, diese Benachteiligung, und das Getöse von der Herrschaft des Mannes ist eine Behauptung mit äußerst begrenztem Wahrheitsgehalt.“ Er schlussfolgert, dass es sie also gegeben haben muss, die angenehmen Seiten der Männerherrschaft.
Barbara Bierach äußert sich in ihrem Buch „Das dämliche Geschlecht“ ganz ähnlich: Sie bemängelt, dass der Frauenanteil im Management verschwindend gering ist und stellt fest, dass sich erschreckend viele als Hausfrau und Mutter mit Mitte 30 in ein Vorstadtviertel zurückziehen. Aber gerade jene Frauen, resümiert sie, sind es dann, die sich darüber beschweren, dass die Anderen, die Männer, die Macht haben. Was also hält Frauen in Deutschland davon ab, eine Karriere anzustreben und sich 50 Prozent ihres Machtanteils einzufordern? Bierach betont, dass nicht die allein erziehenden Mütter gemeint sind, die von Sozialhilfe leben, sondern jene, die die besten Voraussetzungen haben: Junge Akademikerinnen mit Potential, ungenutzt verpufft. Wenn sich die Mühen endlich lohnen könnten, ziehen sie sich zurück und drücken sich davor, Verantwortung zu übernehmen.
Gliederung
1. Einleitung
2. Das soziokulturelle Erbe
2.1. Traditionelle Wertvorstellungen und daraus resultierende Rollenkonflikte
2.2. Sozialisation als Rechtfertigung? – Wie kommt es zu unterschiedlichen Denkmustern z. B. bei der Arbeitsteilung von Mann und Frau?
3. Karriere und Karriereplanung
3.1. (Eigenschafts-) Anforderungen
3.2. Fachliche Qualifikation
3.3. Begriff der Führungskraft
3.4. Kriterien für den beruflichen Aufstieg
4. Karrierehindernisse
4.1. Warum Frauen weniger verdienen
4.2. Die Unterrepräsentierung von Frauen in Führungspositionen und warum der Erziehungsurlaub zur Karrierefalle werden kann
4.3. Warum Frauenförderungsprojekte und Quotenregelungen Frauen eher schaden als nutzen
5. Weibliche Führungskräfte mit Kindern
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die Unterrepräsentierung von Frauen in Führungspositionen, wobei ein besonderer Fokus auf der kritischen Hinterfragung soziokultureller Rollenbilder und der persönlichen Entscheidungsfreiheit liegt.
- Analyse soziokultureller Prägungen und Rollenkonflikte.
- Untersuchung von Karrierehindernissen wie Gehaltsunterschieden und Erziehungsurlaub.
- Kritische Reflexion von Frauenförderungsprojekten und Quotenregelungen.
- Diskussion über die Vereinbarkeit von Führungspositionen und Mutterschaft.
- Bewertung der Eigenverantwortung von Frauen bei der Karriereplanung.
Auszug aus dem Buch
4.1. Warum Frauen weniger verdienen
Frauen sind bei Gehaltsforderungen bescheidener als Männer. Das fanden amerikanische Psychologen in einem Experiment mit 200 Studenten heraus. Das Selbstbewusstsein und die Qualifikation sind die entscheidenden Faktoren für folgende im „Journal of Experimental Social Psychology“ veröffentlichten Untersuchungsergebnisse:
200 Studenten bekamen Aufgaben mit einem unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad. Im Nachhinein konnten sie ein Honorar einfordern, auch wenn sie an der Aufgabe gescheitert waren. „Bei sachgemäß erledigter Arbeit verlangten beide Geschlechter etwa gleich viel Honorar. Konnten sie die Aufgabe nicht lösen, gaben sich die weiblichen Testpersonen indes mit rund der Hälfte zufrieden. Männer dagegen hielten an ihren Gehaltswünschen fest – gleichgültig, welche Ergebnisse sie erzielt hatten.“
Ob die Studenten neben der Uni arbeiteten, hatte ebenfalls einen Einfluss auf die Ergebnisse. Das Fazit: „Eine schlecht bezahlte Arbeit zu besitzen hatte ungefähr den gleichen Effekt wie eine Frau zu sein.“ Wer viel verdiente, verlangte auch im Experiment mehr Geld.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der unterrepräsentierten Frauen in Führungspositionen ein und stellt die provokante These zur Diskussion, ob es sich dabei primär um ein Mentalitätsproblem handelt.
2. Das soziokulturelle Erbe: Dieses Kapitel analysiert traditionelle Rollenbilder und Sozialisationsprozesse, die zu verfestigten Denkmustern bei der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung beitragen.
3. Karriere und Karriereplanung: Es werden die Anforderungen an Führungskräfte sowie die Kriterien für den beruflichen Aufstieg untersucht, um zu klären, ob hier objektive Barrieren für Frauen existieren.
4. Karrierehindernisse: Das Kapitel identifiziert spezifische Hürden wie Gehaltsunterschiede, die Auswirkungen des Erziehungsurlaubs und die umstrittene Effektivität von Frauenförderungsprogrammen.
5. Weibliche Führungskräfte mit Kindern: Hier wird das Spannungsfeld zwischen der beruflichen Karriere und der Mutterschaft sowie der gesellschaftliche Druck, der auf Frauen lastet, beleuchtet.
6. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und fordert ein Umdenken bei der Aufgabenteilung im Haushalt sowie ein neues Verständnis von Emanzipation, das beide Geschlechter in die Pflicht nimmt.
Schlüsselwörter
Frauen in Führungspositionen, Karriereplanung, Rollenkonflikte, Sozialisation, Karrierehindernisse, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Erziehungsurlaub, Gehaltsunterschiede, Frauenförderung, Quotenregelung, Mentale Barrieren, Soziokulturelles Erbe, Führungskraft, Gender, Emanzipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gründe für die geringe Präsenz von Frauen in Führungspositionen in Deutschland und hinterfragt, inwieweit gesellschaftliche Rollenbilder und individuelle Einstellungen zu diesem Missverhältnis beitragen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Einfluss der Sozialisation, den Hürden bei der Karriereplanung, den Gehaltsunterschieden zwischen den Geschlechtern sowie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, zu ergründen, warum Frauen selten in Führungspositionen zu finden sind und welche Faktoren – von gesellschaftlichen Strukturen bis hin zur persönlichen Entscheidungsfindung – ihren Aufstieg verhindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine Literaturanalyse, um verschiedene Erklärungsansätze und empirische Untersuchungen zum Thema Frauen in Führungspositionen miteinander zu verknüpfen und kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des soziokulturellen Erbes, die Analyse von Karriereanforderungen, die Identifikation von Hindernissen im Berufsalltag sowie die spezifische Rolle der Mutterschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Karrierehindernisse, Rollenkonflikte, Vereinbarkeit, Frauenförderung und soziale Prägung charakterisiert.
Inwiefern spielt das Konzept der „Glasdecke“ eine Rolle?
Die Autorin hinterfragt die These der „Glasdecke“ und argumentiert, dass oft Einstellungen und individuelle Entscheidungen der Frauen selbst eine wesentliche Rolle bei der Karriereentwicklung spielen.
Was ist das Fazit der Autorin bezüglich der Emanzipation?
Die Autorin schlussfolgert, dass wahre Emanzipation für beide Geschlechter gleichermaßen unbequem ist und eine echte Aufgabenteilung im Haushalt sowie ein konsequentes Aufbrechen starrer Rollenbilder erfordert.
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- Ines Hoffmann (Author), 2004, Frauen in Führungspositionen: ein Mentalitätsproblem?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28473