Die klassische Kapitalmarkttheorie beruht auf dem Prinzip, dass es eine lineare Beziehung zwischen Risiko und Rendite gibt: höhere Renditen können nur durch höheres Risiko erzielt werden. Dennoch scheint es empirisch langfristig keine Beweise für diese Beziehung zu geben. Im Gegenteil - Baker, Bradley & Wurgler konnten sogar zeigen, dass Aktienportfolios, die nach gängiger Definition geringes Risiko ausweisen, deutlich höhere risikobereinigte Renditen erzielten als risikoreichere Aktienportfolios. Dieses Phänomen nennt sich "low volatility anomaly".
Diese Arbeit wird zuerst die Grundlagen der klassischen Kapitalmarkttheorie erläutern und sich anschließend der Frage widmen, inwiefern die erwähnte low volatility anomaly durch Ansätze der Behavioural Finance erklärt werden können und weshalb innovative Investoren diesen Effekt noch nicht ausgenutzt haben. Schlussendlich wird dargelegt, welche Implikationen diese Erkenntnisse sowohl für die klassische Kapitalmarkttheorie als auch für Investoren haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung und Fragestellung
2. Klassische Kapitalmarkttheorie
2.1. Rationalität und Effizienzmarkttheorie
2.2. Das traditionelle Kapitalgutpreismodell
3. Die Low-Volatility Anomaly
3.1. „Low Beta is a High Alpha“
3.2. Mögliche Erklärungen
4. Grenzen der Rationalität
4.1. Limitierungen und Heuristiken
4.2. Probability Bias
4.3. Representativeness Bias
4.4. Mental Accounting Bias
4.5. Overconfidence Bias
5. Grenzen der Arbitrage
5.1. Arbitrage in der Theorie
5.2. Fremdkapitalaufnahme
5.3. Benchmarking
6. Kritik und Zusammenfassung
6.1. EMT und Rationalität
6.2. Portfoliowahl
6.3. Abschließende Bemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die klassische Kapitalmarkttheorie und beleuchtet die empirisch belegte „Low-Volatility Anomaly“, bei der Aktien mit geringerem Risiko langfristig höhere Renditen erzielen. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern Ansätze der Behavioural Finance dieses Phänomen erklären können und warum es bisher nicht durch Arbitrage-Prozesse eliminiert wurde.
- Grundlagen der klassischen Kapitalmarkttheorie und Effizienzmarkthypothese
- Empirische Evidenz der Low-Volatility Anomaly
- Psychologische Verzerrungen (Biases) als Erklärung für irrationales Marktverhalten
- Grenzen der Arbitrage durch institutionelle Rahmenbedingungen
- Implikationen für Investoren und die Portfoliowahl
Auszug aus dem Buch
3.1. „Low Beta is a High Alpha“
Eine aktuelle empirische Studie stellt jedoch das Konzept von Risiko und Rendite im Verständnis des CAPM-Modells grundsätzlich in Frage. In der Zeitspanne von 1968 bis 2008 kategorisierten Baker, Bradley und Wurgler (2011) die Aktien des US-Markts in jedem Monat entweder nach ihrer Volatilität oder ihrem Beta und verglichen diese Portfolios hinsichtlich ihrer Renditen. Sie betrachteten sowohl den ganzen Markt als auch nur die Top 1.000 Aktien nach Marktkapitalisierung.
„Regardless of whether we define risk as volatility or beta or whether we consider all stocks or only large caps, low risk consistently outperformed high risk over the period.“ (Baker, Bradley, & Wurgler, 2011, S. 41).
Das Ergebnis der Studie widerspricht dem fundamentalen Prinzip des Risiko-Rendite-Modells von Sharpe, Lintner & Mossin, dass höhere Renditen nur durch höheres Risiko erreicht werden können: Baker, Bradley und Wurgler konnten empirisch beweisen, dass Aktienportfolios mit geringer Volatilität und geringem Beta langfristig unerwartet hohe durchschnittliche Renditen boten. Dieses Phänomen wird low-volatility anomaly genannt: „That low beta is a high alpha ist a robust historical pattern.“ (Baker, Bradley, & Wurgler, 2011, S. 43).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung und Fragestellung: Hinführung zur Thematik der Low-Volatility Anomaly und Darstellung des Zieles der Arbeit.
2. Klassische Kapitalmarkttheorie: Erläuterung des Modells des „homo oeconomicus“ und des Capital Asset Pricing Models (CAPM).
3. Die Low-Volatility Anomaly: Empirische Darstellung der Diskrepanz zwischen Modellvorhersage und tatsächlichen Marktrenditen.
4. Grenzen der Rationalität: Untersuchung kognitiver Verzerrungen, die zu einer Überbewertung riskanter Anlagen führen.
5. Grenzen der Arbitrage: Analyse der Hindernisse, die eine Korrektur der Anomalie durch professionelle Marktteilnehmer verhindern.
6. Kritik und Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Diskussion der Implikationen für moderne Anlagestrategien.
Schlüsselwörter
Kapitalmarkttheorie, Risiko, Rendite, Low-Volatility Anomaly, Behavioural Finance, CAPM, Beta, Arbitrage, Effizienzmarkthypothese, Homo oeconomicus, Probability Bias, Representativeness Bias, Mental Accounting, Portfoliowahl, Benchmarking.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Diskrepanz zwischen der klassischen Kapitalmarkttheorie, die eine lineare Beziehung zwischen Risiko und Rendite postuliert, und der empirischen Realität.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die klassische Kapitalmarkttheorie (CAPM), die Behavioural Finance und das Phänomen der Low-Volatility Anomaly.
Welches Ziel verfolgt der Autor?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, warum Aktien mit geringem Risiko langfristig besser abschneiden als risikoreiche Aktien und warum dieser Effekt trotz seiner Bekanntheit nicht weg-arbitriert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und wertet aktuelle empirische Studien zum Thema Marktineffizienz aus.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Im Hauptteil werden psychologische Biases (wie Overconfidence oder Probability Bias) und strukturelle Grenzen der Arbitrage (wie Fremdkapitalbeschränkungen und Benchmarking) untersucht.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Risiko, Rendite, Effizienzmarkthypothese, Low-Volatility Anomaly und Behavioural Finance.
Warum spielt der „Homo oeconomicus“ in dieser Arbeit eine Rolle?
Er dient als theoretisches Gegenmodell, dessen Annahmen durch die Erkenntnisse der Behavioural Finance und die beobachtete Anomalie widerlegt bzw. in Frage gestellt werden.
Welche Rolle spielt das Benchmarking für Investmentmanager?
Es erzeugt einen ökonomischen Anreiz für Manager, eher in riskante Titel zu investieren, um kurzfristige Performance-Ziele gegenüber ihren Kunden zu erreichen, was die Anomalie verstärken kann.
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- Robin Wagner (Author), 2012, Risiko und Rendite. Eine kritische Betrachtung der klassischen Kapitalmarkttheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284752