Einige werden vielleicht die Initiative „Klicksafe.de“ kennen, welche von der Europäischen Union initiiert und gefördert wird. In einem für den Fernsehmarkt produzierten Werbespot klingeln mehrere Personen an der Türe eines Einfamilienhauses. Zunächst Rechtsradikale, dann ein Commander aus einem Ego-Shooter. Sie möchten alle zu Klaus. Die Mutter von Klaus macht die Tür auf und zeigt ihnen den Weg. Plötzlich steht die kleine Anna neben der Mutter und ein Mann erscheint in der Tür. Dieser fragt Anna, ob sie mal einen richtigen Hasen sehen möchte. Abschließend wird die Aufschrift „Im wirklichen Leben würden sie ihre Kinder schützen, dann machen sie es doch auch im Internet“ eingeblendet. Der Grund, warum ich den Werbespot an dieser Stelle erwähne, ist ein anderer als der Präventionsgedanke. Mich interessiert das Bild des Mannes, der die kleine Anna mitnimmt, um ihr einen Hasen zu zeigen. Es handelt sich nämlich um das gesellschaftliche Bild eines Täters, der Kinder sexuell missbraucht. Leicht korpulent, Glatze, Trenchcoat, Brille, Herrenhandtasche und womöglich alleinstehend. Spannenderweise ist gerade dieses Bild weit verbreitetet in unserem gesellschaftlichen Denken. So sieht er aus; der nette Onkel von nebenan. Schaut man sich Filme aus jüngster oder vergangener Zeit an, die diese Thematik aufnehmen, mündet das Bild in die gleiche Richtung. Das gesellschaftliche Bild des klassischen Sexualstraftäters. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass sich mein eigenes Bild vom beschriebenen zu Beginn dieser Arbeit nicht sonderlich unterschied. Bewusst bleibe ich bei meiner Beschreibung bei der männlichen Form, weil auch dies zu dem gesellschaftlichen Bild dazugehört. „Frauen missbrauchen keine Kinder!“, dies ist auch eine gesellschaftlich verankerte Meinung. Auch für mich war dieser Gedanke neu. Das klassische gesellschaftliche Bild eines Sexualstraftäters definiert sich nicht über äußerliche Merkmale, sondern durch die Tatsache, dass es sich um einen Mann handelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der sexuelle Missbrauch von Kindern – Eine Einführung
2.1. Missbrauch im Wandel der Zeit
2.2. Sexuelle Misshandlung/ sexueller Missbrauch – Definition
2.3. Rechtlicher Überblick – sexueller Missbrauch
2.4. Prävalenz und statistische Daten
2.5. Sexuelle Präferenzstörung Pädophilie – Exkurs
2.6. Formen des Missbrauchs
2.6.1. Missbrauch im Abhängigkeitsverhältnis der Eltern-Kind-Beziehung
3. Sexueller Missbrauch durch Frauen
3.1. Frauen als Täterinnen – Täterprofile & Ursachen
3.2. Hintergrundwissen über Täterinnen im familiären Kontext
3.2.1. Hintergrundwissen über Täterinnen des sexuellen Missbrauchs
3.2.2. Täterinnen im familiären Kontext
4. Das Kind als Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Frauen
4.1. Opferstrukturen
4.2. Folgen des sexuellen Missbrauchs
4.3. Bewältigungsstrategien aus Sicht der Opfer
4.4. Das „Nicht-Wahrnehmen“ des sexuellen Missbrauchs
5. Interventionsmöglichkeiten und Bewältigungsstrategien aus Sicht der Sozialen Arbeit
5.1. Mögliche Interventionsmöglichkeiten
5.1.1. Gesetzliche Interventionsmöglichkeiten – Aufgaben des Jugendamts
5.1.2. Verdachtsabklärung des sexuellen Missbrauchs und deren Erschwernisse
5.2. Sexueller Missbrauch durch Frauen - Präventionsarbeit
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelor-Arbeit untersucht das gesellschaftlich oft tabuisierte Phänomen des sexuellen Kindesmissbrauchs durch Frauen. Ziel der Arbeit ist es, das einseitige, männlich geprägte Täterbild zu hinterfragen, Ursachen und Strukturen weiblicher Täterschaft zu analysieren sowie die Situation der betroffenen Kinder und die Interventionsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit kritisch zu beleuchten.
- Analyse von Täterinnenprofilen und Motiven für sexuelle Gewalt durch Frauen.
- Untersuchung der Opferstrukturen und langfristigen Folgen für betroffene Kinder.
- Kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Wahrnehmungsbarrieren und Rollenklischees.
- Darstellung rechtlicher und praktischer Interventionsmöglichkeiten des Jugendamts.
- Erörterung von Präventionsstrategien zur Stärkung der kindlichen Selbstbestimmung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Missbrauch im Wandel der Zeit
Zwar hört es sich in unserem gegenwärtigen Bewusstsein eher abstoßend an, aber in der Antike sowie in weiteren früheren Überlieferungen waren sexuelle Handlungen mit Kindern gesellschaftlich akzeptiert. Beispielsweise waren in der Antike in streng reglementierten Zusammenhängen sexuelle Beziehungen zwischen Jungen und Männern erlaubt. Abgesehen auch von der Tatsache, dass es gerade in der Antike möglich war, Jungen bzw. Sklavenjungen für sexuelle Handlungen zu mieten. In diesem Zusammenhang ist in der einschlägigen Fachliteratur von „Knabenliebe“ die Rede. Wichtig an dieser Stelle sind die Voraussetzungen, für solch eine sexuelle Beziehung. In Griechenland setzte diese Art von Beziehung die geistige Unterlegenheit der Jungen und eine einseitige Liebesbegehrung der Männer voraus. Der Geschlechtsverkehr mit Jungen wurde meist mit teuren Geschenken erkauft. Bordelle in denen junge Männer arbeiteten waren in der Antike keine Seltenheit.
„Im Griechenland jener Zeit gab es auch Gesetze gegen Kindesmißbrauch(!), teilweise wurden sexuelle Kontakte mit Kindern sogar streng bestraft. Dies war nötig, da auch viele kleine Jungen der >>griechischen Knabenliebe<< zum Opfer fielen.“
Nicht nur in Griechenland, sondern auch in Rom, wurden junge Männer vordergründig als Sexualobjekte missbraucht. Erst Kaiser Domitian (römischer Kaiser von 81 bis 96 n.Chr.) verbot beispielsweise die Kastration von Kindern, die für Bordelle vorgesehen waren, und stellte dies unter Strafe.
Auch in den Zeiten des Mittelalters gab es keine veränderte Situation. Die häufigsten Übergriffe richteten sich von Seiten der Männer oftmals gegen junge, schmächtige Männer bzw. Jungen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Problematik zunehmend erkannt. So wurde 1548 in England ein Gesetz zum Schutz von Jungen verabschiedet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das gesellschaftlich tief verankerte, stereotype Bild des männlichen Sexualstraftäters und erläutert die Motivation des Autors, sich mit der bisher vernachlässigten Thematik weiblicher Täterschaft auseinanderzusetzen.
2. Der sexuelle Missbrauch von Kindern – Eine Einführung: Dieses Kapitel bietet einen geschichtlichen Überblick über den Kindesschutz, definiert den Begriff des Missbrauchs und erörtert statistische Daten sowie neurobiologische Aspekte der Pädophilie.
3. Sexueller Missbrauch durch Frauen: Hier werden verschiedene Täterinnenprofile, Ursachen sowie der familiäre Kontext analysiert, um zu hinterfragen, ob weibliche Täterschaft primär aus eigenen Opfererfahrungen resultiert.
4. Das Kind als Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Frauen: Der Fokus liegt auf der Analyse der Opferstrukturen, den psychosomatischen sowie psychischen Folgen des Missbrauchs und den individuellen Bewältigungsstrategien der Opfer.
5. Interventionsmöglichkeiten und Bewältigungsstrategien aus Sicht der Sozialen Arbeit: Das Kapitel behandelt die Aufgaben des Jugendamts bei Verdachtsfällen, die Herausforderungen bei der Abklärung sowie präventive Ansätze in der pädagogischen Arbeit.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen, widerlegt die vorab aufgestellten Thesen und plädiert für eine stärkere Berücksichtigung der Thematik in der Lehre und professionellen Praxis der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Sexueller Missbrauch, Frauen als Täterinnen, Kindeswohlgefährdung, Soziale Arbeit, Prävention, Täterinnenprofile, Opferstrukturen, Pädophilie, Machtmissbrauch, Kinderschutz, Jugendamt, Interventionsmöglichkeiten, Geschlechterrolle, Traumatisierung, Grenzverletzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Frauen, einer Thematik, die im gesellschaftlichen Diskurs und der Fachliteratur bisher stark unterrepräsentiert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die Täterinnenbilder und deren Ursachen, die Auswirkungen des Missbrauchs auf die betroffenen Kinder, die Barrieren in der gesellschaftlichen Wahrnehmung sowie spezifische Interventionsmöglichkeiten aus Sicht der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, das einseitige, männlich dominierte Täterbild zu dekonstruieren, zu verdeutlichen, dass Frauen ebenfalls als Täterinnen agieren können, und Fachkräfte für eine Sensibilisierung gegenüber weiblicher Täterschaft zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie der Auswertung polizeilicher Kriminalstatistiken und vorhandener Studien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Einführung in die Missbrauchsthematik, eine vertiefende Analyse weiblicher Täterprofile, die Untersuchung der Opferperspektive und der Folgen für das Kind sowie eine Darlegung der Aufgaben des Jugendamts und präventiver Maßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind sexueller Missbrauch, Täterinnen, Kinderschutz, Interventionsmöglichkeiten, Opferstrukturen, Prävention und Soziale Arbeit.
Welche Rolle spielen Rollenbilder bei der Wahrnehmung weiblicher Täterschaft?
Die Arbeit legt dar, dass fest verankerte, gesellschaftliche Klischees, die die Frau primär als pflegende und schützende Mutter definieren, eine große Wahrnehmungsbarriere bilden, die es erschwert, Frauen überhaupt als potenzielle Täterinnen in Betracht zu ziehen.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Interventionsangebote?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die These einer fehlenden Spezialisierung widerlegt ist; es existieren zwar Anlaufstellen für diese Problematik, diese sind jedoch noch nicht flächendeckend ausgebaut und bedürfen einer stärkeren Integration in die professionelle Ausbildung.
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- Sascha Krüger (Autor), 2012, Sexueller Missbrauch an Kindern durch Frauen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284845