Im Mittelpunkt der historischen Werke Ludwig Tiecks "Der Hexensabbat"und "Vittoria Accorombona" stehen jeweils bürgerliche Frauen und Familien. In beiden wird der Kampf der Frauen um Emanzipation gegen gesellschaftliche Konventionen sowie die Durchdringung der Familie von den Institutionen Kirche und Staat dargestellt. Die Schilderung dieser Konflikte innerhalb der Gattung des Historischen Romans verleitet zu der Frage, ob und inwiefern diese Strukturen auf den allgemeinen Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft übertragen werden können. Ziel dieser Hausarbeit soll es daher sein, die Bedeutung von Familie und Ehe sowie die Rolle der Frau im Speziellen im Hinblick ihrer Abhängigkeiten von Staat und katholischer Kirche zu untersuchen und vor allem die Frage zu klären, inwieweit dabei eine Wechselwirkung zur gesellschaftlichen Ordnung festzustellen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung bürgerlicher Familie und Frauen im Spiegel von Kirche, Staat und Gesellschaft
2.1. Bürgerliche Familie und Ehemodelle
2.2. Kirchliche Weiblichkeitsimaginationen und bürgerliches Frauenbild Tiecks
2.3. Individuum und Staat
3. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Familie und Ehe sowie die Rolle der Frau in Ludwig Tiecks historischen Werken Der Hexensabbat und Vittoria Accorombona. Im Fokus steht dabei die Frage, wie diese Strukturen im Kontext staatlicher und kirchlicher Abhängigkeiten den Konflikt zwischen Individuum und gesellschaftlicher Ordnung widerspiegeln.
- Darstellung bürgerlicher Ehemodelle und familiärer Strukturen
- Rolle und Emanzipationsbestreben von Frauenfiguren
- Einfluss von Kirche und Staat auf die private Sphäre
- Politisierung des Bürgertums und das Motiv des Individuums
Auszug aus dem Buch
2.1. Bürgerliche Familie und Ehemodelle
Die Familie nimmt sowohl im Hexensabbat als auch in Vittoria Accorombona einen besonderen Platz ein. Ihr Verlust trägt maßgeblich zum Scheitern der einzelnen Person – insbesondere der Frau – bei, wie es das Schicksal der Gertrud im Hexensabbat verdeutlicht. Durch die Pflege und das Verstecken des gesuchten Mörders Denis soll die fehlende Familie kompensiert werden – Gertrud bezeichnet ihn sogar als ihren „Bruder“ – und damit neuen Lebenssinn stiften. Als Mutter von Kindern, die die Familienehre beschädigt und damit zum Untergang dieser geführt haben, verfällt Donna Julia am Ende, ebenso wie die von der Kirche um die Mutterrolle betrogene Gertrud, dem Wahnsinn. Die Zuschreibungen von „Mütterlichkeit“ innerhalb bürgerlicher Weiblichkeitskonzepte erfahren im 19. Jahrhundert parallel zum neuen Familienparadigma einen Auftrieb, der auch auf den kirchlichen Marienkult und dem damit einhergehenden Tugend- und Vorbildcharakter der Maria als Mutter Gottes gründet. Die neue „Mütterlichkeit“ in der bürgerlichen Familie wird von Tieck durch die Matrone Julia in Vittoria Accorombona als „Aufstieg der bürgerlichen Frau“ zum Familienvorstand dargestellt.
Die Wechselbeziehung zwischen Familie und Staat, in der die Familie modellhaft als kleinste Einheit den Staat repräsentiert, erfährt auch dort besondere Aufmerksamkeit, wo der monarchisch regierte Staat sich mittels dynastischer Erbfolge auf eine ganz bestimmte Familie gründet. Dies wird in Tiecks Hexensabbat ersichtlich in dem gespannten Verhältnis des burgundischen Herrschers Philipp des Guten zu seinem Sohn Carl und der sich daraus ergebenden politischen Spannungen: „Beide hatten Ursache, sich übereinander zu beklagen und Günstlinge und Schmeichler wendeten alle Künste an, um diese Verstimmung in einen öffentlichen Bruch zu verwandeln“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der historischen Werke Tiecks und Darlegung des Untersuchungsziels zur Rolle von Familie, Frau und gesellschaftlicher Ordnung.
2. Darstellung bürgerlicher Familie und Frauen im Spiegel von Kirche, Staat und Gesellschaft: Analyse der familiären Strukturen, der kirchlichen Weiblichkeitsbilder sowie der Machtverhältnisse zwischen Individuum und staatlichen Institutionen.
2.1. Bürgerliche Familie und Ehemodelle: Untersuchung der familiären Rollenbilder und der gesellschaftlich erzwungenen Ehemodelle in den Werken.
2.2. Kirchliche Weiblichkeitsimaginationen und bürgerliches Frauenbild Tiecks: Erörterung der religiös konnotierten Zuschreibungen an Frauen wie „Hexe“ oder „Heilige“ und deren politische Dimension.
2.3. Individuum und Staat: Analyse des Motivs des gesellschaftlichen Verfalls und der Schwierigkeit des Einzelnen, inmitten instabiler Machtverhältnisse zu bestehen.
3. Zusammenfassung: Fazit zur Bedeutung der Familie als politisches Medium und Resümee über den Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft bei Ludwig Tieck.
Schlüsselwörter
Ludwig Tieck, Der Hexensabbat, Vittoria Accorombona, Historischer Roman, Bürgertum, Familie, Ehe, Weiblichkeit, Emanzipation, Kirche, Staat, Individuum, Gesellschaftskritik, 19. Jahrhundert, Geschlechterrollen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Darstellung bürgerlicher Familienstrukturen und Frauenfiguren in zwei ausgewählten historischen Prosawerken von Ludwig Tieck.
Welche Werke von Ludwig Tieck werden analysiert?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die historische Novelle Der Hexensabbat sowie den historischen Roman Vittoria Accorombona.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie Familie, Ehe und die Rolle der Frau in diesen Texten im Hinblick auf ihre Abhängigkeit von Staat und katholischer Kirche dargestellt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Analyse moderner Forschungsliteratur sowie der textnahen Interpretation der Primärwerke von Ludwig Tieck.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit Ehemodellen, kirchlichen Weiblichkeitsimaginationen, dem Spannungsfeld zwischen Individuum und Staat sowie der Politisierung des Bürgertums.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Geschlechterrollen, bürgerliche Emanzipation, gesellschaftliche Normen, religiöse Einflussnahme und die historische Reflexion der Zeit des 19. Jahrhunderts.
Wie werden die weiblichen Protagonistinnen in den untersuchten Werken charakterisiert?
Die Frauenfiguren Catharina und Vittoria werden als emanzipierte Charaktere gezeichnet, die aufgrund ihres Strebens nach Selbstbestimmung in Konflikt mit gesellschaftlichen Konventionen und kirchlichen Strukturen geraten.
Welche Rolle spielt die Kirche in den Romanen?
Die Kirche fungiert in Tiecks Werken primär als eine den individuellen Freiheitsdrang einschränkende Macht, die durch moralische Zuschreibungen in die private Sphäre eingreift.
- Citation du texte
- Maxi Hoffmann (Auteur), 2011, Ludwig Tiecks Darstellung bürgerlicher Frauenfiguren und Familie in Bezug auf Kirche, Staat und Gesellschaft in den Historischen Prosawerken "Vittoria Accorombona" und "Der Hexensabbat", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284849