Corporate Social Responsibility. Vorstellung und Bewertung gängiger CSR-Modelle


Seminararbeit, 2012
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. CSR - mehr als umweltfreundliches Handeln der Unternehmen?
1. Begriffsbestimmung der CSR
1.1. Definitionen der CSR
1.2. Historischer Umriss
2. Vorstellung theoretischen Modelle der CSR
2.1. Vier-Stufen-Modell nach Carroll
2.2. Zwei Dimensionen nach Quazi und O’Brien
3. Bewertung der vorgestellten Modelle
3.1. Bewertung des Vier-Stufen-Modells nach Carroll
3.2. Bewertung des Zwei-Dimensionen-Modells nach Quazi und O’Brien

C. Fazit und Ausblick

D. Quellen- und Literaturverzeichnis

A. Einleitung

Im November 2012 erschien auf ZEIT ONLINE der Artikel „Tödliche Kleidung“1. Florian Willerhausen nimmt hier Bezug auf den Brand in einer Textilfabrik nördlich von Dhaka, Bangladesch, in der unter anderem auch Waren für den Modekonzern C&A gefertigt wurden.2 Schon früh in dem Artikel bringt der Autor auch den Begriff „Corporate Social Responsibility“ mit ein. Dieser Begriff - auch abgekürzt „CSR“ genannt,3 hat in der jüngs- ten Vergangenheit zunehmend an Bedeutung gewonnen, was auch daran zu erkennen ist, dass mittlerweile sogar das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hierzu ein eigenes Online-Portal eingerichtet hat4, auf dem sich die interessierten Bürger mit der Begrifflichkeit vertraut machen können.

Mit dem Begriff CSR fallen gleichzeitig immer wieder Stichworte wie Arbeitsbedingungen, Sozialstandards, nachhaltiges Wirtschaften oder auch Umweltschutz. Durch die - weiterhin - stetig steigende Globalisierung der Wirtschaftswelt hegt sich in mehr und mehr Konsumenten auch der Wunsch nach Anbietern, die ihrer unternehmerischen Sozialverantwortung nachkommen. Dies ergab zumindest eine Studie von MORI (Market & Opinion Research) im September 2000, wonach 70 Prozent der 2000 befragten Konsumenten angaben, dass soziale Verantwortung der jeweiligen Unternehmen beim Kauf derer Produkte eine große Rolle spiele.5

Im Laufe der Zeit sind für CSR verschiedenste theoretische Modelle entstanden. Ziel dieser Arbeit soll es sein, zwei ausgewählte Modelle der CSR vorzustellen und zu bewerten und abschließend die Frage beantworten zu können, ob CSR mehr als umweltfreundliches Handeln der Unternehmen bedeutet.

B. CSR - mehr als umweltfreundliches Handeln der Unternehmen?

Der Hauptteil dieser Arbeit ist in drei Teile gegliedert. Zu Beginn soll der Begriff Corpo- rate Social Responsibility durch verschiedene Definitionen und eine kurze historische Übersicht nahegebracht werden. Im zweiten Abschnitt werden zwei bekannte theoreti- sche Modelle der CSR analysiert um anschließend im dritten und letzten Abschnitt be- wertet zu werden.

1. Begriffsbestimmungen der CSR

1.1 Definitionen der CSR

Im 2005 erschienenen „Handlexikon Public Affairs“ stellen Frank Dubielzig und Stefan Schaltegger klar, dass eine eindeutige Definition zu Corporate Social Responsibility auf- grund der Facettenreichhaltigkeit der Gesellschaft sehr schwierig sei.6 Weiter sind sie der Meinung, dass die Übersetzung in „gesellschaftliche Verantwortung“ den Kern des englischen Begriffs am meisten trifft. Dies vor allem, da ein Unternehmen nicht vollstän- dig unabhängig für sich wirtschaften kann, sondern in einem engen Geflecht zu der Um- welt und der Gesellschaft steht.7 Hier wird deutlich, dass die Umwelt mitsamt der Ge- sellschaft keinesfalls nur „Produktionsfaktoren“ für Unternehmen darstellen, sondern hier eine gleichberechtigte Beziehung vorherrscht und Unternehmen gut damit tun würden, dies auch so anzuerkennen.

Mit dem Slogan „Unternehmen übernehmen Verantwortung“ beginnt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ihre Definition von CSR.8 Für das Bundesministerium stellt nachhaltiges Wirtschaften, Fairness zu Mitarbeitern sowie Verantwortungsübernahme für die Gesellschaft nicht eine Erfüllung einer „derzeit modernen Pflichtaufgabe“, sondern einen wichtigen Grundsatz unserer heutigen Marktwirtschaft dar.9

Im Hinblick auf die zunehmende Globalisierung der Wirtschaftswelt ist es auch sinnvoll, wie die EU diesen Begriff zu verstehen weiß. Im Grünbuch der EU-Kommission betref- fend der Europäischen Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unter- nehmen heißt es wie folgt:

„Die soziale Verantwortung der Unternehmen ist im Wesentlichen eine freiwillige Verpflichtung der Unternehmen, auf eine bessere Gesellschaft und eine saubere Umwelt hinzuwirken. […] Diese Verantwortung praktizieren sie gegenüber den Ar- beitnehmern und generell gegenüber allen von ihren Geschäftstätigkeiten beein- flussten Stakeholdern, die ihrerseits Einfluss nehmen können auf den Unterneh- menserfolg.“10

Diese Definition weist auf das Prinzip der Freiwilligkeit hin. Aus dieser Definition heraus wird auch die Beziehung zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern bzw. zwischen Unternehmen und Stakeholdern deutlich. Nach Prof. Dr. Jean-Paul Thommen - Verfasser des Artikels „Stakeholder“ auf Gabler Wirtschaftslexikon Online und derzeit beurlaubter Professor für Organizational Behaviour an der European Business School Schloss Rei- chartshausen11 - kann ein Stakeholder sowohl eine betriebsinterne als auch eine be- triebsexterne Person sein, welche von den Entscheidungen des Unternehmens direkt oder indirekt betroffen sein kann.12 Der Personenkreis umschließt also neben der Un- ternehmensleitung und den Kapitalgebern auch die Mitarbeiter des Unternehmens so- wie die Lieferanten.

Ein Manager, welcher eine Umsetzung der CSR in seinem Unternehmen anstrebt, muss also die enorme Spannweite des damit in Verbindung stehenden Personenkreises beachten. Bei Niederlassungen oder Lieferanten außerhalb Deutschlands kann dies demnach schnell eine große und internationale Herausforderung darstellen. Verantwortliche für die Einführung der CSR sind demzufolge gut beraten, zumindest mit grundsätzlichen Konzepten dieser Materie vertraut zu sein.

Grundsätzlich ist es sehr schwierig eine allgemeingültige und komplett umfassende De- finition zu CSR zu finden. Durch die bisher genannten Definitionen kann man aber wohl zusammenfassend sagen, dass es sich hierbei um eine grundsätzliche moralische Ein- stellung im Bezug auf das unternehmerische Handeln gehen muss. Dies geschieht auf der Basis der Freiwilligkeit, da generell moralisches Handeln nicht messbar ist und daher auch keine Bewertung aller Einzelentscheidungen des Unternehmers erfolgen kann. CSR umfasst neben einem Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung auch den sozial verantwortlichen Umgang des Unternehmers mit seinen Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und sonstigen Stakeholdern.

1.2. Historischer Umriss des CSR

Zwar ist das sozialverantwortlich unternehmerische Handeln durch den Begriff CSR überall in den letzten Jahren wieder in den Fokus der Medien und der Wirtschaft gerückt, dass es sich hierbei aber um eine völlig neue Entscheidung oder Idee handelt, kann nicht behauptet werden.

Schon in der Antike beschäftigte sich der einflussreiche Philosoph Aristoteles mit dem Gedanken des nachhaltigen Wirtschaftens, was folgender Aussage zu entnehmen ist:

„[...] Nun ist aber offenbar, dass die Tätigkeit der Hausverwaltung ihre Bestrebungen in höherem Grade auf die Menschen als auf den leblosen Besitz richtet und mehr auf die Tugend der Menschen als auf die Anhäufung von Besitztümern.“13

Aristoteles wertet hier den Menschen höher als seinen „wertlosen Besitz“14. Die darin beschriebene „Tätigkeit der Hausverwaltung“ kann für unsere heutige Zeit auch als die Tätigkeit des Unternehmers umgedeutet werden. Weiter beharrt Aristoteles darauf, dass die Tugenden der Menschheit nicht unter dem Anhäufen von Besitztümern leiden dür- fen.15 Diese schon sehr philosophische Aussage Aristoteles‘ klingt im ersten Moment vielleicht etwas realitätsfern. Jedoch stehen in der heutigen Wirtschaft Manager oder andere Verantwortliche eines Unternehmens immer wieder vor der Entscheidung, Maß- nahmen zur Produktivitätssteigerung zu treffen, die leider manchmal zu Lasten der Mitmenschen und deren Umwelt gehen.

Der Ursprung des Begriffs der Nachhaltigkeit kann bis ins 18. Jahrhundert zurückgeführt werden. Das vom damaligen sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz 1713 veröffentlichte Werk „Sylvicultura oeconomica“ erschien zu einer Zeit, in der Holz für die Wirtschaft eine der wichtigsten Ressourcen darstellte. Von Carlowitz betont da- rin, wie wichtig es sei, dass es in der Forstwirtschaft eine kontinuierliche, beständige und nachhaltige Nutzung gebe, da das Wohl der Natur unentbehrlich für das Wohl der Gesellschaft ist.16 Ob von Carlowitz der Urheber des Begriffs „Nachhaltigkeit“ ist, wird bis heute diskutiert, ist aber für das Thema dieser Arbeit nicht relevant. Sicher ist aber, dass dieser durch sein Werk ein wichtiger Beitrag zur Kursänderung, weg von rück- sichtsloser Rodung hinzu nachhaltiger Forstwirtschaft, in der damaligen Zeit war.

Im Allgemeinen gilt erst die Veröffentlichung von Howard R. Bowen mit dem Titel „Social responsibilities of the businessman“ im Jahr 1953 als Grundlage für die CSR. In diesem Buch hält Bowen fest, dass es zur Pflicht eines Geschäftsmannes gehört, jener Politik zu folgen, jene Handlungen zu setzen und solche Entscheidungen zu treffen, die mit den Zielen und Werten einer Gesellschaft in Einklang stehen.17

In Europa fand die Entwicklung des CSR-Gedanken erst wesentlich später statt. Mit dem 2001 erschienenen Grünbuch der EU-Kommission setzte sich die EU erstmals ernsthaft und offenkundig mit dem Thema CSR auseinander. In dem 36-seitigen Skript beschäftig- te sich die Kommission der europäischen Gemeinschaften unter anderem mit der Bedeu- tung sozialer Verantwortung für in Europa agierende Unternehmen, des Arbeitsschut- zes, der Menschenrechte oder auch der Realisierung des globalen Umweltschutzes.18

Die Herausforderung für Unternehmen besteht nicht zuletzt darin, die Forderungen, welche CSR beinhaltet, in Einklang mit ihrer Unternehmensphilosophie und dem alltäglichen Geschäftstreiben zu bringen. Im folgenden Abschnitt werden nun zwei Modelle der CSR vorgestellt und analysiert.

[...]


1 ZEIT Online, Brand in Textilfabrik - Tödliche Kleidung (2012)

2 Vgl. ZEIT Online, Brand in Textilfabrik - Tödliche Kleidung (2012)

3 Gabler Verlag, Wirtschaftslexikon online, Stichwort Corporate Social Responsibility (2012)

4 Vgl. http://www.csr-in-deutschland.de/

5 Vgl. CSR Europe Magazine (2001), S. 10

6 Vgl. Althaus M., Handlexikon Public Affairs (2005), S. 240

7 Vgl. Althaus M., Handlexikon Public Affairs (2005), S. 240

8 Bundesministerium für Arbeit und Soziales, CSR in Deutschland online, Über CSR (2012)

9 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, CSR in Deutschland online, Über CSR (2012) 5

10 Grünbuch - Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen der EUKommission (Juli 2001), Einführung, S. 4

11 http://www.ebs.edu/fakultaet.html?&L=0

12 Vgl. Gabler Verlag, Wirtschaftslexikon online, Stichwort: Anspruchsgruppen (2012) 6

13 Aristoteles: Politik I 13, 1259b

14 Vgl. Aristoteles: Politik I 13, 1259b

15 Vgl. Aristoteles: Politik I 13, 1259b

16 Vgl. von Carlowitz, Sylvicultura Oeconomica, (1917) S. 105 - 106

17 Vgl. Bowen H., Social responsibilities of the businessmen (1953), S. 14 - 22

18 Vgl. Grünbuch - Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen der EUKommission (Juli 2001), Inhaltsverzeichnis, S. 2

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Corporate Social Responsibility. Vorstellung und Bewertung gängiger CSR-Modelle
Hochschule
Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V284896
ISBN (eBook)
9783656852223
ISBN (Buch)
9783656852230
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
CSR, Corporate Social Responsibility, Einstieg, CSR-Modelle, Seminararbeit, Grundlagen, Einführung, Nachhaltigkeit, Verantwortung, Unternehmensführung, Ökologie, Fairness
Arbeit zitieren
Matthias Müller (Autor), 2012, Corporate Social Responsibility. Vorstellung und Bewertung gängiger CSR-Modelle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284896

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