Eine Anekdote der Gorgo, Frau des spartanischen Königs Leonidas, vermag das Bild der spartanischen Frauen in der Antike auf den Punkt zu bringen. Diese antwortete, so berichtet Plutarch, auf die Anrede einer anderen Griechin, dass nur die spartanischen Frauen ihre Männer beherrschen, „Wir allein gebären auch Männer“. Die antike Spartiatin soll auch Thema dieser Arbeit sein. Insbesondere wird dabei ihre Erziehung als Grundstein ihres späteren Lebens betrachtet. Ziel ist es, die Frage zu beantworten, welche Besonderheiten die spartanische Mädchenerziehung auszeichneten und mit welchen Intentionen dies geschah, also welche Ziele dabei verfolgt wurden. Es wird sich hierbei auf den relativ weiten Zeitraum der archaischen und klassischen griechischen Antike, also etwa von 800 bis 300 vor Christus, verständigt. Diese Festlegung musste aufgrund der Beschaffenheit der Quellen getroffen werden, was im Weiteren noch näher erläutert wird. Zunächst werden im Quellenkapitel die Hauptquellen der antiken Schreiber, die Auskunft über die Thematik geben, und diese selbst vorgestellt, um deren Aussagen anschließend besser handhaben und bewerten zu können. Im weiteren Verlauf wird die spartanische Mädchenerziehung bis zur Heirat beleuchtet und mithilfe von antiken Quellen sowie neuerer Forschungsliteratur analysiert. Auf den Zeitraum bis zur Heirat habe ich mich verständigt, weil ich der Ansicht bin, dass die Heirat eines spartanischen Mädchens den Abschluss ihrer Ausbildung und gleichzeitig den Wechsel in einen neuen Lebensabschnitt darstellt. Während dieser Analyse wird an entsprechenden Stellen ein Vergleich zu der Situation der Mädchen in Athen gezogen. Das Beispiel der Polis Athen habe ich vor allem aus dem Grund gewählt, weil mit ihm bereits eine intensive Beschäftigung in der Forschung erfolgte. Ebenfalls werden einige, ausgewählte Unterschiede, und besonders Gemeinsamkeiten zur Erziehung der spartanischen Jungen untersucht und bewertet. Dieses Vorgehen wurde in erster Linie gewählt, um mithilfe der Herausstellung der Besonderheiten der Ausbildung junger Spartiatinnen die Frage zu beantworten, warum die Mädchenerziehung in Sparta sich gerade nach diesem Muster gestaltete. Nicht näher eingegangen wird im Rahmen dieser Arbeit auf die verschiedenen Hochzeitsmythen, das Leben der Lakedaimonierin als Ehefrau und Mutter, beziehungsweise auf die nähere Bedeutung ihrer Aufgaben innerhalb dieser Positionen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quellenkapitel
3. Die Mädchenerziehung in Sparta
3.1 Aufbau
3.2 Erziehungsziele
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Erziehungssystem für Mädchen im antiken Sparta, um die spezifischen Besonderheiten und die zugrunde liegenden gesellschaftlichen Intentionen innerhalb des archaischen und klassischen Griechenlands (ca. 800 bis 300 v. Chr.) zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Ausbildung der Mädchen gestaltete und welches Rollenbild ihr durch staatlich geregelte Erziehungsmaßnahmen vermittelt wurde.
- Analyse antiker Hauptquellen (Xenophon und Plutarch) zur spartanischen Mädchenerziehung.
- Untersuchung der physischen Ausbildung durch Sport, Wettkampf und religiöse Riten.
- Betrachtung der musikalischen und intellektuellen Bildung sowie der päderastischen Traditionen.
- Vergleich der spartanischen Erziehung mit der Situation von Mädchen im antiken Athen.
- Ableitung der Erziehungsziele im Kontext von Gebärfähigkeit und Verwaltung des häuslichen Klaros.
Auszug aus dem Buch
3.1 Aufbau
Die staatliche Kontrolle der Kindeserziehung beider Geschlechter begann im Grunde schon kurz nach ihrer Geburt. In der Forschung findet sich ein gespaltenes Urteil darüber, ob sowohl Jungen, als auch Mädchen aufgrund körperlicher Missbildung oder Ähnlichem in Sparta ausgesondert und getötet wurden. So schreibt beispielsweise Pomeroy, dass die Quellen keinerlei Hinweis darauf geben, dass spartanische Mädchen nach ihrer Geburt zunächst begutachtet und bei einem Missfallen ihrer Verfassung eventuell aussortiert wurden. Plutarch liefert einen Hinweis darauf, dass neugeborene, spartanische Mädchen sofort nach der Geburt den Frauen übergeben wurden. Schuller hingegen, und auch Cartledge, der diese Überlegung als sehr wohlwollend umschreibt, bezweifeln diese Annahme. Herangezogen kann hierbei wiederum eine Stelle aus Plutarchs Lykurg Vita. In Kapitel sechzehn seiner Biografie schreibt er:
„Das zur Welt Gekommene aufzuziehen unterlag nicht der Entscheidung des Erzeugers, sondern er hatte es an einen Ort zu bringen, Lesche genannt (Sprechhalle), wo die Ältesten der Gemeinde saßen und das Kind untersuchten und, wenn es wohlgebaut und kräftig war, seine Aufzucht anordneten […] war es aber schwächlich oder missgestaltet, so ließen sie es zu der sogenannten Ablage (Apothetai) bringen […].“.
Plutarch bezeichnet das Neugeborene hier als „Kind“, wählt einen geschlechtslosen Ausdruck. Diese Wahl wurde sicher nicht ohne Grund getroffen, weshalb ich mich in dieser Frage Cartledge und seinen Zweifeln anschließe. Ich denke, dass wenn in Sparta eine Aussonderung unerwünschter Neugeborenen stattgefunden hat, dann eine Aussonderung beider Geschlechter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der Besonderheit der spartanischen Mädchenerziehung im Zeitraum von 800 bis 300 v. Chr. vor und erläutert die methodische Vorgehensweise.
2. Quellenkapitel: Das Kapitel befasst sich mit der kritischen Würdigung der Hauptautoren Xenophon und Plutarch und diskutiert die Herausforderungen der Quellenlage bezüglich Objektivität und Vollständigkeit.
3. Die Mädchenerziehung in Sparta: Hier werden die Erziehungsmethoden detailliert untersucht, wobei der Fokus auf Sozialisation und staatlicher Organisation liegt.
3.1 Aufbau: Dieser Abschnitt beschreibt die frühe staatliche Kontrolle nach der Geburt sowie die unterschiedlichen Bereiche der Mädchenbildung, wie Sport, Musik und päderastische Beziehungen.
3.2 Erziehungsziele: Die Ausführungen konzentrieren sich auf das Ziel der Heranziehung gesunder Nachkommen sowie die Vorbereitung der Spartiatin auf die eigenständige Verwaltung des häuslichen Klaros.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die spartanische Mädchenerziehung durch eine enorme Intensität geprägt war, um Frauen zu selbstbestimmten und leistungsfähigen Ehefrauen zu formen.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Sparta, Mädchenerziehung, Antike, Xenophon, Plutarch, Lykurg, Sport, Wettkampf, Sozialisation, Klaros, Athen, Ehefrau, Erziehungsziele, Päderastie, Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifische Art und Weise der Erziehung von Mädchen im antiken Sparta und stellt diese den gängigen Erziehungsmustern anderer griechischer Poleis gegenüber.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernbereichen gehören die physische sportliche Ausbildung, die musische Bildung, päderastische Beziehungen sowie die Vorbereitung auf die Rolle als Ehefrau und Verwalterin des Klaros.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, welche Besonderheiten die spartanische Mädchenerziehung auszeichneten und mit welchen gesellschaftlichen Intentionen diese Ausbildung verfolgt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse der antiken Schriften von Xenophon und Plutarch durchgeführt, ergänzt durch einen Abgleich mit moderner Forschungsliteratur und einen Vergleich zur Situation in Athen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in den Aufbau der Erziehung (physisch, musisch, sexuell) und die Analyse der spezifischen Erziehungsziele im Hinblick auf Gebärfähigkeit und wirtschaftliche Autonomie der Frau.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sparta, Mädchenerziehung, Antike, Sozialisation, Klaros, physische Ausbildung, Erziehungsziele und der Vergleich zwischen Sparta und Athen.
Welche Bedeutung hatte der Sport für die Mädchen?
Der Sport diente primär der physischen Stärkung, um Geburten zu erleichtern, sowie als Instrument zur Demonstration von Selbstbewusstsein und zur ideologischen Bindung an die Polis.
Warum war die Verwaltung des Klaros so wichtig für die Frauen?
Da die Männer aufgrund militärischer Pflichten oft abwesend waren, mussten die Frauen die wirtschaftliche Grundlage (den Klaros) allein verwalten, damit der Ehemann seinen Status als Vollbürger behalten konnte.
Wie unterschied sich die spartanische von der athenischen Erziehung?
Während athenische Mädchen stärker in häuslicher Abgeschiedenheit lebten, erfuhren spartanische Mädchen eine staatlich stärker reglementierte Ausbildung, die sie zu einer aktiveren gesellschaftlichen Rolle befähigte.
Welche Rolle spielt Lykurg in diesem Kontext?
Lykurg wird von den antiken Autoren als mythologischer Gesetzgeber genannt, dem die Einführung des gesamten spartanischen Erziehungssystems, auch für Mädchen, zugeschrieben wird.
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- Saskia Jungmann (Autor), 2014, Mädchenerziehung in Sparta, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284942