Seit der Liberalisierung des Strommarktes stehen sowohl energieintensiven Industrieunternehmen als auch anderen Marktteilnehmern auf der Beschaffungsseite eine Reihe von Stromprodukten bzw. Beschaffungsstrategien zur Verfügung. So können sie ihren Strombezug nach ihren jeweiligen Präferenzen wie z.B. der Höhe von Preis- und Zeitpunktrisiken oder der Abhängigkeit von Lieferanten gestalten. Jedoch kann nach knapp zehn Jahren der Liberalisierung immer noch beobachtet werden, dass die altbewährte klassische Vollstromversorgung ein Bezugsmodell ist, das in vielen Unternehmen weit verbreitet ist. Allerdings stellt sich hier zunehmend die Frage, ob diese Beschaffungsstrategie im liberalisierten Markt noch wirtschaftlich zu vertreten ist bzw. die effizienteste Lösung darstellt.
In der vorliegenden Arbeit werden zunächst die Grundlagen der Strombeschaffung betrachtet. Hierbei wird insbesondere ein Blick geworfen auf den Ausschreibungsprozess, der bei der Strombeschaffung abläuft, die unterschiedlichen Marktplätze, an denen Strom gehandelt wird, sowie sämtliche Faktoren, die mit dem Strompreis zusammenhängen. Abschließend wird das Lastprofil sowie die Lastprognose vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Beschaffungsprozess bei klassischer Vollstromversorgung in Industrieunternehmen
2. Marktplätze
2.1 Bilaterale Marktplätze (OTC-Markt)
2.2 Institutionelle Marktplätze (Börse)
3. Der Strompreis
3.1 Strompreisentwicklung in Deutschland
3.2 Elemente des Strompreises
3.3 Preisbildung auf dem Spotmarkt der Börse
3.4 Werttreiber des Strompreises
4. Lastprofil und Lastprognose
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Grundlagen der Strombeschaffung im liberalisierten Markt, mit besonderem Fokus auf den Ausschreibungsprozess, die verschiedenen Handelsplätze und die Determinanten der Strompreisbildung für Industrieunternehmen.
- Strukturen des Stromeinkaufs und Ausschreibungsprozesse
- Differenzierung zwischen bilateralem OTC-Handel und Börsenhandel
- Analyse der Kostenelemente und Werttreiber des Strompreises
- Methoden der Lastprofilanalyse und Lastprognose
Auszug aus dem Buch
2.1 Bilaterale Marktplätze (OTC-Markt)
OTC-Märkte zeichnen sich dadurch aus, dass der Stromhandel zwischen den Marktteilnehmern bilateral, also direkt untereinander oder unter Einschaltung eines Intermediärs, stattfindet. Hierbei stützt sich der Handel vor allem auf ein informelles Netzwerk zwischen den Marktteilnehmern, welches in der Folge im Gegensatz zum institutionellen Marktplatz Börse eine Vielzahl von unterschiedlichen Marktplätzen entstehen lässt. Da diese nicht organisiert sind, existiert nur eine geringe Preis- und Mengentransparenz. Darüber hinaus herrscht aufgrund der Bilateralität ein erhöhtes Bonitätsrisiko zwischen den Handelspartnern/Marktteilnehmern. Außerdem gibt es keine Anonymität. Jedoch bietet der bilaterale Handel bei der Ausgestaltung der gehandelten Produkte einen entscheidenden Vorteil: Im Unterschied zu den standardisierten Produkten im institutionellen Handel kann sich die Gestaltung der Produkte und Verträge nach den individuellen Bedürfnissen der jeweiligen Handelspartner richten.
Der OTC-Markt lässt sich nach der Fristigkeit der gehandelten Verträge, also dem Zeitraum zwischen Vertragsabschluss und Erfüllung, in den Spotmarkt und in den Terminmarkt unterteilen. Auf dem Spotmarkt werden dabei nur Transaktionen durchgeführt, bei denen die Lieferung (physisch) kurzfristig binnen 24 Stunden erfolgt. Auf dem Terminmarkt hingegen werden alle Geschäfte abgewickelt, die den Zeitraum von 24 Stunden überschreiten. Hierbei kann die Erfüllung des Geschäftes, abhängig vom gehandelten Produkt, physisch durch Lieferung oder finanziell durch eine Ausgleichszahlung zwischen den Vertragspartnern erfolgen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Situation des Strommarktes nach der Liberalisierung und die Fragestellung zur Wirtschaftlichkeit der klassischen Vollstromversorgung.
1. Beschaffungsprozess bei klassischer Vollstromversorgung in Industrieunternehmen: Erläuterung der vier Phasen des Ausschreibungsprozesses, von der Vorphase bis zur Nachbereitung.
2. Marktplätze: Darstellung der Unterschiede zwischen nichtorganisiertem bilateralen OTC-Handel und dem organisierten Börsenhandel.
3. Der Strompreis: Analyse der Preisentwicklung, der einzelnen Kostenkomponenten, der Preisbildung an der Börse sowie der wesentlichen Werttreiber.
4. Lastprofil und Lastprognose: Einführung in die Bedeutung der Stromverbrauchskurven und deren Analyse zur Kostenoptimierung durch Lastmanagement.
Schlüsselwörter
Strombeschaffung, Strommarkt, Vollstromversorgung, OTC-Markt, Strompreis, Börsenhandel, Spotmarkt, Terminmarkt, Lastprofil, Lastprognose, Stromsteuer, Netznutzungsentgelt, Grenzkosten, Energieeinkauf, Lastmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen der Strombeschaffung für Industrieunternehmen unter Berücksichtigung der Marktstrukturen und Strompreisbildung nach der Liberalisierung.
Welche Marktplätze werden unterschieden?
Es werden der nichtorganisierte bilaterale OTC-Handel und der organisierte, institutionelle Börsenhandel differenziert.
Was ist das Ziel der Ausschreibung bei Vollstromversorgung?
Das primäre Ziel ist in der Regel die Senkung der Stromkosten, ergänzt durch Faktoren wie höhere Flexibilität und Planungssicherheit.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der ökonomischen Analyse von Marktmechanismen, illustriert durch Modellgrafiken zur Preisbildung.
Was sind die wesentlichen Bestandteile des Strompreises?
Der Strompreis setzt sich aus Arbeitspreis, Leistungspreis, Grundpreis, Netznutzungsentgelten, Steuern sowie spezifischen Umlagen (EEG, KWKG) zusammen.
Was charakterisiert diese Arbeit besonders?
Die Arbeit verbindet theoretische Marktmodelle mit praktischen Hinweisen für den Einkaufsprozess in Industrieunternehmen.
Wie wirkt sich eine Angebotsverknappung auf den Strompreis aus?
Eine Angebotsverknappung führt durch die Verschiebung der Angebotsfunktion nach links tendenziell zu einem Anstieg des Gleichgewichtspreises, sofern die Nachfrage stabil bleibt.
Warum ist eine Lastprognose für Unternehmen wichtig?
Die Analyse und Prognose des Lastprofils ermöglicht durch aktives Lastmanagement die Reduzierung von Lastspitzen und damit die Senkung der Energiekosten.
- Citation du texte
- Markus Wittwer (Auteur), 2008, Grundlagen der Strombeschaffung. Marktplätze und Eigenschaften des Strompreises, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/284956