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Darf die DDR als totalitär bezeichnet werden? - Chronik einer kontroversen deutschen Diskussion

Title: Darf die DDR als totalitär bezeichnet werden? - Chronik einer kontroversen deutschen Diskussion

Intermediate Diploma Thesis , 2003 , 34 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Kai Posmik (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Einleitung

Wenn Karl-Heinz Roth im Untertitel seines Buches von der „Wiedergeburt der Totalitarismustheorie“ 2 spricht, dann impliziert er damit, dass es so eine allgemein gültige und anerkannte Theorie geben würde, auf die sich alle – positive wie negative – Kritik konzentriert. Dass dem nicht so ist, weiß Roth natürlich genau, womit man beim Dilemma angekommen wäre, welchem die Totalitarismusdebatte seit Jahrzehnten unterliegt: Erstens gibt es nicht die allgemein anerkannte, unangefochten stehende Theorie. „Die Zahl der Totalitarismusansätze ist Legion“,3 um mit Eckhard Jesse zu sprechen. Eine große Anzahl von Personen hat sich mit dem Thema befasst: Politologen, Historiker, Psychologen, Germanisten, Juristen oder einfach nur Interessierte, die Liste ließe sich fortsetzen. Eine integrative Totalitarismusforschung steht noch aus4 und ist auch nötig, wenn man die bis heute bestehende inter- und intradisziplinäre Zerstrittenheit betrachtet. Zweitens: Das Wort Totalitarismus polarisiert die Diskutanten, wie kaum ein anderer gesellschaftswissenschaftlicher Begriff. Loben die einen die Möglichkeiten des Vergleiches von Herrschaftssystemen angeblich gleicher Struktur, und fordern auf zum antitotalitären Konsens, um die Demokratie zu schützen,5 werfen wiederum die anderen den einen Gleichsetzung unterschiedlichster Systeme und damit vor allem Nivellierung nationalsozialistischer Verbrechen vor,6 bzw. bemängeln die Abhängigkeit des Begriffs von der aktuellen „politischen Wetterlage“. Oder, und damit sind wir wieder bei Karl-Heinz Roth, die Befürworter einer Verwendung des Totalitarismusbegriffs werden per se in die (neu-) rechte Ecke gestellt, beziehungsweise, wenn sie ehedem einmal dem Totalitarismusbegriff negativ gegenüberstanden, ihn inzwischen aber befürworten, als „nekrophile Renegaten“ bezeichnet.7 Deswegen kann Roth auch von der Totalitarismustheorie sprechen, für ihn gibt es tatsächlich nur eine, nämlich die, welcher er den Kampf angesagt hat. Eine besondere Bedeutung hat die Diskussion von je her in Deutschland, welches innerhalb eines Jahrhunderts gleich zwei solcher totalitärer Diktaturen erlebte, eine von rechts und eine von links, jedenfalls sagen das die einen. Das sehen die anderen nun wieder gar nicht gerne, sie befürchten, dass durch den Vergleich von Drittem Reich und DDR ein Gleichsetzen beider politischer Systeme erfolgt. Dies ist der Kern eines Streits, den diese Hausarbeit zum Thema hat...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Grundlegungen

B. I. Zur Genese eines kontroversen Begriffs

B. II. Erste theoretische Konzeptionen

B. III. Drei klassische Totalitarismustheorien

C. Darf die DDR als totalitär bezeichnet werden?

C. I. Die „lebendige Totalitarismustheorie“

C. II. Totalitarismus vs. systemimmanenter Ansatz

C. III. Der ostdeutsche „Konsens“

C. IV. Die Diskussion seit dem Untergang der DDR

D. Schlussbetrachtung

Bibliographie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die kontroverse deutsche Diskussion über die Anwendbarkeit des Totalitarismusbegriffs auf die DDR, beleuchtet dabei den historischen Wandel der politikwissenschaftlichen Debatte in der Bundesrepublik und analysiert die politischen sowie ideologischen Faktoren, die den wissenschaftlichen Diskurs über das DDR-Herrschaftssystem maßgeblich beeinflussten.

  • Genese und Entwicklung des umstrittenen Totalitarismusbegriffs
  • Klassische Totalitarismustheorien (Voegelin, Arendt, Friedrich/Brzezinski)
  • Wandel der DDR-Forschung vom Totalitarismusansatz zum systemimmanenten Paradigma
  • Die wissenschaftliche und politische Debatte zur DDR-Staatlichkeit nach 1989

Auszug aus dem Buch

B. I. Zur Genese eines kontroversen Begriffs

In den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts trat in der Sowjetunion, in Italien und in Deutschland eine bis dato unbekannte, vergrößerte, intensivierte und dynamisierte politische Gewalt in Erscheinung, die den Anspruch erhob, das ganze menschliche Leben zu gestalten. Schnell wurde klar, dass diese politische Gewalt gänzlich neuer Art sei, nicht erklärbar mit bisherig genutzten Termini wie Despotie, Autokratie, Diktatur. Diesen Begriffen fehlte, als kennzeichnende Gemeinsamkeit, eben jenes, den gesamten Lebensbereich durchdringende, totale Element.

Dass der bis heute so umstrittene Begriff totalitär und sein Substantiv Totalitarismus nachweislich im Italien der frühen zwanziger Jahre geprägt wurde, ist heute ebenso bekannt wie unstrittig. Seine Entstehungsgeschichte ausführlich wiederzugeben ist hier nicht der Raum, dazu ist eine Reihe guter Literatur erschienen, auf die verwiesen werden muss. Nur soviel: Ursprünglich wurde die erstmalige Verwendung von totalitär, bzw. Totalitarismus den italienischen Faschisten selbst zugeschrieben. Diese These gilt inzwischen als widerlegt. Tatsächlich benutzte Mussolini das Wort totalitär zum ersten Mal in einer Rede am 22. Juni 1925, zum Abschluss des vierten Parteikongresses der Partito Nazionale Fascista (PNF). Er bezeichnete das Ziel, die italienische Nation zu faschistisieren, als seinen und seiner Partei „unerbittlichen totalitären Willen.“

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Problematik einer fehlenden, allgemein anerkannten Totalitarismustheorie und erläutert das Ziel der Arbeit, einen chronologischen Überblick über die kontroverse deutsche Debatte zur Einordnung der DDR zu bieten.

B. Grundlegungen: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte des Totalitarismusbegriffs als politischer Kampfbegriff und stellt exemplarisch drei klassische Totalitarismustheorien von Voegelin, Arendt sowie Friedrich und Brzezinski vor.

C. Darf die DDR als totalitär bezeichnet werden?: Dieser Hauptteil analysiert den Wandel der bundesdeutschen DDR-Forschung, beginnend beim antikommunistisch geprägten Totalitarismusansatz über den Paradigmenwechsel hin zur systemimmanenten Betrachtung bis hin zur Diskussion nach dem Untergang der DDR.

D. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Leidenschaftlichkeit der Diskussion und betont, dass sich der Erkenntnisgegenstand weitestgehend aufgelöst hat, während die Debatte weiterhin stark von den jeweiligen politischen Zeitgeistern beeinflusst bleibt.

Schlüsselwörter

Totalitarismus, DDR-Forschung, Ideologie, Systemvergleich, Antikommunismus, Herrschaftssystem, Bundesrepublik, SED-Staat, Politische Religion, Totalitäre Diktatur, Systemimmanenter Ansatz, Demokratie, Geschichtsrevisionismus, Kalter Krieg, Aufarbeitung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die kontroverse und oft leidenschaftlich geführte Diskussion in der Bundesrepublik darüber, ob die DDR als totalitäres System bezeichnet werden kann oder sollte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die wissenschaftliche Begriffsgeschichte des Totalitarismus, die Wandlungsprozesse der politikwissenschaftlichen DDR-Forschung sowie der Einfluss politischer Machtverhältnisse auf die wissenschaftliche Analyse.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, einen chronologischen Überblick über die Totalitarismusdebatte zu geben und aufzuzeigen, wie sich die Sichtweise der westdeutschen Wissenschaft auf die DDR über verschiedene Zeitabschnitte verändert hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen historisch-chronologischen Ansatz, um den wissenschaftlichen Diskurs nachzuzeichnen und die theoretischen Konzepte der Totalitarismusforschung in ihrem jeweiligen historischen Kontext zu reflektieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in vier Zeitabschnitte, die die Entwicklung von der initialen totalitarismustheoretischen Deutung über den Paradigmenwechsel der 1960er/70er Jahre bis hin zur Aufarbeitung nach 1989 untersuchen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Totalitarismus, DDR-Forschung, SED-Staat, Ideologie, Systemvergleich, Antikommunismus und die Auseinandersetzung mit der deutschen Teilung.

Welche Rolle spielten die klassischen Theorien von Arendt und Friedrich/Brzezinski?

Diese Theorien bildeten das theoretische Fundament der westdeutschen Forschung, wobei sie jedoch im Zeitverlauf aufgrund ihrer statischen Natur und ihrer Anfälligkeit für politische Instrumentalisierung starker Kritik ausgesetzt waren.

Warum ist die Diskussion seit 1989 laut Autor so "leidig" verlaufen?

Der Autor argumentiert, dass die Debatte nach 1989 oft nicht mehr wissenschaftlich-kognitiv, sondern emotional geführt wurde, da viele Akteure ihre eigene wissenschaftliche Vergangenheit rechtfertigen mussten.

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Details

Title
Darf die DDR als totalitär bezeichnet werden? - Chronik einer kontroversen deutschen Diskussion
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Course
Politische Religion
Grade
1,0
Author
Kai Posmik (Author)
Publication Year
2003
Pages
34
Catalog Number
V28501
ISBN (eBook)
9783638302609
Language
German
Tags
Darf Chronik Diskussion Politische Religion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kai Posmik (Author), 2003, Darf die DDR als totalitär bezeichnet werden? - Chronik einer kontroversen deutschen Diskussion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28501
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