Das Phänomen Literaturverfilmung ist bereits seit der Stummfilmzeit präsent und nahm ab den 1910er Jahren durch das Etablieren des Kinos als neue Medienform zu. Mitte der 70er Jahre befanden sich die Literaturverfilmungen dann in einer Krise, nachdem viele Klassiker der Literatur neu verfilmt worden waren und die Stoffe demzufolge erschöpft waren. Das deutsche Gegenwartskino ist dagegen stark von Literaturverfilmungen geprägt und lässt dabei zwei Tendenzen erkennen: die schnelle Verfilmung neuer Stoffe, sowie die Neuverfilmung von Klassikern.
So wurde auch der in Deutschland und international sehr erfolgreiche Roman "Das Parfum - die Geschichte eines Mörders" von Patrick Süskind unter der Regie von Tom Tykwer verfilmt und ist im Jahre 2006 in Deutschland erschienen. Bei der Übertragung des literarischen Stoffes in einen filmischen handelt es sich um einen Medientransfer, welcher sich nicht nur aufgrund der Tatsache, dass es sich bei Literatur und Film um unterschiedliche Medien mit unterschiedlichem Charakter handelt, als schwierig erweist. Während ein Roman üblicherweise einen Umfang von etwa 100-1000 Seiten aufweist, ist ein Film in der Regel 90-120 Minuten lang. Deshalb kommt es bei der filmischen Adaption eines literarischen Stoffes unweigerlich zu Kürzungen, sowie zu Streichungen beziehungsweise Auslassungen, aber auch zu Ergänzungen.
Aufgrund dieser Problematik soll anhand der Figuren der Madame Gaillard und des Gerbers Grimal aufgezeigt werden, inwieweit sich die Darstellung beider Charaktere gleicht und in welchen Aspekten sie sich unterscheidet. Dabei soll auch berücksichtigt werden, aus welchen Gründen im Film Veränderungen an den Figuren im Vergleich zur Buchvorlage vorgenommen wurden.
Hierfür wird zunächst die Darstellung der Madame Gaillard in Patrick Süskinds Roman (2.1) und anschließend die Umsetzung der Figur im Film von Tom Tykwer (2.2) beschrieben. Der nächste Schritt dient dann dazu, die Repräsentation der Figur in Literatur und Film miteinander zu vergleichen (2.3), um Unterschiede und Gemeinsamkeiten festzustellen.
Um dies zu verdeutlichen, wird auf gleiche Weise die Darstellung des Gerbers Grimals zunächst in der literarischen Vorlage (3.1) und anschließend in der filmischen Umsetzung (3.2) analysiert. Schließlich soll beides erneut miteinander abgeglichen und verglichen werden (3.3).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Darstellung der Madame Gaillard in Buch und Film
2.1. Die Darstellung der Madame Gaillard in Patrick Süskinds Roman
2.2. Die Darstellung der Madame Gaillard in Tom Tykwers Film
2.3 Vergleich der Darstellung der Madame Gaillard zwischen Buch und Film
3. Die Darstellung des Gerbers Grimal in Buch und Film
3.1. Die Darstellung des Gerbers Grimal in Patrick Süskinds Roman
3.2. Die Darstellung des Gerbers Grimal in Tom Tykwers Film
3.3 Vergleich der Darstellung des Gerbers Grimal zwischen Buch und Film
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die filmische Adaption der Romanvorlage "Das Parfum - die Geschichte eines Mörders" von Patrick Süskind durch Tom Tykwer. Im Fokus stehen dabei die Figuren Madame Gaillard und der Gerber Grimal, deren Darstellung in Literatur und Film verglichen wird, um Unterschiede, Gemeinsamkeiten sowie die filmischen Gründe für etwaige Abweichungen aufzuzeigen.
- Analyse der literarischen Charakterisierung von Madame Gaillard und Gerber Grimal.
- Untersuchung der filmischen Umsetzung und Medientransfers dieser Figuren.
- Vergleichende Gegenüberstellung der Darstellungsweisen in Buch und Film.
- Exploration der narrativen Funktionen und erzähltechnischen Anpassungen (z.B. Off-Voice).
- Hintergrund der filmischen Kürzungen aufgrund zeitlicher Rahmenbedingungen.
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Darstellung der Madame Gaillard in Patrick Süskinds Roman
Nachdem Jean-Baptiste Grenouille geboren wurde und seine Mutter als Kindsmörderin hingerichtet wurde, weil sie ihr Neugeborenes einfach in Fischabfällen liegen hat lassen, kommt er in die Obhut der Amme Jeanne Bussie. Diese verschmäht den Jungen jedoch, da er nicht riecht wie andere Babys und sogar überhaupt keinen eigenen Geruch besitzt. Schließlich fürchtet sich auch der Pater Terrier vor Jean-Baptiste und bringt ihn, um in weit weg von sich zu wissen, ins Waisenhaus der Madame Gaillard, die „Kostkinder jeglichen Alters und jeglicher Art aufnahm, solange nur jemand dafür zahlte.“
Aufgrund dessen ist der erste Eindruck der besagten Madame wenig positiv. Sie scheint in erster Linie profitorientiert zu handeln und sich wenig um das Wohlergehen ihrer Zöglinge zu kümmern. Die ihr anvertrauten Kinder sollen ihr eine finanzielle Absicherung im Alter gewährleisten und ihr somit einen privaten Tod abseits der Krankenhäusern, der in diesen Zeiten den begüterteren Bürgern vorbehalten war, ermöglichen. Madame Gaillard scheint keine Wünsche und Träume im Leben mehr zu haben und einzig und allein für den Tod zu leben. Doch um diesen im wahrsten Sinne des Wortes letzten Wunsch realisieren zu können, benötigt sie „die volle Marge vom Kostgeld.“ (DP 27).
Auffällig ist auch, dass Süskind die im Roman auftretenden Nebenfiguren üblicherweise nicht länger verfolgt, nachdem diese aus Grenouilles Leben getreten sind und deshalb für den weiteren Verlauf der Geschichte unwichtig und uninteressant geworden sind. Dies gilt jedoch nicht für die Madame Gaillard, da nicht nur ihre Vorgeschichte im Rahmen des Romans beleuchtet wird, sondern auch ihr weiterer Lebensweg überdurchschnittlich lang und ausführlich bis zu ihrem Tode geschildert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Literaturverfilmung ein und erläutert die Problematik des Medientransfers am Beispiel der Romanvorlage und ihrer filmischen Umsetzung.
2. Die Darstellung der Madame Gaillard in Buch und Film: In diesem Kapitel wird die Figur der Madame Gaillard detailliert in der Romanvorlage und im Film analysiert, gefolgt von einem Vergleich der beiden Darstellungsweisen.
2.1. Die Darstellung der Madame Gaillard in Patrick Süskinds Roman: Dieser Abschnitt beschreibt die Charakterisierung der Madame Gaillard im Roman, wobei insbesondere ihre Gefühlslosigkeit, ihre Profitorientierung und ihre Rolle für Grenouille hervorgehoben werden.
2.2. Die Darstellung der Madame Gaillard in Tom Tykwers Film: Hier wird untersucht, wie Madame Gaillard in Tom Tykwers Film visuell und narrativ umgesetzt wird, wobei ihr profitorientierter Charakter im Mittelpunkt steht.
2.3 Vergleich der Darstellung der Madame Gaillard zwischen Buch und Film: Dieser Vergleich beleuchtet Gemeinsamkeiten und signifikante Unterschiede bei der filmischen Adaption der Figur der Madame Gaillard.
3. Die Darstellung des Gerbers Grimal in Buch und Film: Dieses Kapitel widmet sich der Analyse der Figur des Gerbers Grimal sowohl in Patrick Süskinds literarischer Vorlage als auch in Tom Tykwers filmischer Adaption.
3.1. Die Darstellung des Gerbers Grimal in Patrick Süskinds Roman: Hierbei wird die Rolle des Gerbers Grimal im Roman als brutaler und ausbeuterischer Arbeitgeber detailliert betrachtet.
3.2. Die Darstellung des Gerbers Grimal in Tom Tykwers Film: Dieser Abschnitt analysiert die filmische Darstellung des Gerbers Grimal und wie diese seine Brutalität für den Zuschauer visualisiert.
3.3 Vergleich der Darstellung des Gerbers Grimal zwischen Buch und Film: Ein abschließender Vergleich der beiden Medien hinsichtlich der Darstellung von Grimal zeigt auf, dass sein Charakter in beiden Fällen weitgehend deckungsgleich als ausbeuterisch gezeichnet wird.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die zentralen Erkenntnisse der Arbeit hinsichtlich des Medientransfers, der filmischen Kürzungen und der literarisierten Momente im Film.
Schlüsselwörter
Literaturverfilmung, Patrick Süskind, Tom Tykwer, Das Parfum, Madame Gaillard, Gerber Grimal, Medientransfer, Charakterisierung, Adaptation, Film, Roman, Erzähltechnik, Ausbeutung, Off-Voice, Romanvorlage
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die filmische Umsetzung des Romans "Das Parfum - die Geschichte eines Mörders" von Patrick Süskind durch den Regisseur Tom Tykwer, speziell im Hinblick auf die Darstellung der Nebenfiguren Madame Gaillard und Gerber Grimal.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit untersucht den Medientransfer von Literatur zu Film, die Charakterisierung der gewählten Figuren in beiden Medien sowie die Gründe für Abweichungen zwischen Roman und Verfilmung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung von Madame Gaillard und Gerber Grimal aufzuzeigen und zu begründen, warum im Film bestimmte erzählerische Veränderungen vorgenommen wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, um Textstellen aus dem Roman mit entsprechenden Szenen der Verfilmung systematisch zu vergleichen und zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Figuren Madame Gaillard und Gerber Grimal, wobei jeweils ihre literarische Vorlage, ihre filmische Umsetzung und ein direkter Vergleich zwischen diesen beiden Medien erfolgt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Literaturverfilmung, Patrick Süskind, Tom Tykwer, Medientransfer, Charakterisierung und Adaptation.
Welche Rolle spielt die Off-Voice-Stimme im Film für die Interpretation der Autorin?
Die Off-Voice-Stimme wird als "stark literarisierendes Moment" identifiziert, das den Zuschauer kontinuierlich daran erinnert, dass es sich um eine Literaturverfilmung handelt, und das gleichzeitig eine ironische Distanz zu den Figuren schafft.
Warum weicht die Darstellung von Madame Gaillards Tod im Film von der Buchvorlage ab?
Laut der Arbeit erfolgt diese Abweichung aus Gründen der Erzählzeitökonomie, da dem Film der zeitliche Rahmen fehlt, um den gesamten Lebensweg der Figur über Jahrzehnte hinweg wie im Roman zu verfolgen.
- Citar trabajo
- Sarah Neubauer (Autor), 2014, Ein Vergleich zwischen Patrick Süskinds Roman "Das Parfum - die Geschichte eines Mörders" und dessen Verfilmung durch Tom Tykwer, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285066