Die Freiheit der Presse. Ungleichheiten zwischen Deutschland und Kuba


Hausarbeit, 2014

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Institutionstheorien – Die Legitimität von Institutionen
2.1. Institutionen in den Sozialwissenschaften
2.2. Die Entstehung und der Wandel von Institutionen

3. Medien und Pressefreiheit als Institution

4. Vergleich der Freiheit der Presse zwischen Deutschland und Kuba
4.1. Historische Entwicklungen in Bezug zur Pressefreiheit in beiden Ländern
4.2. Die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen
4.3. Aktuelle Zustand der Pressefreiheit in Deutschland und Kuba

5. Schlussresümee

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

„Alles, was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien", dieses Zitat stammt von dem Soziologen Niklas Luhmann und verdeutlicht beeindruckend die Bedeutung der Massenmedien.

Nur durch die Presse können Informationen zu den Bürgern eines Landes gelangen. Daher stellen die Meinungs- und Pressefreiheit sowie der freie Zugang zu Informationen ein fundamentales Menschenrecht dar.

Hinsichtlich der drastischen Ungleichheiten zwischen Deutschland und anderen Ländern sehe ich die Relevanz zu einer genaueren Betrachtung dieses Themas.

Um einen eindeutigen Vergleich aufstellen zu können, habe ich mich bewusst für einen Ländervergleich zwischen Deutschland und Kuba entschieden.

Ziel meiner Arbeit soll es sein die Ungleichheiten zwischen Deutschland und Kuba zu verdeutlichen und vor allem auf die Lage der Pressefreiheit in Kuba aufmerksam zu machen, da sich die deutschsprachige Wissenschaft bislang kaum mit der Freiheit der Presse auf Kuba und den starken Ungleichheiten auseinandergesetzt hat.

Im Vergleich zu Deutschland gibt es in Kuba deutliche historische, rechtliche und politische Unterschiede, welche im Laufe der Jahrzehnte zu erheblichen Ungleichheiten geführt haben.

Doch wieso kam es zu dieser unterschiedlichen Entwicklung der Pressefreiheit in den beiden Ländern? Wie ist es heutzutage um die Freiheit der Presse in Deutschland und Kuba gestellt? Was sind die Folgen aus dieser Entwicklung? Was führt zu der Entstehung und dem Wandel von Institutionen und welche Besonderheiten zeigen Medien und Pressefreiheit als Institution?

Um all diese offenen Fragen umfassend beantworten zu können, werde ich zu Beginn der Arbeit den institutionellen Rahmen in Bezug auf die Legitimität, die Entstehung und dem Wandel von Institutionen ausführlich erläutern. Dabei werde ich gezielt auf Institutionen in den Sozialwissenschaften eingehen, um mit diesen Fakten die Freiheit der Presse vergleichend untersuchen zu können.

Darauf folgend werde ich genauer die Medien und Pressefreiheit als Institution erläutern, um anschließend zu dem Vergleich zwischen Deutschland und Kuba zu kommen.

Hier stehen besonders die historischen, rechtlichen und politischen Umstände im Vordergrund, da diese die starke Ungleichheit zwischen beiden Ländern bedingen.

Anschließend an diese Analyse werde ich die aktuelle Situation und die Folgen der Entwicklungen betrachten.

Im Schlussresümee werde ich die gewonnenen Erkenntnisse nochmals zusammenfassen und kritisch Stellung nehmen.

Auf Grund der Komplexität des Themas und der darin bedingten ausführlichen Darstellung der Institutionstheorien in Bezug auf die Legitimität, die Entstehung und den Wandel von Institutionen, musste die vorgegebene Seitenanzahl leider etwas überschritten werden, um keine relevanten Informationen auslassen zu müssen.

2. Institutionstheorien – Die Legitimität von Institutionen

Zunächst möchte ich kurz definieren, worauf sich der Begriff Institution in diesem Rahmen beziehen soll.

Eine klare und eindeutige Definition von Institutionen ist schwer zu finden, die folgende Aussage trifft die Bedeutung des Begriffs im Zusammenhang mit dieser Arbeit jedoch sehr gut. Der Begriff Institution: „wird benötigt, um den sozialen Sachverhalt der Verfestigung regelmäßig wiederkehrenden Verhaltens und Handelns zu kennzeichnen“ (Nedelmann 1995: 15).

Als hoch institutionalisiert kann eine Institution bezeichnet werden, wenn diese fraglos respektiert und routinemäßig vollzogen wird. Aber auch Verhaltensregelmäßigkeiten können institutionalisiert werden. Dies ist der Fall, wenn Akteure die mit der Institution zusammenhängenden Werte und Normen so verinnerlicht haben, dass das daran orientierte Handeln wie selbstverständlich ausgeführt wird.

In diesen Fällen wird die Institution nicht mehr in Frage gestellt und erhält somit ihre Legitimität.

2.1. Institutionen in den Sozialwissenschaften

In den Sozialwissenschaften werden Institutionen als ein dauerhaftes Set an Regeln und Routinen, die für bestimmte Rollen in bestimmten Situationen angemessenes Verhalten und soziales Handeln definieren, bezeichnet. In der Definition von Donges (2006: 565) wird noch eine weitere bedeutende Eigenschaft hinzugefügt. Er definiert Institutionen als „dauerhafte Regelsysteme […], die soziales Handeln sowohl beschränken als auch ermöglichen“. Somit können die klassischen Medien, zu welchen die Presse gehört, als Institutionen erfasst werden.

Normative Regeln legen hierbei die vorgeschriebene, bewertende und verpflichtende Dimension von Institutionen dar und machen somit das Handeln von Akteuren auch für andere vorhersehbar. Die Übernahme von Regeln durch Akteure ist nach DiMaggio und Powell in drei klassische Mechanismen zu unterscheiden: Zwang (auch kultureller Zwang), normativer Druck und Imitation.

Nach Hartmut Esser´s institutionalistischen Perspektive orientieren sich die Akteure an der Angemessenheit ihres Handelns. Darüber hinaus besteht ein weiterer wichtiger Grundsatz darin, dass Institutionen die Akteure und ihre Präferenzen überhaupt erst schaffen. Ein Beispiel hierfür ist der gesamte PR- Bereich, welcher sich erst durch die Medien entwickeln konnte.

Da der Schwerpunkt dieser Arbeit bei der Presse als Institution liegt, möchte ich mich nun genauer auf den soziologischen Neo- Institutionalismus beziehen.

Der soziologische Neo- Institutionalismus stellt eine umfassende Beschreibung der Interaktionsformen von Organisation und institutioneller Umwelt bereit.

Unter dem Neo - Institutionalismus fand seit den 1980er- Jahren eine sogenannte Renaissance des institutionalistischen Denkens in den Sozialwissenschaften statt.

Das Institutionenkonzept von Berger und Luckmann liegt dem soziologischen Neo- Institutionalismus zugrunde. Nach diesem Konzept findet Institutionalisierung statt, „[…] sobald habitualisierte Handlungen durch Typen von Handelnden reziprok typisiert werden“ (Berger/Luckmann 1980: 58) Hierbei grenzen Berger und Luckmann verschiedene Stufen innerhalb des Institutionsprozesses ab. Der Prozess der Habitualisierung stellt den ersten noch vorinstitutionellen Schritt dar, welcher die notwendige Voraussetzung einer Institutionalisierung beschreibt. Nach der Annahme, dass das menschliche Tun dem Gesetz der Gewöhnung unterliegt führt genau diese Routine zu einer Entlastungsfunktion und somit zur Einsparung von Kraft.

Mit der Typisierung beginnt der erste Schritt im Prozess der Institutionalisierung. Die Typisierung verläuft reziprok – es werden also von bestimmten Akteuren bestimmte Akte wechselseitig erwartet. Somit umfasst der Prozess der Institutionalisierung auch die Akteure selbst. Aber: „Wenn habitualisierte Handlungen Institutionen begründen, so sind die entsprechenden Typisierungen Allgemeingut.“ (Berger/Luckmann 1980: 58, vgl. 72)

Eine Generalisierung von Habitualisierung und Typisierung ist somit notwendig, um als Institution wirken zu können. Mit dieser Objektivation ist eine Herausbildung aus einem subjektiven Kontext und die Verallgemeinerung und Übertragung auf andere Akteure bzw. Kontexte gemeint. Wenn also die reziproken Typisierungen zum allgemein verfügbaren Konstrukt innerhalb einer sozialen Bezugsgruppe werden, ist der Zustand der Institutionalisierung erreicht. Daran schließt sich die Sedimentierung[1] der institutionellen Erwartungen an. Es werden die Praktiken im kollektiven Bewusstsein verankert und somit die Erwartungsstrukturen verfestigt. Dazu kommt es durch wiederholte Vergegenwärtigung bzw. durch die Übertragung auf eine ´neue Generation´. Im Institutionalisierungsprozess stellt diese Übertragung eine besondere Herausforderung dar, da eine Vermittlung erfolgen muss, welche neben Übertragungsfehlern auch fehlschlagen oder abgelehnt werden kann. Vollzieht sich die Übertragung hingegen erfolgreich, verfestigt sich die institutionalisierte Erwartung.

Ein bedeutendes Charakteristikum des soziologischen Neo- Institutionalismus besteht in der zentralen Frage nach der Legitimität der Institutionen, welche erst mit dem Auftreten einer neuen Generation entsteht. Dabei wird angenommen, dass gesellschaftliche Akteure in Form von Individuen, Organisationen und Staaten hohen Aufwand für die Aufrechterhaltung oder Steigerung ihrer Legitimität betreiben. Legitimität gilt dabei als Resultat gesellschaftlicher Zuschreibung.

Nach Berger und Luckmann besitzen Legitimation und Institution eine kognitive und eine normative Seite: „Legitimation sagt dem Einzelnen nicht nur, warum er eine Herausforderung ausführen soll und die andere nicht ausführen darf. Sie sagt ihm auch, warum die Dinge sind, was sie sind. Mit anderen Worten: bei Legitimation von Institutionen geht das ´Wissen´ den ´Werten´ voraus.“ (Berger/Luckmann 1980: 100) Sollen und Sein fallen hier selbstverständlich, gewohnheitsmäßig und dauerhaft zusammen.

2.2. Die Entstehung und der Wandel von Institutionen

Nach Mantzavinos können zwei große Gruppen von Gründen für die Entstehung von Institutionen unterschieden werden. Zum einen motivationale Gründe, welche sich auf das Selbstinteresse der Individuen und die daraus entstehenden sozialen Konflikt- und interindividuellen Problemlagen beziehen. Die zweite Gruppe beinhaltet die kognitiven Gründe, womit die Grenze der kognitiven Fähigkeiten der Individuen als Grund für die Entstehung von Institutionen verdeutlicht wird, da mit ihrer Hilfe die Unsicherheit des Menschen eingeschränkt und bewältigt werden kann. Beide Gruppen sind somit anthropologisch[2] verankert.

Ein weiterer Grund für die Entstehung von Institutionen ist ´Vertrauen´, da dieses nicht mehr wie in traditionalen Gesellschaften auf persönlicher Erfahrung und sozialer Kontrolle basiert, sondern in modernen Gesellschaften vor allem durch Institutionen vermittelt wird. (vgl. Beckmann u.a. 2005) Wie Dietl 1993 sagte: „Indem durch Institutionen Vertrauen gebildet wird, kann die Komplexität der zukünftigen Welt reduziert werden“.

Im soziologischen Verständnis haben Institutionen regulierende Effekte. Sie machen bestimmte Verhaltensweisen und Strukturen wahrscheinlicher als andere, oder die Alternativen liegen sogar außerhalb ihres Vorstellungsvermögens. Unter diesem Blickwinkel kann man Institutionen anhand ihres ´Härtegrades´ sowie ihrer Verbindlichkeit unterscheiden. Im Zeitverlauf können sich diese Eigenschaften von Institutionen ändern. Sie können verschwinden oder es können sogar neue Institutionen entstehen. Der Grund liegt darin, dass sich Institutionen im ständigen Wandeln befinden, welcher bestimmte Leitideen birgt. Dieser institutionelle Wandel wird von den Akteuren selbst bedingt, da eine Institution nur entstehen und sich durchsetzen kann, wenn diese von Akteuren unterstützt wird.

3. Medien und Pressefreiheit als Institution

Medien werden als Institutionen gesehen, da sie vor allem öffentliche Güter sind. Neben den Organisationszielen eines (kapitalistischen) Medienunternehmens gibt es zahlreiche weitere institutionelle Ziele wie journalistische Qualität, Meinungsvielfalt, Kontrolle der Machthaber etc..

Die Institutionalisierung der Medien erzeugt eine Reihe gesellschaftlich bedeutsamer Funktionen und begründet durch Rollenzuweisungen die als legitim angesehenen wechselseitigen Erwartungen der Kommunikations- und Vermittlungspartner. Daher sind die Medien besonders in Bezug auf die kulturell- kognitive Säule des Institutionsbegriffs mächtig. Auf Grund ihrer als selbstverständlich angesehenen Regeln können sie ihre Wirkung auf die Gesellschaft ohne ein Hinterfragen entfalten. Die Medien wirken auf die Gesellschaft in Form der Berichterstattung, sowie durch ihre Existenz und die dadurch erst gegebene Möglichkeit ein Gegenstand der Berichterstattung zu werden, ein.

[...]


[1] Sedimentierung wird hier als Ablagerung der institutionellen Erwartungen verstanden.

[2] Anthropologisch steht hier als Bedeutung dafür, dass die benannten Gründe in den Menschen von Geburt an verankert sind und es keinen äußeren Einfluss bedarf.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Freiheit der Presse. Ungleichheiten zwischen Deutschland und Kuba
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Markrosoziologie: Gesellschaftsanalyse als Ungleichheitsanalyse
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V285087
ISBN (eBook)
9783656853503
ISBN (Buch)
9783656853510
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ungleichheiten, Institutionen, Institutionalisierung, Pressefreiheit, Kuba, Deutschland, Ungleichheitsanalyse, Gesellschaftsanalyse, Makrosoziologie, Kommunikationswissenschaft, Presse
Arbeit zitieren
Josephine Daduna (Autor), 2014, Die Freiheit der Presse. Ungleichheiten zwischen Deutschland und Kuba, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285087

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