Die Waldenser und ihr Einfluss auf die Hussiten


Hausarbeit, 2012
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein Überblick über die Entstehungsgeschichte der Waldenser

3. Berührungspunkte

4. Die „Schwarze Rose“

5. Peter Payne

6. Jan Hus

7. Gemeinsamkeiten in dogmatischen Fragen?

8. Schlusswort

9. Anhang
9.1. Karten: Geographischer Vergleich zwischen Zentren der Waldenser und späteren Taboritenhochburgen in Böhmen
9.2. Personenregister

10. Quellen- und Literaturverzeichnis
10.1. Quellen
10.2. Literatur
10.3. Kartennachweis

1. Einleitung

Die Waldenser[1], eine Glaubensgemeinschaft, welche die apostolische Nachfolge lehrte und lebte, gegründet um 1175 in Lyon von Petrus[2] Waldes, wurden schon bald nach Beginn ihrer Gründung von der Inquisition verfolgt und bekämpft. Dieses führte dazu, anders als von den Verfolgern beabsichtigt, dass ihre Lehre in großen Teilen Europas, durch die Flucht und Vertreibung ihrer Lehrenden, verbreitet wurde und oft auch eine regionale Ausrichtung erfuhr. Über Italien nach Österreich, Schweiz bzw. von Frankreich über Deutschland auch nach Böhmen gekommen, bildete sich schließlich bis zum Ende des 14. Jahrhunderts dort eine größere Gruppe von Nachfahren der Armen von Lyon. In Prag, dem geistigen Zentrum Böhmens, entstand zu dieser Zeit gerade die reformatorische Bewegung der Hussiten.

Ob die Waldenser der hussitischen Bewegung den Boden bereitet haben, sie direkt, auch in dogmatischen Dingen, beeinflussten oder ob es gar zu einer umgekehrten Beeinflussung der jüngeren hussitischen Bewegung auf die Waldenser kam, wird schon jahrelang kontrovers in der Forschung diskutiert[3].

Diese Hausarbeit stellt kurz die Geschichte der Waldenser vor, um dann mögliche Zusammenhänge zwischen den Waldensern und den Hussiten zu beleuchten. Für eine befriedigende Vorstellung der Hussiten muss Aufgrund des begrenzten Umfanges an dieser Stelle leider verzichtet werden[4]. Es soll vielmehr die Frage im Vordergrund stehen, ob und in wieweit es zu einer Beeinflussung zwischen den beiden Gruppen kam oder kommen konnte. Hierbei möchte diese Arbeit auch den Möglichkeitsspielraum für eine Beeinflussung, sowohl im geographischen Sinne, als auch über direkte Kontakte einiger ihrer Protagonisten aufzeigen und so einen Übergang zu denkbaren Analogien in ihren jeweiligen dogmatischen Lehren aufzeigen.

Was diese Arbeit nicht zu leisten vermag, ist eine umfassende und abschließende Bewertung der oben genannten Verflechtungen. Zu umfangreich und umstritten ist hier der Forschungsstand, um im begrenzten Rahmen einer solchen Arbeit zu einem befriedigenden Ergebnis zu kommen. Weiter kann auch nicht auf die vielfältigen Ausprägungen der hussitischen Bewegung in Utraquisten, Taboriten, Pikarden und Adamiten mit ihren wiederum jeweils eigenen dogmatischen Schwerpunkten eingegangen werden[5]. Vielmehr möchte diese Hausarbeit auf eine hochinteressante Verflechtung aufmerksam machen, die über die Reformation Luthers hinaus bis heute noch ihre Spuren hinterlassen hat.

Die Forschungslage zu diesem Thema ist nicht nur außerordentlich umfangreich, sondern daneben auch äußerst umstritten. So finden sich in umfassender Literatur alle erdenklichen Möglichkeiten der Interaktion zwischen Waldensern und Hussiten. Von Vertretern einer direkten Indoktrinierung, wie Alexander Patschovsky oder Amedeo Molnár[6], bis zur These Euan Camerons[7], der eine völlige Umkehrung der Idee dahin, dass die Hussiten, die bis dahin weitgehend in die Bedeutungslosigkeit abgesunkenen Waldenser beeinflusst hätten, postuliert, sind hier alle Lehrmeinungen zu finden. Die Schwierigkeit einer klaren Beantwortung liegt nicht zuletzt in einer sehr dezidierten Quellenlage. Unser heutiges Wissen über die Waldenser ist fast ausschließlich auf Unterlagen ihrer Gegner, also der Inquisition und ihrer Akten zurückzuführen und selbst was nicht unmittelbar durch die Verfolger berichtet wurde, ist doch praktisch immer durch die Hände der Inquisition gelaufen. Ein sehr gefärbtes Bild muss daher bei dem Umgang mit diesen Quellen vorausgesetzt werden. Weiter war auch in den letzten Jahrhunderten die Forschungssituation nicht frei von Einflüssen. Sei es durch die verschiedenen Blickwinkel der Reformation, die stellenweise selbst die hussitischen Ereignisse nicht hinreichend würdigte, oder auch durch eine nationalistische Brille, welche die Hussiten nicht von einer überwiegend deutschstämmigen waldensischen Gruppe beeinflusst sehen wollte.

2. Ein Überblick über die Entstehungsgeschichte der Waldenser

Die Waldenser wurden um 1175 von (Petrus) Waldes in Lyon gegründet. Er soll als reicher Kaufmann Teile des Alten Testamentes und das Neue Testament in provinzialen Dialekt übersetzen lassen haben. Dadurch auf die Differenzen zwischen dem Klerus und der Heiligen Schrift aufmerksam geworden, verschenkte er seinen Besitz und predigte in der Folge als umherziehender Laienpriester über die apostolische Lebensweise. Bald schlossen sich ihm Bürger, oft Kaufleute, aber auch Frauen, an, um dann meist zu zweit als Wanderprediger, nach der Empfehlung Christi bei der Aussendung von Jüngern, zu folgen[8]. Es kam zu einem starken Anwachsen der Gruppe, die selbst in Kirchen predigen durften, bis sie unter anderem wegen eigenmächtigem Verkünden der Worte Gottes vom neuen Erzbischof[9] in Lyon zur Verantwortung gezogen und mit einem Predigtverbot belegt wurden. Waldes wandte sich währenddessen an das Laterankonzil von 1179[10], bei dem Papst Alexander III. zwar das Armuts-Gelübde der Waldenser lobte, aber die Glaubenspredigt verbot und die Sittenpredigt nur unter Aufsicht des Klerus zuließ. Die Armen von Lyon missachteten diese Anordnung und predigten von nun an gegen die Sünden des Klerus[11], was ihnen und im speziellen Waldes 1184 die Exkommunizierung und die Vertreibung aus Lyon einbrachte[12]. Nun wurde der Einfluss der eigenen ketzerischen Mitglieder immer größer und in der Folge verwarfen sie die kirchliche Lehrautorität mit ihren Hierarchien und Traditionen und lehnten bis auf die Buße und Taufe für Erwachsene auch die Sakramente ab. Ebenso stießen die Heiligenhuldigung, „quod sancti non sunt invocandi nec venerandi nec beatat virgo, ex illo motivo, quia santic sunt unis voluntatis cum deo; ergo ipsi volunt, quidquid deus vult, et non possunt aliud velle.“[13], die Bilder-, und Reliquienverehrung sowie das Fegefeuer und die Messen für Verstorbene, „quod elemosine facte pro mortuis nichil valerent“[14], bei den Waldensern auf Ablehnung. Ein weiterer, gerade im Hinblick auf die Inquisition, sehr wichtiger dogmatischer Ansatz war, dass obendrein der Ablass und mit ihm der Zehnte, sowie der Eid von den Waldensern verneint wurden. Genauso wie das Töten „[…] quod ex novo testamento non potest haberi, quod liceat aliquem hominem interficere pro quibuscumque malis impetratis. […]“[15] und somit auch die Todesstrafe.

In der Folge wurden die Waldenser auf dem vierten Laterankonzil als Ketzer und Sekte diffamiert und von der Inquisition verfolgt, was zu einem Versprengen der Gruppe in weite Teile Europas führte, aus dem sich dann drei neue Hauptgruppen mit jeweils eigenen Glaubensschwerpunkten in Frankreich bzw. Spanien, in Italien und Deutschland bildeten. Im 13. Jahrhundert setzte sich eine über Italien und Österreich gekommene Gruppe in Süd-Ostdeutschland und Böhmen fest. Hier lebten die Waldenser nicht etwa am Rande der Gesellschaft, sondern waren Handwerker, Kaufleute und selbst Schulmeister und einige örtliche Magistrate waren unter ihnen[16].

3. Berührungspunkte

Dass Waldenser im vorhussitischen Böhmen bereits zu Anfang des 14. Jahrhunderts stark verbreitet waren, gilt als relativ gesichert. Zum einen über die „Heiligenkreuz“ Inquisitionsakten des Inquisitors Gallus, bei denen von „zahlreichen“ Waldensern die Rede ist und zum anderen allein über die Anzahl von Prozessen der in Prag neu installierten ständigen Inquisition[17] gegen Häretiker, was zur Folge hatte, dass durch die zahlreichen Verurteilungen Gefängnisplätze chronisch knapp waren und es gar zu einer „Auslagerung“ in die Kerker der „weltlichen“ Macht in Prag kam[18]. Als ein weiteres Indiz für die Ausbreitung der Ketzer kann auch die päpstliche Kreuzzugsbulle von 1340 gegen die Waldenser in Südböhmen angesehen werden[19], die zeigt, wie sehr (Süd-)Böhmen schon in der Mitte des 13. Jahrhunderts von Feinden der „offiziellen“ Kirche unterwandert war. Hier soll kurz auf ein Grundproblem in Bezug auf die Definition, wer als Waldenser galt, hingewiesen werden. Häretiker, die beispielsweise den Eid ablehnten, wurden oft schon aus diesem Grunde der Gruppe der Waldenser zugeordnet, auch wenn sie sich selber gar nicht als solche wahrnahmen.

Wer waren jetzt diese Waldenser in Böhmen? Folgt man Alexander Patschovsky, so handelte es sich in erster Linie um „Deutsche“, oder „Nichtböhmen“, die sowohl auf dem Lande, als auch in der Stadt anzutreffen waren[20]. Sie kamen zuerst als Prediger und nahmen schnell zu der deutschen Bevölkerung in Böhmen Kontakt auf, von wo sie dann weiter ihren Einfluss auf die tschechischen Bewohner ausübten. Als Beispiel dafür, dass es zu solchen Berührungen zwischen Waldensern und Tschechen kam, kann hier der Fall Wenzel (Václav) aus Sušany angeführt werden. Dieser tschechische Bürger Böhmens musste bereits 1393 vor der Inquisition versprechen, keinen Kontakt mehr zu Waldensern zu unterhalten[21]. In diesem Zusammenhang ist kurz einzufügen, dass in der Zeit vor der eigentlichen Radikalisierung der hussitischen Revolution mit dem Prager Fenstersturz am 30. Juli 1419, der nationalistische Gedanke, zumindest in der breiten Bevölkerung keine entscheidende Rolle gespielt hat und er somit als Distinktionsmerkmal innerhalb der Allgemeinheit von nur untergeordneter Bedeutung sein konnte. Als ein weiteres Indiz für die Begegnung von Deutschen und Tschechen in Böhmen, kann sicher die Vermischung von Namen durch Eheschließung betrachtet werden[22]. Hier scheint es evident, dass es dabei auch zu einer Glaubensanpassung des Ehepartners gekommen sein wird. Trotz der aufgeführten Berührungspunkte bleibt allerdings festzuhalten, dass der Großteil der Waldenser in Böhmen sicher dennoch unter der deutschen Bevölkerung zu finden war.

Auf zwei spannende Punkte soll hier noch hingewiesen werden. So deuten Soukup darauf hin, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen den vier Hauptgebieten der Häresie in Böhmen (mit Prag, dem Süden: mit Neuhaus, Budweis und Pisek, dem Osten mit Königsgrätz und dem Nordwesten mit Saaz) vor der hussitischen Zeit mit den radikalen Sammelstellen der späteren Hussiten gibt[23]. Dass genau diese Zentren der Häretiker später auch die Mittelpunkte der radikalen Hussiten waren, erscheint dann doch als bedeutungsvoll und ergänzt sich mit der Behauptung, die bereits Schlesinger im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in den Raum stellt, als er auf eine weitere Übereinstimmung zwischen den radikalen Hussiten, den Taboriten hinweist, indem er die These aufstellt, die Waldenser sollen sich bei Gefahr auf die Berge zurückgezogen und sich dort die Wiederkunft Christie erhofft haben, genauso wie sich die Taboriten in der hussitischen Bewegung auf einen Berg zurückzogen und auf die Ankunft des neuen Millenniums mit dem Erlöser gehofft hatten.

4. Die „Schwarze Rose“

Eine interessante Rolle in dem Spannungsgefüge zwischen Waldensern und Hussiten in der vorrevolutionären hussitischen Zeit spielt sicherlich die Gruppe der „Schwarzen Rose“ in Böhmen. Gegen Ende des Jahres 1411 wurden die beiden deutschen Waldensermeister Peter von Dresden und Friedrich Eppinge, die aus Dresden vertrieben wurden, von den böhmischen Universitätsmagistern aufgenommen und ihnen das Haus „Zur Schwarzen Rose“ zur Verfügung gestellt. Hier unterstützte Eppinge Hus in seinem Kampf gegen das Verbot Wyclifs Schriften zu studieren und bezeichnete den Zustand der Kirchen als vom Antichrist beherrscht[24]. Dennoch folgte er Wyclifs Schriften, insbesondere in Bezug auf die Prädestinationslehre nur bedingt. In letzter Konsequenz war Eppinge sicher kein Wyclift, sondern stand er den Waldensern immer noch näher. Auf Eppinges Tod 1412 folgte Nikolaus von Dresden, welcher ein Freund des Engländers Peter Payne[25], der sich zwischenzeitlich auch in Prag eingefunden hatte, wurde. Als Mitarbeiter Jakoubeks von Mies, nach Hus einer der wichtigsten Führer der hussitischen Bestrebungen an der Universität Prag, bekam Nikolaus von Dresden, möglicherweise ein Waldenser[26], nun direkten Einfluss auf die Hussiten, was sich auch in der Außendarstellung der Hussiten bald zeigte. So erinnerte Jakoubek im Frühling 1416 in einer Predigt in der Bethlehemskapelle an die Verfolgung, welche die Waldenser in den letzten zwei Jahrhunderten durchmachen mussten, und zwar nicht wegen ihrer Irrlehren, wie bis hierher gesagt wurde, sondern wegen ihres Evangeliums Christie. In dieser Predigt zeigte sich ein Wissen über die Waldenser und ihre Lehren, dass nicht allein durch die von der Inquisition aufgestellten Verzeichnisse der Irrlehren kommen konnte, sondern es darf angenommen werden, dass dieses aus dem Fundus der Deutschen um das Haus der „Schwarze Rose“, insbesondere von Nikolaus von Dresden, stammte. Letztendlich argumentierte der Hussit Jakoubek, wenn es um die Ablehnung der Konstantinischen Schenkung ging, mit Zitaten aus dem „Liber Electormu“, einer Selbstdarstellung der Waldenser über ihre Geschichte, die bereits Mitte des 14. Jahrhunderts erschienen ist[27]. So fanden Nikolaus von Dresden und Jakoubek in der Folge auch zu einem gemeinsamen Standpunkt über die Einschätzung der christlichen Kirche, bei dem den Waldensern ein ehrenvoller Platz eingeräumt wurde. Als entscheidender Punkt für eine waldensisch-hussitische Zusammenarbeit ist die Übereinkunft über die sakramentale Bedeutung der Kelchkommunion, die daraufhin zum zentralen Dogma der hussitischen Glaubensbewegung aufstieg, anzusehen[28]. Diese wurde gerade nach der Trennung in gemäßigtere utraquistische- und radikalere taboritische Hussiten für die Prager Utraquisten zum wichtigsten Glaubensinhalt, was nicht zuletzt auch als erster Punkt in den „Vier Prager Artikeln“ ihren Widerhall erfuhr[29]. Der Kelch zeigt nicht zuletzt

nochmals den Einfluss der Waldenser um die „Schwarze Rose“, speziell auf die Bürger in Prag, was auch Silvio Piccolomini[30] beklagte, als er feststellt, die Utraquisten wären von der Lehre der Waldenser infiziert[31].

5. Peter Payne

Folgt man der These von F. M. Bartos, wurde allerdings auch Nikolaus von Dresden erst von seinem Freund Payne dazu verleitet einen Plan für eine Allianz zwischen Hussiten und Waldensern zu schmieden[32]. Magister Payne, ein Übersetzer von Wyclifs Schriften, war bereits bei seiner Reise von England nach Prag[33] mehrere Monate im Hause Friedrich Reisers Vater, einem Waldensermeister, in Süddeutschland zu Gast. Payne, so kann wohl angenommen werden, kam dabei sicher mit den Waldenserlehren in Berührung und erfuhr dabei unweigerlich eine Beeinflussung. Kurz nach der Abreise Jan Hus 1414 zum Konzil in Konstanz kam der Engländer in Prag an und widmete sich sogleich der dogmatischen Frage des Laienkelches. Und auch später, als die hussitische Revolution kurz vor ihrem radikalen Ausbruch stand, unternahm Payne nochmals eine Reise nach Nürnberg und machte wiederum Quartier in einem Haus mit waldensischer Ausrichtung- gerade in der Zeit als Friedrich Reiser in diesem Anwesen zum Waldensermeister vorbereitet wurde[34]. Eine weitere Kontaktstelle zwischen Payne und den Waldensern stellte Ulbrich in den Raum, als er die Behauptung formulierte: „[…] in Saaz (Žatec) hätten die Waldenser um vierzehnhundert ein Priesterseminar, indem auch Payne lehre.“[35] Paynes Sicht auf die waldensischen Dogmen wird deutlich, als er, wie bei den Armen von Lyon üblich, sich weigert einen Eid zur Aufnahme als Magister an der Prager Universität abzulegen. Zwei Jahre verzögert sich dadurch seine Mitgliedschaft, bis möglicherweise ganz bewusst zur Erweiterung des waldensischen Einflusses auf die Reformbewegung, in der die gemäßigten Magister eine Integration mit den Wortführern der Hussiten anstrebten, Payne auch ohne Schwur aufgenommen wird. An dieser Stelle soll darauf hingewiesen werden: bei Payne handelte es sich um einen der einflussreichsten Mitstreiter der Hussiten, welcher in den nächsten Jahren an vielerlei Versammlungen als Abgesandter für die hussitische Idee stritt. Besonders wird seine Rolle deutlich, bei der Beobachtung, dass er zum Konzil von Basel[36] als Unterhändler für die Durchsetzung der „Vier Prager Artikel“ erscheint und für sie kämpft.

[...]


[1] Auch Armen von Lyon, Leonisten, Armen Christi, Lombardischen Armen, Winkler usw. genannt. Der Name „Waldenser“ ist keine Selbstbezeichnung, sondern wurde auch als Zusammenfassung der genannten Gruppen vergeben.

[2] Der Vorname Petrus ist nicht belegt. Er ist möglicherweise in der Legendenbildung, um eine Nähe zur Urkirche aufzuzeigen, erfunden worden. In den Quellen taucht er erstmals seit dem 14. Jahrhundert auf.

[3] Utz Tremp, Katrin: Von der Häresie zur Hexerei. “Wirkliche“ und imaginäre Sekten im Spätmittelalter, Hannover 2008.

[4] Einen guten Gesamtüberblick über die Geschichte der Hussitischen Bewegung findet man unter anderem bei: Šmahel, František: Die Hussitische Revolution, bearb. und übersetzt von Alexander Patschovsky u.a., 3 Bde., Hannover 2002 (MGH-Schriften, 43/1-3).Ferner wird bei einzelnen Punkten, bei denen ein genaueres Hintergrundwissen hilfreich wäre, noch auf Literatur verwiesen.

[5] Einen guten Kurzüberblick zu Tabor bietet hier: Šmahel, František: Tabor als Modell einer Gesellschaftsordnung, in: Reform von Kirche und Reich zur Zeit des Konzils in Konstanz (1414-1418) und Basel (1431-1449), hgg. von Ivan Hlaváček und Alexander Patschovsky, Konstanz 1996, S.191-201.

[6] Zu nennen wäre hier vor allem Alexander Patschovsky, der in seiner Veröffentlichung: „Die Anfänge einer ständigen Inquisition in Böhmen“, erschienen 1975 in Berlin, eine weite Verbreitung der Waldenser in Böhmen und einen damit verbunden Einfluss postuliert. Weiter Amedeo Molnár mit seinem Werk: Die Waldenser. Geschichte und europäisches Ausmaß einer Ketzerbewegung, Berlin-Göttingen, 1980 (1980 in deutscher Übersetzung erschienen).

[7] Cameron, Euan: Waldeses. Rejections of holy church in medieval Europe, Oxford 2000, S. 144-147.

[8] Hauschild, Wolf-Dieter: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Alte Kirche und Mittelalter, Bd.1, Gütersloh, 2000. S. 324-325.

[9] Jean Bellesmains 1183-1194 Erzbischof von Lyon

[10] Der Bericht Stephans von Bourbon über die Anfänge der Waldenser. Veröffentlicht in: Patschovsky, Alexander/ Selge, Kurt-Vitor: Texte zu Kirchen- und Theologiegeschichte, Bd. 18, Quellen zur Geschichte der Waldenser, Gütersloh 1973, S. 17.

[11] Insbesondere gegen den weltlichen Lebensstil der Kleriker

[12] Während des Konzils von Verona unter Papst Lucius III.

[13] Keine Anrufung und Verehrung von Heiligen, auch nicht der Jungfrau Maria, weil diese den gleichen Willen wie Gott haben werden, also wollen diese, was Gott will.„Prager Ketzerartikel“ aus einem Sermon des Matthäus von Krakau. (25. Januar 1384) Veröffentlicht in: Patschovsky, Alexander (Hg.), Monumenta Germaniae Historica. Quellen zur Geistesgeschichte des Mittelalters, Bd. 11, Quellen zur böhmischen Inquisition im 14. Jahrhundert, Weimar 1979, S. 321.

[14] Weil Almosen für Verstorbene nichts ausrichten. „Prager Ketzerartikel“ aus einem Sermon des Matthäus von Krakau, Weimar 1979, S. 321.

[15] Weil uns das Neue Testament nicht dazu berechtigt, es uns nicht erlaubt ist, einen Menschen zu töten, was er auch immer Böses tat. „Prager Ketzerartikel“ aus einem Sermon des Matthäus von Krakau, Weimar 1979, S. 320.

[16] Utz Tremp, Katrin: Von der Häresie zur Hexerei, 2008, S. 138.

[17] Die ständige Inquisition in Prag war eine von nur Dreien der christlichen Kirche. Sie wurde 1318 in Prag gegründet und war ca. 100 Jahre lang, bis zur hussitischen Revolution, ständig besetzt.

[18] Ulbrich, Rolf: „Tkadleček“ und „Ackerman“, Waldenserliteratur, Humanismus, Theologie und Politik um 1400 in Böhmen, Berlin 1985, S.66.

[19] Hilsch, Peter: Die Hussitenkriege als spätmittelalterlicher Ketzerkrieg, in: Religionskriege im Alten Reich und in Alteuropa, hgg. von Franz Brendle und Anton Schindling, Münster 2006, S. 60.

[20] Patschovsky, Alexander (Hg.), MONUMENTA GERAMNIAE HISTRORICA. Quellen zur Geistesgeschichte des Mittelalters, Bd. 11, Quellen zur böhmischen Inquisition im 14. Jahrhundert, Weimar 1979, S.71.

[21] Ulbrich, Rolf: „Tkadleček“ und „Ackerman“, 1985, S.66.

[22] Patschovsky, Alexander (Hg.): Quellen zur böhmischen Inquisition, 1979, S.74.

[23] Soukup, Pavel: Die Waldenser in Böhmen und Mähren im 14. Jahrhundert, in: Friedrich Reiser und die „waldensisch-hussitische Internationale“ im 15. Jahrhundert, hgg. von Albert de Lange und Katrin Utz Tremp, Ubstadt-Weiher/Heidelberg/Basel, 2009, S. 142.Vergleiche auch Karten 1 und 2 im Anhang auf Seite 17 und 18.

[24] Molnár, Amedeo: Die Waldenser. Geschichte und europäisches Ausmaß einer Ketzerbewegung, Berlin-Göttingen, 1980, S. 247.

[25] Peter Payne: Unter anderem Übersetzer von Wyclifs Schriften und seiner Lehre auch nahstehend.

[26] Lexikon des Mittelalters (LexMA), (Bd. 6;9), Red. G. Avella-Widhalm u.a., München u.a., ²1993, Sp. 1179.

[27] Liber Electorum (Buch der Auserlesenen) – in dieser Selbstdarstellung führen die Waldenser ihren Ursprung auf die Konstantinische Wende zurück.

[28] Molnár, Amedeo: Die Waldenser, 1980,S. 249.

[29] Ein guter Kurzüberblick über die „Vier Prager Artikel“ findet sich bei: Šmahel, František: Die Vier Prager Artikel. Das Programm der Hussitischen Reformation, in: Kirchliche Reformimpulse des 14./15. Jahrhunderts in Ostmitteleuropa, hgg. Winfried Eberhard und Franz Machilek, Köln/Weimar/Wien 2006, S.329-339.

[30] Der spätere Papst Pius II.

[31] Utz Tremp, Katrin: Einführung, in: Friedrich Reiser und die „waldensisch-hussitische Internationale“ im 15. Jahrhundert, hgg. von Albert de Lange und Katrin Utz Tremp, Ubstadt-Weiher/Heidelberg/Basel 2009, S. 17.

[32] Molnár, Amedeo: Die Waldenser, 1980, S. 251.

[33] Payne wurde als Ketzer aus England vertrieben.

[34] Utz Tremp, Katrin: „waldensisch-hussitische Internationale“, 2009, S. 17.

[35] Ulbrich, Rolf: „Tkadleček“ und „Ackerman“, 1985, S.67.

[36] Das Konzil wurde zwischen 1431-1449 abgehalten. Hier wurde u.a. der Frieden mit den utraquistischen Hussiten, unter Beibehaltung des Laienkelches, geschlossen.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Waldenser und ihr Einfluss auf die Hussiten
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die Mittelalterliche Geschichte: Die hussitische Revolution
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
23
Katalognummer
V285093
ISBN (eBook)
9783656853589
ISBN (Buch)
9783656853596
Dateigröße
3860 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Auszug aus der Bewertung des Dozenten: Souveräne Einleitung mit gelungener Hinführung, eine klar entwickelte Frage und der einleuchtenden Erläuterung des Vorgehens. Der Forschungstand wird mustergültig aufgearbeitet. Die hypothesenreiche Forschung zu direkten Beziehungen zwischen Hus und den Waldensern werden mit der nötigen Distanz wiedergegeben [...]. Das Schlusswort zieht ein völlig überzeugendes Resümee, das sich durch Abgewogenheit und Vorsicht im Urteil auszeichnet, wie es der nicht eindeutig zu klärenden Frage vom Wechselverhältnis zwischen Waldensern und Hussiten auch angemessen ist.
Schlagworte
Waldeneser, Hussiten, Jan Hus, Die hussitische Revoltution, Die Schwarze Rose, Peter Payne
Arbeit zitieren
Frank Krause (Autor), 2012, Die Waldenser und ihr Einfluss auf die Hussiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285093

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