„Der Kaiser persönlich ehrte [die Götter] durch Weihgeschenke und Opfer und forderte auch die anderen zum Opfern auf.“ Diese Aussage hat der antiochenische Sophist Libanios in seiner Leichenrede auf den im Perserfeldzug gefallenen Kaiser Julian, der sich im Rahmen seiner Religionspolitik den paganen Kulten widmete und sein Ziel einer Repaganisierung des Römischen Reiches verfolgte, niedergeschrieben, was eine Nuance seines Idealbildes eines Herrschers darstellt. Dieses Kaiserideal und die Entwicklung desselben in den Werken des Antiocheners sind Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Um das Herrscherideal zu veranschaulichen, werden ausgewählte Reden des heidnischen Sophisten analysiert und miteinander verglichen. In der Kaiserrede ‚Auf Kaiser Julian als Konsul‘ wird zwar ein Bild des Herrschers entworfen, das vom Kaiser selbst so gesehen und gehört werden wollte, jedoch entsprach dieses kaiserliche Selbstverständnis auch den Vorstellungen des Libanios, der sich mit den politischen, religiösen und kulturellen Zielen Julians weitgehend identifizieren konnte. Im ‚Epitaphios auf Julian‘ steigert der sich den paganen Götterkulten verschriebene Sophist dieses Idealbild und setzt es als Maßstab für Julians Nachfolger.
Theodosius I. herrschte ab 379 n. Chr. als christlicher Kaiser über das Imperium Romanum, weshalb Libanios sein Kaiserideal den politischen Verhältnissen entsprechend anpassen musste, um weiterhin als Redner anerkannt zu werden und Einfluss auf den Kaiser ausüben zu können. Diese Entwicklung des Herrscherbildes wird in Libanios‘ Rede ‚Für die Tempel‘ deutlich, die im Anschluss an den ‚Epitaphios‘ analysiert und interpretiert wird. In der Schlussbemerkung werden die wichtigsten Ergebnisse der folgenden Ausführungen noch einmal zusammengefasst.
In der Forschung, die einige der Interpretation der Reden des antiochenischen Sophisten nützliche Werke bereithält, herrscht über Abfassungszeit, Absicht und Funktion und Verbreitung der drei Reden weitgehende Einigkeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Libanios und Kaiser Julian
2.1.1. ‚Auf Kaiser Julian als Konsul‘
2.1.2. ‚Epitaphios auf Julian‘
2.2. Libanios und Kaiser Theodosius I.
3. Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Herrscherideal des spätantiken Sophisten Libanios und dessen Wandel unter den Kaisern Julian und Theodosius I. Anhand ausgewählter Reden wird analysiert, wie Libanios seine Vorstellungen eines idealen Kaisers – geprägt durch literarische Bildung, Frömmigkeit und die Förderung des paganen Götterkultes – im Kontext wechselnder politischer Rahmenbedingungen darstellte und anpasste.
- Analyse des kaiserlichen Selbstverständnisses in der Rede ‚Auf Kaiser Julian als Konsul‘
- Untersuchung des idealisierten Herrscherbildes im ‚Epitaphios auf Julian‘
- Vergleich der Darstellung von Bildung und Religion bei Julian gegenüber Theodosius I.
- Die rhetorische Strategie des Libanios in der Beratungsrede ‚Pro Templis‘
- Die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Sophist und Kaiser im 4. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
2.1.1. ‚Auf Kaiser Julian als Konsul‘
Der ‚Hypatikos‘ wurde von Libanios im Rahmen der Staatsfeier für den vierten Konsulatsantritt des Kaisers Julian am 1. Januar 363 n. Chr. verfasst und vorgetragen. Julian, der den Sophisten als Vertrauten betrachtete, stellte Libanios für die Anfertigung der Rede eigene Schriften zur Verfügung, gewährleistete somit, dass ein bestimmtes Bild von ihm rezipiert wurde, und sorgte auch für die schriftliche Verbreitung desselben. Libanios konnte sich aufgrund gemeinsamer Grundüberzeugungen mit der Selbstdarstellung des Kaisers ohne Bedenken identifizieren.
Schon zu Beginn des Proömiums wird Libanios‘ Einstellung gegenüber dem regierenden Kaiser deutlich, wenn er betont, dass er „[…] for the first time see the most august office held by the mightiest of emperors.“ Der Sophist erläutert, welches Privileg der Stadt Antiocheia durch diese Staatsfeier und die Anwesenheit des Kaisers zugutekomme und dass zu diesem Anlass nicht nur er als Redner auftrete; doch die Kunst der Rhetorik könne die Leistungen Julians nicht gänzlich erfassen. Bevor Libanios auf das Amt des Konsulats im Allgemeinen eingeht – er äußert sich über die Entstehung, Funktion, Entwicklung und Folgen, die sich aus der Etablierung dieses Amtes ergeben –, hebt er hervor, dass seine Rede von der Genialität des Kaisers selbst getragen werde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Libanios das Herrscherideal im Kontext seiner Reden über Julian und Theodosius I. konstruierte und an die politischen Gegebenheiten anpasste.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die rhetorische Darstellung Julians als idealer, gottgefälliger Herrscher in den Reden ‚Auf Kaiser Julian als Konsul‘ und ‚Epitaphios‘ sowie die Anpassung der Argumentationsstrategie des Libanios in der späteren Rede ‚Pro Templis‘ gegenüber dem christlichen Kaiser Theodosius I.
3. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst zusammen, dass das julianische Kaiserideal den persönlichen Werten des Libanios entsprach und dieser unter Theodosius I. zu einer rationaleren, säkularen Argumentation übergehen musste, um weiterhin Einfluss zu nehmen.
Schlüsselwörter
Libanios, Kaiser Julian, Theodosius I., Spätantike, Kaiserideal, Rhetorik, Götterkult, Repaganisierung, ‚Hypatikos‘, ‚Epitaphios auf Julian‘, ‚Pro Templis‘, Herrscherbild, Sophistik, Religion, Römische Geschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Bild eines idealen Kaisers, wie es der spätantike Rhetor Libanios in verschiedenen Reden für die Kaiser Julian und Theodosius I. entworfen hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Verbindung von literarischer Bildung, dem traditionellen paganen Götterkult und dem politischen Herrscheramt im 4. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Libanios sein Herrscherideal an die veränderten politischen Umstände anpasste, um trotz christlicher Vorherrschaft Einfluss zu bewahren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wendet eine textanalytische Methode an, bei der ausgewählte Reden des Libanios im historischen Kontext der jeweiligen Kaiserzeit interpretiert und miteinander verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Reden ‚Auf Kaiser Julian als Konsul‘ und der ‚Epitaphios auf Julian‘ sowie die Beratungsrede ‚Pro Templis‘ an Theodosius I. hinsichtlich ihrer Rhetorik und politischen Zielsetzung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Libanios, Kaiserideal, Rhetorik, Julian, Theodosius I., Götterkult und Spätantike.
Warum musste Libanios sein Idealbild bei Theodosius I. anpassen?
Da Theodosius I. als christlicher Kaiser und Vertreter einer anderen Religionspolitik regierte, musste Libanios von seiner religiös begründeten Idealisierung ablassen und stattdessen rational-säkulare Argumente verwenden.
Welche Rolle spielt die Bildung für das Herrscherideal des Libanios?
Für Libanios ist literarische Bildung untrennbar mit dem Herrscheramt verbunden; sie befähigt den Kaiser zu Weisheit, Bescheidenheit und zur richtigen Erkenntnis der göttlichen Weltordnung.
Warum wird Julian in den Reden des Libanios als Maßstab herangezogen?
Julian verkörperte für Libanios die ideale Einheit von Kaiser und Priester, dessen Herrschaft Wohlstand und Segen brachte, weshalb er auch nach seinem Tod als leuchtendes Gegenbeispiel dient.
Was ist das Ziel der Rede ‚Pro Templis‘?
Die Rede dient als Appell an Theodosius I., die Zerstörung heidnischer Tempel durch radikale christliche Gruppierungen zu stoppen und die Einhaltung von Recht und Gesetz zu gewährleisten.
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- Tanja Triepel (Autor), 2014, Das Kaiserideal des spätantiken Sophisten Libanios, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285391