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Alt oder alt und krank. Ansätze einer gerontologischen Ethik

Titre: Alt oder alt und krank. Ansätze einer gerontologischen Ethik

Essai , 2014 , 13 Pages

Autor:in: Thomas Holtbernd (Auteur)

Philosophie - Divers
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Die Philosophie und speziell die Ethik oder Moralphilosophie haben die Aspekte des Alters und Alterns bislang kaum berücksichtigt. Zwar werden in der medizinischen Ethik wesentliche Themen aufgegriffen, die auch für das Alter relevant sind, doch inwieweit z. B. die ethischen Fragestellungen am Ende des Lebens in besonderer Weise altersbezogen konkretisiert werden müssen, ist bisher nur unbefriedigend beantwortet worden.
Der demographische Wandel und die damit zusammenhängenden gravierenden Veränderungen, die von den Sozialwissenschaften bereits aufgenommen wurden, fanden in der Philosophie kaum Beachtung. „Insbesondere zeigt sich immer wieder, dass die ethische Reflexion gerontologischer Themen eher schwach entwickelt ist.“ (Heinz Rüegger, 11) Allerdings analysieren verschiedene Autoren den demographischen Wandel und den scheinbar damit verbundenen „Jugendwahn“ völlig unterschiedlich. Während Frank Schirrmacher (Schirrmacher, 2004) einen sozialen Terror der Altersangst diagnostiziert, kommt Rupprecht Podszun (Podszun, 2000) zu dem Schluss, dass der Jugendkult ein Märchen ist und die Republik verkalkt.
Frühere Abhandlungen (so z. B. Handbuch der Christlichen Ethik 1993) subsumieren die Fragen zum Altern meist unter die Fragen zum Lebensende. Diese einseitige Fokussierung auf Fragen um Sterben und Tod stellt aus heutiger Sicht eine ethisch äußerst fragwürdige Vereinfachung dar.
Auch scheint es, noch keine begriffliche Festlegung zu geben. Während in einigen Texten von der Ethik des Alters oder Alterns die Rede ist, werden auch Wortkombinationen wie Alter und Ethik oder Gerontologie und Ethik benutzt. Ferner werden Alter und Altern getrennt voneinander und nicht aufeinander bezogen behandelt.
Otfried Höffe hat 2002 beide Aspekte mit dem Begriff der gerontologischen Ethik zusammengefasst. Auch wenn sich viele Autoren auf diesen Text beziehen, hat sich der Begriff der gerontologischen Ethik scheinbar noch nicht durchgesetzt.
Ein möglicher Grund für dieses vorhandene Defizit könnte sein, dass eine gerontologische Ethik mehr ein Thema innerhalb der Pflegewissenschaften als der Medizin ist. Da jedoch die Pflegewissenschaften, zumindest im deutschsprachigen Raum, eher als Stiefkinder in der akademischen Familie angesehen wurden, blieb die Entwicklung einer gerontologischen Ethik eine Nischendiskussion.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die ethischen Fragestellungen

2.1. Die ethischen Fragestellungen in den Pflegewissenschaften

2.2. Die ethischen Fragestellungen in der Medizin

2.3. Die ethischen Fragestellungen einer gerontologischen Ethik

3. Die Auffassungen vom Alter

4. Philosophische Ethik der späten Lebenszeit (Thomas Rentsch)

5. Altern und Lebensaufgaben nach Romano Guardini

6. Eine Neubestimmung der gerontologischen Ethik

6.1. Verschärfung ethischer Fragestellungen

6.2. Folgerungen aus sozialwissenschaftlichen und gerontologischen Forschungen

6.3. Verschränkung von Alter und Altern

7. Konkretisierung auf bestimmte Problembereiche

8. Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die philosophische und ethische Fundierung eines angemessenen Umgangs mit dem Alter und Altern, wobei sie das bisherige Defizit in der moralphilosophischen Auseinandersetzung kritisiert und eine gerontologische Ethik fordert, die über die bloße Fokussierung auf das Lebensende hinausgeht.

  • Ethische Fragestellungen in Pflege und Medizin im Kontext des Alterns
  • Kritische Analyse gesellschaftlicher Altersbilder und deren Auswirkungen
  • Verhältnisbestimmung von Gerechtigkeit zwischen den Generationen
  • Bedeutung der Verschränkung von Alter, Lebensphasen und Lebensaufgaben
  • Notwendigkeit einer normativen Begründung von Handlungsrichtlinien für den Umgang mit alten Menschen

Auszug aus dem Buch

2. Die ethischen Fragestellungen

In den Pflegewissenschaften wird der Gegensatz von „care“ und „cure“ betont. Insbesondere wird ein Spannungsverhältnis von Fürsorge und Selbstbestimmung aufgezeigt. Der „freie Wille“ als Kern der Selbstbestimmung ist bei Erkrankungen, die ein Verständlichmachen verunmöglichen oder mit Selbst- oder Fremdgefährdung verbunden sind, in Frage gestellt. Brumlik hat für solche Situationen eine „advokatorische Ethik“ beschrieben. „Advokatorische Ethik fordert damit ein durchweg reflektiertes Verständnis der Helferrolle. Fürsorgeethik findet in der advokatorischen Ethik ein Korrektiv, das `Überfürsorge` […] als unethisch entlarven kann und damit eine Entscheidungshilfe bietet.“ (Neumann in: Helmchen et. al., 325) Mit dem Gebot, die Fürsorge im reflektierten Bemühen um einen vermuteten Willen konkret zu gestalten, verbindet sich die Frage nach der Würde der Person.

Wird Würde als eine Zuweisung definiert, ist der „Hilfsbedürftige“ von den jeweiligen Definitionen abhängig. Wenn Würde als dem Menschen zugehörig gedacht wird, dann wird gleichzeitig die Abhängigkeit, in der der „Hilfsbedürftige“ zu den Pflegenden steht, akzeptiert, Abhängigkeit wird als mit der Würde des Menschen vereinbar betrachtet. Gerade jedoch aus dem Konfliktfeld der Abhängigkeit und dem Umgang mit solchen Situationen ergeben sich viele der konkreten Anforderungen der ambulanten und stationären Pflege, so die Fragen um freiheitsentziehende Maßnahmen, R. D. Hirsch spricht hier von Fesseln (persönl. Mitteilung), Sedierung, Gewalt, Demütigungen, Einsamkeit und Ressourcenengpässe.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beleuchtet das Fehlen einer systematischen ethischen Reflexion zu Alter und Altern in der Philosophie und hinterfragt die einseitige Fokussierung auf das Lebensende.

2. Die ethischen Fragestellungen: Analysiert das Spannungsfeld von Fürsorge und Selbstbestimmung in der Pflege sowie die spezifische medizinethische Problematik des Alterns.

3. Die Auffassungen vom Alter: Untersucht den historischen und gesellschaftlichen Wandel der Altersbilder, von der Sicht als Naturgewalt hin zur heutigen Pathologisierung.

4. Philosophische Ethik der späten Lebenszeit (Thomas Rentsch): Diskutiert die Notwendigkeit, eine Vernunftethik um die Aspekte der Verletzlichkeit und Endlichkeit zu ergänzen.

5. Altern und Lebensaufgaben nach Romano Guardini: Beschreibt das Altern als Reifungsprozess, in dem Loslassen und Selbstlosigkeit zentrale Lebensaufgaben darstellen.

6. Eine Neubestimmung der gerontologischen Ethik: Fordert eine Korrektur gesellschaftlicher Altersbilder und die Verknüpfung von Altern mit allgemeinen Entwicklungsaufgaben.

7. Konkretisierung auf bestimmte Problembereiche: Wendet die theoretischen Überlegungen auf konkrete Praxisanforderungen wie Selbstbestimmung und den Schutz vor Gewalt an.

8. Schluss: Resümiert die Notwendigkeit normativer Regeln, die sowohl die Perspektive des alten Menschen als auch praktische Handlungsrichtlinien für Pflegende integrieren.

Schlüsselwörter

Gerontologische Ethik, Altern, Alter, Selbstbestimmung, Fürsorge, Generationengerechtigkeit, Lebensaufgaben, Pflegewissenschaft, Medizinethik, Menschenwürde, Altersbilder, demographischer Wandel, Lebenskunst, Vulnerabilität, Identität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit und Entwicklung einer spezifischen „gerontologischen Ethik“, da das Alter und die Herausforderungen des Alterns in der klassischen Moralphilosophie bisher kaum adäquat berücksichtigt wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Ethischen Fragestellungen in der Medizin und Pflege, die historische Wandlung gesellschaftlicher Altersbilder, das Generationenverhältnis sowie die philosophische Auseinandersetzung mit Lebensphasen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, das Defizit einer philosophischen Reflexion über das Altern zu beheben und normativen Grundlagen für eine Ethik zu schaffen, die das Alter nicht auf das Lebensende oder Krankheit reduziert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor bedient sich einer philosophiegeschichtlichen und ethischen Analyse, unter Einbeziehung sozialwissenschaftlicher und gerontologischer Forschungen sowie bestehender Ansätze von Denkern wie Otfried Höffe und Romano Guardini.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse existierender ethischer Konzepte (Pflegeethik, Medizinethik), die kritische Hinterfragung von Altersbildern und die systematische Begründung einer neuen gerontologischen Ethik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gerontologische Ethik, Selbstbestimmung, Menschenwürde, Generationengerechtigkeit und Altersbilder charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die gerontologische Ethik von der klassischen Medizinethik?

Im Gegensatz zur klassischen Medizinethik, die oft auf Prinzipien der Akutmedizin basiert, betont die gerontologische Ethik die Notwendigkeit, das Alter nicht als Pathologie zu betrachten und Lebensaufgaben jenseits von Krankheit zu definieren.

Welche Rolle spielen gesellschaftliche Altersbilder laut dem Autor?

Der Autor warnt davor, dass gesellschaftlich suggerierte Bilder, wie etwa der „Jugendwahn“ oder die Pathologisierung des Alters, eine diskriminierende Wirkung haben und eine ethisch fundierte Sicht auf das Altern behindern.

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Résumé des informations

Titre
Alt oder alt und krank. Ansätze einer gerontologischen Ethik
Auteur
Thomas Holtbernd (Auteur)
Année de publication
2014
Pages
13
N° de catalogue
V285433
ISBN (ebook)
9783656854470
ISBN (Livre)
9783656854487
Langue
allemand
mots-clé
ansätze ethik
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Thomas Holtbernd (Auteur), 2014, Alt oder alt und krank. Ansätze einer gerontologischen Ethik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285433
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Extrait de  13  pages
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