Aufgrund des Globalisierungsprozesses der Wirtschaft ist es für nationalen Regierungen nahezu unmöglich geworden international tätige Unternehmen zu regulieren und zu kontrollieren. Dieser Regulierungslücke, besonders im Bezug auf ökonomische, ökologische und soziale Belange, wird deshalb nicht von staatlicher sondern vorwiegend von privater Seite aus entgegengewirkt. Transnationale Unternehmen aus fast allen Branchen versuchen diese Lücken durch Selbstregulierung zu schließen. Dabei lassen sich verschiedeneAnsätze von privater Regulierung erkennen, beispielsweise in Form von Company Codes oder als Multi-Stakeholder Projekte. Dieses Essay wird sich jedoch speziell auf die Business-to-Business Regulierung fokussieren und dabei anhand des Beispieles GlobalGap erörtern wie effizient und sinnvoll diese Regulierungsmaßnahmen sind.
Inhaltsverzeichnis
1. GlobalGap als unternehmerische Selbstregulierung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Effizienz und Reichweite privater, unternehmerischer Selbstregulierung am Beispiel der Business-to-Business Initiative GlobalGap. Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen dieser privatwirtschaftlichen Regulierungsansätze im Kontext globaler Governance-Lücken kritisch zu beleuchten.
- Analyse der Regulierungslogik privater Standardsetzung
- Untersuchung der Entscheidungsstrukturen und Partizipationsmöglichkeiten innerhalb von GlobalGap
- Kritische Reflexion der demokratischen Legitimation unternehmerischer Governance
- Bewertung der Leistungsfähigkeit von Business-to-Business Initiativen gegenüber gesellschaftlichen Problemen
Auszug aus dem Buch
GlobalGap als unternehmerische Selbstregulierung
Aufgrund des Globalisierungsprozesses der Wirtschaft ist es für nationalen Regierungen nahezu unmöglich geworden international tätige Unternehmen zu regulieren und zu kontrollieren. Dieser Regulierungslücke, besonders im Bezug auf ökonomische, ökologische und soziale Belange, wird deshalb nicht von staatlicher sondern vorwiegend von privater Seite aus entgegengewirkt. Transnationale Unternehmen aus fast allen Branchen versuchen diese Lücken durch Selbstregulierung zu schließen. Dabei lassen sich verschiedene Ansätze von privater Regulierung erkennen, beispielsweise in Form Company Codes oder als Multi-Stakeholder Projekte. Dieses Essay wird sich jedoch speziell auf die Business-to-Business Regulierung fokussieren und dabei anhand des Beispieles GlobalGap erörtern wie effizient und sinnvoll diese Regulierungsmaßnahmen sind.
Als empirische Basis sollen dafür von Conzelmann und Wolf formulierte Kriterien zur Untersuchung von Governance Strukturen genutzt werden, um die Regulierungseffizienz von GlobalGap bewerten zu können. Auf dieser Grundlage gilt es dann zu diskutieren, ob private Selbstregulierung, in der Form Business-to-Business, überhaupt erfolgreich seien kann. Anfangs gilt es jedoch zu überlegen, wieso eine internationale Regulierung für Unternehmen von ureigenem Interesse ist.
So erscheint es auf den ersten Blick paradox, dass Unternehmen sich dazu verpflichten bestehende Regulierungslücke nicht auszunutzen oder sogar zu schließen. Doch folgt dieses Vorgehen dem Prinzip der Marktrationalität. So erhoffen sich Unternehmen durch das Formulieren von Rahmenbedingungen und dem Aushandeln von formellen Spielregeln Marktsicherheit. Dabei gilt es zu verhindern, dass Folgekosten von Klagen, Konsumentenboykott und zivilgesellschaftlicher Kampagnen entstehen. Auch besteht die Chance durch eine freiwillige Verpflichtung zur Selbstregulierung Reputationsgewinn zu erlangen oder aber Schaden am Ansehen, welcher durch gemeinschaftsschädliches Wirtschaften in der Vergangenheit entstanden ist, zu reparieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. GlobalGap als unternehmerische Selbstregulierung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der unternehmerischen Selbstregulierung ein, begründet das wissenschaftliche Interesse an der Regulierungslogik und setzt den theoretischen Rahmen zur Untersuchung der Effizienz von GlobalGap.
Schlüsselwörter
GlobalGap, Selbstregulierung, Business-to-Business, Governance-Lücken, Marktrationalität, Regulierungseffizienz, Globalisierung, Transnationale Unternehmen, Unternehmensverantwortung, Partizipation, Standardsetzung, Nachhaltigkeit, Zertifizierung, Stakeholder, Qualitätssicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit privater Selbstregulierungsmechanismen von Unternehmen als Antwort auf staatliche Regulierungslücken im Zuge der Globalisierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Konzepte der privatwirtschaftlichen Regulierung, die Governance-Strukturen von Business-to-Business Initiativen sowie die Auswirkungen auf internationale Standards.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Evaluierung der Effizienz und der demokratischen Legitimität von GlobalGap unter Verwendung spezifischer Governance-Kriterien.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die von Conzelmann und Wolf entwickelten Kriterien zur Untersuchung von Governance-Strukturen, um die Regulierungsleistung von GlobalGap empirisch einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung, die Entscheidungsstrukturen (wie den Lenkungsausschuss) und die Problematik der Partizipation sowie der externen Rechenschaftspflicht von GlobalGap.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Selbstregulierung, Governance-Lücke, Marktrationalität, Zertifizierung und internationale Standards geprägt.
Warum wird GlobalGap als Fallbeispiel gewählt?
GlobalGap dient als prominentes Beispiel für eine Business-to-Business Initiative, die Standards für die landwirtschaftliche Produktion weltweit setzt und somit ideal zur Untersuchung privater Governance taugt.
Welche Schwachstellen identifiziert der Autor in Bezug auf Partizipation?
Es wird aufgezeigt, dass die Partizipation stark an ökonomisches Kapital und Expertise gebunden ist, wodurch Produzenten aus ärmeren Staaten faktisch oft exkludiert werden.
Können Unternehmen mit Selbstregulierung globale Probleme lösen?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass solche Initiativen zwar zur Risikominimierung im Qualitätsmanagement taugen, aber zur Lösung umfassender global-gesellschaftlicher Probleme meist nicht ausreichen.
Wie bewertet der Autor die demokratische Legitimation?
Die Legitimation wird als kritisch eingestuft, da die Entscheidungsträger innerhalb des Systems nur intern Rechenschaft schulden und gegenüber der breiten Öffentlichkeit kaum kontrollierbar sind.
- Arbeit zitieren
- B.A. Jan Wiertz (Autor:in), 2014, Ist unternehmerische Selbstregulierung ausreichend?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285494