Mediale Kommunikation und systemübergreifende Dominanz. Politische Vormachtstellung der Berlusconi-Regierung


Hausarbeit, 2013
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
2.1 Berlusconi: Baulöwe, Medienzar und Ministerpräsident von Italien
2.2 Strategie und mediale Dominanz
2.3 Systemtheoretische Aspekte der italienischen Mediendemokratie
2.4 Korruption als Scheitern funktionaler Differenzierung
2.5 Exkurs: Rupert Murdochs Medienimperium

III. Fazit

IV. Literaturverzeichnis

Weblinks

I. Einleitung

Silvio Berlusconi ist eine schillernde Persönlichkeit. Mit Unterbrechungen hatte er in Italien zwischen 1994 und 2011 viermal das Amt des Ministerpräsidenten inne, zwischenzeitlich übernahm er noch weitere Spitzenpositionen, wie die des Außen-, Wirtschafts-, und Gesundheitsministers. Als Gründer ist er Eigentümer der Finanzholding Fininvest, die aus mehreren großen Unternehmen besteht, welche von Versicherung und Bankwesen, über den Fußballverein AC Mailand, bis hin zum größten Verlagshaus Mondadori und dem privaten Fernsehunternehmen Mediaset reichen. Von Beginn seiner politischen Karriere an konnte er v.a. auf die umfangreichen medialen Möglichkeiten zurückgreifen, die ihm das schier unerschöpfliche Potenzial des Fernsehens gab. Mit einer neuartigen Mischung aus Unterhaltung, charismatischer Eigenwerbung und der gleichzeitigen Rückbesinnung auf traditionelle, familiäre Werte, gelang es Berlusconi trotz zahlreicher Skandale und politisch fragwürdigen Erfolgs, 15 Jahre die italienische Politik zu dominieren.

In Deutschland und dem Rest Europas führte Berlusconis Auftreten und Regierungsstil allerdings zu ernsthafter Besorgnis. Vor dem Hintergrund von Berlusconis Schlüsselrolle in den Medien und wirtschaftlicher Interessen erscheint sein Eintritt in die Politik als problematisch. Das immer wiederholte Argument des Interessenskonflikts führte so in deutschen Medien zu expliziter Kritik. Der Spiegel titelte 2003: „Berlusconi: Der Pate*jetzt auch in ganz Europa“ (Der Spiegel 30.06.2003), auch andere europäische Medien äußerten sich deutlich kritisch zu der gemeinsamen Bündelung wirtschaftlich/medialer und politischer Interessen.

In der vorliegenden Hausarbeit steht daher die These im Zentrum, dass Berlusconi durch diese Bündelung verschiedener „Systemziele“ eine solch übergreifende Dominanz erlangen konnte. Das politische System unter Berlusconis war aufgrund der breiten Kontrolle der Medien, wie auch Präsenz im wirtschaftlichen System trotz seiner kontroversen Führung innerhalb des Landes schwer angreifbar. Dies hatte zur Folge, dass der politische Machteinfluss über Jahre hinweg trotz ersichtlicher Korruption aufrecht erhalten werden konnte.

Nach einer kurzen Übersicht zu Berlusconis Lebensweg von der Wirtschaft, über die Medien in die Politik, soll zunächst die mediale Strategie vor und zu Beginn seiner ersten Amtsperiode untersucht werden und inwiefern diese charakteristisch für die folgenden Jahre steht. Im Nachfolgenden stehen systemtheoretische Überlegungen im Fokus, die im Besonderen auf Konvergenzen des Medien-, und Politiksystems eingehen. Danach soll der Begriff Korruption, der bei der Beobachtung der Berlusconi-Thematik allgegenwärtig scheint, aus soziologischer Perspektive beispielhaft verdeutlicht werden. Mit einem kurzen Exkurs zur Person Rupert Murdochs, der im englischsprachigen Raum als beispielhafter Medientycoon gilt, soll schließlich der Blickwinkel erweitert werden und im Vergleich zu Berlusconi eine Entwicklung von Medien und Politik aufgezeigt werden, die sich ebenso in globaler Hinsicht vollzieht.

II. Hauptteil

2.1 Berlusconi: Baulöwe, Medienzar und Ministerpräsident von Italien

Mit dem Bau der abgeschotteten Wohnareale Milano 2 und Milano 3 machte Berlusconi in den 1970er Jahren zum ersten Mal von sich reden. Östlich von Mailand entstand eine Siedlung, die etwa 10 000 Menschen Wohnraum bieten sollte und die sich in erster Linie an „wohlhabende Interessenten sowohl der konservativen als auch der dynamischen Mailänder Bourgeoisie“ (Ginsborg 2005, 21) richtete. Die Finanzierung dieser überaus ehrgeizigen Projekte liegt allerdings bis heute nur zum Teil offen. Während sich einige Finanzquellen der ersten Bauvorhaben in Via Alciati klar zurückverfolgen lassen, verschwinden diese bereits bei Milano 2 „in einem undurchdringlichen Dschungel von Scheinfirmen, Offshore-Gesellschaften und finanziellen Schachtelbeteiligungen“ (Ginsborg 2005, 24). Darüber hinaus wurden Berlusconi bereits zu dieser Zeit Verbindungen zur Mafia nachgesagt, da er nach dem Kauf einer 147-Zimmer-Villa in Arcore, nördlich von Mailand, Vittorio Mangano, einen jungen palermitanischen Mafioso einstellte. Offiziell als Stallmeister, diente dieser vermutlich eher dem familiären Schutz, da in den frühen Siebzigern neben zahlreichen, wohlhabenden Unternehmern auch die Familie Berlusconis bedroht worden war.

In den achtziger Jahren gelang Berlusconi der Eintritt ins Privatfernsehen. Ein Format, dass „in Italien noch in seinen Kinderschuhen steckte“ (Ginsborg 2005, 32). Neben der Krisenanfälligkeit der Bauindustrie war es wohl vor allem die Unmittelbarkeit des Mediums, die den jungen Unternehmer faszinierte. Die Aussicht schnell viel Geld zu verdienen und die Abwesenheit staatlicher Kontrolle boten Berlusconi ideale Voraussetzungen. Bettino Craxi war 1983 als erster Sozialist zum Ministerpräsidenten gewählt worden und wurde zu Berlusconis Schirmherren, der ihn im Gegenzug bei seiner neuartigen Politik der medialen Show-Elemente unterstützte. Obwohl von Seiten der Judikative 1984 eine Teilabschaltung von Berlusconis (vorwiegenden) Unterhaltungsprogrammen mit der Begründung erstrebt wurde, „dass das Verfassungsgericht 1976 nur lokale und nicht landesweite Ausstrahlung von kommerziellen Programmen zugelassen habe“ (Ginsborg 2005, 36), trat das neue Mediengesetz erst Anfang der 1990er Jahre in Kraft. Lediglich Livesendungen durften bis dahin nicht mehr im privaten Fernsehen übertragen werden.

Die Gründe, weshalb Berlusconi sich schließlich entschloss, aktiv in die Politik einzutreten, sind komplex. Die so genannte Mani-pulite-Kampagne gegen korrupte Politiker hatte dafür gesorgt, dass die Parteien, die Italien jahrzehntelang dominiert hatten, größtenteils verschwunden waren. Zurück blieb eine politische Leere, die Berlusconi entschlossen für sich zu nutzen wusste. Daneben stand jedoch auch die enorme wirtschaftliche Bredouille, in der sich seine Finanzholding Fininvest befand (vgl. Ginsborg 2005, 58). Außerdem war es Anfang der 1990er äußerst unklar, ob im Verlauf der Antikorruptionskampagne auch gegen Fininvest ermittelt werden würde.

Im Sommer 1993 fand ein geheimes Treffen zwischen Berlusconi und seinen Beratern statt. Beschlossen wurde unter Rückgriff auf „den ganzen Apparat an Marketing, Werbung und Umfragetechniken“ (Ginsborg 2005, 60) die Gründung der Partei Forza Italia. Berlusconi trat Anfang 1994 im widersprüchlichen Zweckbündnis mit der nationalistischfaschistischen Alleanza Nazionale und der rassistisch-separatistischen Lega Nord in den ungleichen Wahlkampf ein und bildeten nach den Wahlen Ende März des selben Jahres eine Mitte-rechts-Regierung.

Nach nur wenigen Monaten zerbrach die Koalition und die nachfolgende Mitte-linksRegierung unter Ministerpräsident Lamberto Dini stimmte 1996 schließlich Neuwahlen zu. Berlusconi gelang es nicht mit der Lega Nord übereinzukommen und damit ein mehrheitsfähiges Parteienbündnis zu erzielen, woraufhin das mitte-links-gerichtete UlivioBündnis die Neuwahlen unter Romano Prodi gewann.

Unter erneut großem Werbeaufwand gewann Berlusconi 2001 zum zweiten Mal die Parlamentswahlen, wiederum mithilfe der alten Koalitionspartner sowie mehrerer kleinerer Parteien. Charakteristisch für diese längste Amtszeit einer Regierung seit dem 2. Weltkrieg waren vor allem die häufigen Regierungsumbildungen, die aus den Disputen der Koalitionsparteien hervorgingen. Des Weiteren übernahm Berlusconi selbst übergangsweise 2002 das Amt des Außenministers und 2006 das des Gesundheitsministers.

Die Parlamentswahlen 2006 wiesen bereits im Voraus einige Kontroversen um den Regierungsstil Berlusconis auf. Die Wirtschaft hatte quasi ein Nullwachstum zu verzeichnen, man befürchtete daher den Ausschluss aus der Gruppe der G8-Länder. Der Wahlkampf wurde vonseiten Berlusconis in starkem Maße populistisch geführt, etwa die andauernde Agitation gegen eine mögliche kommunistischen Machtübernahme, die v.a. an die ältere Generation appellierte. Schließlich musste Berlusconi nach der sehr knappen Wahlniederlage gegen das Mitte-links-Bündnis L’Unione um Romano Prodi zurücktreten.

Im Jahr 2008 gewann Berlusconi erneut die Parlamentswahlen in einem Mitte-rechtsBündnis mit Popolo della Libertà, Lega Nord und Movimento per l’Autonomia, diesmal auch mit einem deutlichen Vorsprung sowohl im Abgeordnetenhaus als auch im Senat.

Die nachfolgende dreijährige Regierungszeit war etwa neben der Verschärfung des Einwanderungsgesetzes und der Verabschiedung eines Gesetzes bezüglich radikaler Sparmaßnahmen im Hinblick auf die griechische Staatsschuldenkrise erneut von zwischenparteilichen Zerwürfnissen geprägt.

2.2 Strategie und mediale Dominanz

Der vorangegangene, kurze Überblick hinsichtlich Berlusconis vielseitigen beruflichen Lebenslaufs soll nun dazu überleiten, die medialen Strategien genauer zu untersuchen, mit denen Berlusconi ab Mitte der neunziger Jahre überaus erfolgreich für sich und seine Partei Forza Italia warb.

Bei der Analyse des ersten Wahlkampfes 1994 fällt bereits auf, wie stark Berlusconi auf das Medium Fernsehen zurückgreift. Neben der Sendung eines stark US-amerikanisch geprägten Programms, wird im Besonderen die professionelle Außendarstellung Berlusconis als kompetente Führungsperson betont. In einem frühen Werbespot „in dem eine gediegen-familiäre Atmosphäre von Privatheit mit der Aura des Staatsmännischen verbunden wurde“ (Spangenberg 2006, 91) wird deutlich, wie stark die Wählerschaft emotional angesprochen werden soll.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Mediale Kommunikation und systemübergreifende Dominanz. Politische Vormachtstellung der Berlusconi-Regierung
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Soziologie des politischen Systems
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V285496
ISBN (eBook)
9783656857907
ISBN (Buch)
9783656857914
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berlusconi, Italien, Systemtheorie
Arbeit zitieren
Benjamin Scotti (Autor), 2013, Mediale Kommunikation und systemübergreifende Dominanz. Politische Vormachtstellung der Berlusconi-Regierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285496

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