Kuba. Ein kommunistisch-totalitäres Regime?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
20 Seiten, Note: 2,0
Sandra S. (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Totalitarismus
2.1 Das Konzept nach Zbieniew Brzezinski und Carl Joachim Friedrich 1956
2.2 Bonner Politikwissenschaft: Karl Dietrich Bracher 1976
2.3 Eine Typologie nach Juan Linz aus dem Jahre 2000
2.4 Eine Typologie politischer Regimes nach Wolfgang Merkel

3 Kuba – Ein Kommunistisch-Totalitäres Regime?

4 Kurze Geschichte Kubas
4.1 Die Jahre 1901 bis 1953
4.2 Die Revolution und der „Fidelismo“

5 Aktuelle Situation Kubas
5.1 Wirtschaft
5.2 Politik
5.3 Gesellschaft

6 Schlussbetrachtungen

7 Literaturverzeichnis
7.1 Quellen:
7.2 Sekundärliteratur:

1 Einleitung

Demokratische Staaten sind leicht zu erkennen, einzuordnen oder zu klassifizieren. Doch bei nicht-demokratischen Staaten kommt es zu Diskussionen und Uneinigkeit unter den Politikwissenschaftlern. Eine exakte Einordnung von Staaten wird auf dieser Ebene oft schwierig. Verschiedene Politikwissenschaftler wie Zbieniew Brzezinski, Carl Joachim Friedrich, Hannah Arendt, Carl Dietrich Bracher, Juan Linz oder Wolfgang Merkel haben sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Typologie politischer, autokratischer und vor allem totalitärer Systeme auseinander gesetzt.

Diese Ausarbeitung befasst sich mit der Frage, ob Kuba ein kommunistisch-totalitäres Regime ist, oder vielleicht eher den autoritären Regimen zugeordnet werden muss.

Im Folgenden sollen daher zunächst die verschiedenen Totalitarismustheorien und Systemkonzepte vorgestellt werden, um einen allgemeinen Überblick über die Totalitarismusforschung zu erhalten. Die Reihenfolge erfolgt chronologisch, das aktuellste Konzept von Wolfgang Merkel soll der exakten Analyse zur Fragestellung der Arbeit dienen.

Kuba gilt als eines der ältesten nicht-demokratischen Regime der Gegenwart. Nach fast 50 Jahren Diktatur übergab der „Máximo Líder“ Fidel Castro 2008 schließlich endgültig seine Posten an seinen Bruder Raúl Castro. Es folgten zwar verschiedene Reformen, doch zu einem grundsätzlichen Regimewechsel kam es bisher nicht.

Es stellt sich zum Einen die Frage, ob Kuba heute als ein totalitäres Regime mit kommunistischer Ausrichtung gelten kann. Zum anderen, ob sich in Kuba durch den Regierungswechsel Grundlegendes verändert hat oder noch verändern wird. Und kann es in Zukunft vielleicht zu einer Demokratisierung sowie zu einer Marktwirtschaft in dem Karibikstaat kommen?

2 Totalitarismus

Laut Juan Linz ist es vergleichsweise leicht, den Demokratiebegriff exakt zu definieren. Für ihn ist ein Staat dann demokratisch, wenn er bei Beachtung der Grundrechte auf Vereinigungs-, Informations- und Kommunikationsfreiheit die „freie Formulierung politischer Präferenzen erlaubt“. Im Gegensatz dazu ließen sich nicht-demokratische Staaten viel schwieriger exakt definieren.[1] Um die Republik Kuba als politisches System möglichst genau einordnen zu können, werden deshalb zunächst die wichtigsten Totalitarismustheorien und –konzepte chronologisch vorgestellt. Für die weitere Analyse der kubanischen Staatsform soll schließlich die Typologie politischer Systeme nach Wolfgang Merkel dienen.

2.1 Das Konzept nach Zbieniew Brzezinski und Carl Joachim Friedrich 1956

Nach Friedrich gibt es sechs Merkmale, die ein totalitäres Regime von älteren Autokratien und Heterokratien unterscheidet. Zunächst ist es für ihn maßgebend, dass das Regime einer „totalist ideology“ unterliegt.[2] Ein zweites Merkmal ist „a single party committed to this ideology and usually led by one man, the dictator“.[3] Und zuletzt ist es laut Friedrich ausschlaggebend, dass in dem totalitären Regime eine „fully developed secret police” arbeitet und „three kinds of (...) monopolistic control (...) of mass communications; operational weapons, all organizations, including economic ones, thus involving a centrally-planned economy“ vorherrscht.[4]

Schließlich könne man diese Merkmale auf drei Merkmale reduzieren: eine totalitäre Ideologie, eine Partei durch eine Geheimpolizei verstärkt und „monopoly control of the three major forms of interpersonal confrontation in an industrial mass society“.[5] Diese Kontrolle müsse allerdings nicht alleine in den Händen der Partei liegen.

Wesentlich ist für ihn, dass die „monopolistic control is in the hands of whatever ,elite’ rules the particular society and thereby constitutes its regime“.[6]

Brzezinski hingegen hat seine Definition stärker auf die Zielsetzung der totalitären Regimes ausgerichtet:

„Totalitarismus ist eine neue Form der Herrschaft, die in die allgemeine Klassifikation Diktatur fällt. In diesem System werden von einer zentralistischen Führung einer elitären Bewegung moderne Technologien als Instrumente politischer Macht uneingeschränkt eingesetzt, um eine umfassende soziale Revolution in Gang zu bringen. Dabei wird die gesamte Bevölkerung in einer erzwungenen Übereinstimmung auf der Basis bestimmter ideologischer Voraussetzungen geformt.“[7]

2.2 Bonner Politikwissenschaft: Karl Dietrich Bracher 1976

Der Begründer des Bonner Seminars für Politische Wissenschaft Karl Dietrich Bracher hebt vor allem den „ausschließlichen Führungsanspruch“ einer Partei und Ideologie als zentrales Merkmal des Totalitarismus hervor.[8]

Seiner Meinung nach gibt es in einem totalitären Regime ebenso wenig rivalisierende Parteien und Gruppen wie Anspruch auf „individuelle Freiheit, Recht und Schutz des Einzelnen“. Totalitarismus gilt als Gegenteil der Demokratie. Er unterscheidet dabei faschistische und nationalsozialistische totalitäre Regime von kommunistisch geprägten totalitären Regimen. Erstere lehnten seiner Ansicht nach die Demokratie ausdrücklich ab, während das kommunistisch totalitäre Regime sie „manipulatorisch verfälscht“.[9]

Er erklärt weiterhin, dass totalitäre Systeme ihre Diktatur stets durch eine ideologische Zielsetzung zu rechtfertigen wissen, sodass ein pseudodemokratisches Erscheinungsbild entstehe. Die Individuen sollen in ein „geschlossenes, alles verbindliches System integriert werden, das die zukünftige Ordnung von Staat und Gesellschaft verkörpert oder vorbereitet“. Bei Karl Dietrich Bracher sollen also alle Bereiche des Lebens politisiert werden.[10]

2.3 Eine Typologie nach Juan Linz aus dem Jahre 2000

Die Merkmale, die aus der Sicht von Juan Linz ein totalitäres System aufweisen muss, sind die folgenden:

Zunächst besitzt das Regime ein monistisches, aber nicht monolithisches Machtzentrum. Linz erklärt: „Auch wenn ein Pluralismus von Institutionen oder Gruppen existiert, so erwächst deren Legitimation doch allein aus diesem Machtzentrum.“ Denn, so Linz, der Pluralismus sei meist eher eine „politische Schöpfung des Machtzentrums“ als ein „Ergebnis der vorherigen Gesellschaft“.[11]

Ein weiteres Merkmal des totalitären Systems nach Linz ist eine „exklusive, autonome und mehr oder weniger intellektuell ausgearbeitete Ideologie“, mit der sich die herrschende Gruppe oder der Führer identifizieren. Diese Ideologie gilt als Grundlage für jegliche Politik oder dient zur Legitimation derselben.

Zudem hat jene Ideologie Grenzen, wer sie überschreitet, muss wegen „Irrglaubens“ bestraft werden. Die Ideologie liefert „letzte Antworten“, historischen Sinn sowie eine Deutung der sozialen Realität.[12]

Das letzte Merkmal in Linz` Charakterisierung ist die Beteiligung und aktive Mobilisierung der Massen. Diese Massenmobilisierung werde durch die Monopolpartei und ihre Hilfsorganisationen „gefördert, gefordert, belohnt und kanalisiert“.[13] Unerwünscht sind „Passiver Gehorsam und Apathie, der Rückzug in die Rolle des ‚Untertanen’ oder gar ins Private“.

Linz beschreibt in seiner Ausarbeitung, dass jedes dieser drei Kriterien für sich auch in den anderen Typen nicht-demokratischer Systeme gefunden werden könne, „nur ihr gleichzeitiges Vorhandensein macht ein System totalitär“.[14]

2.4 Eine Typologie politischer Regimes nach Wolfgang Merkel

Wolfgang Merkel, Professor für Politikwissenschaft an der Humboldt Universität Berlin erstellte im Jahre 2004 eine umfassende Typologie zur Einordnung politischer Systeme in totalitäre oder autoritäre Autokratien und defekte und liberale Demokratien. Im Folgenden soll kurz auf seine Typologie der Autokratien eingegangen werden, um Kuba dort möglichst exakt einordnen zu können.

Merkel untersuchte die Autokratieformen nach sechs Kriterien: Herrschaftslegitimation, Herrschaftszugang, Herrschaftsanspruch, Herrschaftsmonopol, Herrschaftsstruktur und Herrschaftsausübung.[15]

Während das totalitäre Regime nach Merkel eine geschlossene Weltanschauung als Legitimation vorzuweisen versucht, überzeugt das autoritäre Regime mit Mentalitäten wie Patriotismus, Recht und Ordnung oder Antikommunismus. Der Herrschaftszugang findet im totalitären Regime Merkels geschlossen und ohne ein universelles Wahlrecht statt, das autoritäre Regime findet hingegen „eingeschränkten Herrschaftszugang“, in einigen Fällen über Wahlen, die allerdings nur „eingeschränkt pluralistisch, fair und frei“ sind. Der Herrschaftsanspruch einer totalitären Autokratie ist total, die Herrschaftsstruktur monistisch; im autoritären Regime ist der Herrschaftsanspruch umfangreich, seine Struktur ist semipluralistisch. Das Herrschaftsmonopol im totalitären Regime nach Merkel liegt beim Diktator und seiner Partei, die als einzige Quelle legislativer und exekutiver Gewalt gelten und keine demokratische Legitimation besitzen. Im autoritären Regime hingegen gibt es einige polykratische Elemente, wenngleich diese ebenfalls nicht demokratisch legitimiert sind. Zuletzt beschreibt Merkel die Herrschaftsausübung im totalitären System als „systematisch repressiv“ und terroristisch, im autoritären System wird die Herrschaft seiner Meinung nach nur „begrenzt repressiv“ ausgeübt.[16]

[...]


[1] Vgl.: Linz, Juan: Totalitäre und autoritäre Regime. Berlin 2003. S.4 ff.

[2] Vgl.: Friedrich, Carl J.: The evolving theory and practice of totalitarian regimes. New York 1969. S.126.

[3] Vgl.: ebd. S.126.

[4] Vgl.: ebd. S.126.

[5] Vgl.: ebd. S.126.

[6] Vgl.: ebd. S.126.

[7] Brzezinski, Zbigniew: Ideology and Power in Soviet Politics. New York 1962. – zitiert nach: Linz, Juan: Totalitäre und autoritäre Regime. Berlin 2003. S. 20-21.

[8] Vgl.: Bracher, Karl Dietrich: Der umstrittene Totalitarismus. München 1976. S.37.

[9] Vgl.: ebd. S. 37-38.

[10] Vgl.: ebd. S. 38-39.

[11] Vgl.: Linz, Juan: Totalitäre und autoritäre Regime. Berlin 2003. S.25.

[12] vgl.: Linz, Juan: Totalitäre und autoritäre Regime. Berlin 2003. S.25.

[13] vgl.: ebd. S.25.

[14] vgl.: ebd. S.21.

[15] Merkel, Wolfgang: Totalitäre Regimes. Dresden 2004. S.192.

[16] vgl.: Merkel, Wolfgang: Totalitäre Regimes. Dresden 2004. S.192.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kuba. Ein kommunistisch-totalitäres Regime?
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V285530
ISBN (eBook)
9783656857662
ISBN (Buch)
9783656857679
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kuba, regime
Arbeit zitieren
Sandra S. (Autor), 2012, Kuba. Ein kommunistisch-totalitäres Regime?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285530

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