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Was ist anamnetische Solidarität?

Titel: Was ist anamnetische Solidarität?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2014 , 27 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Jennifer Stockum (Autor:in)

Theologie - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In seiner 1976 erschienenen Arbeit "Wissenschaftstheorie - Handlungstheorie - Fundamentale Theologie: Analysen zu Ansatz und Status theologischer Theoriebildung" beschäftigt sich Helmut Peukert mit der Frage, wie es heute möglich ist, über Theologie zu sprechen. In der wissenschaftstheoretischen Diskussion des 20. Jahrhunderts ist nicht nur die Möglichkeit von Theologie bestritten worden, sondern grundsätzlich auch, dass es überhaupt die sprachlichen Mittel gäbe, um Fragen einer theologischen Dimension stellen zu können. Peukert versucht daher in seinem Werk in Auseinandersetzung mit der wissenschaftlichen Diskussion einen Vorschlag für eine Fundamentale Theologie, eine Basistheorie der Theologie, zu entwickeln. Dabei geht er davon aus, dass es eine gewisse Konvergenz zwischen Überlegungen zum Grundsatz der Theologie und Ergebnissen der wissenschaftstheoretischen Forschung gibt. Dieser Konvergenzpunkt liegt seiner Meinung nach in der Theorie Kommunikativen Handelns begründet, weshalb er aus eben dieser einen Vorschlag für Fundamentale Theorie zu entwickeln versucht. In seiner historischen und systematischen Betrachtung der wissenschafts- und handlungstheoretischen Diskussion kommt er zu dem Schluss, dass wissenschaftliche Rationalität zuletzt auf den frei anzuerkennenden normativen Implikationen kommunikativen Handelns basiert. An dieser Stelle ergibt sich für Peukert allerdings ein Problem, das er als Paradoxie der anamnetischen Solidarität bezeichnet. Teil dieser Problematik ist die Frage, wie kommunikatives Handeln ausgedehnt auf die gesamte Menschheit, die jemals lebte und leben wird, angesichts der unschuldigen Opfer der Geschichte realisiert werden kann und zugleich das Glück künftiger Generationen nicht ausgeschlossen bleibt. Die anamnetische Solidarität, die ein Schlüsselbegriff in dieser scheinbaren Aporie darstellt, soll in vorliegender Arbeit erläutert werden: Was ist anamnetische Solidarität? Um diese Frage beantworten zu können, werden neben Habermas' Theorie des Kommunikativen Handels die Geschichtsphilosophischen Thesen Walter Benjamins näher betrachtet werden und ihre Folgen für die Auswirkungen auf die Abgeschlossenheit oder Unabgeschlossenheit geschichtlicher Handlung und den Auswirkungen auf die christlich-jüdische Religion.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Einordnung der anamnetischen Solidarität in Peukerts Untersuchung

2. Theorie des Kommunikativen Handelns

2.1 Handlungstypen

2.2 Sprechhandlungen

3. Die ideale Kommunikationsgemeinschaft bei Karl-Otto Apel

4. Die universale Kommunikations- bzw. Solidargemeinschaft Peukerts

5. Was hat Kommunikation mit Geschichte zu tun?

6. Grundlage der Solidarität: Das Anerkennen des Anderen bei Hegel

7. Die (un)abgeschlossenheit der Geschichte Benjamin-Horkheimer

8. Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte

8.1 Historischer Materialismus

8.2 Das wahre Bild der Vergangenheit

8.3 Angelus Novus - Engel der Geschichte

8.4 Eingedenken als Traumaverarbeitung der Menschheit

9. Das Paradox anamnetischer Solidarität

10. Ermöglichung anamnetischer, universal-solidarischer Existenz

Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht den von Helmut Peukert entwickelten Begriff der „anamnetischen Solidarität“ im Kontext einer fundamentalen Theologie. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie in einer universalen Kommunikationsgemeinschaft das Gedenken an die unschuldigen Opfer der Geschichte als ethisches Postulat realisiert werden kann, ohne das Glück nachfolgender Generationen zu negieren.

  • Theorie des kommunikativen Handelns (Habermas) als Basis.
  • Die Philosophie der Anerkennung bei Hegel.
  • Walter Benjamins Geschichtsphilosophie und das Konzept des Eingedenkens.
  • Die Paradoxie der anamnetischen Solidarität und ihre christologische Auflösung.
  • Die Verbindung von historischem Materialismus und Theologie.

Auszug aus dem Buch

8.3 Angelus Novus - Engel der Geschichte

„Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.“

Der Engel betrachtet die Vergangenheit aus der Gegenwart, sich ihm gemäß der benjaminschen Geschichtsbetrachtung als Leidensgeschichte in Form der Trümmer offenbart. Den Rücken hat er der Zukunft zugedreht, es spielt für ihn keine Rolle, was auf ihn zukommt. Durch sein Ankämpfen gegen den Sog der Zukunft kann er zumindest für einen Moment dem Fortschritt Einhalt gebieten und den Opfern der Geschichte ihren Tribut zollen. Benjamin selbst schrieb über das Gemälde bzw. den dargestellten Engel: „Ich liebe ihn sehr und dieses ist das schönste von allen Bildern die ich von ihm sah.“

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in Helmut Peukerts Suche nach einer fundamentalen Theologie und die Problemstellung der anamnetischen Solidarität.

1. Einordnung der anamnetischen Solidarität in Peukerts Untersuchung: Methodische Herleitung der theologischen Basistheorie aus der handlungstheoretischen Diskussion.

2. Theorie des Kommunikativen Handelns: Darstellung von Habermas' Ansatz zur Begründung rationalen Handelns durch Sprache.

3. Die ideale Kommunikationsgemeinschaft bei Karl-Otto Apel: Erläuterung des Apriori der Argumentation und der ethischen Konsequenzen.

4. Die universale Kommunikations- bzw. Solidargemeinschaft Peukerts: Übertragung der Kommunikationsgemeinschaft auf den Horizont der gesamten Menschheit inklusive Verstorbener.

5. Was hat Kommunikation mit Geschichte zu tun?: Analyse der sprachlichen Natur von Geschichte und der Bedeutung von Erinnerung.

6. Grundlage der Solidarität: Das Anerkennen des Anderen bei Hegel: Herleitung der Anerkennung als Bedingung für Selbstbewusstsein.

7. Die (un)abgeschlossenheit der Geschichte Benjamin-Horkheimer: Diskussion der unterschiedlichen Auffassungen über das abgeschlossene oder unabgeschlossene Werk der Vergangenheit.

8. Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte: Untersuchung von Benjamins geschichtsphilosophischen Thesen im Kontext des historischen Materialismus und der Theologie.

9. Das Paradox anamnetischer Solidarität: Darstellung der Schwierigkeiten, das Gedenken an Opfer mit dem Glück der Gegenwart zu versöhnen.

10. Ermöglichung anamnetischer, universal-solidarischer Existenz: Auflösung der Paradoxie durch den Glauben an die Auferstehung Jesu.

Schluss: Zusammenführende Antwort auf die Frage nach der Bedeutung der anamnetischen Solidarität als Form des Eingedenkens.

Schlüsselwörter

Anamnetische Solidarität, Helmut Peukert, Walter Benjamin, Kommunikatives Handeln, Eingedenken, Geschichtsphilosophie, Kritische Theorie, Jürgen Habermas, Karl-Otto Apel, G.W.F. Hegel, Historischer Materialismus, Theologie, Anerkennung, Erlösung, Leidensgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Konzept der „anamnetischen Solidarität“ von Helmut Peukert und dessen fundamentale Bedeutung für eine Theologie, die sich der Geschichte und dem Leid der Opfer stellt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie des kommunikativen Handelns, der Geschichtsphilosophie von Walter Benjamin, der Anerkennungstheorie bei Hegel und der Frage nach einer universalen Ethik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie anamnetische Solidarität als Brücke zwischen der Leidensgeschichte der Menschheit und einer verantwortbaren christlichen Hoffnung fungieren kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine diskursive, philosophiegeschichtliche und systematisch-theologische Analyse, insbesondere durch die Auseinandersetzung mit der Frankfurter Schule und der politischen Theologie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Kommunikation, die geschichtsphilosophische Debatte um die (Un)abgeschlossenheit der Geschichte sowie die Auseinandersetzung mit Benjamins Begriff des Eingedenkens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind anamnetische Solidarität, Eingedenken, Kommunikationsgemeinschaft, Opfer der Geschichte, Messianismus und die Überwindung der geschichtlichen Paradoxie.

Warum spielt der „Angelus Novus“ von Klee eine so zentrale Rolle?

Dieses Bild dient als visuelle Metapher für den Engel der Geschichte, der den Katastrophen des Fortschritts gegenübersteht und die Notwendigkeit des Gedenkens an die Toten symbolisiert.

Wie wird das Paradox der anamnetischen Solidarität gelöst?

Laut Peukert wird die Paradoxie – wie man angesichts der Opfer der Vergangenheit glücklich sein kann – durch die christliche Hoffnung auf die Auferstehung und das rettende Handeln Gottes gelöst.

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Details

Titel
Was ist anamnetische Solidarität?
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Katholische Theologie)
Veranstaltung
Hauptseminar Systematische Theologie
Note
1,0
Autor
Jennifer Stockum (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
27
Katalognummer
V285704
ISBN (eBook)
9783656858980
ISBN (Buch)
9783656858997
Sprache
Deutsch
Schlagworte
solidarität
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jennifer Stockum (Autor:in), 2014, Was ist anamnetische Solidarität?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285704
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Leseprobe aus  27  Seiten
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