Über eine Weiterbildung als Musiklehrer für soziale Berufe an einer Höheren Berufsfachschule in Thüringen bin ich zum, Weiterbildungsseminar MUSIKGERAGOGIK der TH Münster an der Landesmusikakademie in Sondershausen gekommen. Diese Weiterbildung hat sowohl meine Einstellung zum Thema als auch meinen Unterricht in der Altenpflege grundlegend verändert. Es sind nicht die vielfältigen Möglichkeiten und Methoden, die mir als Musiktherapeut auch vorher in einem anderen Kontext schon bekannt waren, sondern das grundsätzliche Herangehen an Bildungs- und Kulturangebote mit alten Menschen.
Inwieweit sind alte Menschen noch lernfähig? Ist das wirklich so, dass ein älterer Mensch Mitte Siebzig oder Anfang Achtzig noch vollkommen Neulernen kann? Soll ich den üblichen fachdidaktischen Hinweisen folgen, die mir suggerieren, dass es für alte Menschen nicht mehr möglich sein wird nach Noten oder Mehrstimmig zu singen?
Diese Abschlussarbeit ist auch eine Plattform des Ausprobierens und des Erkenntniszugewinns. Natürlich gehe ich inzwischen davon aus, dass all diese Fragen positiv zu beantworten sein werden und möchte mit der folgenden Facharbeit den Beweis dafür antreten. Dabei ist das Thema, das meine musiktherapeutische Prägung nicht ganz verleugnen kann mehr zu mir gekommen, als das ich es mir ausgesucht hätte.
Im Verlaufe der Abschlussarbeit möchte ich die theoretischen Fundamente meines Herangehens abstecken und auf den Beginn meines Projektes im Alten – und Pflegeheim Schmalkalden näher eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Musik als ressourcenorientierte Handlungsform
2.1. Die Bedeutung und die Möglichkeiten des Singens mit älteren Menschen
2.2. Das Chorische Singen mit alten Menschen
2.3. Kriterien der Liedauswahl für gruppenmusikalische Angebote im Alten – und Pflegeheimen
3. Bedingungsanalyse und Situationsanalyse
3.1. Die Institution
3.2. Das Klientel
3.3. Die Rahmenbedingungen
4. Das Projekt eines gruppenmusikalischen Angebotes
4.1. Die Idee vom ‚Schlagerchor‘
4.2. Die Vorbereitung des Projektes
4.2.1. Die technische Vorbereitung
4.2.2. Die inhaltliche Vorbereitung
5. Der Verlauf des Projektes
5.1. Die erste Angebotsstunde
5.1.1. Zielstellungen
5.1.2. Stundenbild - Idee
5.1.3. Reflexion
5.2. Die zweite Angebotsstunde
5.2.1. Zielstellungen
5.2.2. Stundenbild-Idee
5.2.3. Reflexion
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial musikgeragogischer Ansätze, um mit älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen ressourcenorientiert zu arbeiten. Zentrales Ziel ist es, die Lernfähigkeit und Begeisterung für Neues im Alter durch die Gründung eines „Schlagerchores“ praktisch zu erproben und theoretisch zu fundieren.
- Musik als ressourcenorientierte Handlungsform in der Altenhilfe
- Die Bedeutung des Singens für ältere Menschen
- Methodik der technischen und inhaltlichen Projektvorbereitung
- Praktische Erprobung durch ein Schlager-Chorprojekt im Altenheim
- Reflexion der Gruppenprozesse und der Teilnehmerentwicklung
Auszug aus dem Buch
2.2. Das Chorische Singen mit alten Menschen
„Wer noch nie in seinem Leben gesungen hat, wird große Schwierigkeiten haben, im Alter damit zu beginnen. Verschüttete Talente kann man ja freilegen, aber wer ohne Talent ist, bei dem nützt auch die Förderung nichts mehr. Die zunehmende Schwerhörigkeit und Gedächtnisprobleme erschweren das Lernen zusätzlich und wer total daneben singt stört die Singfreude seiner Altersgenossen empfindlich und sollte sich besser am Zuhören erfreuen.“
Welch niederschmetternde Prognose des Herrn Buchegger auf seiner Email Seite zum (Chor) Singen mit alten Menschen. Mit dieser Aussicht bräuchte ich es an sich gar nicht zu wagen mit älteren Menschen ohne jegliche Chorerfahrung, ja zum Teil ohne größerer Sing- und Liederfahrung eine Gesangsgruppe mit mehrstimmigem Liedrepertoire zu gründen. Auf der ansonsten interessanten und wissenswerten Seite werden von ihm aber auch solche Aussagen getroffen wie:
„Der Hauptfehler ist die Erwartung, dass man mit Menschen über 65 generell immer noch musikalische Spitzenleistungen erbringen kann. Man kann es nicht und die vielen Fehl Versuche führen fast immer dazu, dass dann die Seniorinnen und Senioren das Singen ganz aufgeben. Das Problem ist immer der Aufführungsdruck und die Angst vor Blamagen. Vergesst es Chorleiterinnen und Dirigenten, wer Spitzenchöre haben will und damit in Konzerten brillieren will, muss sich junge Sänger suchen!“ Der Autor scheint seinem ‚Hauptfehler‘ bei seiner Einschätzung selbst aufgesessen zu sein. Oder es ist die Fixierung auf die Aufführung als Ziel und Bestätigung von musikalischen Aktivitäten, die zu dieser, von mir in dieser Arbeit gern zu wiederlegenden These führt.
Aber auch bei Harms und Dreischulte finde ich diese Bewertung des mehrstimmigen Gesangs wieder. Hier heißt es: „Es ist für alte Menschen, die nie gewohnt waren, mehrstimmig zu singen, sehr schwierig, eine neue Melodie (2. Stimme) zu erlernen und dann noch gegen eine von der anderen Gruppe gesungene wohlvertraute Hauptmelodie zu singen. Die Sänger der anderen Stimmen rutschen leicht wieder in die bekannte Melodie ab.“ Von den Autorinnen ist dieses Buches für die Aus- und Weiterbildung von Altenpflegern konzipiert worden. Es ist für mich schon verständlich das sie mit diesen Sätzen eine Leistungsdruck und ein Überforderung verhindern wollen, obwohl mich schon die Formulierung des ‚gegeneinander Singens‘ sehr stört. Wissen denn die Kolleginnen nicht, wie lustvoll und spaßig die Erarbeitung von 2. und 3. Stimmen in einer ‚leistungsfreien‘ Gruppe sein kann?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beschreibt den persönlichen Werdegang des Autors im Kontext der Musikgeragogik und die Zielsetzung, die Lernfähigkeit alter Menschen durch ein Chorprojekt zu belegen.
2. Musik als ressourcenorientierte Handlungsform: Dieser Abschnitt beleuchtet die Bedeutung des Singens, kritisiert veraltete Auffassungen in der Altenpflege und diskutiert Kriterien für die Auswahl eines altersgerechten Liedrepertoires.
3. Bedingungsanalyse und Situationsanalyse: Hier wird der Rahmen der praktischen Arbeit in der Evangelischen Seniorenpflege „Am Schloss“ in Schmalkalden vorgestellt, inklusive der Institution, des Klientels und der organisatorischen Voraussetzungen.
4. Das Projekt eines gruppenmusikalischen Angebotes: Dieser Teil befasst sich mit der Konzeption des „Schlagerchores“ und der detaillierten technischen sowie inhaltlichen Vorbereitung des musikalischen Programms.
5. Der Verlauf des Projektes: Der Autor dokumentiert beispielhaft die ersten beiden Angebotsstunden, inklusive Zielstellungen, Stundenbildern und den direkten Reflexionen der Praxisphasen.
6. Resümee: Das Fazit zieht eine Bilanz der Projektergebnisse und betont den Erkenntnisgewinn, dass ältere Menschen entgegen negativer Vorurteile durchaus in der Lage sind, Neues zu erlernen.
Schlüsselwörter
Musikgeragogik, Altenpflege, Singen, Schlagerchor, Ressourcenorientierung, Lebenslanges Lernen, Gruppenmusizieren, Musiktherapie, Didaktik, Altenbildung, Biografiearbeit, Senioren, Liedrepertoire, Methodik, Chorprojekt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Abschlussarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Durchführung eines musikalischen Projekts in einem Alten- und Pflegeheim mit dem Ziel, durch die Gründung eines „Schlagerchores“ das ressourcenorientierte Arbeiten mit älteren Menschen zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind Musikgeragogik, die Möglichkeiten des Singens im Alter, die Analyse von Rahmenbedingungen in Pflegeeinrichtungen sowie die methodische Gestaltung von Gruppenangeboten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist der Nachweis, dass alte Menschen auch im hohen Alter noch in der Lage sind, Neues zu erlernen und durch musikalische Gruppenaktivitäten ihre Identität und ihre Fähigkeiten neu zu entdecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse zu musikgeragogischen Ansätzen und einer praxisorientierten Projektstudie mit begleitender Reflexion der durchgeführten Stunden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Bedingungsanalyse der gewählten Einrichtung, die inhaltliche und technische Vorbereitung des Projekts sowie die Dokumentation und Reflexion des Projektverlaufs in den ersten zwei Angebotsstunden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Musikgeragogik, Ressourcenorientierung, Chorarbeit mit Senioren, Lebenslanges Lernen und die didaktische Gestaltung von Musikangeboten in der Altenpflege.
Warum wurde ausgerechnet der Begriff „Schlagerchor“ gewählt?
Der Autor wählte das Thema Schlager, da die Musik der 50er und 60er Jahre die Jugendzeit der Bewohner prägte und somit einen direkten, emotionalen Zugang ermöglicht, der das gemeinsame Singen erleichtert.
Welche Rolle spielt die verwendete Medientechnik?
Die Technik, wie Beamer und Karaoke-Versionen, dient als visuelle und auditive Unterstützung, um den Teilnehmern Sicherheit zu geben, den Lernprozess zu strukturieren und das gemeinsame Musizieren auch ohne Notenkenntnisse zu ermöglichen.
Wie reagierten die Bewohner auf das Angebot?
Die Bewohner begannen anfangs eher distanziert, entwickelten aber mit zunehmender Dauer der Einheiten mehr Mut, beteiligten sich aktiver am Gespräch und zeigten Freude an den gemeinsamen musikalischen Erfolgen.
- Arbeit zitieren
- Andreas Meyer (Autor:in), 2014, Die Möglichkeiten ressourcenorientierter Arbeit mit einem "Schlager"-Chor älterer Menschen im Alten- und Pflegeheim, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285732