Erlebnispädagogik im Schulsport. Förderung der Autonomie durch Erstellen eines Spielehefts


Examensarbeit, 2012

60 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Persönliche Motivation

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Erklärungen zur Projektmethode
2.1.1. Was ist die Projektmethode
2.1.2. Aufbau der Projektmethode durch Komponenten
2.1.3. Möglichkeiten und Grenzen der Projektmethode
2.1.4. Evaluation im Projektunterricht
2.2. Erlebnispädagogik
2.2.1. Historische Entwicklung der Erlebnispädagogik
2.2.2. Erlebnispädagogik in der Schule
2.2.3. Ziele der Erlebnispädagogik
2.2.4. Fünf Bereiche aus der Erlebnispädagogik
2.2.5. Gruppenbildung

3. Arbeitshypothesen

4. Praktische Umsetzung
4.1. Projektinitiative
4.2. Projektskizze
4.2.1. Klasse/Ort
4.2.2. Zeitraum und Organisation
4.2.3. Ziele
4.2.4. Kompetenzen
4.2.5. Evaluation
4.3. Projektplan
4.4. Projektdurchführung
4.5. Projektabschluss
4.5.1. Erstellen des Arbeitsheftes
4.5.2. Lehrerrolle in der Parallelklasse

5. Analyse und Reflexion
5.1. Überprüfung der Merkmale des Projektunterrichts
5.2. Überprüfung der Arbeitshypothesen
5.3. Die Schüler als Experten
5.4. Evaluation

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Projektskizze

Abbildung 2: Projektplan

Abbildung 3: Anhaltspunkte

Abbildung 4: Ziele vor dem Zyklus

Abbildung 5: Reflexion nach dem Zyklus

Abbildung 6: Evaluation der Gruppe

Abbildung 7: Lehrerrolle bereitete mir Freude

Abbildung 8: Bevorzugung Sportlehrer

Abbildung 9: Stimmung in der Klasse

Abbildung 10: Stimmungsveränderung

Abbildung 11: Wichtigkeit der Kooperation/Teamfähigkeit

Abbildung 12: Kooperation innerhalb der Gruppen

Abbildung 13: Ziele

Abbildung 14: Reflexion zu den Zielen

Abbildung 15: Reflexionsfragen zu ihren Zielen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zeitlicher Ablauf

Tabelle 2: Gruppenbewertung

Zusammenfassung

Das Ziel dieser Arbeit besteht darin die Schüler einer 6ieme Klasse autonomer zu machen. Sie sollen in Gruppen ein Spieleheft im Bereich der Erlebnispädagogik erstellen und sich ihre Stunde selber gestalten. Sie sollen in ihren Kleingruppen so zusammenarbeiten dass sie in der Lage sind einen Unterricht zu planen und durchzuführen. Dies stellt eine gewisse Herausforderung für die Schüler dar, da sie es bis dahin noch nicht gewohnt waren so zu arbeiten.

Mit der Behandlung dieses Themas bleibe ich dem Lehrplan treu, in dem mehr Autonomie und soziales Verhalten von den Schülern gefordert wird. Dem Sportunterricht wird auch meistens nachgesagt dass er sozialerzieherische Fähigkeiten besitzt. Aus diesem Grund wird dann auch meistens dem Sportunterricht die Förderung der sozialen Kompetenzen überlassen.

Die Evaluation der Autonomie und der sozialen Kompetenzen wie Kommunikation und Kooperation werden durch Beobachtungen und Fragebögen überprüft. Die Schüler sollen auch lernen sich gegenseitig zu bewerten und ihre eigene Arbeit zu reflektieren.

Die vorliegende Arbeit versucht zu beantworten ob (1) die Schüler durch die Lehrerrolle motivierter arbeiten, (2) die Erlebnispädagogik die Stimmung und Teamfähigkeit in ihrer Klasse verbessert, (3) sie durch die Erlebnispädagogik in die Lage versetzt werden ihre Arbeit zu reflektieren und ob (4) ihre Kommunikationsfähigkeit durch diesen Zyklus verbessert werden kann.

Am Ende der Unterrichtsreihe stellte sich heraus, dass die meisten Gruppen in der Lage waren autonom zu arbeiten und zu reflektieren um ein Spieleheft zu erstellen. Die Gruppen, welche gut miteinander kommunizierten, konnten auch gut miteinander kooperieren. Die meisten Schüler hatte auch sehr viel Spaß beim Ausüben der Lehrerrolle und ich kann behaupten dass es sich hier um ein gelungenes Projekt handelt.

Es kann also abschließend festgehalten werden dass ein solches Projekt sehr gut für selbstgesteuertes Lernen geeignet ist und dies öfters wiederholt werden sollte um die Schüler zu befähigen autonomer zu werden.

1. Persönliche Motivation

Um zu erklären warum ich mich für das Thema „Erlebnispädagogik in Projektform im Schulsport“ entschieden habe, muss ich weiter zurückgehen als nur zum „stagepédagogique“. Mein Sportstudium habe ich in Deutschland, näher gesagt in Saarbrücken absolviert. In der Studienzeit mussten wir auch einige Praktika absolvieren. Eines dieser Praktika von vier Wochen habe ich beieinem Verein absolviert. Hierbei handelt es sich um einen Verein, der Aktivitäten im Bereich der Erlebnispädagogik anbietet. Ich fand die Idee und die Aktivitäten sehr interessant so dass ich zusammen mit einem Freund auch einen solchen Verein hier in Luxemburg gebildet habe. Unser Ziel ist es, den Kindern durch verschiedene Aktivitäten zu zeigen wie sie gut zusammenarbeiten können. Als ich dann in den „stagepédagogique“ gekommen bin, war mir auch schnell klar, dass ich ein solches Projekt mit einer Klasse probieren wollte. Es ist heute ja leider oft noch so dass die Schüler gesagt bekommen was sie wie tun und machen sollen um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Ich will also mit diesem Thema dazu beitragen dass die Schüler lernen wie sie gemeinsam, ohne dass der Lehrer ihnen alles vorkaut, zu einem Ziel gelangen. Sieht man sich dann in den verschiedenen Schulen um, so kann man erkennen, dass das Thema Erlebnispädagogik oft falsch verstanden wird. Die meisten Sportlehrer mit denen ich über dieses Thema geredet habe, dachten dass man dies nur in der Natur machen könnte. Allerdings ist es so, dass viele Spiele aus dem erlebnispädagogischen Bereich auch in der Schule, genauer gesagt im Schulsport durchgeführt werden können. Ich will also durch das Erstellen eines Spieleheftes anderen Sportlehrern die Möglichkeit geben sich auch einmal an ein solches Thema heran zu wagen. Dieses Heft soll aber nur als Anreiz dienen sich auch einmal an dieses Thema auszuprobieren, denn es gibt noch viele andere Spiele und Möglichkeiten seinen Unterricht zu gestalten.

Es kann davon ausgegangen werden dass es sich hierbei um ein größeres Projekt handelt und so muss auch zwangsläufig die Projektunterrichtsmethode behandelt und sich damit beschäftigt werden. Diese Form des Unterrichts lernte ich während den Veranstaltungen als Stagiaire im „stagepédagogique“ kennen. Diese Methode schien mir sehr interessant zu sein um den Schülern dieses Thema näher zu bringen. Da ich immer versuche meinen Unterricht abwechslungsreich zu gestalten damit es für die Schüler nicht zu langweilig wird, bediene ich mich nicht nur der Frontalmethode sondern auch der Gruppenarbeit oder dem programmierten Unterricht. Es scheint mir wichtig, dass die Schüler mehrere Methoden als nur den Frontalunterricht kennenlernen. Bei der Projektmethode geht es ja darum dass die Schüler lernen sollen autonom zu arbeiten und Selbstständigkeit entwickeln. Da ich dieser Klasse zutraute auf diese Weise zu arbeiten, habe ich mich bei der 6ieme Klasse zu diesem Projekt entschieden. Das Ziel eines Projektes ist es ja ein bestimmtes Produkt zu erstellen und genau das haben wir ja durch das Erstellen eines Spieleheftes auch vor. Des Weiteren sollen die Schüler versuchen ihr „Expertenwissen“ das sie hier erlangen werden, einer anderen Klasse zu vermitteln.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mir dieses Projekt die Möglichkeit bietet, mich und die Schüler mit einem Thema zu befassen, das nicht zu den üblichen Sportarten im Sportunterricht gehört. Aus Sicht der Schüler soll dieses Projekt folgende Kompetenzen fördern: Die Schüler…

- kooperieren in der Gruppe und verfolgen gemeinsame Ziele (KB2)
- übernehmen verschiedene Aufgaben und Rollen (KB2)
- können Sicherheits- und Hilfestellung leisten und erkennen deren Notwendigkeit. (KB2)
- schätzen die Fähigkeiten Anderer richtig ein (KB3)
- erbringen eine gemeinschaftliche Leistung (KB3)

2. Theoretische Grundlagen

In diesem Kapitel wird näher auf die theoretischen Grundlagen des Projektunterrichts und der Erlebnispädagogik eingegangen bevor wir zur praktischen Umsetzung des Projektes kommen.

2.1. Erklärungen zur Projektmethode

Knoll (Knoll, 1991, S. 15) behauptete in seinem Beitrag zur Entstehung und Verbreitung reformpädagogischer Konzepte, dass die Projektmethode bereits als Unterrichtsmethode in Frankreich im 17. Und 18. Jahrhundert angewandt wurde. Allerdings lässt sich darüber streiten ob das sogenannte „projet“ auch wirklich ein Projektunterricht wie wir ihn kennen, darstellt. Die eigentliche Diskussion beginnt erst um 1900 in den USA (Emer & Lenzen, 2005, S. 8-9). Als Väter der Projektmethode kann man John und Evelyn Dewey sowie William Kilpatrick ansehen (Oelkers. In: Hänsel, 1999, S. 16-17).

Dewey entwickelte die Methode, bei der die Schüler selbstständig Probleme erkennen und lösen (Altmannsberger, 2001, S.10).Bei einem Projekt wird davon ausgegangen, dass die Bereitschaft entwickelt wird, Verantwortung zu übernehmen sowie ein hohes Maß an Selbstständigkeit zu zeigen (Klein, 2008, S.13). Es gibt viele Bereiche, wie die Projektwoche oder Projekttage…, wo die Projektmethode angewendet werden kann.

2.1.1. Was ist die Projektmethode

Als „The Projekt Method“ bezeichnete Kilpatrick, der ein Schüler Deweys war, den Projektunterricht. Die bedeutet für ihn planvolles Handeln in einer sozialen Umgebung (Emer & Lenzen, 2005, S. 10-11). Übersetzt heißt das Wort also Projektmethode und setzt sich aus den Wörtern „Projekt“ und „Methode“ zusammen. Projekt bedeutet etwas entwerfen, planen, vornehmen. Während Methode als Weg der Untersuchung zu verstehen ist (Frey, 2012, S. 14). Als Projekt kann man sich also vornehmen das Verhalten in einer Gruppe verändern zu wollen und sucht sich dann seinen Weg hierfür heraus. Ausgegangen wird von einer „ situation initiale, parfoisjugéeinsatisfaisante “ (Broch, 2004, S.73) und versucht dieses Verhalten Schritt für Schritt zu verbessern.

Es gibt eine umfangreiche Sammlung von Definitionen und Begrifflichkeiten, wie Projektmethode, Projektverfahren, Projektarbeit, Unterrichtsprojekte, Projektlernen, Projektunterricht, projektorientierter Unterricht oder nur Projekt auf (Hoffmann, 1997, zitiert nach Lang, 2009, S.571).

Bei Gudjonsgibt es vorwiegend die Begriffe Projekt und Projektunterricht, aber auch Projektmethode, Projektarbeit und Projektlernen(2001, S.81 ff.).

Für Frey ist die Projektmethode ein Weg zur Bildung. „ Entscheidend dabei ist, dass sich die Lernenden ein Betätigungsgebiet vornehmen, sich darin über die geplanten Betätigungen verständigen, das Betätigungsgebiet entwickeln und die dann folgenden verstärkten Aktivitäten im Betätigungsgebiet zu einem sinnvollen Ende führen “ (Frey, 2012, S. 14).

Was jetzt Projektunterricht bedeutet, ist schwer zu sagen, da es sich um einen sehr komplexen Begriff handelt. Frey und Gudjons haben die Projektmethode anhand von Merkmalen formuliert. Frey für seinen Teil hat 17 Merkmale definiert (2012, S. 15-16), auf die ich hier nicht näher eingehen werde. Gudjons (2008, S. 79-92)hat dagegen weniger Merkmale angegeben, welche ich hier beschreibe:

Projektschritt 1: Eine für den Erwerb von Erfahrungen geeignete, problemhaltige Sachlage auswählen. Hierzu zählen die Merkmale„Situationsbezug“, „Orientierung an den Interessen der Beteiligten“ und „Gesellschaftliche Praxisrelevanz“.

Situationsbezug: „ Unterricht kann nur gelingen, wenn er das Kind dazu führt, ein Problem als sein eigenes zu erkennen, so dass es von sich aus beginnt, eine Antwort zu finden“ (Dewey, 1976, S. 103).

Dies bedeutet, dass der Lehrer prüfen muss ob der Situationsbezug für den Erwerb von Erfahrungen geeignet ist. Er sollte für die Schüler nicht zu neuartig sein, aber doch so neuartig, dass es eine Herausforderung darstellt.

Orientierung an den Interessen der Beteiligten:Ist man der Meinung dass jeder Projektvorschlag von den Schülern ausgehen sollte, so liegt man falsch. Es ist aber auch so dass nicht jeder von Anfang an große Begeisterung zeigt, die gilt es aber während am Anfang und während des Projektes zu wecken.

Gesellschaftliche Praxisrelevanz: Neben den Interessen der Schüler steht allerdings auch die Relevanz für die Gesamtgesellschaft. Das hebt den Projektunterrichtin eine andere Ernsthaftigkeit, als der rein wissensvermittelnde Fachunterricht das könnte. Die Schüler sollen etwas für das spätere Leben lernen, so dass es an die Gesellschaft angepasst ist.

Projektschritt 2: Gemeinsam einen Plan zur Problemlösung entwickeln. Hier werden die Merkmale „Zielgerichtete Projektplanung“ und „Selbstorganisation/Selbstverantwortung“ aufgezählt.

Zielgerichtete Projektplanung: „Für ein Schiff ohne Hafen ist kein Wind der richtige“ (Seneca Lucius Annaeus). Im Lehrerzentrierten Unterricht gibt der Lehrer die Ziele vor. Im Projektunterricht soll die Planung demokratisch erfolgen und die Schüler auf die Gesellschaft vorbereiten. Es sollte allerdings auch hier von Anfang an klar sein wo das Projekt hinführt, welches Ziel es hat.

Selbstorganisation/Selbstverantwortung: „Vieles hätte ich verstanden, wenn man es mir nicht erklärt hätte“ (Jerzy Lec Stanislaw). Die Schüler sollen versuchen ihren eigenen Weg zu finden um an ihr Ziel zu gelangen. Nur so gelangen sie zu mehr Autonomie. Es darf aber jetzt nicht so verstanden werden dass die Schüler alles ganz alleine zu erledigen hätten. Der Lehrer steht ihnen weiterhin zur Seite und hilft wenn es nötig wird.

Projektschritt 3: Sich mit dem Problem handlungsorientiert auseinandersetzen. Im Mittelpunkt stehen hier die Merkmale „Einbeziehen vieler Sinne“ und „Soziales Lernen“.

Einbeziehen vieler Sinne: „Ein Gramm Erfahrung ist mehr wert als eine Tonne Theorie“ (Dewey, 1916). Es soll beim Projektunterricht nicht nur beim Lesen, Schreiben und Reden bleiben, sondern es sollen auch die Hände, Füße, Augen, Ohren, Nase, Mund und Zunge mit einbezogen werden.

Soziales Lernen: „Erkläre mir, und ich werde vergessen. Zeige mir, und ich werde mich erinnern. Beteilige mich, und ich werde verstehen“ (Konfuzius). Dadurch, dass ein Projekt in einer Gruppe durchgeführt wird, wird das soziale Lernen gefördert. Die Beteiligten müssen miteinander reden, sich koordinieren und ihre Interessen und Stärken mit einbringen. Sie sollen aber auch aufeinander Rücksicht nehmen und voneinander profitieren. Jeder sollte in das Projekt mit eingebunden werden.

Projektschritt 4: Die erarbeitete Problemlösung an der Wirklichkeit überprüfen. Hier gibt es das Merkmal „Produktorientierung“.

Das bedeutet dass am Ende des Projektunterrichts ein Produkt herauskommt.

Frey (2008, S.16) betont: „Ein vollständiges Bild kann durch derartige Merkmale nicht erreicht werden. Die Projektmethode ist eine offene Lernform. Sie nimmt auf die lokale Situation und auf die Teilnehmerinteressen Rücksicht. Die Projektmethode lässt sich folglich auch nicht durch eine präzise Definition beschreiben“.

Wie schon erwähnt, gibt es in Bezug auf die Merkmale, Unterschiede zwischen den Autoren. Allerdings sind diese Merkmale von Gudjons kompakter und helfen auch nachher bei der Reflexion um zu überprüfen, ob die verwendete Methode tatsächlich die Projektmethode war oder nicht. Im folgenden Kapitel werde ich nun darauf zu sprechen kommen wie so eine Projektmethode durch Komponenten aufgebaut ist.

2.1.2. Aufbau der Projektmethode durch Komponenten

Im folgenden Kapitel beschäftigen wir uns mit einem idealtypischen Verlaufsmuster des Projektunterrichts.

Wie schon oben erwähnt ist die Projektmethode sehr komplex und es gibt verschiedene Meinungen dazu. Deshalb sollten die vorgeschlagenen Komponenten nicht als Gesetz angesehen werden, sondern nur als eine Sichtweise. So lassen sich die verschiedenen Komponenten austauschen oder weglassen (Frey, 2012, S.54&62). Frey (2012) unterscheidet sieben verschiedene Komponenten, die als Grundmuster der Projektmethode bezeichnet werden können (Frey, 2012, S. 55). Diese sind: Projektinitiative, Projektskizze, Projektplan, Projektdurchführung, Projektabschluss, Fixpunkte und Metainteraktion.

Projektinitiative: Irgendein Mitglied oder ein Außenstehender hat eine Idee. Er berichtet den anderen Mitgliedern von seinem Vorhaben. Der Ausgangspunkt des Projektes ist relativ egal, es kann alles als Idee für ein Projekt genommen werden. Ob nun aus dieser Idee auch ein Projekt entsteht, entscheiden dann die Projektteilnehmer. Sie müssen entscheiden wie und in welcher Form die Projektinitiative aufgegriffen wird. Es ist also nicht wichtig von wem die Initiative kommt, wichtig ist aber dass sie die Bedürfnisse der Beteiligten trifft, da sie sonst ihre Wirkung verfehlt und keine Eigeninitiative entsteht (Frey, 2012, S. 54-56&64-65). Es geht beim ersten Punkt also darum das Thema zu finden, die Rollen zu reflektieren, Initiatoren zu finden und sich Initialimpulse zu überlegen (Emer & Lenzen, 2005, S. 121).

Projektskizze:Die Projektskizze besteht aus zwei Elementen. Erstens: Absteckung eines Rahmens, Schaffung einer Verständigungsgrundlage. Zweitens: Eigentliche Auseinandersetzung, Einbezug jeglicher Kommunikation, individuelle Eigenaktivierung, agieren mit Kontaktpersonen, negative oder positive Entscheidung ob das Projekt stattfindet oder nicht (Frey, 2012, S. 56-57). Damit eine Projektskizze zustande kommt, ist es wichtig, dass jeder der Beteiligten sich einbringen kann und nicht nur die Stärksten der Klasse die Entscheidungen treffen (Frey, 2012, S. 75).

Projektplan:Hat die Gruppe nun entschieden dass das Projekt durchgeführt wird, kommt es zur Planung. „Durch diese Komponente erhält die Projektinitiative ihre Konturen“ (Frey, 2012, S. 97). Bei diesem Ablaufplan wird festgehalten wer was macht, wie lange, wann, wo und warum (Frey, 2012, S. 97). Altmannsberger (2001, S.21) hat diese 6 Punkte festgelegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Projektdurchführung:Bei der Durchführung des Projektes geschieht die Umsetzung arbeitsteilig (Emer & Lenzen, 2005, S. 125). Der Plan kann vollzogen werden (Frey, 2012, S. 58). Dieser Prozess kann dynamisch, aber auch zäh sein. Es können bei der Arbeit auf das Produkt hin, vier methodische Schritte unterschieden werden:

- Material beschaffen und erkunden,
- auswerten und bearbeiten,
- das Produkt erstellen,
- koordinieren und reflektieren

Am Anfang des Projektes ist Euphorie vorhanden, die aber im Laufe des Projektes, wenn Probleme auftreten, zu Frust werden können bevor sie nach einer kleinen Hängephase wieder herausführt. Gerade diese Dimension des Scheiterns macht den Charme eines Projektunterrichts aus (Emer & Lenzen, 2005, S. 125).

Projektabschluss:Ein Abschluss wird nach Frey (2012, S. 59-60 & 119-125) in drei Varianten eingeteilt. Bei Variante 1 handelt es sich um einen bewussten Abschluss. Hier wird das Ergebnis veröffentlicht und eine Vorführung krönt die langen Vorbereitungen. Dies bedeutet dass das Projekt nun abgeschlossen ist. Bei Variante 2 geht es um die Rückkopplung zur Projektinitiative. Hier vergleichen die Teilnehmer den Endstand mit den Anfängen. Das Projekt ist dann nach einer Manöverkritik beendet. Frey (2012, S. 122) sagt dazu aber auch: „In der Hochform der Projektmethode haben es die Teilnehmer nicht mehr nötig, am Schluss eine Kritikphase einzubauen“. Nach Variante 3 läuft das Projekt einfach aus. Hierbei haben die Teilnehmer etwas für den Alltag gelernt und üben diese Tätigkeit jetzt aus. Bei dieser Variante zielt die Projektmethode auf Verselbständigung der Beteiligten. Frey weist allerdings auch darauf hin, dass diese Variante zwar oft gebraucht wird, sie leider aber auch missbraucht wird um ein misslungenes Projekt einfach auslaufen zu lassen.

Fixpunkte: Bei den Fixpunkten handelt es sich um organisatorische Schaltstellen des Projektes. Fixpunkte können benutzt werden um sich gegenseitig zu informieren, Notizen anzufertigen, die nächsten Schritte zu organisieren oder wie der Stand der Dinge im Moment ist. Fixpunkte können als eine Art „Auszeit“ gesehen werden. Sie können aber auch bei blinder Betriebsamkeit, Orientierungslosigkeit und fehlender Abstimmung helfen.

Metainteraktion:Hier soll über das Geleistete nachgedacht und diskutiert werden. Es wird versucht bestehende Beziehungsprobleme aufzuarbeiten und die Teilnehmer setzen sich mit ihrem eigenen Tun auseinander. Hier wird aus „einfachem Tun bildendes Tun“ (Frey, 2012, S. 61).

2.1.3. Möglichkeiten und Grenzen der Projektmethode

In der Fachliteratur finden sich nur wenige Aussagen über Probleme und Grenzen von Projekten. Frey gibt in seinem Buch „Die Projektmethode“ an: „Mir ist niemand bekannt, der mit empirischen Mitteln exakt nachgewiesen hat, was die Projektmethode leistet und was sie nicht leistet“ (Frey, 2012, S. 175). Was kann die Projektmethode jetzt für den Unterricht leisten und was kann sie nicht leisten? Wo liegen ihre Stärken und wo die Probleme? Laut Koleczko (2006, S. 12) gibt es wissenschaftliche und normative Gründe dem Projektunterricht einen hohen Stellenwert zuzuordnen. Dies wären „Lernpsychologische Gründe“, wo herausgestellt wird dass bei der Projektmethode alle Leistungen gleichberechtigt anerkannt werden. Nicht wie bei den „normalen“ Schulleistungen, wo nur die Leistung zählt und nur die starken Schüler eine gute Note bekommen. Das Gehirn funktioniert auch besser, wenn man sich das Wissen selber erarbeiten muss als wenn nur konsumiert wird (Koleczko, 2006, S. 12). „Denken entwickelt sich aus dem Praktischen Handeln und dem Wahrnehmen“ (Altmannsberger, 2001, S. 16).Aus „Sozialtheoretischen Gründen“ ist es wichtig, da beim Projektunterricht die Teilnehmer lernen zusammenzuarbeiten und ihre Sozialkompetenz zu verbessern. Die Realisierung und Entwicklung von gemeinsamen Projekten fördert die Entwicklung von Kooperation (Gruppen bilden, Teamarbeit organisieren und aufteilen) und vielfältigen Kommunikationsformen (Konflikte managen, Umgang untereinander pflegen) (Altmannsberger, 2001, S. 13). Frey (2012, S. 61) sagt dazu ja auch in seiner Metainteraktion, dass die Teilnehmer sich mit aufgetretenen Problemen auseinandersetzen und diese lösen. Die „Handlungspsychologischen Gründe“ besagen dass die Schüler bei der Projektmethode mehr selbstständig und handlungsorientiert arbeiten. Die Schüler lernen heute, aufgrund der immer größer werdenden Mediatisierung, viel aus zweiter Hand und machen nicht mehr selber die Erfahrungen (Frey, 2012, S. 13-14; Altmannsberger, 2001, S. 17).

Der Projektunterricht hat auch intrinsische Wirkung bei den Schülern. Es können die eigenen Kompetenzen eingebracht, ein konkretes Ziel angestrebt und der Lernprozess selbst konstruiert werden.Dadurch kommt es auch zu einer Identifikation mit dem Projekt (Altmannsberger, 2001, S. 16).

Zu den Grenzen der Projektmethode gibt Koleczko (2006, S. 15) an: „ Direkte Gegenargumente für den Einsatz von Projektunterricht gibt es nicht, dafür hat er sich praktisch zu oft bewährt“. Die Schwierigkeiten die am häufigsten auftreten und den Unterricht scheitern lassen könnten, sind folgende:

- Unklare Begrifflichkeit

Dies sagt aus, dass manche Lehrer die Projektmethode meistens immer erst zum Schluss eines Schuljahres planen. Sozusagen als Belohnung zum „richtigen“ Unterricht. Die Projekte werden dann nur halbherzig durchgeführt, was dann auch zur Abwertung des Projektes führt (ebd., S. 15).

- Unklare Rollenverteilung

In einer Projektarbeit sollen die Schüler alles selbstständig planen und durchführen (Frey, 2012, S. 164). Ein Problem kann auftreten, wenn der Lehrer es nicht versteht sich zurückzuziehen und zu schnell eingreift. So bekommen die Schüler nicht die Möglichkeit sich mit dem Problem zu beschäftigen. Die Schüler lernen dann nicht sich selbstständig zu organisieren und verschiedene Rollen zu übernehmen (Koleczko, 2006, S. 16). Bei der Projektmethode ist „die Lehrperson im Hintergrund“ (Frey, 2012, S. 164).

- Unbekannter Ausgang

Beim Projektunterricht herrscht auch immer Ungewissheit über den Ausgang des Projektes. Kommt am Ende ein Produkt heraus oder verläuft es im Sand? Was bekommen die Schüler dann als Note (Koleczko, 2006, S. 16-17)?

- Unbekannte Kommunikationsformen

Als Voraussetzungen für die Schüler gelten unter anderem folgende Fähigkeiten und Fertigkeiten (Koleczko, 2006, S. 17):

- Beherrschung von Arbeitstechniken zur Erarbeitung und Auswertung von Materialien.
- Kooperationsfähigkeit sowie die Fähigkeit auftretenden Spannungen und Konflikte abzubauen.
- Arbeitsdisziplin: Ausdauer, Zielstrebigkeit und Selbstständigkeit stellen die Pfeiler der Arbeitsdisziplin dar.
- Argumentations- und Kritikfähigkeit.

- Ungeeignete Organisationsform

Bei der Projektmethode wird in Gruppen gearbeitet, was die Evaluation erschwert. Es stellt sich jetzt für jeden Lehrer die Frage was er denn nun evaluieren soll (Koleczko, 2006, S. 17).

2.1.4. Evaluation im Projektunterricht

In Luxemburg sieht der Lehrplan für den Sportunterricht vor dass, „anhand von Eva-luationsverfahren qualitative Aussagen als Mittel des Feedbacks an Schüler, Eltern und Lehrer Aufschluss über den Lernprozess der Schüler bieten. In Abhängigkeit der verfolgten Zielsetzungen können sowohl Produkte als auch Prozesse zum Evaluationsgegenstand herangezogen werden“ (MEN, 2012, S.46).Die Frage die sich immer wieder bei Projekten stellt ist die, dass man nicht so genau weiß ob nun eine Evaluation stattfinden soll oder nicht. Was soll eigentlich bewertet werden? Ist das Endprodukt nicht als Rückmeldung ausreichend? Bei einem Projekt können die Ziele, die verschiedenen Aktivitäten, die Organisation, das Funktionieren des Projektes selbst,… bewertet werden (Broch, 2004, S. 201).

Frey hat sich in seinem Buch „Die Projektmethode“ nicht festgelegt ob ein Projekt evaluiert werden sollte oder nicht. Er stellt lediglich Argumente für und gegen Evaluation dar. Ein Argument was er aufführt besagt, dass das Produkt an sich schon als Leistungsnachweis genügen würde und weitere Nachweise überflüssig seien. Ein anderes, in meiner Sicht viel wichtigeres Argument sagt aus, dass die Projektmethode dazu dient die Gruppen am kooperativen Tun zu unterstützen und nicht hier auch noch zwischen gut und schlecht zu unterscheiden (Frey, 2012, S. 168).

Es gibt aber auch Argumente für eine Bewertung von Projekten. Argument 1: Da die Projektmethode oft erst zum Schluss eines Schuljahres ausgeführt wird und meistens nur als Belohnung dient, würde sie jetzt auch noch ohne Bewertung stattfinden, so würde sie als Lehr-Lern-Methode noch mehr an Glaubwürdigkeit verlieren. Argument 2: Die Noten aus einer Projektarbeit können die anderen Noten ergänzen. Da die Projektmethode andere Fähigkeiten berücksichtigt, scheint mir das sehr wichtig (Frey, 2012, S. 169). „Wesentlich ist dabei, dass die Bewertungskriterien und die Bewertungsform vor Beginn der Arbeit bekannt sind (Rahmenbedingungen)“ (Bruggmann, 2006, S. 25).Allerdings ist die Bewertung von Gruppen nicht einfach und sollte mit den Teilnehmern durchgegangen werden (Bruggmann, 2006, S. 25).

Wird die Evaluation geplant, so ist es wichtig sich Gedanken darüber zu machen was überprüft werden soll und an welchen Kriterien das festgemacht wird (Broch, 2004, S. 194). Gemeinsame Leistungsnachweise und Kriterien können von den Schülern ab der Mittelstufe selbst erarbeitet werden. Allerdings müsste auf die Selbstbeobachtung und –überprüfung geachtet werden (Gudjons, 2008, S. 104).

Klein (2008, S. 143-145) schlägt neben der eigenen, durch einen Bewertungsbogen festgehaltenen Bewertung, auch die Schüler mit einzubeziehen. So bekommen auch die Schüler einen Bewertungsbogen und führen ebenfalls eine Bewertung ihrer Mitschüler durch. Das Problem bei der Schülerbewertung ist die Übernahme der Note in die Endnote. Die Note der Schüler sollte nicht in die Endnote mit einfließen, weil hier auch Sympathie eine große Rolle spielt und man seinem besten Freund eine bessere Note gibt. Allerdings würde ich sagen, dass der Lehrer die Noten auch mit seiner Note vergleichen könnte und wenn die Noten sich einigermaßen ähneln, sie dann auch mit einfließen lassen könnte.

2.2. Erlebnispädagogik

„Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, diese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und dazu befähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten“ (Heckmair& Michl, 1998, S.75, zitiert nach Reiners, 2007, S. 13).

In diesem Kapitel geht es um die theoretische Aufarbeitung der Erlebnispädagogik. Ich werde kurz auf den geschichtlichen Hintergrund eingehen, dann betrachten wir die Erlebnispädagogik aus der Sicht der Schule, die Ziele der Erlebnispädagogik bevor wir mit den Erklärungen der 5 Bereiche abschließen.

2.2.1. Historische Entwicklung der Erlebnispädagogik

„Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers kommt, alles entartet unter den Händen des Menschen“ (Rousseau, 1995, S. 9). Rousseau meinte damit, dass wir von 3 Dingen erzogen werden: der Natur, die Dinge und die Menschen. Man sollte sich bei der Erziehung mehr der Natur zuwenden. Kinder sollen ihre eigenen Erfahrungen machen und somit auch von Einflüssen bewahrt werden, die dies behindern. Der Mensch identifiziert sich erst mit den Dingen wenn er sie aktiv durch Bewegung wahrnimmt (Heckmair& Michl, 2004, S. 17-21).Ein anderer Vertreter von Rousseaus Theorie war der in deutschen Büchern weniger Bekannte David Henry Thoreau. Auch er war der Meinung dass Erziehung durch die Natur erfolgen sollte und so wagte er sein Walden-Experiment. Er zog sich während zwei Jahre in eine selbst gebaute Hütte am Walden-See zurück und wollte somit zeigen dass man auch sehr gut ohne Expansion und Industrialisierung leben konnte. Dieses Experiment wurde sein wichtigstes Werk (Heckmair& Michl, 2004, S. 22-25).

John Dewey, einer der wichtigsten amerikanischen Pädagogen, der den Begriff „Learning bydoing“ geprägt hat, ist ein anderer Wegbereiter der Erlebnispädagogik. Er war der Meinung dass Befehle, Verbote,… nicht so nachhaltig wirken als Lernen durch Handeln (Heckmair& Michl, 2002, S. 33)

Neben diesen bereits beschriebenen Wegbereitern wird Kurt Hahn als Urvaterder Erlebnispädagogik in der Literatur bezeichnet. Er entwickelte aus unterschiedlichen Ansätzen sein Konzept der „Erlebnistherapie“. Nach seiner Ansicht litt die damalige Jugend an modernen Verfallserscheinungen, die sich unter anderem darin äußerten dass die Jugendlichen keine Selbstinitiative mehr ergriffen. Er setzte diesen Erscheinungen seine vier Elemente der Erlebnistherapie entgegen. Diese waren:

- Körperliches Training: Hier konnten die Erfahrungen Selbstüberwindung und Selbstentdeckung gemacht werden.
- Organisation von Expeditionen: Sollen die Entschluss- und Überwindungskraft fördern.
- Das Projekt: Dadurch kommt es zur Selbstständigkeit und Kreativität.
- Rettungsdienst: Vermittlung von Lebensverständnis.

Nach Hahn war die Intensität und das persönliche Engagement entscheidend für den Lernerfolg (Reiners, 2007, S. 10-12).Auch Heute sind Hahns Prinzipien, dass die Natur bei der Erziehung eine wichtige Rolle spielt, wieder sehr gefragt (Heckmair& Michl, 2004, S. 41).

Auch in der Gegenwart hat die Erlebnispädagogik nichts an ihrer Aktualität verloren. Es bestehen immer noch dieselben Probleme wie sie von Hahn beschrieben wurden. Die Menschen sind mehr auf Individualität aus, während sich die Fähigkeit zu Bindung und Solidarität abschwächen. Gerade junge Menschen haben es so schwer soziale Kontakte oder Freundschaften zu knüpfen (Reiners, 2007, S. 15).

Die meisten Erlebnispädagogischen Anlagen findet man heute in Amerika und in England. Sie können ohne Zweifel als Hochburgen der Erlebnispädagogik angesehen werden. „War Erlebnispädagogik in der Anfangszeit in unserem Kulturkreis noch hauptsächlich eine Bewegung der Praktiker, angeregt in der Regel von Sozialpädagogen, Streetworkern, Heil- und Sonderpädagogen, so interessieren sich zunehmend auch Betriebspädagogen, Psychologen und Erziehungswissenschaftler für diese Disziplin“ (Birnthaler, 2010, S. 42).Betrachtet man die moderne Erlebnispädagogik, so lässt sich feststellen, dass fast ausnahmslos alle Sportarten versammelt sind, die eine besondere Körperbetonung aufweisen (Birnthaler, 2010, S. 43).

2.2.2. Erlebnispädagogik in der Schule

Die Erlebnispädagogik ist ein handlungsorientiertes, erfahrungsbezogenes und reformpädagogisches Konzept, das immer in der Schule verwurzelt war, allerdings seit Mitte des letzten Jahrhunderts nicht mehr ist (Van Ackern, 2005, S. 9).Seit dieser Zeit findet sich die Erlebnispädagogik eher im außerschulischen Bereich. In der Schule hat sie eher einen isolierten Charakter und wird meistens nur im Rahmen von Projektwochen angeboten. Es gibt aber neuere Entwicklungen, die einen möglichen Weg zurück in die Schule weisen (Gilsdorf, 1993, S. 102).

Die Erlebnispädagogik in der Schule muss auch nicht wie im außerschulischen Bereich extreme Aktivitäten wie Segeln, Wandern oder Klettern beinhalten. Stattdessen soll es sich um Übungen handeln, die in der Gruppe erledigt werden. Sie sollen einen kooperativen Charakter haben und als spielerische Herausforderung gestellt werden. Durch solche Spiele kommt es zu einer Verbesserung des Klimas innerhalb der Klasse und somit zu einem besseren Lernklima. Schon aus diesem Grund sollte die Erlebnispädagogik wieder Einzug in die Schule finden. Ein weiterer Grund ist das Erlernen sozialer Kompetenzen und der Mitarbeit in einem Team. Das kann in der Erlebnispädagogik durch kooperative Abenteuerübungen und praktische Problemlösungsaufgaben der Schüler geschult werden (Vent-Schmidt, 2001, S. 17-18).

Da die heutige Industriegesellschaft immer weniger Raum für Bewegungsmöglichkeiten bietet, suchen die Kinder und Jugendlichen ihr Glücksgefühl in „Ersatzwelten“ wie Fernseher, Computer oder Freizeitparks. Allerdings erlangen sie so nicht die geistige und körperliche Entwicklung die sie bei anderen Bewegungsmöglichkeiten bekommen. Hier soll die Schule ihren Platz finden. Durch das Eingehen eines Wagnisses und der dabei zu beachtenden Sicherheit, baut der Schüler Situationen auf, die zum selbstständigen Handeln und sozialem Lernen führen (Blaschke, 2009, S.10). Da der heutige Schulsport allerdings meistens mehr auf Leistung aufgebaut ist, verlieren die Kinder, die durch ihr körperliches Unvermögen nicht so gut sind, schnell die Lust am Sport und sind frustriert. Freude am Sport und Miteinander stehensollen mehr im Vordergrund stehen, nicht nur der Erfolg, der Konkurrenzgedanke, und der übertriebene Ehrgeiz am eigenen Gelingen. Durch die Rückbesinnung zu einem erlebnisorientierten Schulsport sollen diese positiven Ziele des Sports, also freudbetonte Übungs- und Spielformen mit körperlichen und geistigen Herausforderungen, wieder erreicht werden (Kähler, 1995, S. 31). Die Erlebnispädagogik ist in der Schule einem pädagogischen Ziel untergeordnet und bedeutet nicht nur einfache Action. Die Anstrengung, Leistung und Überwindung und soziales Verhalten, sollen langfristig wirksam sein um die Persönlichkeit zu prägen und das Selbstwertgefühl und die Motivation zu heben (Blaschke, 2009, S. 13).

Die Erlebnispädagogik ist nicht nur Sport treiben, sondern wird als handlungsorientierte Unterrichtsmethode angesehen. Der handlungsorientierte Unterricht steht in der Tradition der Reformpädagogik und zielt auf eine bessere Identifikation der Lernenden mit dem Unterrichtsgegenstand durch aktive Teilnahme. Durch das „handeln“ in dieser Unterrichtsmethode, nimmt der Erfahrungsbegriff in der Handlungsorientierung wie auch in der Erlebnispädagogik eine zentrale Position ein. Dieses Erlebnis bleibt so besser im Gedächtnis haften und die so gelernten Erfahrungen bleiben länger wirksam und abrufbar (Van Ackern, 2005, S. 14-15).

Lehrer vermitteln nicht länger Wissen, sondern übernehmen die Verantwortung für eine gemeinsame Gestaltung vonLernprozessen. Seine Rolle unterscheidet sich von der klassischen Lehrerrolle. Er muss lernen sich zurückzuhalten und den Schülern Freiräume zum Ausprobieren zu geben. Er sollte die Fähigkeit haben, Gespräche zu moderieren und manchmal Impulse zu geben. In der Erlebnispädagogischen Arbeit wird der Lehrer, wie die Schüler auch, zum Teamspieler (Gilsdorf, 1993, S. 111).

Was muss sich also ändern, damit die Erlebnispädagogik mehr im Schulsport angewendet werden kann?

- Die Lehrer müssen die Rolle des Alleinunterhalters aufgeben und den Schülern mehr Verantwortung übertragen.
- Intrinsische Motivation der Schüler ohne Druck.
- Konkurrenzverhalten zugunsten von Miteinander muss sich verändern.
- Wechsel von Fremdbewertung zu Selbstbewertung.
- Finden der richtigen Unterrichtsmethode (Zipperling, 2008, S. 48).

Die Erlebnispädagogik schafft neue Spielräume wo die Kinder innerhalb eines Rahmens experimentieren können (Heckmair& Michl, 2004, S. 118).

2.2.3. Ziele der Erlebnispädagogik

Geht es nach Zipperling (2008, S. 31) können keine Ziele in der Erlebnispädagogik formuliert werden, da nicht vorausgesetzt werden kann ob sich etwas entwickelt oder gelernt wird.

In diesem Punkt widerspricht Michl, der behauptet dass ein wichtiges Ziel der Erlebnispädagogik die Reflexionsfähigkeit sei. Dazu gehört sich fragen zu stellen nach dem was man gelernt hat und was man im Alltag gebrauchen kann. Auf die Reflexion erfolgt dann der Transfer. Von Erlebnispädagogik kann also erst dann gesprochen werden, wenn nachhaltig versucht wird die Erlebnisse durch Reflexion pädagogisch zu machen (Michl, 2009, S. 9-10).

Für Schulz, Hesebeck&Lilitakis (2007, S. 102) ist ein wichtiges Mittel zur Reflexion, das stellen von Fragen. Diese Fragen sollten so gestellt werden dass nicht nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann.

Weitere Schlüsselqualifikationen für erfolgreiche Erlebnispädagogik sind die Kommunikation und die Kooperation/Teamfähigkeit. Die Gruppenergebnisse sind umso besser je besser die Kommunikation und die Teamfähigkeit innerhalb dieser Gruppe ist. Wenn es also um die Erlebnispädagogik geht, dann sind die Kooperation und die Kommunikation bestimmende Ziele beim Gruppenprozess (Gilsdorf, 1999, S. 18-20). Für eine gute Teamfähigkeit ist eine Vertrauensbasis von Nöten, die das „Wir-Gefühl“ stärkt. Ob eine Aufgabe gelöst und ein Ziel erreicht wird, müssen die Gruppenmitglieder miteinander kooperieren und kommunizieren (Schulz, Hesebeck&Lilitakis, 2007, S. 30+62).

2.2.4. Fünf Bereiche aus der Erlebnispädagogik

In diesem Kapitel werde ich auf die fünf Bereiche eingehen, die die Schüler in Gruppen behandelt haben. Dies waren:

1. Kennenlernspiele
2. Kommunikationsspiele
3. Wahrnehmung und Vertrauensspiele
4. Kooperationsspiele
5. Abenteuerspiele

Kennenlernspiele

Bei diesen Spielen können sich die Schüler in spielerischer Art und Weise besser Kennenlernen (Vent-Schmidt, 2011, S. 54). Viele Menschen verstehen unter Kennenlernspiele nur solche Spiele wo man die Namen kennenlernt. Allerdings können Kennenlernspiele vielfältiger eingesetzt werden. Sie dienen dazu, Gruppen zusammenzuführen und erleichtern den Übergang vom Unbekannten zum Bekannten. Außerdem bauen sie Vertrauen auf und Berührungsängste ab. Kennenlernspiele können auch gut in Gruppen eingesetzt werden die sich schon kennen, um neue, noch Unbekannte Dinge zu erfahren. Gute Kennenlernspiele sind einfach, unverfänglich und lustig. Es soll sich niemand blamieren und jeder kommt viel mit jedem in Kontakt. Jeder soll nur so viel von sich preisgeben wie er will. Zum Schluss weiß jeder mehr über die anderen. Solche Spiele können auch im späteren Leben helfen um zum Beispiel am Gruppengeschehen teilzunehmen und die Arbeit der Gruppe konstruktiv zu begleiten (Schulz, Hesebeck&Lilitakis, 2007, S. 17-19).

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Ende der Leseprobe aus 60 Seiten

Details

Titel
Erlebnispädagogik im Schulsport. Förderung der Autonomie durch Erstellen eines Spielehefts
Note
gut
Autor
Jahr
2012
Seiten
60
Katalognummer
V285736
ISBN (eBook)
9783668277106
ISBN (Buch)
9783668277113
Dateigröße
1265 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erlebnispädagogik, schulsport, förderung, autonomie, erstellen, spielehefts
Arbeit zitieren
Marc Breser (Autor), 2012, Erlebnispädagogik im Schulsport. Förderung der Autonomie durch Erstellen eines Spielehefts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285736

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