Die Zeiten sein so wunderlich... - Grimmelshausens Barockroman und seine Rezeption durch Hartmanns Oper


Hausarbeit, 2004

20 Seiten, Note: unbenotet


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographien
2.1. K. A. Hartmann
2.2. J. J. C. von Grimmelshausen

3. Der 30-jährige Krieg

4. Der abenteuerliche Simplicissimus
4.1. Inhalt
4.2. Über das Werk

5. Hartmann und sein Simplicius Simplicissimus

6. Zusammenfassung

7. Quellen

1. Einleitung

Der abenteuerliche Simplicissimus von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen gehört heutzutage zu den bekanntesten Romanen des Barock. Das liegt sicherlich auch an den zahlreichen Rezeptionen in der deutschsprachigen Literaturgeschichte: Brecht adaptierte den Stoff für sein Drama Mutter Courage und ihre Kinder und Günther Grass verwendete diese berühmte Vorlage für die Erzählung Das Treffen in Telgte. Nicht zu vergessen ist hierbei Karl Amadeus Hartmann mit seiner musikalischen Rezeption des Romans.

In dieser Hausarbeit soll nun also untersucht werden, wo die Gemeinsamkeiten zwischen Grimmelshausens Barockroman Der abenteuerliche Simplicissimus und Hartmanns Oper Simplicius Simplicissimus – Drei Szenen aus seiner Jugend liegen. Da dies aber keine musikwissenschaftliche Arbeit, sondern eine germanistische Arbeit ist, wird das Augenmerk hauptsächlich auf den textlichen Inhalt gerichtet sein und nicht auf den musikalischen.

Zunächst gebe ich allerdings einen kleinen Einblick in die Biographien und das künstlerische Schaffen der beiden Persönlichkeiten. In Kapitel 3 werde ich mich kurz dem dreißigjährigen Krieg widmen, bevor ich im darauf folgenden Kapitel versuche, den Inhalt des Romans möglichst knapp wiederzugeben. Anschließend werde ich einige Gedanken zum Werk selbst äußern und im fünften Kapitel mich mit der Adaption durch Hartmann beschäftigen. Abschließend fasse ich das Erarbeitete noch einmal zusammen.

2. Leben und Werk

2.1. Karl Amadeus Hartmann

Karl Amadeus Hartmann wurde am 02. August 1905 in München geboren. Nach einer 1919 begonnenen, jedoch nach drei Jahren abgebrochenen Ausbildung zum Lehrer, studierte er Posaune und Komposition bei Joseph Haas an der Staatlichen Akademie der Tonkunst. Er war in seiner Heimatstadt Mitglied einer nonkonformistisch gearteten Komponistengruppe. Seine ersten Kompositionen im Rahmen dieser Gruppe konnte er der Öffentlichkeit im Opernstudio der Bayerischen Staatsoper sowie in den Ausstellungsräumlichkeiten des avantgardistischen Künstlerverbands „Die Juryfreien“ vorstellen. Hartmanns frühe Stücke, wie z. B. Leben und Sterben des heiligen Teufels, Sonatine (1931), Tanzsuite (1931), Burleske Musik (1931) oder Kleines Konzert (1932), sind deutlich geprägt von Jazz und Dadaismus, der Persiflagentechnik und der Neuen Sachlichkeit. 1933 begegnet er dem Dirigenten Hermann Scherchen, einer der wichtigsten Mentoren Hartmanns. Nach Hartmanns 1. Streichquartett, welches er Scherchen widmete, war das Komponieren für Hartmann in erster Linie Parteinahme für die Unterdrückten und Bekenntnis zur Humanität. Und so ziehen sich immer wieder jüdische Melodieelemente durch seine folgenden Symphonien und auch durch seine Oper Simplicius Simplicissimus.

Seine Komponistenlaufbahn wurde allerdings durch den Beginn der Nazidiktatur jäh unterbrochen, denn Hartmann war von Anfang an ein Gegner des Hitler-Regimes. Er boykottierte die Musikwelt des Nazistaates und ging in die „innere Emigration“, d. h. Hartmann schrieb und komponierte jahrelang nur für die Schublade, da seine Musik in Deutschland in dieser Zeit nicht gespielt wurde. Allerdings kamen seine Werke im Ausland zur Aufführung, wo er als Künstler des „anderen“ Deutschlands geehrt wurde.

Im Jahr 1934 ehelichte Hartmann Elisabeth Reussmann und bereits ein Jahr später kam der gemeinsame Sohn Richard zur Welt. Internationale Anerkennung erntete Hartmann u. a. für Miserae, ein Orchesterwerk, das er den Häftlingen des KZ Dachau widmete.

1945 wird Hartmann zum Dramaturgen des bayerischen Staatstheaters ernannt, wo er die besondere Aufgabe hatte, das Interesse an der bisher doch eher verachteten zeitgenössischen Musik wieder zu beleben. Im Zuge dessen rief er im selben Jahr die „Musica-Viva“-Bewegung ins Leben, die ein wichtiges Forum der modernen Musik in München darstellte. Ab 1948 nahmen seine Aufführungen dann auch wieder mehr und mehr zu. Dadurch gewann auch Hartmann mehr Anerkennung in der Bundesrepublik Deutschland, so dass er 1949 den Musikpreis der Stadt München erhielt. Es folgten weitere Preise und Anerkennungen, wie z. B. der Kunstpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1950) oder die Arnold-Schönberg-Medaille der IGNM (1954), er wurde Mitglied der Akademie der Künste München (1952) und erhielt 1962 die Ehrendoktorwürde der Spokane University Washington.

Obwohl er mit Kompositionsaufträgen und anderen Verpflichtungen nicht wenig zu tun hatte, wurde er 1959 auch noch Mitherausgeber der „Neuen Zeitschrift für Musik“. Außerdem wurde er vier Jahre später von der North Carolina Music Society eingeladen, dort die Position eines Honorary Director einzunehmen, jedoch konnte er diese Ehre nicht mehr annehmen, da er am 5. Dezember 1963 den Folgen einer Krebserkrankung erlag.

Soviel also erst einmal zum Leben und Werk des Komponisten Hartmann.

2.2. Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Johann Jakob Christoffel Grimmelshausen wurde um 1621 im hessischen Gelnhausen geboren. Genaueres lässt sich aufgrund der schlechten Quellenlage leider nicht sagen. Nach dem Tod des Vaters 1626 heiratete die Mutter ein Jahr später einen Barbier, mit dem sie nach Frankfurt zog. Der junge Grimmelshausen blieb unterdessen beim Großvater in Gelnhausen und besuchte die dortige Lateinschule. 1634 griff der Krieg auch auf Gelnhausen über und die Stadt fiel den kaiserlichen Truppen (oder waren es die Schweden?) anheim und die Bevölkerung floh aus der Stadt, so auch Grimmelshausen. Dadurch fand seine Schulbildung erst mal ein jähes Ende. Durch die Kriegswirren, in die der junge Grimmelshausen hineingeriet, verlieren sich die Spuren und eindeutige Quellen fehlen wieder einmal. Aber da ein enger Zusammenhang zwischen Grimmelshausen und seiner Romanfigur Simplicius Simplicissimus angenommen wird, ist anzunehmen, dass er durch einen Trupp kroatischer Soldaten ins Stift Hersfeld verschleppt, anschließend von hessischen Soldaten gefangen genommen wurde und schließlich an der Belagerung von Magdeburg (Mai 1636) und der Schlacht bei Wittstock (4. Oktober 1636) teilnahm – diesmal auf kaiserlicher Seite. 1638/39 endet dieses Verwirrspiel von fiktivem und wirklichem Lebenslauf, als Grimmelshausen Garnisonssoldat bei Hans Reinhard von Schauenburg wurde, der die Besatzung der Reichsstadt Offenburg befehligte. Und da Grimmelshausen lesen und schreiben konnte, kam er in die Regimentskanzlei, wo er vom Regimentssekretär Johannes Witsch seine erste geistige Bildung erhielt. Grimmelshausen wurde sogar selbst Regimentssekretär und nannte sich seitdem „von Grimmelshausen“. Ein Jahr später heiratete der inzwischen zum Katholizismus übergetretene Grimmelshausen, was für ihn einen gesellschaftlichen Aufstieg bedeutete: „vom unruhigen Soldatenleben in die Sesshaftigkeit eines bürgerlichen Standes“.[1] Noch im selben Jahr siedelte er sich in Gaisbach an, wo er bis 1660 die Stelle eines Schaffners[2] antrat. Nach Beendigung seines Dienstverhältnisses bei den von Schauenburgs bekleidete er erneut eine Schaffnerstelle auf der Ullenburg bei Dr. Johannes Küeffer, einem bekannten Straßburger Arzt mit Verbindungen zu den dortigen literarischen Kreisen. 1665 gab er auch diese Stelle wieder auf – die Gründe hierfür sind allerdings nicht bekannt. 1667 erhielt Grimmelshausen den Posten eines Schultheiß’ in Renchen, mit dem es ihm endlich gelang, die Existenz seiner vielköpfigen Familie (insgesamt 6 Töchter und 4 Söhne) zu sichern. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tode am 17. August 1676 inne.

Die meisten seiner Werke wurden während seiner Zeit als Schultheiß veröffentlicht. Allerdings ist der Beginn seiner schriftstellerischen Arbeit in die Zeit auf der Ullenburg und auf die darauf folgenden Gaisbacher Jahre zu datieren. Nach der Veröffentlichung des Satirischen Pilgram und des Keuschen Joseph erschienen 1668 die fünf Bücher des Simplicissimus Teutsch und ein Jahr später die Continuatio. Um an den großen Erfolg des Simplicius Simplicissimus anzuknüpfen – zu seinen Lebzeiten erschienen bereits sechs Auflagen! – verfasste er noch eine Menge ähnlicher Schriften: seine so genannten Simplicianischen Schriften. Zu den wichtigsten hiervon gehören Der ewig-währende Kalender, Beernhäuter und Der seltsame Springinsfeld.

Bevor ich nun genauer auf den Simplicius Simplicissimus eingehe, werde ich noch kurz die damaligen gesellschaftlichen und politischen Umstände, sprich den dreißigjährigen Krieg, umreißen.

[...]


[1] vgl. Meid, Volker: Grimmelshausen – Epoche, Werk, Wirkung, S. 79

[2] Schaffner = Vermögensverwalter

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Zeiten sein so wunderlich... - Grimmelshausens Barockroman und seine Rezeption durch Hartmanns Oper
Hochschule
Freie Universität Berlin  (FB Deutsche Philologie)
Veranstaltung
GK-C Grimmelshausen und sein Simplicissimus-Roman
Note
unbenotet
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V28575
ISBN (eBook)
9783638303187
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeiten, Grimmelshausens, Barockroman, Rezeption, Hartmanns, Oper, GK-C, Grimmelshausen, Simplicissimus-Roman
Arbeit zitieren
Vivien Rößler (Autor), 2004, Die Zeiten sein so wunderlich... - Grimmelshausens Barockroman und seine Rezeption durch Hartmanns Oper, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28575

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