In dieser Hausarbeit soll die Artikelrealisierung im Spanischen und Englischen betrachtet und dabei untersucht werden, ob ein eventueller Spracheinfluss des Englischen auf die spanische Sprache der in der Studie von Ionin und Montrul (2010) untersuchten Herkunftsprecher eher mit unvollständigem Erwerb der Muttersprache oder mit Spracherosion der Muttersprache in der Kindheit zu erklären ist. Beide Positionen werden in der Wissenschaft vertreten (vgl. Montrul, 2010) und sind viel diskutiert.
Um eine Tendenz im Zusammenhang mit der Artikelrealisierung zu erhalten, werde ich zunächst den Begriff der Herkunftsprecher sowie die zugehörigen Theorien des unvollständigen Erwerbs und der Spracherosion erläutern. Außerdem biete ich einen kurzen Überblick über den Erwerb der Artikelrealisierung im Spanischen.
Im dritten Kapitel werden der theoretische Hintergrund von definiten und indefiniten Artikeln im Englischen und im Spanischen und die zugrundeliegende Studie von Ionin und Montrul (2010) dargelegt. Dabei werde ich auf Erwartungen vor und Ergebnisse im Laufe der Studie eingehen.
In Kapitel vier kehre ich zurück zur eigentlichen Fragestellung und bewerte die Ergebnisse der Studie. Im Zuge dessen werde ich mich auf weitere Studien beziehen, die verschiedene Standpunkte vertreten und begründen (Pérez-Leroux et al., 2004a; Kupisch, 2011). Dabei soll die Tendenz herausgestellt werden, dass man durchaus annehmen kann, es handle sich bei Herkunftsprechern um den Fall von unvollständigem Erwerb in der Kindheit.
Zum Abschluss dieser Arbeit werden die Ergebnisse zusammengefasst und bewertet, sowie noch offene Fragen angeführt, die man im Rahmen der Thematik weiter betrachten kann und sollte.
Die vorliegende Arbeit kann dabei nur einen kleinen Einblick in diesen Bereich der Sprachwissenschaft geben. An mancher Stelle werden Fragen aufkommen, die nicht näher erläutert werden sollen, sofern sie nicht weiter relevant für die Ergebnisse sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Herkunftsprecher
2.1 Definition
2.2 Unvollständiger Erwerb oder Spracherosion in der Kindheit?
3. Artikelrealisierung
3.1 Erwerb der Artikelrealisierung im Spanischen
3.2 Theoretischer Hintergrund
3.2.1 Artikelrealisierung im Englischen
3.2.2 Artikelrealisierung im Spanischen
3.3 Die Studie (Montrul/ Ionin 2010)
3.3.1 Erwartungen
3.3.2 Ergebnisse
3.3.3 Fazit der Studie
4. Zur Ursache der abweichenden Artikelrealisierung bei Herkunftsprechern
4.1 Studie zur Artikelrealisierung mit Kindern: Pérez-Leroux et al. (2004a)
4.2 Weitere Studie zur Artikelrealisierung von Herkunftsprechern: Kupisch (2011)
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die beobachteten Abweichungen in der Artikelrealisierung bei spanischen Herkunftsprechern in den USA primär auf einen unvollständigen Erwerb der Muttersprache oder auf Spracherosion in der Kindheit zurückzuführen sind, wobei der Fokus auf dem Einfluss der dominanten L2 Englisch liegt.
- Definition und Klassifizierung von Herkunftsprechern (Heritage Speakers).
- Theoretische Abgrenzung zwischen unvollständigem Spracherwerb und Spracherosion.
- Analyse der Artikelrealisierung im Englischen und Spanischen im Vergleich.
- Auswertung empirischer Studien zur Artikelverwendung (Montrul/Ionin 2010, Pérez-Leroux et al. 2004a, Kupisch 2011).
- Untersuchung des Einflusses von Bilingualität auf grammatische und semantische Strukturen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Artikelrealisierung im Englischen
The, der einzige definite Artikel in der englischen Sprache, ist sowohl im Singular als auch im Plural anwendbar. Hier geht es um die Pluralbedeutung des Artikels. Er wird als spezifisch interpretiert. Generische Ausdrücke dagegen verfügen über keinen Artikel, was man auch als nackten Plural bezeichnet. Vergleichbar ist dieser Bereich auch mit der Artikelrealisierung im Deutschen. Als Beispiele für die englische Sprache lassen sich folgende Sätze anführen:
a. Zebras have stripes.
Dieser Satz hat eine generische Bedeutung, dem Objekt zebra wird allgemeingültig die Eigenschaft zugesprochen, Streifen zu haben. Eine spezifische Lesart gibt es hier nicht, was durch die nackte NP verursacht wird.
b. The zebras have stripes.
Dieser Satz hingegen, der über einen definiten Artikel und somit über eine NP mit definitem Artikel verfügt, lässt nur eine spezifische Lesart zu. Es muss in einem gewissen Kontext um eine bestimmte Gruppe von Zebras gehen.
c. These zebras have stripes.
Im Vergleich zu Satz b. hat auch der Satz mit einem Demonstrativartikel ausschließlich eine spezifische Lesart.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung bezüglich des unvollständigen Erwerbs versus der Spracherosion bei Herkunftsprechern und legt den methodischen Rahmen fest.
2. Herkunftsprecher: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Herkunftsprechers anhand von Montrul (2008) und erläutert die theoretischen Unterschiede zwischen Spracherosion und unvollständigem Erwerb.
3. Artikelrealisierung: Das zentrale Kapitel bietet eine theoretische Grundlage zum Artikelerwerb im Spanischen sowie den Ergebnissen der Studie von Montrul und Ionin (2010).
4. Zur Ursache der abweichenden Artikelrealisierung bei Herkunftsprechern: Hier werden ergänzende Studien (Pérez-Leroux et al. 2004a und Kupisch 2011) diskutiert, um die Fragestellung aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.
5. Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst die Erkenntnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Tendenz eher für einen unvollständigen Erwerb in der Kindheit als für Spracherosion spricht.
Schlüsselwörter
Artikelrealisierung, Herkunftsprecher, Unvollständiger Erwerb, Spracherosion, Spanisch, Englisch, Bilingualität, Erstsprache, L2-Einfluss, Artikelparadigma, Grammatik, Syntax, Semantik, Generische Interpretation, Spezifische Interpretation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung von Herkunftsprechern des Spanischen in den USA und deren Verwendung von definiten und indefiniten Artikeln im Vergleich zum Englischen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der Spracherwerb im Kontext von Bilingualität, die Unterscheidung zwischen Spracherosion und unvollständigem Erwerb sowie die morphosyntaktischen Unterschiede bei Artikeln.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob die festgestellten abweichenden Sprachmuster bei Herkunftsprechern eher auf unvollständigen Erwerb der Muttersprache oder auf eine spätere Spracherosion zurückzuführen sind.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die existierende empirische Studien (wie Acceptability Judgement Tasks und Truth-value Judgement Tasks) analysiert und vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen des Artikelerwerbs, die Studie von Montrul und Ionin (2010) sowie ergänzende Vergleichsstudien von Pérez-Leroux und Kupisch detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Artikelrealisierung, Herkunftsprecher, Bilingualität, Spracherwerb, Spracherosion sowie die Interaktion zwischen spanischer und englischer Grammatik.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Kupisch von der von Montrul?
Während Montrul von einem unvollständigen Erwerb ausgeht, schlägt Kupisch für ihre Befunde die Interpretation einer „abweichenden Grammatik“ vor, die nicht notwendigerweise auf einem unvollständigen Erwerb beruhen muss.
Welche Rolle spielt das Alter beim Spracherwerb in diesem Kontext?
Die Autorin diskutiert das Alter als einen bedeutenden, wenn auch in der Forschung unterschiedlich bewerteten Faktor, der in Verbindung mit der Dominanz der jeweiligen Sprache den Spracherwerbsprozess beeinflusst.
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- Lena Thies (Autor), 2011, Artikelrealisierung im Spanischen und Englischen im Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285787