Topikkonstruktionen im Spanischen: Hanging Topic und Linksdislokation. Eigenschaften und syntaktische Struktur


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Topik-Begriff

3. Linksdislokation und Hanging Topic: Darstellung und Vergleich
3.1 Linksdislokation
3.2 Hanging Topic
3.3 Beide Konstruktionen im Vergleich

4. Die Topikkonstruktionen des Spanischen in der Literatur

5. Abschließende Bemerkungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei der Untersuchung von Sätzen und ihrem Informationsgehalt ist insbesondere die Wortstellung zu betrachten. In dieser Hausarbeit werde ich auf den Begriff des Topiks im Spanischen eingehen, genauer: die beiden Realisierungen von Topik im Spanischen nach Zubizarreta (1999) – nämlich Linksdislokation und Hanging Topic – darstellen, vergleichen und sie im Hinblick auf ihr Vorkommen und ihre syntaktische Struktur untersuchen. Dabei soll sich herausstellen, dass eine Unterscheidung der beiden Topikarten durchaus sinnvoll ist. Als Grundlage dieser Untersuchung dient der Aufsatz von Zubizarreta (1999).

Zu Beginn wird der Topikbegriff[1] definiert. Da in der Literatur unterschiedliche Definitionen zu finden sind, muss angeführt werden, welche der vorhandenen Definitionen hier zugrunde liegt. Nach einer jeweiligen Darstellung von Linksdislokation und Hanging Topic in Kapitel 3 werden diese beiden Konstruktionen miteinander verglichen, wobei ich Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausstelle. Ein Hauptaugenmerk soll dabei auf den verschiedenen Möglichkeiten des Vorkommens sowie auf der syntaktischen Struktur liegen. Auf den Aspekt der syntaktischen Struktur gehe ich dabei nur kurz ein, da eine ausführlichere Analyse den Rahmen dieser Arbeit übersteigen würde.

Im vierten Kapitel werde ich anhand einiger ausgewählter Beispiele aus der Fachliteratur aufzeigen, dass nicht alle Linguisten die gleiche Unterscheidung treffen wie Zubizarreta, sondern eine abweichende Darstellung haben können und andere Differenzierungen bezüglich Topik – insbesondere bezogen auf das Spanische – treffen.

Zum Abschluss werden die Ergebnisse zusammengefasst und bewertet sowie noch offene Fragen angeführt, die man im Rahmen der Thematik weiter betrachten kann und sollte. Die vorliegende Arbeit kann dabei nur einen kleinen Einblick in diesen Bereich der Sprachwissenschaft geben. An manchen Stellen werden Fragen aufkommen, die nicht näher erläutert werden, sofern sie nicht relevant für die Ergebnisse sind.

2. Der Topik-Begriff

Bevor ich auf die zwei zuvor genannten Phänomene innerhalb der Thematik von Topik eingehe, ist es zunächst wichtig, den Topikbegriff zu definieren, da dies innerhalb der Literatur häufig unterschiedlich getan wird und zu Missverständnissen führen kann. Hierbei orientiere ich mich an der Definition Zubizarretas (1999): “Se entiende por tema aquello de lo cual trata la oración[.]“ Thema bzw. Topik ist demnach das, worum es in einem Satz geht, was zudem auch die am häufigsten verwendete Definition dieses Begriffes in der Literatur ist. Dass es nicht immer eindeutig ist, welches Satzelement das Topik ist, oder dass es auch mehr als nur ein Topik geben kann, soll hier nicht weiter untersucht werden (siehe hierzu Sgall (1974); Casielles (2000) u.a.).

Bei der Betrachtung von Topik sind die Begriffe alte Information und neue Information sehr zentral. Dabei bezieht man sich auf den Informationsstand von Sprecher und Hörer, d.h. welche Informationen ihnen bekannt bzw. (noch) nicht bekannt sind (vgl. Zagona (2002: 212)). Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass das Topik gleichzeitig eine alte bzw. bereits im Diskurs bekannte Information ist. Zubizarreta (1999) gibt in ihrem Aufsatz zwar auch einige Gegenbeispiele an, doch kann man diese Annahme als grundlegend betrachten, was auch Zagona (2002) in ihrem Aufsatz unterstreicht. Eine genauere Definition, die diesen Aspekt einschließt, gibt Pinuer (2000: 156), indem er sagt, Topik sei eine “[…] información ya establecida en el contexto verbal, presente en el contexto empírico, o prosupuesta por hablante y oyente en virtud de los sobreentendidos de la conversación.“ Topik ist eine bereits im verbalen Kontext dem Sprecher und Hörer bekannte Information.

Weiterhin unterscheidet Zubizarreta (1999) zwischen Satzthema und Diskursthema. Das Satzthema ist ein Ausdruck innerhalb eines Satzes, das Subjekt des Kommentars. Der Kommentar ist “[…] lo que se dice sobre el tema“ (ebd.: 4218). Das Diskursthema kann sich über die Satzgrenze hinaus bewegen und betrifft einen ganzen Diskurs (vgl. ebd.). In dieser Arbeit geht es um das Satzthema, insbesondere darum, wie es im Spanischen verwirklicht wird.

Meist ist das Subjekt eines Satzes auch das Thema, was Prince (1992) in einer Untersuchung herausstellte und auch Pinuer (2000: 156) angibt. Auch Zubizarreta (1994) führt diesen Aspekt an. Dass dabei zwischen syntaktischem und semantischem Subjekt unterschieden werden muss, ist ein weiterer Punkt, auf den ich hier nicht weiter eingehen werde.[2]

Bei der Betrachtung von Sätzen kann man feststellen, dass in unmarkierten Sätzen die Betonung im Spanischen grundsätzlich auf den rechten Satzrand fällt (vgl. ebd.: 101):

(1) Pablo llama a José.

Soll das Element jedoch zum Satztopik werden, wird es topikalisiert und steht dann an präverbaler Stelle:

(2) En cuanto a José, Pablo lo llama.

“José“ wird zum Topik und im Matrixsatz durch das Klitikon “lo“ erneut aufgegriffen.[3]

Laut Zubizarreta (1994: 122) ist das Subjekt im Spanischen das Topik eines Satzes dann, wenn es in präverbaler Position steht. Um zwei Möglichkeiten dieser Topikalisierung geht es in den folgenden Kapiteln.

3. Linksdislokation und Hanging Topic: Darstellung und Vergleich

Zubizarreta (1999) unterscheidet zwischen zwei Möglichkeiten, das Satztopik im Spanischen in der linken Peripherie zu verwirklichen: Linksdislokation und Hanging Topic. Bei diesen beiden Topikkonstruktionen geht es darum, dass ein Element des Satzes an den linken Satzrand verschoben und dieses dadurch zum Topik wird. Meist ist es durch ein Komma bzw. durch eine Pause nach der Nennung des Topiks und einer entsprechend angepassten Intonation vom Matrixsatz abgetrennt (vgl. Contreras 1978: 100).

Diese beiden Konstruktionen unterscheiden sich in einigen Punkten, auch wenn sie auf den ersten Blick ähnlich aussehen. Sucht man in der Literatur nach den beiden Konstruktionen und ihrer Unterscheidung, stößt man häufig nur auf die Linksdislokation und eventuelle Variationen. Das Hanging Topic wird nur von wenigen Linguisten im Hinblick auf das Spanische angeführt, meistens jedoch außer Acht gelassen (vgl. hierzu z.B. Casielles, 2000; Braunmüller, 1975).

An dieser Stelle gehe ich auf Linksdislokation und Hanging Topic ein und stelle sie einzeln anhand von Beispielen vor. Dabei soll es vor allem um die jeweiligen Eigenschaften, das Vorkommen und die syntaktische Struktur der beiden Konstruktionen gehen. Die syntaktische Struktur wird im Zuge der Darstellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Linksdislokation und Hanging Topic in Kapitel 3.3 angeführt, da sie für beide Konstruktionen sehr ähnlich ist.

3.1 Linksdislokation

Die Linksdislokation im Spanischen ist die in der[4] Literatur am häufigsten genannte Topikkonstruktion. Dabei wird ein Element, das laut Zagona (2002: 220) eine Nominalphrase sein muss, an die linke Satzperipherie verschoben. Das Topik steht an der linken peripheren Position des Matrixsatzes oder aber an der des Nebensatzes.

Hauptsatz:

(3) A mis hermanos, los invité al cine.

Das Topik “mis hermanos” steht am linken Satzrand und wird durch das Klitikon “los“ erneut aufgegriffen.

Nebensatz:

(4) Está seguro de que a mis hermanos, los invité al cine.

In diesem Beispiel steht das Topik in einer eingebetteten Position und befindet sich nicht am linken Satzrand des Matrixsatzes, sondern an der peripheren Position des Nebensatzes. “Los“ greift das Topik erneut auf.

Die Konstruktion der Linksdislokation weist eine starke grammatische Abhängigkeit zwischen dem Topik und der Position innerhalb des Satzes auf, was sich dadurch äußert, dass die vom Verb des Nebensatzes vorgegebene Präposition immer vor dem Thema stehen muss. Ein Beispiel ist:

(5) Estoy segura de que de María, Pedro siempre habla bien.

Die Präposition “de” steht vor dem Topik “María“ und wird vom Verb “hablar“ vorgegeben, da das Verb in diesem Kontext “hablar de“ ist:

(6) Pedro habla de María.

Um María zu topikalisieren, wird das Objekt in die linke Satzperipherie verschoben, so wie man es in Beispiel (5) sehen kann.

Die Linksdislokation kann zwar in verschiedenen Teilen eines Satzes stehen, hat jedoch auch einige Einschränkungen. Das Topik des Satzes kann nicht mit einem Epiteton realisiert werden:

(7) *Parece que, tío Juan, toda la familia piensa que esa idiota no tiene dinero.

[...]


[1] Innerhalb der Hausarbeit werden die Begriffe Thema und Topik äquivalent gebraucht.

[2] Dass das Thema eines Satzes nicht immer das Subjekt ist, werde ich in Kapitel 3.1 näher erläutern.

[3] Diese Bewegung wird in Kapitel 3.2 noch einmal angeführt.

[4] Die Darstellung erfolgt auf Grundlage von Zubizarreta (1999). Auch die Beispiele sind an diejenigen in Zubizarretas Text angelehnt, jedoch von mir teilweise neu formuliert und abgewandelt.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Topikkonstruktionen im Spanischen: Hanging Topic und Linksdislokation. Eigenschaften und syntaktische Struktur
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Romanische Sprachen und Literaturen)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V285789
ISBN (eBook)
9783656860532
ISBN (Buch)
9783656860549
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Topik, Topikkonstruktionen im Spanischen, Hanging Topic, Linksdislokation
Arbeit zitieren
Lena Thies (Autor), 2013, Topikkonstruktionen im Spanischen: Hanging Topic und Linksdislokation. Eigenschaften und syntaktische Struktur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285789

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