Im Seminar „Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft“ steht als abschließende Aufgabe, eine formale Textanalyse an einem Gedicht durchzuführen. Im Rahmen dieser Hausarbeit habe ich Bertolt Brechts „Terzinen über die Liebe“ (1928) untersucht. Dabei beziehe ich mich auf Dieter Burdorfs „Einführung in die Gedichtanalyse“ , auf Wolfram Groddecks „Reden über Rhetorik“, sowie auf die „Einführung in die Erzähltheorie“ von Matias Martinez und Michael Scheffel.
Ich habe mich in dieser Hausarbeit auf einen bestimmten Aspekt des Gedichts bezogen, nämlich, inwiefern die Vermittlung von Einheit und anschließendem Zerfall inhaltlich und formal dargestellt ist. Auf diesen Aspekt werde ich in der folgenden Arbeit an verschiedenen Stellen immer wieder eingehen.
In der Analyse des Gedichts untersuche ich zunächst im zweiten Kapitel den Aufbau des Textes und im Anschluss daran die Aussageinstanzen. Im vierten Kapitel werden Vers- und Satzstruktur des Gedichts, darauf im fünften Kapitel Metrum, Reimschema und Kadenzen thematisiert. Das sechste Kapitel beschäftigt sich mit Lautstruktur und Klangfiguren und das siebte Kapitel fokussiert zum Abschluss der Analyse die rhetorischen Mittel der Wiederholungen und Tropen. In der Schlussbemerkung fasse ich das zuvor Erarbeitete zusammen und ziehe ein Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufbau des Textes
3. Kommunikationssituation – Aussageinstanzen
4. Vers- und Satzstruktur
5. Metrum, Reimschema und Kadenzen
6. Lautstruktur – Klangfiguren
7. Rhetorische Techniken
7.1 Wiederholungsfiguren
7.2 Tropen
8. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gedicht „Terzinen über die Liebe“ von Bertolt Brecht unter dem Fokus, wie die Vermittlung von Einheit und deren anschließender Zerfall inhaltlich und formal dargestellt wird.
- Analyse der formalen Aufbau- und Strophenstruktur
- Untersuchung der Kommunikationssituation und Erzählinstanzen
- Metrische und lautliche Textanalyse
- Anwendung rhetorischer Mittel und tropischer Verfahren
Auszug aus dem Buch
3. Kommunikationssituation - Aussageninstanzen
In dem Gedicht spiegelt dessen Aufbau die Kommunikationssituation im Text wieder. Die Einteilung in drei Abschnitte ist im Hinblick auf diesen Aspekt naheliegend. Bereits das erste Wort „Sieh“ (V. 1) gibt an, dass die sprechende Instanz jemanden anspricht, nämlich den Leser, der auf diese Weise in das Geschehen mit einbezogen wird. Das artikulierte Ich beschreibt den Flug der Kraniche am Himmel so, als würde es mit dem Leser gemeinsam zum Himmel hinaufschauen. Der homodiegetische Erzähler agiert als unbeteiligter Beobachter. Die Kraniche scheinen dabei weit entfernt zu sein, denn es geht ab Vers 1 um „jene Kraniche“ die in „großem Bogen“ dahinfliegen. Der große Bogen deutet nicht nur auf den Flugweg der Vögel, sondern auch auf die Entfernung zum sprechenden Ich hin. Diese Situation dauert bis einschließlich Vers 19 an.
Der Tempuswechsel von Präsens zu Präteritum in Vers 3 („Zogen mit ihnen schon, als sie entflogen“) lässt darauf schließen, dass das sprechende Ich eine auktoriale Erzählerposition einnimmt, denn es wird deutlich, dass es bereits über Vorwissen zu der Situation verfügt. Der Leser wird in eine Position gerückt, in der er sich selbst ein Bild der Kraniche am Himmel erschafft. Der gleichmäßige Rhythmus der Terzinen vermittelt ein Gefühl des Dahinschwebens. Die Verwendung des Konjunktivs (V. 7/ 8: „Daß also keines länger hier verweile/ Daß so der Kranich mit der Wolke teile“; V. 14: „Wenn sie nur nicht vergehen und sich bleiben“) steht in enger Verbindung mit dem Ausdruck „scheinen“ (V. 6), denn auch dies deutet darauf hin, dass das sprechende Ich einen gewissen Abstand zur Situation hat. Dies wirkt entsprechend auf den Leser, der darauf angewiesen ist, seine Phantasie zu wecken, eine Illusion zu erschaffen und den Zeilen selbst einen Sinn zu geben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert das Ziel der formalen Gedichtanalyse und stellt die theoretische Basis sowie die methodische Herangehensweise an Brechts Gedicht dar.
2. Aufbau des Textes: Dieses Kapitel analysiert die äußere Form, insbesondere die Verwendung von Terzinen sowie den inhaltlichen Kontrast der letzten Verse zum Rest des Gedichts.
3. Kommunikationssituation – Aussageinstanzen: Es wird untersucht, wie das sprechende Ich den Leser in das Geschehen einbindet und wie sich die Kommunikationssituation durch den Wechsel in den Dialog verändert.
4. Vers- und Satzstruktur: Die Analyse konzentriert sich hier auf die hypotaktische Struktur, die Verwendung von Enjambements und wie diese die Einheitlichkeit des ersten Teils stützen.
5. Metrum, Reimschema und Kadenzen: Dieses Kapitel betrachtet das Versmaß und das Reimschema, wobei der Übergang von geordneten Terzinen hin zur Auflösung thematisiert wird.
6. Lautstruktur – Klangfiguren: Es erfolgt eine Untersuchung der Assonanzen, Alliterationen und Vokalhäufigkeiten, die den harmonischen Klang und die Stimmung des Gedichts prägen.
7. Rhetorische Techniken: Dieser Abschnitt beleuchtet wiederkehrende sprachliche Figuren sowie allegorische und metaphorische Elemente, die das Gedicht symbolisch aufladen.
8. Schlussbemerkung: Das Fazit fasst zusammen, wie Brecht durch rhetorische Mittel eine Illusion aufbaut, um diese schließlich formal und inhaltlich zu zerstören.
Schlüsselwörter
Bertolt Brecht, Terzinen über die Liebe, Lyrikanalyse, Metrum, Reimschema, Kommunikationssituation, Enjambement, Rhetorik, Alliteration, Assonanz, Desillusionierung, Kraniche, Gedichtanalyse, Literaturwissenschaft, Versstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte textanalytische Untersuchung von Bertolt Brechts Gedicht „Terzinen über die Liebe“ mit dem Fokus auf die strukturelle und inhaltliche Einheit und deren Zerfall.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Analyse umfasst die formale Strophenstruktur, die Kommunikationsinstanzen, die metrische Gestaltung, die rhetorischen Mittel und die lautliche Beschaffenheit des Textes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Brecht durch sprachliche und formale Mittel zunächst eine Stimmung der Einheit erzeugt, die im weiteren Verlauf des Gedichts gezielt desillusioniert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine formale Textanalyse nach literaturwissenschaftlichen Kriterien durchgeführt, unter Einbeziehung von Fachliteratur zur Gedichtanalyse, Rhetorik und Erzähltheorie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung von Aufbau, Kommunikationssituation, Satzbau, Metrum, Lautstruktur sowie rhetorischen Techniken wie Wiederholungen und Tropen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben dem Autor Bertolt Brecht insbesondere Begriffe wie Terzinen, Desillusionierung, Metrum, Allegorie, Erzählinstanz und Sprachstruktur.
Wie unterscheidet sich der zweite Teil des Gedichts laut der Analyse formal vom Rest?
Während die ersten 19 Verse in Terzinenform gehalten sind, zeichnet sich der letzte Abschnitt durch gespaltene Verse und einen Dialogcharakter aus, der den Bruch mit der vorherigen Einheit markiert.
Welche Bedeutung kommt dem Wort „Halt“ am Ende des Gedichts zu?
Die Analyse deutet das Wort „Halt“ als ambivalentes Ende, das einerseits das Ende des Gedichts signalisiert (im Sinne von „Stopp“), aber auch die inhaltliche Thematisierung der baldigen Trennung des Liebespaares unterstreicht.
- Citation du texte
- Lena Thies (Auteur), 2010, Text- und Gedichtanalyse zu Bertolt Brechts „Terzinen über die Liebe“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285797