Strategisches Verhalten von Unternehmen

Ausgewählte theoretische Aspekte


Bachelorarbeit, 2013

56 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Evolutorisch-Institutionalistische Ökonomie und strategisches Verhalten
2.1 Thorstein Bunde Veblens Verständnis für den Kapitalismus
2.2 John Rogers Commons Vorstellung zur Ökonomie
2.3 John Kenneth Galbraiths Sichtweise zum strategischen Verhalten von Unternehmen
2.4 Überblick der Kernkonzepte der Evolutorisch-Institutionalistischen Ökonomie
2.5 Die Institutionen des modernen Kapitalismus
2.5.1 Die Rolle des Marktes
2.5.2 Die moderne Unternehmung
2.6 Die Vorherrschaft der modernen Unternehmung
2.7 Vergleich der Theorien und Schlussfolgerungen

3. Strategisches Verhalten in der Managementlehre
3.1 Resource-Based View und strategisches Verhalten
3.2 Competence-Based View und strategisches Verhalten
3.3 Knowledge-Sharing in Unternehmen
3.4 Vergleich der Theorien und Schlussfolgerungen

4. Vergleich der Theorien

5. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellungsverzeichnis

Dar. 1: Vom friedlichen Miteinander zum modernen Kapitalismus

Dar. 2: Integration of Commons Going Concern and Transactions and Veblenian Elements of Business Enterprise

Dar. 3: Symbole und Bedeutungen zum Modell „make versus buy“

Dar. 4: Organisationsstruktur

Dar. 5: Gemeinsamkeiten zwischen Veblen, Commons und Galbraith

Dar. 6: Gemeinsamkeiten zwischen dem RBV und dem CBV

1. Einleitung

Das Anliegen dieser Bachelorarbeit ist die Darstellung einiger ausgewählter Theorien, die das Verhalten von Unternehmen erklären. Das strategische Verhalten soll anhand unterschiedlicher Theoriegebäude erläutert und verglichen werden.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in fünf Teile. Im ersten folgenden Hauptteil bzw. im zweiten Punkt der Gliederung findet eine Beschreibung und Würdigung einer in der deutschsprachigen ökonomischen Fachliteratur bisher relativ wenig beachteten Richtung des amerikanischen Wirtschaftsdenkens statt. Innerhalb dieses Punktes sollen einige herausragende Vertreter der ersten Generation, aber auch der zweiten und bis in die Gegenwart lebende Generation von Institutionalisten und ihre Theorien zum Verhalten großer Konzerne im Kapitalismus genauer beleuchtet werden. Es soll somit eine positive Wirtschaftslehre erfolgen, indem bestimmte Themen des Institutionalismus beispielsweise in Bezug auf Macht, Recht oder Werte untersucht werden. Um trotz der notwendigen Beschränkung auf die wesentlichen Gesichtspunkte der unterschiedlichen Theorien doch ein möglichst umfassendes Bild des Institutionalismus zu erhalten, wird die nachfolgende Ausarbeitung in diesem Teil einige einheitliche Grundzüge der theoretischen Anschauungen der „institutional economics“ beinhalten. Anschließend wird dann der Frage nachgegangen, inwiefern die positiven Theorien des Institutionalismus Gemeinsamkeiten aufweisen.

Im anschließenden dritten Teil wird das strategische Verhalten im Unternehmen selber beschrieben und analysiert. Hier werden einige ausgewählte Theorien des strategischen Managements erläutert. Im Wesentlichen geht es um die alternative Erklärung von Wettbewerbsvorteilen von Unternehmen und außerdem soll der Austausch von Informationen in einer Organisation examiniert werden. Diese Unternehmen werden nun also nicht durch die Brille eines Institutionalisten, sondern u.a. aus betriebswirtschaftlicher Sicht untersucht und im Anschluss anhand von Gemeinsamkeiten verglichen.

Nachdem beide Aspekte der Wirtschaftswissenschaft untersucht wurden, sollen diese beiden Theoriegebäude miteinander verglichen werden. Der letzte Teil enthält die Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse und einen Ausblick.

2. Evolutorisch-Institutionalistische Ökonomie und strategisches Verhalten

Im Folgenden geht es um die Darstellung der Erkenntnisse einiger bekannter Institutionalisten sowie die Bedeutung der evolutorisch-institutionalistischen Ökonomie als Wirtschaftslehre bezüglich der Entwicklung des kapitalistischen Wirtschaftssystems und das daraus resultierende Verhalten von Unternehmen.[1]

Die Vertreter der Gründungsphase des Institutionalismus sind u.a. Thorstein Bunde Veblen (1857-1929) und John Rogers Commons (1862-1945). Weitere Autoren der evolutorisch-institutionalistischen Ökonomie sind: Adolf Augustus Berle (1895-1971), Gardiner Coit Means (1896-1988), John Kenneth Galbraith (1908-2006) sowie der noch in der Gegenwart aktive Institutionalist William Dugger.[2] Diese hier genannten Ökonomen bzw. ihre herausragenden Werke sollen nun im weiteren Verlauf, wie bereits erwähnt, in Bezug auf strategisches Verhalten von Unternehmen genauer untersucht werden. Bei Veblen und Commons sollen nicht nur die Strategien erläutert werden, sondern auch die Umstände, die das strategische Verhalten erst ermöglicht haben. Im letzten Punkt dieses Kapitels werden die zuvor dargestellten Theorien auf Gemeinsamkeiten untersucht, um letztlich eine kompakte Zusammenfassung erstellen zu können.

2.1 Thorstein Bunde Veblens Verständnis für den Kapitalismus

Thorstein Bunde Veblen gilt als der Begründer und bedeutendste Vertreter des Institutionalismus. Als Sohn norwegischer Einwanderer wuchs er in einer Ansiedlung im Mittelwesten der Vereinigten Staaten auf und kam aufgrund dessen, dass er in der Tradition seiner Eltern erzogen wurde, relativ spät mit der amerikanischen Denkweise in Kontakt (vgl. Delius 1957, S. 9). Dennoch blieb Veblen Zeit seines Lebens ein Fremder, was ein entscheidender Faktor für seine Kapitalismus- und Gesellschaftskritik ist (vgl. Reuter 1996, S. 133).

Im Kern geht es bei Veblens Theorien um eine evolutorisch-institutionalistisch geprägte Konzeption gesellschaftlicher und ökonomsicher Prozesse. Die Grundrisse dieser Konzeption sind fundamental wichtig für das Verständnis der Theorien von Thorstein Veblen. Dies gilt v.a. für seine Kapitaltheorie und das an dieser Stelle zu beschreibende Verhalten von Unternehmen. Diese Grundrisse können hier nur in skizzenhafter Form dargestellt werden, da es in diesem Abschnitt im Wesentlichen um die Unternehmen gehen soll.

Veblen kritisiert die grundlegenden Prämissen der klassischen und neoklassischen Ökonomie, die realitätsferne Annahmen definieren. Ihn interessiert die Frage, warum sich Menschen so verhalten, wie sie es in der „real world“ tun. In diesem Zusammenhang nutzt Veblen u.a. holistische und evolutionäre Methoden. Letzteres bezieht sich auf Darwins Theorie zur ständigen Entwicklung der Arten und so entwickelt sich auch eine Kultur immer weiter bzw. die Entwicklung hängt von dem ab, was zuvor dagewesen ist. Das Attribut holistisch macht deutlich, dass man Individuen nicht einzeln betrachten kann und weist zudem darauf hin, dass die Grenzen der Ökonomie nicht genau zu bestimmen sind (vgl. Reuter 1994, S. 105-107).

Veblen unterteilt die Entwicklung der Kultur in zwei Hauptphasen – „Phase des ursprünglichen friedlichen Lebens“ sowie „barbarisches Zeitalter“ –, wobei sich letzteres nach Veblen in die „räuberisch-kriegerische Epoche“ und in die „scheinbar-friedliche Epoche“, also letztendlich der moderne Kapitalismus, weiter unterteilen lässt (vgl. Reuter 1994, S. 159f.). Wichtig hierbei sind nicht die einzelnen Phasen, sondern der Übergang zum Kapitalismus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dar. 1: Vom friedlichen Miteinander zum modernen Kapitalismus

Anmerkung: Wenn auch im Rahmen dieser Darstellung auf eingehende Phasen von Veblen verzichtet werden muss, soll doch versucht werden, die wesentlichen Merkmale herauszustellen.

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Reuter 1996, S.140.

In der „Phase des ursprünglichen friedlichen Lebens“ lebten die Menschen in kleinen und gelegentlich auch sesshaften Gruppierungen zusammen. Privateigentum gab es noch nicht und der Wettbewerb war nur schwach ausgebildet. Diese friedliche Phase wurde durch das „barbarische Zeitalter“ und der sich daraus entwickelnde Kapitalismus abgelöst. Hier kam es zur Entstehung des Privateigentums und auch zum Wettbewerb aller Gesellschaftsmitglieder. In dieser Phase arbeiteten die Menschen sehr produktiv, wodurch ein „Surplus“ entstanden ist. Dieses „Surplus“ kam einem Teil der Gesellschaft zu Gute, so dass diese sich der produktiven Arbeit entziehen konnten. Da Veblen den modernen Kapitalismus in das „barbarische Zeitalter“ einordnet, wird an dieser Stelle deutlich, dass es auch in diesem Stadium analog zur „räuberisch-kriegerischen Epoche“ Konflikte gibt, die sich nun in spitzfindiger Art äußern als wie zuvor durch den offenen Kampf (vgl. Reuter 1994, S. 159f.). In diesem Zusammenhang wird die evolutionäre Sichtweise Veblens deutlich: „Jede kulturelle Situation [der moderne Kapitalismus] ist ursächlich durch die vorhergehende bedingt und damit auch letztlich mit der gesamten Vergangenheit belastet“ (ebd., S. 160).

Im modernen Kapitalismus stehen sich zwei gegensätzliche Klassen gegenüber. Zum einen diejenigen, deren primäres Ziel es ist, ihre Profite zu vergrößern, die Veblen dem unproduktiven „business“ zurechnet und zum anderen die übrigen, die sich mit der Produktion von Gütern und Dienstleistungen beschäftigen, welche für die Gesellschaft einen unmittelbaren sozialen Nutzen haben. Diese Klasse wird nach Veblen der produktiven „industry“ zugerechnet.[3] Durch das Ansammeln von finanziellen Mitteln erhält die „business class“ immer mehr Macht, und sie kann nun die Politik und Wirtschaft so beeinflussen, dass Entscheidungen zu ihren Gunsten, also im Sinne von höheren Gewinnen, getroffen werden. Dieses Verhalten hat zur Folge, dass in erster Linie das produziert wird, was den höchsten Gewinn verspricht, jedoch auf Kosten der einfachen Bevölkerung. Das Prinzip der maximalen Gewinnerzielung führt zu einem immer intensiveren Wettbewerb, was wiederrum zur Folge hat, dass sich die wirtschaftliche Macht immer stärker konzentriert.[4] Die kleinen und mittleren Betriebe können diesem Wettbewerb nicht mehr standhalten und müssen aufgeben (vgl. Reuter 1994, S. 161).[5]

In der Ära, in der Veblen schrieb, waren somit die dominanten Institutionen der Eigentum, die Unternehmung (vgl. Dar. 1) sowie „an habitual and conventionally righteous disregard of other than pecuniary considerations“ (Veblen 1914, S. 347). Auf letzteres soll im nächsten Absatz genauer eingegangen werden.

Bevor explizit die Strategien von Unternehmen aus Sicht Veblens im Kontext des amerikanischen Kapitalismus dargestellt werden, ist es wichtig, noch einen Sachverhalt genauer zu erörtern: „degrees of separation“ (vgl. Sturgeon 2010, S. 21-25).

„The first degree of separation“ ist, so Veblen, die „Anspannung“ zwischen der Produktion von Gütern, die einen sozialen Nutzen stiften und dem Profitstreben von Individuen (vgl. ebd., S. 21). In diesem Stadium ist der „instinct of workmanship“ (Veblen 1898, S. 160) noch dominant. Nach Veblen bedeutet „instinct of workmanship“[6], dass Menschen eine grundsätzliche positive Einstellung zu der Arbeit haben und darin etwas Sinnbehaftetes sehen (vgl. ebd.). Ferner werden hier schon erste Tendenzen des strategischen Verhaltens einiger Unternehmen beispielsweise in Form von Manipulation der Preise oder geschicktem Marketing erkennbar, jedoch haben die produzierten Güter und Dienstleistungen noch einen Mehrwert im Sinne einer „consumer-serviceability“ (vgl. Sturgeon 2010, S. 22).

„The second degree of separation“ entstand, als Kredite und Darlehen eher dazu genutzt wurden mehr Geld zu kreieren als die „vendibility“ der Güter zu verbessern.[7] In diesem Kontext wurde die Spekulation in „financial capital“ von fundamentaler Bedeutung, um „industrial capital“ zu erzeugen, welches letztendlich wiederum Güter für den Endverbraucher produzieren soll. So kam es dazu, dass sich Manager nur um die Erzeugung und Manipulation von „asset values“ kümmerten.[8] Diese „asset values“ bestehen aus einem „tangible“ und einem „intangible“ Part.[9] Letzteres wird von den Managern mehr und mehr „geschätzt“ (vgl. ebd.), was dazu führt, dass die Manager hauptsächlich im oberflächlichen und scheinbaren Interesse ihrer Aktionäre handeln, indem sie verstärkt in das „financial capital“ spekulieren, um u.a. den Kurs der Aktien steigen zu lassen. Es ist für das Unternehmen wichtiger geworden, Geld zu kreieren, als für die Gesellschaft wichtige Güter bereitzustellen bzw. zu verkaufen. Unternehmer haben das Ziel, das „intangible” Vermögen, beispielsweise in Form des „good will”[10], weches für Veblen keinen sozialen Nutzen verkörpert, zu erhöhen, um Wettbewerbsvorteile zu generieren, die sich darin äußern, dass man die Preise fixieren kann (vgl. Sturgeon 2010, S. 23-25; vgl. Hake 2007, S. 47). So steigen die Aktienpreise, bedingt durch das „intangible” Vermögen mittels Spekulationen basierend auf falschem Vertrauen, Schwindel und dem vorherrschenden Mythus der Finanzen (vgl. Sturgeon 2010, S. 28).[11] Wenn sich Unternehmen dieser Strategie entziehen, sind sie nicht mehr wettbewerbsfähig und scheiden aus (vgl. Hake 2007, S. 51). Mit der Entstehung dieses Verhaltens definiert Veblen den Trend der Divergenz bzw. der „separation“ zwischen „consumers-serviceability“ und der „producers-vendibilty“ wie folgt: „The outcome of this management of industrial affairs through pecuniary transactions, therefore, has been to dissociate the interests of those men who exercise the discretion from the interests of the community” (Veblen 1904, S. 20).

Ferner war auch die Entstehung des „absentee ownership“ am Ende des 19. Jahrhunderts folgenreich (vgl. Hake 2007, S. 33). So hat Veblen folgendes feststellen müssen: „[…] absentee ownership has become the master institution in America civilisation“ (Veblen 1923, S. 119). Die Eigentümer eines Unternehmens, also die Aktionäre bei Kapitalgesellschaften, sind nicht die Manager dieses Unternehmens. Somit sind die Manager, eingestellt durch den Aufsichtsrat, diejenigen, die das Unternehmen lenken und steuern. Das Problem hierbei ist, dass die Eigentümer und die Manager divergierende Interessen haben, und das Interesse der Gesellschaft bleibt nahezu unberücksichtigt. Die Eigentümer möchten ihren langfristigen Profit maximal erweitern, jedoch ist es das Ziel der Manager, die Aktienpreise kurzfristig zu manipulieren und satte Gehälter sowie überhöhte Pensionen auf Kosten der Eigentümer zu erhalten. Die Gesellschaft möchte den größtmöglichen Output für die geringsten Kosten, woran sich die Unternehmen jedoch nicht immer orientieren (vgl. McCormick 2006, S. 98-100).

Nachdem bisher u.a. die Entstehung des Kapitalismus, die damit zusammenhängende „credit economy“ sowie die gegensätzlichen Interessen der „business“ und „industry“ Gruppe beschrieben wurden, sollen nun konkrete Strategien der Unternehmen im Kontext des zuvor erörterten Sachverhalts genannt und anschließend ausführlich dargestellt werden:

a) (indirekte) Beeinflussung des Staates,
b) weltweite Expansion,
c) Monopol- und Oligopolbildung,
d) Produktionsvolumen bewusst drosseln und
e) intensive Werbemaßnahmen (vgl. Reuter 1994, S. 171).[12]

Zu a) (indirekte) Beeinflussung des Staates: Indem Investitionen, wie beispielsweise Rüstungsausgaben, seitens des Staates getätigt werden, können die Gewinne der Unternehmen gesichert werden (vgl. ebd.). Ferner nutzen Unternehmen den Nationalismus, um Gesetze einzuführen, die die inländischen Unternehmen vor der ausländischen Konkurrenz schützen. So ziehen die Unternehmen Vorteile aus dem (gesunden) Nationalstolz der Bevölkerung, um verstärkt kurzfristige Gewinne einzufahren, indem die Regierung beispielsweise Zölle oder Subventionen als Maßnahme des Protektionismus einführen (vgl. McCormick 2006, S. 94f.). So formulierte Veblen diese neugearteten Grenzen wie folgt: „[…] the industrial frontiers are a means of capitalistic sabotage […]“ (Veblen 1934, S. 387).

Zu b) weltweite Expansion: Einheimische Unternehmen („business“) werden über ihre nationalen Grenzen hinweg aktiv mit dem Ziel, neue Märkte zu erschließen, und besonders in nichtindustrialisierten, rohstoffreichen Ländern zu investieren. Auch potenzielle kriegerische Konflikte und die dazugehörige Rüstungsproduktion können den Unternehmern weitere Profite versprechen (vgl. Reuter 1994, S. 174f.). Eine solche Strategie kann breiten Konsens finden, wenn die Bürger der einheimischen Unternehmen, wie zuvor beschrieben, einen gewissen Nationalstolz haben und so schließlich mit „tax and blood“ (McCormick 2006, S. 96) die ausländischen Aktivitäten des „business“ und der Regierung voll unterstützen (vgl. ebd.).

Zu c) Monopol - und Oligopolbildung: Um sich vor dem harten Konkurrenzkampf und vor allgemein wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu schützen, gehen Unternehmen Preisabsprachen ein und bilden Firmenzusammenschlüsse. Die ersten intensiven Monopolbildungen in den USA zwischen 1880 und 1890 nahmen neue Dimensionen an (vgl. Reuter 1994, S. 172f.). Dieser Trend zur Monopolbildung oder auch zu monopolähnlichen Strukturen von Unternehmen wird duch folgenden Satz unterstrichen: „[…] it is very doubtful if there are any successful business ventures within the range of the modern industries from which the monopoly element is wholly absent” (Veblen 1904, S. 32). Diese nur nach profitstrebenden Unternehmer, die Veblen auch als „captains of solvency“ (Veblen 1923, S. 114) bezeichnet, kaufen z.B. mehrere andere Firmen auf, um mehr Marktmacht zu erhalten und um positive Skaleneffekte zu nutzen (vgl. McCormick 2006, S. 97).

Zu d) Produktionsvolumen bewusst drosseln: Das „business“ bzw. der „capitalist-manager“ reagiert auf potenziell sinkende Profite mit einer Drosselung der Produktionskapazität und damit zusammenhängende Lohnkürzungen oder sogar Entlassungen mit dem Ziel, auch einen Profit bei schrumpfender Nachfrage zu halten (vgl. Reuter 1994, S. 172).[13] Dieses Nicht-Ausschöpfen der vollen industriellen Kapazität, was auch zur Folge hat, dass die Gesellschaft nicht das erhält, was sie benötigt (vgl. McCormick 2006, S. 82), nennt Veblen „a conscientious withdrawal of efficiency“ (Veblen 1921, S. 4) und etikettiert es als „sabotage“[14]. Eine volle Kapazitätsauslastung wird nie angestrebt, da sie Preise und somit den Gewinn der Unternehmer drücken würden (vgl. McCormick 2006, S. 83). In diesem Zusammenhang erhält das „intangible“ Vermögen eine wichtige Funktion: „[…] an increasingly important aspect of intangible property is the ability to withhold supply in order to maintain price, an ability which is vested by virtue of ownership, which increasingly has become separated from workmanship“ (Miller 1998, S. 19). So können Unternehmen dieses „intangible property“ (z.B. eine Monopolstellung oder Patente) gezielt nutzen, um ihr Angebot zurückzuhalten mit dem Ergebnis, dass die Preise des Unternehmens stabil bleiben (vgl. ebd.).

Zu e) intensive Werbemaßnahmen: Eine Form des Marketings ist die Werbung. Unternehmen nutzen die Werbung, um die Nachfrage zu stimulieren, um somit letztendlich Gewinne einzufahren. Dieses Verhalten erst einmal in Gang gesetzt, führt dazu, dass alle Unternehmen und Konzerne das Instrument der Werbung verwenden müssen (vgl. Reuter 1994, S. 173), da sonst „a business concern which falls short in advertising fails to get its share of trade“ (Veblen 1904, S. 33).[15] Werbung, als eine Strategie von Unternehmen, kann nicht nur die Nachfrage erhöhen, sondern die passenden Konsumenten für das Unternehmen „kreieren“ (vgl. Reuter 1994, S. 173f.). Des Weiteren können diese gearteten Werbemaßnahmen dazu beitragen, dass der Wert des „intangiblen“ Vermögens, welches, wie zuvor beschrieben, sehr wichtig geworden ist, weiter ansteigt (vgl. Hake 2007, S. 49). Das zuvor beschriebene Instrumentarium (a-e) zeigt die Strategien der „business class“ im Kapitalismus, die nach Veblen das gesamte gesellschaftliche Bild prägen.

Dieses gesellschaftliche Bild bezeichnet Veblen als „New Order“ und weist folgende Eigenschaften auf: Die Kontrolle der großen industriellen Unternehmen liegt in den Händen von den „business managern“, die z.B. den Output begrenzen, Preiswettbewerb vermeiden, sich in verschwenderischen Verkaufsaktivitäten engagieren und bei der Produktion mehr Wert auf „Vendibility“ als auf „Serviceability“ legen (vgl. Leathers/Evans 2012, S. 293).

2.2 John Rogers Commons Vorstellung zur Ökonomie

John Rogers Commons ist nach Veblen der zweitbedeutendste Ökonom des amerikanischen Institutionalimus. Während einige Themen und Kernkonzepte der beiden Autoren deckungsgleich sind, gibt es dennoch unterschiedliche Herangehensweisen (vgl. Chavance 2009, S. 20).

Commons wuchs in Ohio in einem kalvinistisch gearteten Elternhaus auf (vgl. Schellschmidt 1997, S. 288). Sein Leben fiel mit dem Wandel von der Pioniergemeinschaft zur industriellen Gesellschaft zusammen, so dass sich seine Werke als empirischer Sozialforscher mit dieser Veränderung auseinandersetzen (vgl. Delius 1957, S. 88f.). Außerdem ist es wichtig für das Verständnis der Entstehung der Theorien von Commons zu wissen, dass er an zahlreichen Reformbewegungen aktiv beteiligt war (vgl. Reuter 1994, S. 126). Als einer der führenden Mitarbeiter der Industriekommission, eingesetzt durch die Regierung der USA, sollte Common ein Interessensausgleich zwischen Arbeitnehmervertretern und Unternehmen anstreben (vgl. ebd., S. 177f.).[16] In diesem Zusammenhang betont Commons am Anfang seines Werkes „Institutional Economics“ diese aktive Beteiligung wie folgt: „My point of view is based on my participation in collective action, from which I here derive a theory of the part played by collective action in control of individual action” (Commons 1934, S.1).

Commons plädiert für eine Theorie, die das Gesetz, die Wirtschaftswissenschaft und die Ethik miteinander kombiniert. Sein Ansatz besteht aus einer sich stetig entwickelnden instituitonellen Ökonomie, die die Erkenntnisse der „economic school“ der Vergangenheit mit dem theoretischen Konstrukt, basierend auf den institutionellen Innovationen[17] des amerikanischen Kapitalismus, verbindet. So ist es Commens Ziel, die partiellen Einschränkungen der Klassik und der Neoklassik herauszufiltern, um diese Limitierungen in das aktuelle Gedankenkonstrukt des Institutionalismus zu integrieren (vgl. Chavance 2009, S. 21).

In diesem Zusammenhang ist es erforderlich, einen kurzen Überblick über einige Kernkonzepte, die die „real world“ beschreiben, zu erläutern. Commons zufolge ist die Menschheit mit drei fundamentalen Herausforderungen konfrontiert, um die Knappheit der Ressourcen zu überwinden (vgl. Kaufman 2003, S. 72): „resolving conflict, dealing with interdependence, and creating civic order“ (ebd.).[18] Davon ausgehend, dass eine Rivalität über die Verteilung von Eigentumsrechten gegeben ist und dass ferner die Interpretation und Vollstreckung dieser Eigentumsrechte, bedingt durch begrenzte Rationalität, sowie unvollkommene Informationen Probleme verursachen, ist es notwendig, eine souveräne Macht zu etablieren, die Konflikte löst und die gesellschaftliche Ordnung beibehält. Nach Commons agiert diese souveräne Macht mittels „working rules“ (vgl. ebd.). Commons definiert diese working rules, ihre Entstehung sowie möglich Sanktionen bei der Nichteinhaltung dieser Regeln wie folgt: „[…] Every Concern must have its working rules, which are its laws. These spring from authority, custom, habit, initiative, or what not. They are the common law, the statute law, and the equity jurisprudence of the concern. The state, the business concern and the cultural concern are alike in their dependence on these working rules, the difference being mainly in the kinds of sanctions, whether physical, economic, or moral, which they can bring to bear in enforcing the rules” (Commons 1924, S. 332f.). Diese „working rules”[19] sind in dem Sinne „property rights“ als das sie dem Individuum das Recht geben, die Kontrolle über knappe Ressourcen auszuüben, und so kommt Commons zu dem Schluss, dass die Eigentumsrechte („property rights“) und die daraus abgeleitete Institution des Eigentums („ownership“) das fundamentale Konzept der institutionellen Theorie ist (vgl. Kaufman 2003, S. 72f.). So muss auch Commons, analog zu Veblen, folgendes feststellen: „[…] ownership becomes the foundation of institutional economics […]” (Commons 1934, S. 5).

Nicht nur das Eigentum von physischen Gegenständen („corporeal property“), welches Menschen austauschen, sondern auch das Eigentum an Finanzprodukten („incorporeal property“) und an zukünftigen Ertragschancen („intangible property“) sind wichtige Bestandteile der Ökonomie geworden. Diese Betonung auf „ownership“ und „property rights“ führt uns zu der fundamentalen Bedeutung der sog. „transactions“ in der Ökonomie (vgl. Kaufman 2003, S. 74), die anhand eines Schaubildes charakterisiert werden sollen.

In Bezug auf die zuvor dargestellten „degrees of separation“ (vgl. 2.1) soll nun eine Illustration die zentralen Begriffe Commons (u.a. Going Concern, Going Plant, Going Business und die Transactions) genauer erläutern.

Dar. 2: Integration of Commons Going Concern and Transactions and Veblenian Elements of Business Enterprise

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung: Es muss an dieser Stelle darauf verzichtet werden, auf jedes Kästchen der Abbildung detailliert einzugehen. Das Verständnis für das gesamte Modell ist hier wichtig.

Quelle: Sturgeon 2010, S. 24.

Gemäß Dar. 2 herrscht eine Separation zwischen der Konsumption und der Produktion. Das „going concern“[20] -Modell erklärt diese Trennung. In diesem Modell herrscht eine ständige Spannung zwischen „going plant“ und „going business“. Commons Theorie des „going concern“ besteht aus diesen beiden Teilen (vgl. Sturgeon 2010, S. 20).

Der „going plant“ Teil beinhaltet die physikalische Einheit oder auch „production unit“, in dem die Produktion stattfindet. Diese „production unit“ ist das Fundament einer jeden ökonomischen Organisation und ist in jeder Wirtschaft unabhängig von der Wirtschaftsordnung eines Landes vorzufinden (vgl. Kaufmann 2003, S. 82f.). In diesem Sektor ist Veblens „Instinct of Workmanship“, also das Interesse „Dinge zum Laufen zu bekommen“, noch dominant. Die produktive Industrie („industry“), bestehend u.a. aus dem „machine process“ und dem „industrial employments“, erzeugt im Ergebnis Produkte, die für die Gesellschaft als Ganzes sinnvoll sind, wobei erste Tendenzen der Separation in Form von Werbung schon entstehen können (vgl. 2.1).

Der zweite Teil des „going concern“ Modells ist das „going business“. Der „going business“ Teil besteht aus einer Firma, in Besitz von einer oder mehreren Personen mit dem Zweck, Profite zu generieren. Hier nutzt der Manager seine Verhandlungsmacht bzw. –position, um die Inputs der Firma zu sichern und den Output zu steuern. Im Gegensatz zu dem „going plant“ Sektor, ist der „going business“ Sektor nur in kapitalistischen Wirtschaftssystemen vorzufinden (vgl. Kaufmann 2003, S. 83). Die unproduktive Businessgesellschaft („business“), die dem „pecuniary employments“ angehört, verfolgt das Ziel, mittels gezielter Werbung und ähnlichen Strategien lediglich die Produkte zu verkaufen, egal ob sie für die Gesellschaft einen Mehrwert haben oder nicht (vgl. 2.1).

Im „first degree of separation“ klaffen die Interessen der Konsumenten und Produzenten im realen Sektor gerade so weit auseinander, dass zumindest noch ein gewisser Grad an „serviceability“ die Firma rentabel hält.

Wenn dieses Modell auf den Finanzsektor übertragen wird, also der rechte Teil der Dar. 2, erhält man ein ähnliches Bild wie zuvor. Ein fundamentaler Unterschied ist, dass die Finanzinstrumente keinen unmittelbaren Endverbraucher haben. An dieser Stelle sei auf die zuvor beschriebene Entstehung der „credit economy“ verwiesen (vgl. 2.1).

Nach Commons ist diese aktive Organisation („going concern“) in Verbindung mit den zuvor beschriebenen „working rules“ das Charakteristikum des fortgeschrittenen Kapitalismus (vgl. Chavance 2009, S. 23).

In der Dar. 2, zwischen den „Product Sector Firms“ und den „Financial Sector Firms“, befinden sich die drei Transaktionshaupttypen, die nach Commons für die Theoriebildung der Ökonomie fundamental wichtig sind und die wie folgt definiert werden können:

1) Bargaining transactions: „legal transfer of ownership“ (Hamilton 1953, S. 48).
2) Managerial transactions: „physical transfer of the good“ (ebd.).
3) Rationing transactions: „apportionment of the wealth of production among the subordinates by the sovereignty” (ebd.).

Hierzu hält Commons fest: „The universal principle of bargaining transaction is scarcity, while that of managerial transactions is efficiency“ (Commons 1934, S. 64). In diesem Kontext kann der Manager die „bargaining transactions“ nutzen, um den Output zu begrenzen, damit seine Preise stabil bleiben (Hamilton 1953, S. 49-50; Kaufmann 2003, S. 83).[21] So beinhaltet für Commons das Eigentum „the right to hold, to withhold, to alienate, to acquire to be free from interference“ (Commons 1934, S. 523). Dementsprechend schreibt Miller in Bezug auf Commons Werk “Institutional Economics”: „Scarcity is a property of the ability to withhold, a major aspect of intangible property. […]. The exchange value of a commodity […] is a pecuniary concept. It is measured in price, and because price increases with scarcity, it is enhanced by the ability to withhold“ (Miller 1998, S. 20).

Die Rechtfertigung für die Integration dieser Transaktionsformen in der Dar. 2 liegt darin, dass der jeweilige Transaktionstyp den Wettbewerbsvorteil der Firma gegenüber anderen Firmen oder die relative Stärke der Sektoren innerhalb einer Firma beeinflussen kann (vgl. Sturgeon 2010, S. 22f.). So kann eine wirtschaftliche Ungleichheit dazu führen, dass der mit mehr Macht ausgestattete Partner in der Transaktion einen Vorteil in der Verhandlung erhält (vgl. Miller 1998, S. 16).

Nachdem nun zugegebenermaßen einige Strategien der Firmen lediglich angerissen wurden, soll im letzten Abschnitt zu Commons gezielt auf eine bestimmte Strategie basierend auf den zuvor beschrieben Transaktionshaupttypen, eingegangen werden: die Entscheidungsregel „make versus buy“.

Commons examinierte eine mikroökonomische Entscheidungsregel, die der Firma i eine Hilfestellung, basierend auf den zuvor beschriebenen Transaktionsformen, anbietet. Die Firma 1 kann entweder das Produkt bzw. die Dienstleistung selber erzeugen („make option“), oder sie kann das Gut bzw. den Service von der Firma 2 kaufen („buy option“) nach der Maxime der geringsten Kosten für die Firma 1 (vgl. Kaufmann 2007, S. 27).

Dar. 3: Symbole und Bedeutungen zum Modell „make versus buy“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung: PCi enthält gemäß eines wettbewerbsorientierten Marktes einen „normalen“ Profit für die Firma i (vgl. Kaufmann 2007, S. 27).

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Kaufmann 2007, S. 27.

Die Kosten für die „make option“ bzw. die vertikale Integration[22] der Firma 1 bestehen aus PC1 und MTC1. Die „buy option“ aus Sicht der Firma 1 beinhalten den Verkaufspreis der Firma 2, also PC2 und MTC2, und zusätzlich BTC1 bedingt durch den Transfer auf dem Markt. Somit wird sich Firma 1 für die „make option“ entscheiden, wenn PC1 + MTC1 < PC2 + MTC2 + BTC1. Ferner kann sich u.U. Firma 1 ebenfalls für die „make option“ entscheiden, wenn das Potential von Monopolgewinnen durch die vertikale Integration gegeben ist (vgl. Kaufmann 2007, S. 27).

2.3 John Kenneth Galbraiths Sichtweise zum strategischen Verhalten von Unternehmen

Nachdem im bisherigen Verlauf dieser Bachelorarbeit nicht nur Strategien von Unternehmen, sondern u.a. auch einige Kernkonzepte von Veblen und Commons, die Gründungsväter der evolutorisch-institutionalistischen Ökonomie, dargestellt wurden, soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass es in diesem Punkt primär um konkrete Strategien von Unternehmen nach John Kenneth Galbraith geht.[23]

John Kenneth Galbraith ist ein Innovator der sozialwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Theorien. Er präsentierte der Welt neue Erkenntnisse der ökonomischen, sozialen und politischen Realitäten der modernen industriellen Gesellschaft. Galbraith wuchs in einer kleinbäuerlichen Gemeinschaft in Ontario, Kanada auf. In seiner langen Karriere war er u.a. – einige Positionen sogar gleichzeitig – Politiker, Lehrer, Diplomat, Schriftsteller, Administrator und Journalist (vgl. Pratson 1978, S. 1).

Die Ära „The New Industrial State“ beschreibt die Zeit vom Ende des 2. Weltkrieges bis zu der Mitte der 1970er Jahre (vgl. Dugger 2001, S. 183). Galbraith beginnt in dem gleichnamigen Werk „Die moderne Industriegesellschaft“ (Original: The New Industrial State. 1967) damit, sieben Entwicklungen[24] zu skizzieren, die eine Grundlage für das Verhalten von Unternehmen in der modernen Industriegesellschaft schafft (vgl. Galbraith 1968, S. 13-16).

In den folgenden Abschnitten soll das strategische Verhalten von Unternehmen, die sich mit den Kräften des Marktes und damit mit der Unsicherheit[25] auseinandersetzen müssen, basierend in erster Linie auf dem Werk „Die moderne Industriegesellschaft“, beschrieben werden. Ein möglicher Umgang der Unternehmen mit dieser potentiellen Unsicherheit wird von Galbraith wie folgt beschrieben: „Die Firma ist weit davon entfernt, sich den Marktgegebenheiten zu unterwerfen; sie hat den Markt nach besten Kräften den eigenen Planungszielen dienstbar gemacht. Preise, Kosten, Produktion und die sich hieraus ergebenden Erlöse werden nicht vom Markt, sondern von der Planung der Firma festgelegt […]“ (Galbraith 1968, S. 130). Galbraith beschreibt in dem Kapitel „Die Gebote der Technologie“ (vgl. ebd., S. 24-35) sechs Konsequenzen der fortgeschrittenen Technologie[26], die es für die Firma unabdingbar machen zu planen (vgl. ebd., S. 26-31). So verlangt die moderne Technologie eine umfassende Planung, da die Firma ihre großen Investitionen in Zeit, Kapital, spezialisiertes Wissen und komplexe Organisationen nicht der Laune des Marktes überlassen kann (vgl. Dunn 2001, S. 161).

[...]


[1] Die Bezeichnung „institutional economics“ wurde 1919 durch Walter Hamilton geprägt. Der treffendere Begriff, so einige Vertreter, dieser Richtung der Wirtschaftwissenschaft „evolutionary economcis“ konnte sich nicht erfolgreich durchsetzen (vgl. Reuter 1994, S. 30f.). Somit soll die Überschrift „evolutorisch-institutionalistische Ökonomie […]“ eine Synthese dieser Bezeichnungen darstellen, um beiden Ansätzen gerecht zu werden. In dem vorliegenden Werk werden u.a. beide Bezeichnungen verwendet.

[2] Diese Aufzählung der hier genannten Institutionalisten ist nicht abschließend.

[3] In dem letzten Kapitels des Buches „The Engineers and the Price System“ schreibt Veblen über die „Soviet of Technicians“. Diese Gruppe von Ökonomen und Ingenieuren hat ein starkes Interesse an einer effizienten Produktion von nützlichen Waren. Im barbarischen Zeitalter (primär Kapitalismus) hat diese „suitable group“ jedoch keine Erfolgschancen (vgl. Leathers/Evans 2012, S. 294f.).

[4] Die Unternehmenspopulation und der Anteil am gesamten Umsatz der USA im Jahre 2007 weisen folgende Daten auf: 19% der Kapitalgesellschaften erzielten einen Umsatz von 82% und 81% der Einzelunternehmen sowie der Personengesellschaften hatten einen Umsatz in Höhe der restlichen 18% (vgl. Slavin 2009, S. 127).

[5] Das zehnte und letzte Kapitel des Buches „The Theory of Business Enterprise“ von Veblen mit dem Titel „The Natural Decay of Business Enterprise“ beschäftigt sich mit diesem Sachverhalt (vgl. Reuter 1994, S. 161).

[6] Hierzu hält McCormick fest: „The instinct of workmanship exploits new knowledge to the extent that it leads to more efficient production methods” (McCormick 2006, S.12).

[7] Veblens Hauptanliegen des Buches „The Theory of Business Enterprise“ war die Arbeitsweisen der „credit economy“ und die sich daraus verstärkende Divergenz zwischen „business“ und „industry“ zu examinieren (vgl. Wray 2012, S. 304).

[8] Das 14. Amendment oder beispielsweise auch die 1896 New Jersey Incorporation waren eine Art „Katalysator“ für die Entstehung der großen Kapitalgesellschaften und der damit einhergehenden spekulativen Tätigkeiten (vgl. z.B. Hake 2007, S. 40). Auch der Faktor „technology“ und das dazugehörige Wissen „advanced technology“ anzuwenden, sind entscheidend für den Werdegang von Unternehmen (vgl. McCormick 2006, S. 76f.).

[9] Sturgeon definiert diese Teile der asset values wie folgt: „Tangible or corporeal value is simply the money cost of physically reproducing the asset. The intangible value of an asset is the pecuniary valuations by businessmen” (Sturgeon 2010, S. 22).

[10] Für Veblen ist der good will u.a. das Prestige einer Unternehmung (vgl. Veblen 1904, S. 32).

[11] Stark vereinfacht sorgt dieses Verhalten dafür, dass der Marktwert größer wird als der Buchwert und das führt wiederum letztendlich zur Liquidation des „business capital“ und somit zur Instabilität der gesamten Wirtschaft (vgl. Sturgeon 2010, S. 25-29; vgl. Wray 2012, S. 304-306). Diese Theorie ist jedoch nicht Bestandteil der vorliegenden Arbeit.

[12] Reuter bezeichnet diese fünf Strategien (a-e) als „Scheinlösungen“, um mit den Schwierigkeiten kapitalistischer Systeme zu Recht zu kommen (vgl. Reuter 1994, S. 171).

[13] An dieser Stelle wird die zuvor beschriebene Beziehung zwischen der „industry“ und „business“ Klasse nochmals deutlich. So kann das „business“ den Output begrenzen, um weiterhin profitabel zu sein, jedoch werden dabei produktive Kapazitäten der „industry“ eingeschränkt (vgl. Hake 2007, S. 35).

[14] Die Möglichkeit des Sabotierens ist aus der Institution des Privateigentums entstanden. Der Eigentümer kann entscheiden, was und wie viel produziert werden soll (vgl. McCormick 2006, S. 82f.).

[15] Ferner stellt Veblen fest, dass Werbung, sofern sie „valuable information“ enthält, einen Service für die Gemeinschaft darstellt, aber „competitive advertising“ enthält keinen Mehrwert für die Gesellschaft (vgl. Veblen 1904, S. 32f.).

[16] Das Thema „Konflikt von Interessen“ ist eine zentrale Erkenntnis von Commons (vgl. Reuter 1994, S. 178).

[17] Auslöser dieser Innovation sind nach Commons z.B. „jugdes and the courts of common law“ oder auch Entscheidungen des „US Supreme Court“ (vgl. Chavance 2009, S. 21; vgl. Fußnote 7).

[18] Nach Commons negiert die Neoklassik diese Herausforderungen, was zur Folge hat, dass diese Wirtschaftsrichtung ihr Relevanz in der „real world“ verliert (vgl. Kaufman 2003, S. 72).

[19] Die „working rules“ weisen einen evolutionären Charakter auf, da sie sich ständig den Gegebenheiten anpassen (vgl. ebd., S. 73). Ferner bezeichnet Kahle diese „working rules“ als „Handlungsbeschränkungen“ (vgl. Dörthe 2000, S. 144).

[20] Kröner definiert diesen Begriff wie folgt: „Der ‚going concern‘ ist ein Gebilde, das Elemente der Betriebsgemeinschaft […], der sozialen Gemeinschaft und der Rechtsgemeinschaft in sich schließt“ (Kröner 1930, S. 12).

[21] Ähnlich zu Veblens Unterscheidung zwischen „business“ and „industry“ (vgl. McCormick 2006, S. 93; vgl. 2.1), unterscheidet Commons „dollar efficiency“ und „engineering efficiency“ (vgl. Hamilton 1953, S. 49f.).

[22] Ausführlichere Informationen zu der vertikalen Integration als eine Form der Strategie folgen im nächsten Unterpunkt (vgl. 2.3).

[23] Kahle, die der Frage nachgeht, ob Galbraith ein Vertreter des institutionalistischen Paradigmas ist, kommt zu dem Entschluss, dass er als ein Repräsentant dieser Theorie zugeordnet werden kann (Kahle 2000, S. 254), und somit ist es gerechtfertigt, dass Galbraiths Theorien hier zu Papier gebracht werden.

[24] Eine dieser Entwicklungen ist, dass die Manager keine wesentliche Beteiligung am Firmenkapital mehr haben (vgl. Galbraith 1968, S. 14). Die Interessen zwischen Management und den Aktionären sind nicht deckungsgleich (Kahle 2000, S. 30). Außerdem verändert auch die sich ständig entwickelnde Technologie die Wirtschaft (vgl. Galbraith 1968, S. 13).

[25] Der Ausdruck „Unsicherheit“ beschreibt i.d.R. eine ökonomische Situation in der die Agenten bzw. die Firmen zukünftige Zustände nicht kennen, oder sollten zukünftige Zustände bekannt sein, kann man diesen keine Eintrittswahrscheinlichkeiten zuordnen (vgl. Elsner 2012, S. 5).

[26] Siehe dazu Dunn 2001, S. 160.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Strategisches Verhalten von Unternehmen
Untertitel
Ausgewählte theoretische Aspekte
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
56
Katalognummer
V285806
ISBN (eBook)
9783656859451
ISBN (Buch)
9783656859468
Dateigröße
984 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
strategisches, verhalten, unternehmen, ausgewählte, aspekte
Arbeit zitieren
Fabian Diering (Autor:in), 2013, Strategisches Verhalten von Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285806

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