Beschäftigt sich die Wirtschaftsforschung mit Corporate Governance (im Folgenden häufig abgekürzt mit CG), dann geht es meist um Wandel. Seien es Corporate Governance Modelle in Japan, Deutschland, Amerika oder anderen Ländern, früher oder später kommt die Frage auf, was genau verändert werden muss, um Unternehmen konkurrenzfähiger zu machen, und das nicht mehr nur im Rahmen des eigenen Landes, sondern international. Chizema und Shinozawa beschreiben die Globalisierung der Kapitalmärkte als etwas, das als „external trigger“ (Chizema und Shinozawa 2012: 79) gesehen wird, ein Anstoß von außen also, auf den Veränderung nahezu unausweichlich folgt. Hierbei zeigt sich, dass Länder, wenn es zu institutioneller Veränderung kommt, dazu tendieren, sich anderen Ländern anzupassen, indem ähnliche Strukturen übernommen werden (vgl. Chizema und Shinozawa 2012).
Auch bei Corporate Governance Modellen zeigt sich dieser Trend, da Unternehmen immer mehr unter Druck stehen, sich dem internationalen Markt zu öffnen, um beispielsweise für foreign direct investments (FDI) attraktiver zu werden (vgl. Jackson 2003). Das anglo-amerikanische Modell mit seiner shareholder-value-Orientierung ist zum Maßstab geworden. „There is debate among scholars of organization science, economics, law, and sociology as to whether corporate governance systems are converging to the Anglo-American model“ (Yoshikawa et al. 2007: 973) Es ist bis jetzt noch kein Ende dieser Debatte in Sicht.
In der vorliegenden Arbeit wird sie immer wieder auftauchen, denn besonders betrachtet werden soll, inwiefern sich die Corporate Governance in Japan und Deutschland unter dem Einfluss des anglo-amerikanischen Modells verändert haben. Zuerst sollen allerdings die wichtigsten Begriffe definiert werden, danach werden die bestehenden CG-Modelle Deutschlands und Japans sowie das anglo-amerikanische Modell vorgestellt und die Reformen der Unternehmensführung in beiden Ländern besprochen. Am Ende der Arbeit soll eine Diskussion der Veränderungen der Corporate Governance in Deutschland und Japan im Hinblick auf Konvergenzen und Abweichungen vom anglo-amerikanischen Modell erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Adaption des anglo-amerikanischen CG Modells in Japan und Deutschland im Vergleich
2.1. Grundlagen zu Corporate Governance
2.1.1. Begriffsdefinition
2.1.2. Klassifizierungen von Corporate Governance
2.1.3. Einbettung in kulturelles und wirtschaftliches Umfeld
2.2. Corporate Governance Modelle im Vergleich
2.2.1. Japanische Corporate Governance – Statutory Auditor -System
2.2.2. Das deutsche CG Modell – Aufsichtsrat System
2.2.3. Anglo-amerikanisches CG Modell
3. Einfluss des anglo-amerikanischen Modells auf Japan und Deutschland – Institutional change
3.1. Reformen in Japan und Deutschland
3.1.1. Japan
3.1.2. Das Japanische Committee-System
3.1.3. Deutschland
3.1.4. Das Verwaltungsrat-System in Deutschland
3.2. Japanische und Deutsche Corporate Governance-Modelle – kommt es zur Konvergenz mit der Anglo- Amerikanischen CG?
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Corporate Governance-Systeme in Japan und Deutschland unter dem wachsenden Einfluss des anglo-amerikanischen Modells. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern sich die Unternehmensführung in diesen Ländern an das global dominierende Shareholder-Value-Konzept angepasst hat und ob eine tatsächliche Konvergenz der Systeme stattfindet oder hybride Strukturen bestehen bleiben.
- Grundlagen und Klassifizierungen von Corporate Governance-Systemen.
- Vergleichende Analyse der traditionellen Modelle (Statutory Auditor vs. Aufsichtsrat).
- Institutionaler Wandel durch Reformen in Japan und Deutschland.
- Diskussion über Konvergenztendenzen zum anglo-amerikanischen Modell.
- Rolle von Institutionen wie Mitbestimmung und kulturellen Rahmenbedingungen.
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Begriffsdefinition
Unter dem Begriff Corporate Governance versteht man den „rechtlichen und faktischen Ordnungsrahmen für die Leitung und Überwachung eines Unternehmens“ (Gabler Wirtschaftslexikon Stichwort Corporate Governance), dessen Ziel es ist, Informationsasymmetrien auszugleichen und opportunistisches Handeln der Akteure weitestgehend zu verhindern. Das grundlegende Problem der CG basiert hierbei, wie Jürgen Matthes zusammenfasst (Folgendes vgl. Matthes 2005), auf der Prinzipal-Agent-Theorie, nach der Manager eines Unternehmens als „Agenten“ grundsätzlich über mehr Informationen verfügen als Eigenkapitalgeber („Prinzipale“) und diese für opportunistisches Handeln ausnutzen können. Bei der Corporate Governance geht es um die Kontrolle der Ressourcen einer Firma, indem sie faktisch festlegt, wer Entscheidungen treffen kann (vgl. Groenewegen 2004).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Corporate Governance als Instrument des Wandels ein und thematisiert den Druck durch globale Kapitalmärkte und das anglo-amerikanische Modell.
2. Die Adaption des anglo-amerikanischen CG Modells in Japan und Deutschland im Vergleich: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Corporate Governance und vergleicht die traditionellen dualen Modelle Deutschlands und Japans mit dem anglo-amerikanischen System.
3. Einfluss des anglo-amerikanischen Modells auf Japan und Deutschland – Institutional change: Der Hauptteil analysiert konkrete gesetzliche Reformen in beiden Ländern und diskutiert die Frage, ob eine Annäherung an das angelsächsische System stattfindet.
4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz Reformen wesentliche Elemente der nationalen Systeme erhalten bleiben und eher hybride Entwicklungen anstelle einer vollständigen Konvergenz zu beobachten sind.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Shareholder-Value, Stakeholder-Value, Japan, Deutschland, Konvergenz, Aufsichtsrat, Statutory Auditor, Committee-System, Mitbestimmung, Institutioneller Wandel, Kapitalmarkt, Board System, Unternehmensführung, Reformen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation von Corporate Governance-Systemen in Japan und Deutschland und deren Reaktion auf den Einfluss des anglo-amerikanischen Modells.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Unterschiede zwischen monistischen und dualen Governance-Systemen, der institutionelle Wandel durch Reformen und die Interessenorientierung von Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob und inwieweit die Corporate Governance in Japan und Deutschland mit dem anglo-amerikanischen System konvergiert oder ob länderspezifische Besonderheiten fortbestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse auf Basis von Fachliteratur, Wirtschaftslexika und empirischen Studien zur Unternehmensführung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Beschreibung der bestehenden Modelle sowie der detaillierten Untersuchung von Reformprozessen, wie der Einführung des Committee-Systems in Japan oder dem Umgang mit dem Verwaltungsrat-System in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Corporate Governance, Konvergenz, Shareholder-Value, institutioneller Wandel und die spezifischen Kontrollstrukturen in Japan und Deutschland.
Wie unterscheidet sich das japanische Committee-System vom traditionellen Modell?
Das Committee-System ersetzt das Statutory-Auditor-Board durch spezialisierte Ausschüsse (Audit, Nomination, Compensation) und verstärkt die Rolle externer Direktoren, orientiert am anglo-amerikanischen Vorbild.
Warum spielt die Mitbestimmung in Deutschland eine so große Rolle für die Konvergenz?
Die Mitbestimmung gilt als institutionelle Barriere, da sie das Aufsichtsratsmodell und die Interessen von Stakeholdern fest in der Unternehmenskultur verankert, was eine reine Shareholder-Value-Ausrichtung nach angelsächsischem Vorbild erschwert.
- Citar trabajo
- Lynn Bay (Autor), 2014, Die Adaption des anglo-amerikanischen Corporate Governance Modells in Japan und Deutschland im Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285811