Das antike Sparta. Der Einfluss der griechischen Poleis Sparta auf die letzten 2500 Jahre hinsichtlich gesellschaftlicher Ereignisse und Kampfkunst


Seminararbeit, 2014
19 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung und Fragestellung

2. Die politische und gesellschaftliche Ordnung Spartas
2.1 Das Königtum
2.2 Die Volksversammlung
2.3 Die Geronten
2.4 Die Ephoren

3. Erziehung und Lebenslauf eines Spartiaten
3.1 Die Vollbürger Spartas
3.2 Der Familienverband
3.3 Die Agoge
3.2.1 Speisegemeinschaften

4. Sparta als Vorbild für
4.1 die nationalsozialistische Ideologie
4.1.1 Nationalsozialistische Erziehungsstile
4.1.2 Nationalsozialistische Rassenhygiene
4.1.2 Nationalsozialistische Hitlerjugend
4.1.3 Weitere Affinitäten zwischen Sparta und dem Nationalsozialismus

5. Der moderne Leonidas? Die spartanische Kampfkunst im aktuellen amerikanischen Kontext

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

8. Internetverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

„ Eines Tages dachte ich darüber nach, dass Sparta, wiewohl eine der bevölkerungsärmsten Stadt Griechenlands geworden ist und ich wunderte mich darüber, wie dies geschehen konnte. Dann dachte ich an die Einrichtungen der Spartiaten, und ich wunderte mich nicht mehr. “ 1

So wie Xenophon erging es wohl vielen Zeitgenossen, als auch der Nachwelt. Bis heute sind die Tugenden der Spartaner sehr hoch angesehen. Sie gelten als die besten Krieger der Antike. Die soziale Ordnung jedoch stieß bereits zu der damaligen Zeit auf Kritik, denn diese war unfreiwillig und bestand aus Unterdrückung. Unmittelbar nach der Geburt begann die staatliche Kontrolle, indem die Säuglinge auf ihre Gesundheit geprüft wurden.

Neben Athen ist Sparta sicherlich der berühmteste antike Stadt- Staat Griechenlands. Beide Staaten verstanden es, jeweils auf ihre Weise durch Kunst und Kultur, durch beeindruckende Gebäude oder durch militärische Erfolge bleibenden Eindruck von der antiken Welt bis in die Gegenwart zu hinterlassen. Dabei waren die Strukturen der beiden Poleis durchaus recht gegensätzlich. Während Athen gewissermaßen zur Urform der Demokratie wurde, gilt Sparta als Vorreiter einer Oligarchie. Spartas Ordnung mit seiner recht einfachen Struktur war in der gesamten griechischen Welt einzigartig: Ausdauer, Abhärtung und Kampfhandlungen standen im Mittelpunkt des spartanischen Lebens, während die Entfaltung einer ausgeprägten Lebensweise, etwa durch prunkvolle Bauwerke oder eine ausgiebige Festkultur, nicht angestrebt wurde. Die Beurteilung dieser speziellen Lebensform schwankt bis in die heutige Zeit zwischen Verklärung und harter Kritik.

Die Auseinandersetzung mit der Frage, inwiefern Sparta für die unterschiedlichen Epochen in den letzten 2500 Jahren als Vorbild gedient hat, soll den Schwerpunkt der vorliegenden Hausarbeit darstellen. Zunächst wird jedoch die politische und gesellschaftliche Ordnung thematisiert, woraufhin aufbauend die Erziehung und der Lebenslauf eines Spartiaten beschrieben werden. Anschließend werden die zahlreichen Parallelitäten zwischen den nationalsozialistischen und den spartanischen Idealen verdeutlich. Ich möchte mich im Resümee meiner Hausarbeit mit einer Fragestellung beschäftigen, welche unterschiedliche Unterpunkte beinhaltet: Zum einen interessiert mich die Frage, weshalb die Prinzipien der militärischen Kampfkunst Spartas bis heute noch von Streitkräften wie beispielsweise der U.S. Marine und der U.S. Armee befolgt werden, obwohl sie doch als barbarisch und menschenunterdrückend gelten, zum anderen, weshalb sich Philosophen, Herrscher und Dichter stets so stark an den Mythos der „300“ besannen. Wenn im Folgenden von den “Spartiaten“ die Rede ist, dann sind lediglich die vollberechtigten Männer Spartas gemeint. Mit dem Begriff Spartaner hingegen, sind alle männlichen Personen gemeint, auch die Heloten und Periöken.

2. Die politische und gesellschaftliche Ordnung Spartas

Das Geheimnis, das diese Polis zur Vorrangstellung geführt hat, liegt in deren einzigartigem Staatsaufbau. Mit keinem anderen Stadtstaat zu vergleichen, war die Welt der Spartaner ganz und gar auf den Krieg zugeschnitten und ordnete das Wohl eines jeden Bürgers dem des Staates unter. Es gab keine Aristokratie und kaum privates Reichtum. Fremden Poleis gegenüber schottete sich Sparta gänzlich ab und stützte sich - stärker als viele andere hellenische Städte - auf Traditionen wie Orakel, Götter und Heroen. Die erste streng totalitäre, militaristische Verfassung der Weltgeschichte blühte in Lakonien auf. Ein zu seiner Zeit zugleich bewundertes, aber auch gefürchtetes Staatsmodell im antiken Griechenland. Die Mythologisierung des Stadtstaats Sparta inspiriert bis in die Neuzeit hinein die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen, wie später in dieser Ausarbeitung gezeigt werden soll.2 Im Folgenden werden jedoch zunächst die wichtigsten Staatsorgane und deren Funktionen in der Oligarchie vorgestellt.

2.1 Das Königtum

Das Doppelkönigtum in Sparta geht wahrscheinlich auf die Wanderungszeit zurück. Die Spartaner aber glaubten, dass eine Zwillingsgeburt zur Einführung von zwei Königen geführt haben soll. Die Hauptfunktionen der Könige waren die Führung des Heeres und die Erkundung des göttlichen Willens.

Nicht selten nutzten Könige ihren Ruhm auch dazu, das von der Rhetra geregelte Zusammenspiel der Institutionen zu ihren Gunsten zu verändern und versuchten, Rat und Volksversammlung zu dominieren. Folglich konnte sie auch kein Spartiat an der Führung eines Krieges gegen ein anderes Land hindern, da er sonst geächtet wurde.

Sicherlich entschied auch die Volksversammlung über Krieg und Frieden, wie wir später sehen werden, jedoch blieb der König uneingeschränkter Befehlshaber im Krieg.3

Der zweite Aufgabenbereich der Könige bestand darin, die Gemeinde gegenüber den Göttern zu vertreten. Für jede Handlung musste die Zustimmung der Götter eingeholt werden. Sei es durch die Befragung des Orakels von Delphi, durch Opfertätigkeit oder durch die Beobachtung von Naturerscheinungen. Da auf diesem Feld Manipulationen leicht möglich waren, konnten Könige politische oder militärische Entscheidungen der Stadt maßgeblich beeinflussen.4 Die städtischen Institutionen konnten den Königen nicht einfach die Interaktion mit den Göttern entziehen. Entsprechend ihrer Stellung im spartanischen Staat wurden den Königen besondere Ehrungen und unantastbare Ehrenrechte zuteil, z.B. die Übereignung von Königsgütern, höhere Beuteanteile oder Ehrenplätze bei den Gemeinschaftsspeisungen.5

Das Königtum war ein lebenslanges Amt, in dem beide Könige dieselbe Macht hatten. Aufgrund dessen entstanden immer wieder Konflikte. Je nach Neigung achtete oder rühmte die Menge einen König mehr als den anderen. Dies führte oftmals zu Neid und Missgunst bzw. Stolz und Übermut.6 Beeindruckend waren insbesondere die Zeremonien nach dem Tod der Könige. Reiter verkündeten die Trauerbotschaft in ganz Lakonien. Sowohl Spartiaten, als auch Heloten und Periöken mussten an der Trauerklage teilhaben. Nach dem Tod eines Königs fand in Sparta zehn Tage lang weder der Markt, noch das Gericht oder die Wahlversammlung statt; das öffentliche Leben ruhte sozusagen. Es war, so beschreibt Xenophon, als sei ein Halbgott gestorben.7

2.2 Die Volksversammlung

Neben den beiden Königen gehörte auch die Volksversammlung zum gesellschaftlichen System. Ihr kam eine bedeutende Rolle zu. Sie beschloss die Leitlinien der Politik des lakedaimonischen Staates, indem sie beispielsweise über Krieg und Frieden befand und die Amtsträger wählte. Beschlossen wurden ausschließlich Anträge, welche von der Gerusia- bestehend aus 28 Geronten und den zwei Königen- vorberaten und befürwortet wurden. Zur Teilnahme an der Volksversammlung waren alle erwachsenen spartanischen Vollbürger berechtigt, die sogenannten Spartiaten.

Trotz ihrer sehr großen Bedeutung findet die spartanische Volksversammlung in der Antike nur sehr selten Erwähnung. Teilweise verbirgt sie sich wohl hinter Ausdrücken wie oder. Ausdrücklich wird dieses Gremium erst ab dem 5. Jahrhundert v.Chr. genannt.

In Sparta hielt sich bis in die historische Zeit die Sitte, dass die Volksversammlung ihre Zustimmung bzw. ihr Missfallen durch Zuruf zum Ausdruck brachte und es keine Abstimmung durch Handaufheben gab, wie in anderen griechischen Städten. Der Versammlungsort der Apella wechselte mehrfach, wobei man unter freiem Himmel auf dem Boden saß. Erst in hellenistischer Zeit versammelten sich die Bürger in einem geschlossenen Raum, der sich am Markt befand. Ob der einfache Bürger innerhalb der Volksversammlung diskutieren durfte, wissen wir nicht; es ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich.9 Zudem ist es auch schwer vorstellbar, dass der gehorsame, disziplinierte spartiatische Soldat als Bürger in der Volksversammlung seine normalen Gewohnheiten einfach ablegte. Vielmehr kann man davon ausgehen, dass er den Debatten lauschte und den Vorschlägen zustimmte, wie er auch sonst den Befehlen gehorchte.

Eine der vielen Fragen, welche sich durch den Komplex der Apella Historikern stellt, ist die Größe der Versammlung. Zwar lässt sich die Zahl der Spartiaten in den einzelnen Jahrhunderten noch annähernd berechnen, aber es lässt sich nicht genau festlegen, wie viele jeweils an der Versammlung teilnahmen. Zweifellos war für die Spartiaten eine Teilnahme leichter möglich als z.B. für den Bürger Athens, da der Spartiat genügend Freizeit hatte und nicht auf den Erwerb des täglichen Lebensunterhalts angewiesen war.10

Zu den Aufgaben der Volksversammlung gehörte die Wahl der Geronten und Ephoren. Sie erfolgte nach einem Modus, den Aristoteles als „kindisch“ charakterisierte und den Plutarch wie folgt beschrieb: „ Das Volk versammelte sich, und dazu ausgewählte Männer wurden in ein Haus in der Nähe eingeschlossen, wo sie weder etwas sehen noch gesehen werden konnten, sondern nur das Geschrei der Versammelten hörten [ … ] Die Eingeschlossenen hatten Schreibtafeln und vermerkten darauf bei jedem die Stärke des Geschreis, ohne zu wissen, wem es galt. “ 11

2.3 Die Geronten

Altern war für die Menschen in der Antike- und dies gilt für viele archaische Gesellschaften- ein Prozess, der mit dem Erlangen anstrebenswerter Eigenschaften verbunden war. Mit zunehmendem Alter erwarb ein Mann Erfahrung, Verstand und Weisheit, gleichzeitig stieg er in seiner sozialen Position auf. Errang er schließlich den begehrten Stand der Zugehörigkeit zur Gruppe der Ältesten, hatte er staatlich- politische und religiöse Leistungsfunktionen zu erfüllen.12

Die Ältesten in Sparta waren die Geronten, ihr Versammlungsgremium nannte man die Gerusie. Als sich in Sparta die politischen Institutionen verfestigten und ein verfassungsmäßiger Rahmen entstand, wurde das 60. Lebensjahr als untere Altersgrenze für die Geronten festgelegt. In diesem Alter traten die Spartiaten aus dem aktiven Kriegsdienst aus und hatten zugleich eine ausreichende Lebenserwartung, um ihre bis dahin gesammelten Erfahrungen eine Zeit lang der Gemeinschaft zur Verfügung stellen zu können.13 Aus den Quellen erfahren wir über die Gerusie nicht sehr viel, außer, dass sie politisch für alles in Sparta zuständig war, da sie alle Entscheidungen der Volksversammlung vorberiet. In der Verfassung jeder durchschnittlichen griechischen Stadt gab es eine souveräne Versammlung, die oligarchisch oder demokratisch organisiert war. Daneben gab es ein kleineres Gremium, welches auf unterschiedlichste Weise zusammengesetzt war und gewählt wurde. Es arbeitete die Tagesordnung für die größeren Versammlungen aus, hielt Beratungen ab und formulierte Vorschläge. In Sparta war dies die Gerusie.

2.4 Die Ephoren

Ausgangspunkt für die Überlegungen hinsichtlich der Entstehung des Ephorats ist zum einen der Begriff „ephoros“ (Aufseher) und zum anderen der Eid, den sich Könige und Ephoren monatlich gegenseitig schworen. Aufseher waren sie in vielerlei Hinsicht. Sie achteten beispielsweise auf die Ernährung bzw. das gesunde Aussehen der Männer, die alle zehn Tage nackt vor ihnen anzutreten hatten. Kontrolliert wurden ferner die Kleidung und Lagerstätten der Jugendlichen. Beim Amtsantritt ordneten die Ephoren an, dass alle Männer sich den Schnauzbart scheren und den Gesetzen gehorchen sollten. Plutarch, welcher diese Einzelheiten von Aristoteles übernahm und somit den eigentlichen Sinn nicht mehr verstand, interpretierte diese Anordnung dahingehend, dass die Männer auch in den belanglosesten Angelegenheiten Folge zu leisten hatten.14

Die Ephoren hatten bei ihrer Aufsicht über die spartanische Lebensordnung weiterhin darauf zu achten, dass die lakedaimonischen Königshäuser nicht ausstarben. Hierher gehört die Geschichte von den Zwergkönigen: Archidamos soll angeblich von den Ephoren mit einer Geldbuße belegt worden sein, weil er eine kleine Frau geheiratet hatte. Diese würde nicht Könige, sondern Zwergkönige zur Welt bringen.15

Da die Ephoren Wächter über die alten, tradierten Lebensformen waren, wurde ihnen erhebliche Macht zugesprochen, sodass auch der Erhalt dieser Sitten garantiert war. Fünf Ephoren wurden für ein Jahr nach dem gleichen „kindischen“ Wahlmodus wie bei den Geronten durch die Volksversammlung gewählt. Einer der Ephoren, wohl derjenige der das größte Geschrei auf sich vereinigen konnte, wurde Eponym. Nach ihm wurde das Jahr benannt.

Äußerlich kam die Macht der Ephoren auch dadurch zum Ausdruck, dass sie die einzigen waren, die vor dem König sitzen bleiben durften, während alle Übrigen sich erhoben.16

Die Heloten und Periöken, die Sklaven der griechischen Stadtstaaten, waren keinesfalls unwichtig. Ganz im Gegenteil. Sie machten ca. 80% der Bevölkerung aus und ermöglichten es den Spartiaten, sich voll und ganz auf das politische Leben zu konzentrieren.17

[...]


1 Baltrusch, E., 2010, S.11

2 vgl. Antikes Griechenland: Sparta- ein Leben für den Krieg

3 vgl. Claus, M., 1983, S. 54

4 vgl. Baltrusch, E., 2010, S. 14

5 vgl. Baltrusch, E., 2010, S. 24

6 vgl. Claus, M., 1983, S. 30

7 vgl. ebd., S. 32

8 Luther, A., 2006, S. 76

9 vgl. Claus, M., 1983, S.26

10 vgl. ebd., S.28

11 ebd., S.29

12 vgl. ebd., S.44

13 vgl. Claus, M., 1983, S.45

14 vgl. Claus, M., 1983, S. 45

15 vgl. ebd., S. 46

16 vgl. ebd., S. 42

17 Die Prozentzahlen variieren je nach Quelle

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das antike Sparta. Der Einfluss der griechischen Poleis Sparta auf die letzten 2500 Jahre hinsichtlich gesellschaftlicher Ereignisse und Kampfkunst
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg  (Geschichte)
Veranstaltung
Das antike Griechenland und das Perserreich
Note
1,0
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V285853
ISBN (eBook)
9783656860907
ISBN (Buch)
9783656860914
Dateigröße
621 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sparta, einfluss, poleis, jahre, ereignisse, kampfkunst
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Das antike Sparta. Der Einfluss der griechischen Poleis Sparta auf die letzten 2500 Jahre hinsichtlich gesellschaftlicher Ereignisse und Kampfkunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285853

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