Im März 2010 eröffnete die Türckische Cammer, ein Teil der Rüstkammer in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Hier sind osmanische Mode, exotische Kunst und prächtig glänzende Kriegswaffen zu bestaunen. Dies verspricht jedenfalls die Verpackungstüte der Döner, die es im Zeitraum von Februar bis März 2010 bundesweit an vielen Dönerständen zu kaufen gab. Die Ausstellung wurde aufwändig und kreativ umworben – eine kommunikative Strategie, um den Interessen der Organisation „Museum“ gerecht zu werden: Die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen und Besucher anzulocken. Doch lässt sich die Instrumentalisierung einer Dönertüte als Akt strategischer Kommunikation verstehen? In dieser Arbeit möchte ich den Begriff „strategische Kommunikation“ untersuchen und am Beispiel der Eröffnung der Türckischen Cammer dessen Anwendbarkeit für Museen erörtern. Meine Fragestellung lautet somit: Wie lässt sich das Konzept „Strategische Kommunikation“ auf die externe Kommunikation von Museen anwenden –am Beispiel der Eröffnung der Türckischen Cammer zu Dresden? Zunächst werde ich die Türckische Cammer vorstellen, um eine Einführung in den zu Untersuchenden Gegenstand zu geben. Danach erarbeite ich das betriebswirtschaftliche und kommunikationswissenschaftliche Verständnis von „Strategischer Kommunikation“. Da es um das externe strategische Kommunizieren geht, ist Öffentlichkeit eine wichtige Bezugsgröße in diesem Kontext. Im vierten Kapitel möchte ich das Phänomen Öffentlichkeit und dessen Unterscheidungsmöglichkeiten theoretisch hinterfragen und im weiteren Verlauf auf das Museumspublikum als Adressaten von externer musealer Kommunikation eingehen. Neben Öffentlichkeit ist das Museum als Organisation und somit als Akteur strategischer Kommunikation ein weiterer wichtiger Themenkomplex. Hier gebe ich einen Einblick in die Organisationstheorie und werde Aufgaben und Ziele der Dresdener Kunstsammlungen als Organisation und deren Öffentlichkeitsabteilung nennen. Den letzten großen Schwerpunkt bildet der Begriff Strategie. Ohne eine Vorstellung davon zu haben, was eine Strategie ist und welche Voraussetzungen eine Maßnahme erfüllen muss, um strategisch zu sein, kann meine Forschungsfrage nicht beantwortet werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Türckische Cammer
2.1 Staatliche Kunstsammlungen Dresden
2.2 Die Ausstellung
2.3 Die Eröffnung
3. Zum Begriff der Strategischen Kommunikation
3.1 Betriebswirtschaftliches Verständnis
3.2 Kommunikationswissenschaftliches Verständnis
4. Öffentlichkeit und Organisation als zentrale Begriffe strategischer Kommunikation
4.1 Öffentlichkeit und Museum
4.1.1 Kommunikationstheoretischer Ansatz
4.1.2 Publikumsorientierung und Museum
4.2 Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) als Organisation -Betrachtung der Mesoebene
4.2.1 Einblick in die Organisationstheorie
4.2.2 SKD als Museum: Gemeinsame Aufgabe, gemeinsames Ziel der Organisation
4.2.3 Museale Öffentlichkeitsarbeit der SKD
5. Strategie
5.1 Zum Begriff der Strategie
5.2 Strategische Konzeptionsplanung
5.3 Taktik und Anwendung im Fall Türckische Cammer
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Konzept der „strategischen Kommunikation“ auf Museen angewendet werden kann. Anhand des Fallbeispiels der Ausstellung „Türckische Cammer“ bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden analysiert die Autorin, wie eine organisatorisch eingebundene, zweckgerichtete und geplante Kommunikation zur Erreichung von institutionellen Zielen, insbesondere der Besuchergewinnung, beitragen kann.
- Grundlagen der strategischen Kommunikation in Organisationen
- Theoretische Verortung von Öffentlichkeit und Organisation in der Museumskommunikation
- Analyse der Marketing- und Kommunikationsstrategien der SKD
- Bedeutung von Event-Marketing und ungewöhnlichen Werbeformaten (z.B. Dönertüten)
- Verhältnis zwischen betriebswirtschaftlichen und kommunikationswissenschaftlichen Perspektiven auf Strategie
Auszug aus dem Buch
Die Dönertüte
Im Januar wurde die Idee realisiert, Dönertüten mit Werbung zur Ausstellung zu bedrucken, ab Februar gab es diese dann für Döner-Kunden „auf die Hand“.
„Der Kontakt zum Verband der Dönerspießhersteller Deutschland in Berlin war schnell gemacht, alle fanden die Idee super. Dann haben wir 3 Millionen Tüten gedruckt und die über den Verband der Dönerspießhersteller verteilt und fertig […]. Das ist sicher die Aktion, die vielen Leuten im Gedächtnis geblieben ist, denn sie war für ein Museum sicherlich sehr ungewöhnlich. Sie hat uns super viel Spaß gemacht und auch die Zusammenarbeit mit den Türken war klasse, ganz ungewohnt, denn die Dönerbranche ist uns schon ein wenig fremd.“ (Miesler, Anhang C, Z. 67-75)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Forschungsthema ein und definiert die Fragestellung zur Anwendbarkeit strategischer Kommunikation auf das Beispiel der "Türckischen Cammer".
2. Türckische Cammer: Dieses Kapitel stellt das Untersuchungsobjekt vor, inklusive des historischen Kontexts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der speziellen Ausstellung zur osmanischen Kunst.
3. Zum Begriff der Strategischen Kommunikation: Hier erfolgt eine theoretische Einordnung des Begriffs der strategischen Kommunikation aus betriebswirtschaftlicher und kommunikationswissenschaftlicher Sicht.
4. Öffentlichkeit und Organisation als zentrale Begriffe strategischer Kommunikation: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle von Öffentlichkeit und Organisation als essenzielle Bezugsgrößen für museale Kommunikation sowie die spezifische Organisationsstruktur der SKD.
5. Strategie: Der Fokus liegt hier auf der begrifflichen Klärung von Strategie und Taktik sowie der Analyse der konkreten Kommunikationsmaßnahmen der Marketingabteilung im Fall der Türckischen Cammer.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die SKD als Organisation strategische Kommunikation praktizieren, betont jedoch das Fehlen systematischer Feedbackschleifen.
Schlüsselwörter
Strategische Kommunikation, Museen, Türckische Cammer, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, SKD, Öffentlichkeit, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Strategie, Taktik, Besucherbindung, Medialisierung, Kulturkommunikation, Organisationskommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des Konzepts der "strategischen Kommunikation" auf die externe Öffentlichkeitsarbeit von Museen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit verknüpft Theorieansätze zu Kommunikation und Organisation mit der praktischen Umsetzung von Marketing- und Werbemaßnahmen im musealen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie die Eröffnung der Ausstellung "Türckische Cammer" durch strategisch geplante Kommunikationsmaßnahmen begleitet wurde und ob diese als "strategische Kommunikation" eingestuft werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse kombiniert mit einer Fallstudie, basierend auf Dokumenten der Marketingabteilung der SKD sowie Experteninterviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Begriff der Kommunikation, Organisationstheorie) und eine angewandte Analyse der konkreten Marketing-Aktivitäten der SKD.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie strategische Kommunikation, Museumskommunikation, SKD, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit geprägt.
Welche Rolle spielten die "Dönertüten" in der Marketingstrategie?
Die Dönertüten-Aktion war eine kreative, ungewöhnliche Marketingmaßnahme zur direkten Ansprache einer spezifischen Zielgruppe (türkische Community) und sorgte durch ihre Unkonventionalität für hohe Aufmerksamkeit.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Evaluierung?
Die Autorin stellt fest, dass es zwar eine bewusste strategische Planung gibt, es jedoch an systematischen Feedbackschleifen fehlt, um die "Wirkmächtigkeit" der Kommunikation jenseits reiner Besucherzahlen zu evaluieren.
- Arbeit zitieren
- Johanna Lamm (Autor:in), 2014, Strategische Kommunikation in Museen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285882