'Verhalten' beschreibt alle Lebensäußerungen, die sich bei Tieren allgemein aus Bewegungen, Lautäußerungen und Körperhaltungen zusammensetzen. Hierzu gehören aber auch Veränderungen wie Gerüche, die der Verständigung dienen können.
Verhaltensweisen können angeboren, erworben oder durch Erfahrungen verändert worden sein. Dabei kann normales Verhalten vom Menschen unerwünscht und abnormales erwünscht sein.
Um unseren Hund in all seinen Facetten zu verstehen, soll hier auf die verschiedenen Verhaltensweisen des Vierbeiners eingegangen und dabei auch die Entwicklungsphasen berücksichtigt werden.
Inhaltsverzeichnis
Was ist das – Hundeverhalten?
Ernährungsverhalten
Nahrungserwerb
Nahrungsaufnahme
Der Futtertransport
Das Ausscheidungsverhalten
Das Sozialverhalten
Optische Kommunikation durch Körpersignale
Akustische Kommunikation
Olfaktorische Kommunikation
Das Spielverhalten
Soziales Verhalten unter Hunden
Die Rangordnung
Interaktionen zwischen Hunden verschiedener Gruppen
Sexualverhalten
Ausruhverhalten
Komfortverhalten
Erkundungs- und Feindvermeidungsverhalten
Meide- und Fluchtverhalten
Angstverhalten
Die Entwicklungsphasen des Hundes
Die Neonatale Phase:
Die Übergangsphase und Prägephase
Die Sozialisierungsphase
Rangordnungs-; und Rudelordnungsphase
Pubertät
Die Rüpelphase
Hilfe, mein Hund verhält sich...
Von Affen und Wölfen
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieses Buches ist es, dem Hundehalter ein tieferes Verständnis für das natürliche Verhalten seines Vierbeiners zu vermitteln, um Missverständnisse in der Mensch-Hund-Beziehung zu vermeiden und den Stellenwert des Hundes als Partner zu stärken.
- Grundlagen des natürlichen Hundeverhaltens in verschiedenen Funktionskreisen
- Differenzierte Analyse von Kommunikationsformen und Spielverhalten
- Entwicklungsphasen des Hundes und deren Besonderheiten
- Kritische Auseinandersetzung mit gängigen Erziehungsmethoden und Mythen
- Förderung einer vertrauensvollen, artgerechten Mensch-Hund-Beziehung
Auszug aus dem Buch
Das Sozialverhalten
Zum Sozialverhalten gehören außer dem Ausdrucksverhalten zur Verständigung, dem sozialen Verhalten im Rudel, Imponier- und defensivem Verhalten, auch das Sexual- und Aufzuchtverhalten, die infantilen Verhaltensweisen und Lautäußerungen. Unsere Hunde sind normalerweise sozial lebende, also gesellige Lebewesen. Sie sind also auf eine sehr differenzierte Vermittlung von Informationen angewiesen.
Unter Ausdrucksverhalten versteht man alle Verhaltensweisen, die im Zusammenhang mit der innerartlichen (sozialen) und gelegentlich auch zwischenartlichen Verständigung stehen. Hierher gehören u. a. Balz-, Droh- und Beschwichtigungsgebärden. Die meisten der visuellen, auditiven, taktilen und olfaktorischen Signale von Hunden sind aus mehreren Komponenten zusammengesetzt. Ein „Drohsignal“ kann zum Beispiel sowohl aus visuellen (Mimik, Gestik, Körperhaltung), als auch aus auditorischen (Vokalisationen) Anteilen bestehen. Es gibt noch eine Vielzahl anderer Kommunikationsformen wie z.B. chemische, thermische, elektromagnetische Kommunikation neben der visuellen und taktilen, die bei Körpersprache von Bedeutung sind. Diese „Verhaltenseinheiten“ oder „Signaleinheiten“ auch „Displays“ genannt (ebd.) stellen die Kommunikationsgrundeinheiten dar. Nicht einzelne Signale, sondern zusammengesetzte Gesamtausdrücke sind es, denen je nach Kontext verschiedene Bedeutungen zukommen, bzw. eine bestimmte Bedeutung im Sinne der Kommunikation haben. Es ist also für uns von immenser Wichtigkeit, dass wir einzelne Signale nicht aus dem Zusammenhang reißen, sondern immer alle Signale erkennen und entsprechend bewerten können.
Durch die hohe Variabilität der Haushunderassen, die sich auch in verschiedener Kopf- und Körperform, Behaarung und Fellfarbesowie unterschiedlich starkem Hautwachstum äußert, wurden die optischen Ausdrucksmöglichkeiten von Hunden der verschiedenen Rassen mehr oder weniger eingeschränkt. Hier erkennen wir nun also einen der Gründe, warum Hunde „verschiedene“ Sprachen sprechen. Unsere Hunde müssen lernen, die Kommunikation andersartiger Hunde zu verstehen. Dazu ist es erforderlich, dass sie mit sozialen Hunden der verschiedensten Rassen zusammenkommen. Erschwerend kommen immer noch Eingriffe des Menschen hinzu, die das Ausdrucksverhalten bestimmter Haushunderassen noch mehr „beschneiden“.
Zusammenfassung der Kapitel
Was ist das – Hundeverhalten?: Einführung in die Definition von Verhalten bei Tieren und Abgrenzung verschiedener Verhaltensweisen.
Ernährungsverhalten: Beschreibung der Teilbereiche der Nahrungsaufnahme, des -erwerbs und des Futtertransports beim Hund.
Das Ausscheidungsverhalten: Erläuterung der körperlichen Grundlagen und der Markierung durch Harn und Kot.
Das Sozialverhalten: Detaillierte Analyse der Kommunikation, des Spiels und der sozialen Interaktionen zwischen Hunden.
Sexualverhalten: Kurzüberblick über die Geschlechtsreife und die Zuchtreife bei Hunden.
Ausruhverhalten: Darstellung der Schlafbedürfnisse und Liegepositionen in Abhängigkeit von der Umgebung.
Komfortverhalten: Aufzählung der körpersprachlichen Ausdrucksmittel für Wohlbefinden und Körperpflege.
Erkundungs- und Feindvermeidungsverhalten: Einblick in die Nah- und Fernorientierung sowie die Sinnesleistungen des Hundes.
Meide- und Fluchtverhalten: Erläuterung der Schutzmechanismen bei Bedrohung und die Bedeutung menschlicher Fehlreaktionen.
Angstverhalten: Analyse der Entstehung von Angst und der verschiedenen Bewältigungsstrategien des Hundes.
Die Entwicklungsphasen des Hundes: Darstellung der sensiblen Lebensphasen von der Neonatal- bis zur Rüpelphase und der damit verbundenen Entwicklungsaufgaben.
Hilfe, mein Hund verhält sich...: Fazit zur Notwendigkeit des korrekten Verständnisses hündischer Verhaltensweisen für eine gute Mensch-Hund-Bindung.
Von Affen und Wölfen: Kritische Betrachtung der Vergleichbarkeit von Wolfsverhalten und Haushund-Verhalten sowie der Einfluss des Menschen.
Schlüsselwörter
Hundeverhalten, Sozialverhalten, Kommunikation, Spielverhalten, Erziehung, Welpenentwicklung, Rangordnung, Angstverhalten, Aggression, Mensch-Hund-Beziehung, Ausdrucksverhalten, Artgerechte Haltung, Rudelverhalten, Hundesprache, Lernverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Buch grundsätzlich?
Das Buch bietet einen praxisorientierten Leitfaden, um das natürliche Hundeverhalten zu verstehen, Fehlinterpretationen durch den Menschen zu vermeiden und eine harmonische Beziehung zum Hund aufzubauen.
Was sind die zentralen Themenfelder des Werkes?
Die zentralen Felder umfassen die verschiedenen Verhaltensbereiche des Hundes wie Sozial-, Spiel-, Jagd- und Angstverhalten sowie eine detaillierte Aufarbeitung der Entwicklungsphasen vom Welpen bis zum erwachsenen Hund.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Hundehaltern die Fähigkeit zu vermitteln, ihren Hund als eigenständiges, soziales Lebewesen zu begreifen und die oftmals schädlichen Auswirkungen von auf "Dominanz-Theorien" basierenden Erziehungsmethoden zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Perspektive wird eingenommen?
Die Autorin plädiert für einen modernen Ansatz, der sich von veralteten, auf Gehegewölfen basierenden Dominanzmodellen distanziert und die individuellen Bedürfnisse und die soziale Natur des Haushundes in den Mittelpunkt stellt.
Was wird im Hauptteil der Publikation behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse der hündischen Verhaltensweisen, eine Analyse der verschiedenen Lebensphasen und eine Reflexion über die Rolle des Menschen als Sozialpartner.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Buch?
Die zentralen Schlagworte sind Hundeverhalten, artgerechte Erziehung, Kommunikation, Vertrauen, soziale Entwicklung und die Korrektur menschlicher Fehlinterpretationen.
Warum ist das Bellen für den Hund ein essentielles Verhalten?
Bellen ist die verbale Ausdrucksform des Hundes. Es dient nicht nur als Warnung oder Ausdruck von Aufregung, sondern ist ein normales Mittel zur Kommunikation, dessen Unterdrückung laut Buch tierschutzrelevant ist.
Wie sollte der Mensch auf Spielaufforderungen des Hundes reagieren?
Der Mensch sollte lernen, die spezifischen Signale der Spielaufforderung (wie die Vorderkörper-Tief-Stellung) korrekt zu deuten, statt sie fälschlicherweise als Ungehorsam zu bestrafen, was zu massivem Vertrauensverlust führt.
Warum lehnt die Autorin Vergleiche mit dem Wolf ab?
Sie argumentiert, dass der Haushund kein wildlebender Wolf ist und dass die Übertragung von Verhaltensweisen von Gehegewölfen auf Haushunde zu Fehlinterpretationen führt, die in der Erziehung oft mit physischem oder psychischem Zwang bestraft werden.
- Citation du texte
- Angie Mienk (Auteur), 2008, Hundeverhalten für Einsteiger, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285884