Methoden zur Bestimmung von Übergewicht


Akademische Arbeit, 2004
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Methoden zur Bestimmung von Übergewicht
2.1 Der Body Mass Index
2.2 Die Methode nach Broca
2.3 Bioelektrische Impedanz-Analyse
2.4 Hautfaltendickemessung
2.5 Die Taille-Hüft-Relation (WHR)
2.6 Weitere Methoden

3 Klassifikation

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Anhang

1 Einleitung

Angesichts der über 800 Millionen unterernährten Menschen auf der Erde ist es nahezu paradox, mit welchen Problemen die westlichen Länder zu kämpfen haben. Aber die Zahl der weltweit eine Milliarde Übergewichtigen spricht eine andere, deutliche Sprache. Ob jedoch von einer Zivilisationskrankheit zu sprechen ist oder nicht: Fakt ist, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO von einer Epidemie spricht, die auch auf Deutschland dramatische Auswirkungen hat - gesellschaftlich und ökonomisch.

Röthig versteht unter Adipositas einen zu großen Fettanteil des Körpers. Die Hauptursache soll in einem fehlerhaften Ernährungsverhalten liegen, bei dem mehr Kalorien aufgenommen als verarbeitet werden. Aber auch Stoffwechselerkrankungen können für Adipositas verantwortlich sein. Im Zusammenhang mit Erkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus (vorrangig Typ II), Hypertonie (Bluthochdruck), Fettstoffwechselerkrankungen, Gicht, Bewegungsmangel etc. gilt Adipositas als Risikofaktor. Körperliche Aktivität und sportliches Training können positiven Einfluss auf die Prävalenz und Reduzierung der Adipositas nehmen.

Der Fettanteil des Körpers kann durch unterschiedliche Methoden bestimmt werden: Entweder durch Messung der Hautfaltendicke an standardisierten Körperstellen oder durch den B ody M ass I ndex (BMI), der die gängigste Methode zur Feststellung des mit der Adipositas verbundenen Übergewichts ist. Des Weiteren gibt es den Broca-Index zur Bestimmung des Sollgewichts (in kg) als Differenz aus Körperhöhe (in cm) minus 100.[1]

Diese Definition ist allerdings nicht mehr ganz ausreichend, denn Adipositas wird heute als eine chronische Krankheit definiert, die auf einem polygenetischen Hintergrund basiert. Hinzukommt, dass Adipositas das Ergebnis einer Lebensweise ist, die mit einer nicht angepassten überkalorischen Ernährung, einem erheblichen Bewegungsmangel und mit erhöhter Morbidität (Krankheitshäufigkeit innerhalb einer Population) und Mortalität (Sterblichkeit) einhergeht. Daher erfordert sie ein langfristiges und interdisziplinäres Behandlungskonzept.[2]

Nach Laessle u.a. wird für eine statistische Definition Adipositas mit einer Körpermasse gleichgesetzt, die von einem Durchschnittswert durch Überschreiten festgelegter, normativer Grenzwerte abweicht.[3]

Aber warum ist das so und was sind diese normativen Grenzwerte?

In der folgenden Arbeit soll geklärt werden, durch welche Methoden das Übergewicht eines Menschen bestimmt werden kann und wie Übergewicht und Adipositas daraufhin definiert werden können.

2 Methoden zur Bestimmung von Übergewicht

Wirth ist der Meinung, dass es keine international akzeptierte Klassifikation zur Bestimmung von Übergewicht und Adipositas gebe, da zu viele Unklarheiten bestünden. Seiner Meinung nach hat sich der BMI zur Definition des Übergewichts durchgesetzt.[4] Auch nach Ansicht vieler Experten hat der BMI die vorher üblichen Methoden abgelöst. Der Broca-Index führt beispielsweise zu Fehleinschätzungen bei sehr kleinen, aber auch sehr großen Menschen, weil er als Normalgewicht den Betrag in Kilogramm definiert, den die Körpergröße in einem Meter übersteigt. Außerdem wird das Normalgewicht scheinbar exakt auf ein Kilogramm festgeschrieben.[5]

Trotzdem soll ein kurzer Überblick darüber geben werden, welche Möglichkeiten es zur Definition von Übergewicht gibt.

Das Körperdepotfett eines Menschen ist nicht nur eine wichtige Energiequelle, sondern es ist auch an den Stoffwechselprozessen bei niedrig intensiven sowie langandauernden Belastungen beteiligt. Dennoch handelt es sich um eine Ballastsubstanz, durch deren Höhe Rückschlüsse gezogen werden können auf den Ernährungszustand (Über-, Untergewicht, Adipositas), den Gesundheitszustand (Herz- Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen) sowie die sportliche Leistungsfähigkeit (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer).[6]

Daher sollte eine klinisch geeignete Messmethode zur Bestimmung des Ausmaßes der Adipositas den Körperfettgehalt erfassen und trotzdem einfach anwendbar sein.[7]

Die Methoden zur Bestimmung des Körperfetts können in drei Bereiche unterteilt werden:

1. Die anthropometrischen Methoden, wie z.B. Körpermasseindex (BMI), Messung der Hautfaltendicke (Kalipermetrie), Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT), Sonografie, sowie die Ultraschallmessung.
2. Die Labormethoden, wie z.B. eine Dichtemessung (Densitometrie), Körperwasserbestimmung (Hydrometrie) oder die Bestimmung des Körperkaliums (Kaliometrie).
3. Die neueren Methoden, zu denen die bioelektrische Impedanzmessung oder die Infrarotmessung gehört.[8]

Zur Bestimmung des Übergewichts und der Adipositas im Kindes- und Jugendalter wird vornehmlich der BMI benutzt. Daher soll auf die anderen Methoden nur kurz eingegangen werden, um einen Überblick zu bekommen, wie vielfältig und unterschiedlich sie sein können.

Begonnen wird mit der Bestimmung des BMI, da dieser für die weitere Vorgehensweise von besonderer Bedeutung ist.

2.1 Der Body Mass Index

Bewährt hat sich zur Messung des Übergewichts bei Kindern und Jugendlichen der so genannte B ody M ass I ndex (BMI = Körpermasseindex), der nach seinem Erfinder auch Quetelet-Index (1870) genannt wird. Er berechnet sich aus Körpergewicht (in kg) geteilt durch die Körpergröße (in m) zum Quadrat:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Daraus ergibt sich folgende Einteilung in einem Gewicht- Längen- Index:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Klassifikation der Gewichtsklassen nach BMI mit festen Grenzwerten [9]

Bei der Beurteilung im Kindes- und Jugendalter muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Personen noch im Wachstum sind und es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Bei Männern wird der Anteil des Fettgewebes mit ca. 15 – 18% angegeben, bei Frauen 20 – 25%, wobei der Durchschnitt mit zunehmendem Alter steigt. Bei Jungen hingegen nimmt der Fettanteil im Alter von 10 bis 15 Jahren von 18% auf 12% ab, während er bei den Mädchen von 17% auf 24% ansteigt. Dabei erfolgt die Zunahme der Körperfettmasse nicht hauptsächlich durch die Größenzunahme der Fettzellen, sondern eher durch die Vermehrung ihrer Anzahl.[10]

Daher werden für die Einteilung besondere Kurvensysteme oder Normogramme, so genannte Perzentilen gebraucht (siehe Abb. 2 und 3).

Nach Kromeyer-Hausschild, Wabitsch und Kunze wurden ausgehend von deutschen Kindern und Jugendlichen folgende Perzentilen entwickelt:

Für Mädchen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für Jungen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 und 3: Referenzwerte und Perzentilkurven für den BMI für deutsche Mädchen und Jungen von 0 – 18 Jahren, vereinfachen die Beurteilung des BMI’s und ermöglichen Verlaufsdokumentationen. [11]

Das 50. Perzentil ist der durchschnittliche BMI für die jeweilige Altersgruppe. Kinder gelten als normalgewichtig, wenn ihr BMI zwischen der 10. und 90. Perzentile liegt. Kinder zwischen der 90. und 97. Perzentile gelten als übergewichtig und bei Werten über der 97. Perzentile als adipös. Kinder mit Werten unter der 10. Perzentile werden als untergewichtig eingestuft.[12]

Bei der Erfassung der Adipositas im Kindes- und Jugendalter hat der BMI den Vorteil, dass ein- und derselbe Parameter für alle Altersgruppen verwendet werden kann.[13]

Zusätzlich befinden sich im Anhang 1 und 2 genaue Tabellen der Perzentilwerte für Jungen und Mädchen im Alter von 0 – 18 Jahren.

2.2 Die Methode nach Broca

Nach Broca, einem französischen Chirurgen aus dem letzten Jahrhundert, wird das Normal- bzw. Sollgewicht nach der folgenden einfachen Formel berechnet:

Körpergröße (in cm) – 100 = Normal- bzw. Sollgewicht

Diese Formel gilt für Männer. Bei Frauen werden üblicherweise noch 5 – 10% abgezogen. Bei Kindern kann diese Methode zur Bestimmung des Normal- bzw. Sollgewichtes nicht angewendet werden. Die Vorteile bei der Methode nach Broca liegen darin, dass mit dieser Formel das Über- bzw. Untergewicht leicht berechnet werden kann. Der große Nachteil ist allerdings, dass das Broca-Sollgewicht stark von der Körpergröße abhängt, d.h. bei besonders kleinen oder großen Menschen ist diese Berechnungsformel ungeeignet. Hinzuzufügen ist, dass er auch bezüglich der Vorhersagbarkeit von Komorbiditäten dem BMI unterlegen ist.[14]

2.3 Bioelektrische Impedanz-Analyse

Die Bestimmung der Körperfettmasse durch die bioelektrische Impedanz-Analyse (BIA) beruht auf dem Prinzip, dass verschiedene Körpergewebe (Körperfettmasse, Muskulatur, Knochen) bei Stromdurchfluss unterschiedliche Widerstände aufbauen. Aus den Widerstandsmessungen und anderen Größen lässt sich die Körperfettmasse bestimmen. Die verwendeten Stromstärken sind gesundheitlich unbedenklich und nicht spürbar. Bei Personen mit Herzschrittmachern sollte diese Methode allerdings nicht eingesetzt werden. In den letzten Jahren wurde diese Methode häufiger in diversen Fitness-Studios angewandt.

Problematisch ist, dass die Messergebnisse dieser Methode durch verschiedene Störfaktoren, die häufig durch nicht fachkundige Bedienung der Messgeräte verursacht werden, zu falschen Werten der Körperfettmasse führen können.

Vorteile dieser Methode sind ein genaues Maß für Körperfett, unabhängig von Körpergröße und Körperbau. Nachteile dagegen sind die oben genannten Störfaktoren, die Messergebnisse verfälschen können. Außerdem entstehen Kosten, die für die Behandlung des Übergewichts nicht notwendig sind.[15]

[...]


[1] vgl. Röthig, Peter u.a. (Hrsg.): Sportwissenschaftliches Lexikon. 6., völlig neu bearbeitete Auflage. Schorndorf: Verlag Karl Hofmann 1992, S. 14f.

[2] vgl. Hauner, Hans; Berg, Aloys: Körperliche Bewegung zur Prävention und Behandlung der Adipositas. In: Deutsches Ärzteblatt Bd. 97 (2000) H. 12, S. 768.

[3] vgl. Laessle, Reinhold G.; Lehrke, Sonja; Wurmser, Harald; Pirke, Karl-Martin: Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Basiswissen und Therapie. Berlin, Heidelberg, New York: Springer-Verlag 2001, S. 3.

[4] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 307f.

[5] vgl. Pudel, Volker: Adipositas. Fortschritte der Psychotherapie. Göttingen, Bern, Toronto, Seattle: Hogrefe-Verlag 2003, S. 3.

[6] Herm, Klaus-Peter: Methoden der Körperfettbestimmung. In: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin Bd. 54 (2003) H. 5, S. 153f.

[7] vgl. Wabitsch, Martin: Adipositas im Kindes- und Jugendalter: Empfehlungen einer US-amerikanischen Expertengruppe zur Diagnostik und Therapie. In: Klinische Pädiatrie (2000) H. 212. Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York, S. 287.

[8] vgl. Herm, Methoden 2003, S. 153.

[9] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 6.

[10] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 307.

[11] vgl. Kromeyer-Hausschild, Katrin u.a.: Perzentile für den Body Mass Index für das Kindes- und Jugendalter unter Heranziehung verschiedener deutscher Stichproben. In: Monatszeitschrift Kinderheilkunde Bd. 149 (2001) H. 8, S. 808.

[12] vgl. Ziroli, Mehr Sportunterricht – weniger Gewichtsprobleme? 2003, S. 34.

[13] vgl. Wabitsch, Adipositas. Empfehlungen 2000, S. 287.

[14] vgl. Wirth, Adipositas. Epidemiologie 2000, S. 20.

[15] vgl. a.a.O., S. 25ff.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Methoden zur Bestimmung von Übergewicht
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V285891
ISBN (eBook)
9783656857945
Dateigröße
1668 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
methoden, bestimmung, übergewicht
Arbeit zitieren
Christian Knoll (Autor), 2004, Methoden zur Bestimmung von Übergewicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285891

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