Der Titel dieses Kapitels "Die Peergroup als eine wichtige Quelle bei der Überbrückung von Hindernissen" erscheint auf den ersten Blick einen positiven Eindruck zu hinterlassen und könnte eigentlich auch direkt als eine Frage dahin gestellt werden. Denn hierbei kann auch verstanden werden, dass die Sozialisationsinstanz Peergroup ausschließlich zur Überwindung von Problemen beitragen und nur Gutes bezwecken könnte. Bedauerlicherweise ist dies zum Teil anzuzweifeln, ohne dass jetzt schon auf Details eingegangen werden soll, da sich dieser Sachverhalt im Laufe der Arbeit bzw. in den jeweiligen Unterkapiteln zeigen wird. Es ist nicht nur von fördernden, positiven Effekten, sondern auch von hemmenden, negativen Effekten hinsichtlich des Schulerfolges auszugehen. Daher sollte hierbei der zentralen Frage nachgegangen werden, welche Position und Aufgabe die Peergroup hinsichtlich des Bildungserfolges von Jugendlichen mit Migrationshintergrund einnimmt bzw. übernimmt. Um heutzutage in unserer wandelnden Gesellschaft den Schulerfolg dieser Jugendlichen aufzuzeigen, genügt es teilweise nicht mehr auf die institutionelle und häusliche Umwelt zurückzugreifen. Angenommen, das schlechte Abschneiden im schulischen Sektor des Jugendlichen kann nicht durch die Schule oder Familie bedingt sein, dann wird versucht die Hemmfaktoren im sozialen Umfeld des Jugendlichen zu suchen, sodass dann die Peergroup in den Mittelpunkt des elterlichen und schulischen Interesses rückt. Heutzutage ist generell der Umgang mit den Jugendlichen ziemlich schwierig geworden, sodass der elterliche Zugang in diese Jugendkultur erschwert wird. Denn die Jugendlichen leben in ihrer eigenen Welt und haben nur die Vorstellung von einer eigenen Sphäre, in der nur die Freunde teilhaben dürfen. Insofern ist das Dazugehören in eine Gruppe zu einem Selbstverständnis geworden mit der sich Jugendliche identifizieren können und somit auch die Gruppe als den „Ort der Selbstentfaltung“ bzw. als Zufluchtsort betrachten, wo Eltern und Schule tabuisiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Peergroup als eine wichtige Quelle bei der Überbrückung von Hindernissen
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Die Peergroup als wichtige Sozialisationsinstanz
2.2.1 Gründe für die Hinwendung zu einer Peergroup
2.2.3 Die Wirkung und der Einfluss der Peers auf die Jugendlichen
2.3 Die Bedeutung der Peergroup für jugendliche Migrantinnen und Migranten
2.4 Der Einfluss der Peergroup auf familiale und schulische Instanzen
2.4.1 Die Rolle der Peers in Zusammenhang mit der Familie
2.4.2 Die Rolle der Peers in Zusammenhang mit der Schule
2.5 Positive und negative Auswirkungen der Peergroup hinsichtlich des Bildungserfolgs
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der Peergroup auf den Bildungserfolg von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, wobei insbesondere die Wechselwirkungen zwischen Familie, Schule und der Peergruppe analysiert werden, um Mechanismen für ein erfolgreiches Durchlaufen der schulischen Laufbahn zu identifizieren.
- Bedeutung der Peergroup als Sozialisationsinstanz für Migrantenjugendliche
- Wechselwirkung zwischen elterlicher Erziehung und Peer-Beziehungen
- Einfluss der Peergruppe auf schulische Leistungen und Bildungserfolg
- Rolle geschlechtsspezifischer Unterschiede im Freizeitverhalten und Gruppenanschluss
- Bewältigungsstrategien von Jugendlichen bei Konflikten zwischen Familie und Peergruppe
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsdefinition
In Anlehnung an HILLMANN (1994) bedeutet das aus dem englischen übernommenen Wort Peergroup eine Gruppe von Gleichaltrigen bzw. Gleichen (VGL. HILLMANN, 1994, S. 659), die gleiche Merkmale, Eigenschaften und Absichten haben und gemeinsame Zielvorstellungen verfolgen können. Im alltäglichen Leben sind statt Peergroup häufiger die Begriffe wie Clique und Gang unter den Jugendlichen verbreitet. Dieser Peerbegriff, der seinen Ursprung in der amerikanischen Jugendsoziologie hat, bezeichnet „informelle Spiel- u. Freizeitgruppen von etwa gleichaltrigen Kindern u. Jugendlichen. Die P. g. bietet dem Individuum beim Übergang von der familienbezogenen u.- geprägten Kindheit zum vollen Erwachsenensein eine bedeutungsvolle soz. Orientierung u. übt oft eine starke soz. Kontrolle aus“ (HILLMANN, 1994, S. 659).
Wie anfangs schon kurz erwähnt, kann die Peergroup den Individuen als eine Sphäre dienen, in der Kindern und Jugendlichen freie Entfaltungsmöglichkeiten gegeben werden, ohne dass hier die Familie oder Schule einen Platz einnehmen muss, d.h. Kinder und Jugendliche haben „eine starke Neigung zu unbedingter Unabhängigkeit hinsichtl. bestimmter Wertvorstellungen und Erwartungen der Erwachsenen (Eltern), Empfindlichkeit gegenüber soz. Kontrolle durch Erwachsene sowie eine vorherrschende Konformität u. Loyalität gegenüber den Verhaltensnormen der eigenen Gruppe“ (HILLMANN, 1994, S. 659).
Das Konzept der Peergroup setzte in der Bundesrepublik Deutschland insbesondere nach 1960 aufgrund enormer „Verlängerung der Bildungs- und Ausbildungszeiten für die Mehrzahl der Jugendlichen“ (SCHÄFERS, 2003, S. 161 f.) ein, sodass aufgrund dessen neue und unbekannte Formen von Gruppen zustande gekommen sind, in denen die Gruppenangehörigen „ähnlichen Alters sind […] mit ähnlicher sozialer Herkunft (Soziallage) und gleichem Geschlecht“ (SCHÄFERS, 2003, S. 121 f.). Da die Peergroup neben der Familie und der Schule auch eine erzieherische Funktion und Aufgabe übernimmt und im Zentrum nur die Jugendlichen stehen, da sie selber, ohne jegliche Erwachsenenhilfe handeln und reagieren, kommt dieser Instanz eine sehr wichtige Bedeutung zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Benachteiligung von Schülern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem und setzt den Fokus auf bildungserfolgreiche Jugendliche und die Rolle der Peergruppe bei der Hürdenüberwindung.
2. Die Peergroup als eine wichtige Quelle bei der Überbrückung von Hindernissen: Das Kapitel beleuchtet die ambivalente Rolle der Peergruppe als Sozialisationsinstanz, die sowohl fördernde als auch hemmende Effekte auf den Bildungserfolg ausüben kann und als Schutzraum gegen elterliche Autorität fungiert.
2.1 Begriffsdefinition: Hier wird der Begriff der Peergroup soziologisch hergeleitet und als informelle Gleichaltrigengruppe definiert, die dem Individuum Orientierung bietet und einen von Schule und Elternhaus unabhängigen Entfaltungsraum schafft.
2.2 Die Peergroup als wichtige Sozialisationsinstanz: Die Peergruppe wird als Instanz tertiärer Sozialisation verankert, die neben Familie und Schule kulturelle und soziale Strukturen in die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen transportiert.
2.2.1 Gründe für die Hinwendung zu einer Peergroup: Dieses Unterkapitel analysiert Motive für den Gruppenanschluss, wie das Bedürfnis nach Geborgenheit, gemeinsamer Sprache oder die Abgrenzung von strengen Familienstrukturen sowie die Bedeutung von Interessen.
2.2.3 Die Wirkung und der Einfluss der Peers auf die Jugendlichen: Es wird erörtert, wie die Peergruppe durch Rückmeldungen und Gruppennormen die Identitätsbildung beeinflusst und somit die Charaktereigenschaften und das Verhalten des Jugendlichen prägt.
2.3 Die Bedeutung der Peergroup für jugendliche Migrantinnen und Migranten: Für Jugendliche mit Migrationshintergrund fungiert die Peergruppe oft als „dritte Sphäre“ und Zufluchtsort zur Bewältigung von Diskriminierungserfahrungen und zur Entwicklung von Eigenständigkeit.
2.4 Der Einfluss der Peergroup auf familiale und schulische Instanzen: Dieser Abschnitt untersucht die Wechselwirkung zwischen den drei Sozialisationsinstanzen und zeigt auf, wie sich Peer-Einflüsse und elterliche Erziehung wechselseitig verstärken oder in Konflikt geraten können.
2.4.1 Die Rolle der Peers in Zusammenhang mit der Familie: Es wird die Dynamik zwischen Peergruppe und Familie analysiert, wobei besonders die Herausforderung für Eltern thematisiert wird, den Einfluss der Freunde auf ihre Kinder in einem oftmals spannungsreichen Verhältnis zu kontrollieren.
2.4.2 Die Rolle der Peers in Zusammenhang mit der Schule: Das Kapitel verdeutlicht den Zusammenhang zwischen stabilen, sozialen Beziehungen und schulischen Leistungen sowie die Rolle der Peergruppe als Motivationsfaktor oder Hindernis für den Bildungserfolg.
2.5 Positive und negative Auswirkungen der Peergroup hinsichtlich des Bildungserfolgs: Abschließend wird das Fazit gezogen, dass stabile Peerbeziehungen den Bildungserfolg unterstützen können, während ein negativer Freundeskreis oder soziale Isolation die Schulleistungen und die Integration gefährden.
Schlüsselwörter
Peergroup, Migrationshintergrund, Bildungserfolg, Sozialisation, Identitätsbildung, Familie, Schule, Jugendliche, Gruppendynamik, Diskriminierung, Integration, Adoleszenz, türkische Jugendliche, Sozialisationsinstanz, schulische Leistung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle und welchen Einfluss die Peergruppe auf die Persönlichkeitsentwicklung und den Bildungserfolg von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland ausübt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Definition der Peergruppe, ihre Funktion als Sozialisationsinstanz, die Wechselwirkungen zu den Institutionen Familie und Schule sowie die geschlechterspezifischen Aspekte des Gruppenanschlusses bei Migrantenjugendlichen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Mechanismen aufzuzeigen, durch die Peergroups den Bildungserfolg beeinflussen, und zu verstehen, warum Jugendliche mit Migrationshintergrund diese Gruppen oft als Zufluchtsorte oder zur Identitätsbildung nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit soziologischer Fachliteratur, Studien zur Bildungsforschung und der Analyse von Sozialisationsprozessen im Jugendalter.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Definition von Peergroups, ihre Bedeutung für die Sozialisation, die Gründe für den Gruppenanschluss sowie ihre positive und negative Wirkung auf schulische und familiäre Kontexte detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Peergroup, Migrationshintergrund, Bildungserfolg, Sozialisation, Identitätsbildung, Familie und Integration charakterisiert.
Warum dient die Peergruppe oft als Zufluchtsort für türkische Jugendliche?
Da türkische Jugendliche oft in strengen und autoritären Familienstrukturen aufwachsen, bietet die Peergruppe einen Freiraum, in dem sie sich außerhalb elterlicher Kontrolle entfalten, Emotionen ausleben und ihre Identität als Jugendliche definieren können.
Inwiefern beeinflusst die Peergruppe den schulischen Erfolg positiv oder negativ?
Eine stabile Peergruppe kann als Motivationsfaktor wirken, gegenseitige Hilfe bei Lerninhalten bieten und den Schulbesuch festigen. Ein negativer Einfluss hingegen kann durch eine ziellose Gruppendynamik oder Abkapselung von der Mehrheitsgesellschaft entstehen, was den Bildungserfolg gefährdet.
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- Dipl.Soz.wiss. Feride Baduroglu (Author), 2006, Der Einfluss der Peergroup auf jugendliche Migrantinnen und Migranten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285919