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Kritik am Kunstsystem. Wim Delvoyes "Cloaca"

Titel: Kritik am Kunstsystem. Wim Delvoyes "Cloaca"

Hausarbeit , 2014 , 22 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Sebastian Quasinowski (Autor:in)

Kunst - Allgemeines, Kunsttheorie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Mit dem Namen Wim Delvoye verbindet man unter Umständen Unangenehmes: Fäkalien und die Produktion derer. Allerdings steckt hinter dieser einfachen Betrachtung seines Werkes Cloaca große und gezielte Kritik am gesamten Kunstsystem. Wim Delvoye, 1965 in Wervik (Belgien) geboren, ist Installations- und Objektkünstler. In seinen Werken begegnet er dem Betrachter mit unausweichlicher Ironie und regt Denkprozesse an. Neben eben diesem Projekt Cloaca, um das es in dieser Arbeit gehen soll, seien weitere Werke zumindest genannt, um einen kleinen Überblick über seine Arbeitsweise zu geben: In Art farm, zwischen 2004 und 2008 entstanden, tätowierte er in China zunächst Schweinehäute aus Schlachthäusern – später auch lebendige Schweine. Die Tätowierungen hatte er zuvor auf menschlicher Haut gesehen. Weiterhin arbeitete er beispielsweise an einem Werk, in dem er unter anderem Röntgenaufnahmen von sexuellen Handlungen auf gotische Fenster applizieren ließ. In diesem Zusammenhang ließ er mit Hilfe von Lasern Baugerätschaften aus Stahl ausschneiden und mit filigranen Strukturen versehen.
Die vorliegende Arbeit ist im Kontext des Kurses Zwischen Artefakt und Ding – Das Objekt in der Kunst und Kunstgeschichte aus dem WS13/14 bei Prof. Dr. Melanie Ulz entstanden und behandelt Wim Delvoyes Arbeit Cloaca.

Leseprobe


Inhalt

1. Einleitung

2. Cloaca in kunsthistorischer Einordnung: Anthropomorphe Maschinen

3. Technische Ansätze und Funktionsweise

3.1. Von der Verdauung in einer Maschine

3.2. Ästhetisches Äußeres eines Verdauungsapparats

3.3. Die verschiedenen Modelle von Cloaca und deren Produktcharakter

4. Interpretationsansätze

5. Abschlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit setzt sich mit Wim Delvoyes Werkreihe Cloaca auseinander, um durch eine Analyse der technischen Funktionsweise und der konzeptionellen Ausrichtung die gezielte Kritik des Künstlers am zeitgenössischen Kunstsystem offenzulegen.

  • Kritik am Kunstmarkt und der Kommerzialisierung künstlerischer Produktion.
  • Untersuchung der Schnittstelle zwischen Biologie, Technik und Kunst.
  • Betrachtung von Cloaca als anthropomorphe Maschine und Produkt in der Konsumgesellschaft.
  • Analyse des ready-made Charakters und der Bedeutung von Exkrementen als Werkstoff.
  • Reflexion über den Stellenwert und die Definition von Kunst in der modernen Gesellschaft.

Auszug aus dem Buch

3.1. VON DER VERDAUUNG IN EINER MASCHINE

In einem Interview beschreibt Delvoye wie Cloaca funktioniert und erklärt bestimmte Verhaltensregeln, die eingehalten werden müssen und Cloaca somit von einem „gewöhnlichen“ Werk in einem Museum unterscheidet. Nachdem die Maschine im Museum aufgebaut wird, muss sie „initiiert“ werden (4-5 Tage), was durch die Zugabe von verschiedenen Bakterien („Shimos“) und Chemikalien geschieht, um eine ähnliche Flora zu schaffen, wie sie im menschlichen Magen vorherrscht. Delvoye beschreibt den Prozess der Verdauung linear mit drei Begriffen: Nahrung – Shimos – Scheiße. Cloaca „lebt“, sobald die Maschine initiiert wurde. Die Bakterien in den einzelnen Teilen der Maschine arbeiten fortan ständig und „Fütterungen“ sind „lebensnotwendig“. Diese müssen täglich unter der Fürsorge der Mitarbeiter des Museums ausgeführt werden. Besonders hierbei ist, dass diese Fürsorge nicht einfach ausfallen darf, wenn das Museum beispielsweise geschlossen hat. Der Künstler selbst bezeichnet Cloaca in dieser Hinsicht wie ein „Kind“, um das sich ständig gekümmert werden muss. Die Mitarbeiter dürfen die Maschine jedoch nicht mit allem „füttern“, denn Delvoye meint, dass bestimmte Nahrungsmittel für die Maschine nicht gut seien. Zu nennen wären da stark säurehaltige Getränke, Alkohol oder Curry. Wird der Maschine trotzdem zu viel davon zugeführt, bekommt sie Durchfall.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des Künstlers Wim Delvoye und Einführung in die Thematik der Werkreihe Cloaca sowie deren Einbettung in den Kunstkontext.

2. Cloaca in kunsthistorischer Einordnung: Anthropomorphe Maschinen: Untersuchung der historischen Bedeutung von Automaten und der Abkehr Delvoyes vom Anthropomorphen zugunsten technischer Funktionalität.

3. Technische Ansätze und Funktionsweise: Detaillierte Darstellung des technischen Prozesses der künstlichen Verdauung, der Ästhetik der Apparaturen und der verschiedenen Modellvarianten der Serie.

4. Interpretationsansätze: Diskussion der ethischen und kunsttheoretischen Implikationen des Werks, insbesondere in Bezug auf den Kunstmarkt und die Konsumgesellschaft.

5. Abschlussbetrachtung: Zusammenfassende Analyse der Ambivalenz des Werks, das als nutzlose Maschinerie den kapitalistischen Kunstmarkt und dessen Bewertungsmechanismen persifliert.

Schlüsselwörter

Wim Delvoye, Cloaca, Kunstsystem, Verdauung, Maschine, Anthropomorphe Maschinen, Konsumgesellschaft, Kunstmarkt, Ready-made, Exkremente, Performance-Charakter, Technisierung, Produktcharakter, Ästhetik, Kritik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Wim Delvoyes Werkreihe Cloaca, eine Maschinerie, die künstlich menschliche Exkremente produziert, und beleuchtet deren Rolle als systemkritische Stellungnahme zur zeitgenössischen Kunstwelt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Verschränkung von Technik und Biologie, die Funktion von Kunst als Ware, der Einfluss der Konsumgesellschaft auf den Kunstmarkt sowie die Demontage traditioneller Kunstbegriffe durch das ready-made.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Delvoye durch die aufwendige Inszenierung eines im Grunde nutzlosen, aber technisch hochkomplexen Prozesses die Mechanismen und die Absurdität des modernen Kunstbetriebs entlarvt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine kunsthistorische und -theoretische Analyse angewandt, die primäre Quellen, Statements des Künstlers und fachwissenschaftliche Literatur zum Thema Kunst, Materialität und moderne Skulptur kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine technische Einordnung und Funktionsbeschreibung der Cloaca-Maschinen, eine Analyse der unterschiedlichen Modellreihen sowie eine tiefgehende Interpretation der soziokulturellen Bedeutung im Museumskontext.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Cloaca, Kunstsystem, Konsumgesellschaft, technoid, ready-made, Produktcharakter, künstlerische Produktion und Systemkritik.

Welche Rolle spielt der "Produktcharakter" der Cloaca-Reihe?

Der Produktcharakter ist zentral, da Delvoye seine Maschinen mit Firmennamen, Logos und Werbestrategien versieht, um sie bewusst als Waren innerhalb eines kapitalistischen Systems zu präsentieren und somit den Kunstmarkt zu parodieren.

Wie unterscheidet sich Delvoyes Ansatz von Künstlern wie Piero Manzoni?

Während Manzoni seine eigenen Exkremente als künstlerisches Endprodukt signierte, geht Delvoye einen Schritt weiter, indem er eine komplexe technische Apparatur nutzt, die diesen Prozess entpersonalisiert und rein mechanisch-effizient ausführt.

Warum wird Cloaca oft als „technologischer Buddha“ bezeichnet?

Diese Bezeichnung unterstreicht den Anspruch des Künstlers, die Maschine trotz ihres kontroversen Produkts in einer makellosen, technisch-ästhetischen Form zu präsentieren, die eine kontemplative Distanz zum Inhalt (der Scheiße) erzwingt.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Kritik am Kunstsystem. Wim Delvoyes "Cloaca"
Hochschule
Universität Osnabrück  (Kunsthistorisches Institut)
Note
1,3
Autor
Sebastian Quasinowski (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V285928
ISBN (eBook)
9783656862932
ISBN (Buch)
9783656862949
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kritik kunstsystem delvoyes cloaca
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sebastian Quasinowski (Autor:in), 2014, Kritik am Kunstsystem. Wim Delvoyes "Cloaca", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/285928
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Leseprobe aus  22  Seiten
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