Das explorative Design dieser Arbeit richtet sich nach folgenden Forschungsfragen:
(1) Welche Herausforderungen des demografischen Wandels ergeben aus der Forschungsliteratur für die kommunale Ebene?
(2) Welche betriebswirtschaftlichen Bewältigungskonzepte der Literatur zum demografischen Wandel lassen sich auf die Personalstrukturen des öffentlichen Dienstes übertragen, welche nicht?
Methodisch wird versucht, die vorhandene Forschungsliteratur zu den Schlüsselbegriffen „Demografischer Wandel“, „Kommunen“ und „Öffentliche Verwaltung / Öffentlicher Dienst“ zu erfassen. Empirische Arbeiten sollen dabei besonderes Augenmerk erhalten. Zunächst soll der Stand der Forschung zum demografischen Wandel in Kommunen wiedergegeben werden. Anschließend wird in Abschnitt 3.1 auf die Hintergründe des demografischen Wandels im Allgemeinen eingegangen, bevor klassische betriebswirtschaftliche Bewältigungskonzepte der Forschungsliteratur in Abschnitt 3.2 vorgestellt werden. Abschnitt 4.1 soll schließlich aus Abschnitt 3.1 Erkenntnisse für die kommunale Ebene ableiten und ein erstes Zwischenfazit ziehen. In Abschnitt 4.2 wird der Fokus weiter auf die öffentliche Personalverwaltung eingegrenzt, indem die besonderen Strukturprinzipien des öffentlichen Dienstes beschrieben werden, welche in Abschnitt 5 den empfohlenen Bewältigungskonzepten am freien Markt gegenüber gestellt werden. Eine Diskussion der Ergebnisse in Abschnitt 6 schließt die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Demografischer Wandel
3.1. Herausforderungen des demografischen Wandels
3.2. Bewältigungsstrategien der Betriebswirtschaftslehre
4. Öffentliche Kommunalverwaltung
4.1. Personalstrukturen öffentlicher Verwaltung
5. Synopsis: kommunales Personalmanagement in Zeiten des demografischen Wandels
6. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht explorativ, welche Herausforderungen sich für Kommunalverwaltungen durch den demografischen Wandel ergeben und inwieweit betriebswirtschaftliche Personalmanagementkonzepte auf die spezifischen, rigiden Strukturen des öffentlichen Dienstes übertragbar sind.
- Auswirkungen des demografischen Wandels auf die kommunale Ebene
- Analyse der Personalstrukturen im öffentlichen Dienst
- Betriebswirtschaftliche Bewältigungsstrategien (Rekrutierung, Laufbahngestaltung, Diversität, Qualifizierung)
- Übertragbarkeit von Managementkonzepten auf die öffentliche Verwaltung
- Identifikation von strukturellen Hindernissen und Anpassungspotenzialen
Auszug aus dem Buch
3.1. Herausforderungen des demografischen Wandels
Welche Konsequenzen resultieren aus dieser Entwicklung für ein Unternehmen? Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive lassen sich folgende vier Kernbefunde festhalten:
1. Veränderung des Erwerbspersonenpotenzials (EPP) Für die Umlagefinanzierung der gesetzlichen Sozialversicherungen in Deutschland lässt sich bei steigender Lebenserwartung ein einfacher Schluss ziehen: immer weniger Beitragszahler müssen die Leistungen für eine immer größer werdende Menge an Leistungsbeziehern erwirtschaften – es sei denn, die Politik steuerte mit einer Anhebung des Renteneintrittsalters dem entgegen. Im Allgemeinen wird von einer steigenden Lebensarbeitszeit sowie einer Zunahme der Erwerbsquoten von Migranten und älteren Arbeitnehmern ausgegangen (Langhoff 2009:126, vgl. auch Hülskamp 2010, Boehm/Kunisch/Boppel 2011, Börsch-Supan 2013).
2. Schrumpfung des Erwerbspersonenpotenzials Trotz der o.g. Entwicklungsprognosen ist eine Schrumpfung des EPP unbestritten. Eine allgemeine Verknappung des Arbeitskräfteangebots wirkt sich jedoch nicht überall gleichermaßen aus. So ist im sogen. Niedriglohnsektor auf absehbare Zeit noch keine Verknappung zu erkennen während das Angebot an gut qualifizierten Fachkräften insbesondere im Osten Deutschlands schon heute ein Problem darstellt. Der Fachkräftemangel ist also branchen- und regionsabhängig zu betrachten (Prezewowsky 2007:191).
3. Gefahr des Wissensverlustes In den nächsten Jahren werden stetig mehr Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Mit ihnen geht ein enormer Erfahrungsschatz verloren, sollte kein Wissenstransfer hin zu den jüngeren Mitarbeitern stattfinden. Dieser Generationenaustausch stellt eine Herausforderung dar, zumal weniger „Wissensabnehmer“ zur Verfügung stehen. In der Literatur wird daher auf die Bedeutung eines strategischen „Wissensmanagements“ hingewiesen (ebd:219).
4. Anstieg der Altersdiversität Laut Salzmann/Skirbekk/Weiberg (2010) stellt die Gruppe der 30 bis 49-Jährigen derzeit branchenübergreifend mehr als die Hälfte der Belegschaften. Mit dem Ausscheiden dieser Generation wird sich auch das Personalbild in den Unternehmen ändern. Boehm et. al (2011) stellen zunächst überwiegend negative Effekte altersdiverser Teams fest, welche es durch bewusstes „Demografiemanagement“ auszugleichen gilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des demografischen Wandels und Ableitung der Forschungsfragen im Kontext der kommunalen Personalverwaltung.
2. Forschungsstand: Überblick über die bestehende Literatur zur demografischen Entwicklung in Kommunen und deren Auswirkungen auf das Personalwesen.
3. Demografischer Wandel: Theoretische Grundlagen zu Ursachen und Auswirkungen des demografischen Wandels sowie betriebswirtschaftliche Bewältigungsstrategien.
4. Öffentliche Kommunalverwaltung: Analyse der spezifischen kommunalpolitischen Folgen und der besonderen strukturellen Rahmenbedingungen des öffentlichen Dienstes.
5. Synopsis: kommunales Personalmanagement in Zeiten des demografischen Wandels: Kritische Gegenüberstellung der betriebswirtschaftlichen Instrumente mit den Gegebenheiten der öffentlichen Verwaltung.
6. Diskussion: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen und Ausblick auf Limitationen sowie weiteren Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Demografischer Wandel, Kommunalverwaltung, Personalmanagement, Öffentlicher Dienst, Erwerbspersonenpotenzial, Generationenmanagement, Fachkräftemangel, Personalstrategie, Laufbahnmodell, Wissensmanagement, Diversitätsmanagement, Demografiefestigkeit, Altersdiversität, Lebensphasenorientierte Personalpolitik, HR-Management
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen des demografischen Wandels auf die kommunale Verwaltung und untersucht Möglichkeiten, wie Verwaltungen diesen Herausforderungen durch modernes Personalmanagement begegnen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Auswirkungen des demografischen Wandels auf Arbeitsmärkte, die speziellen Personalstrukturen im öffentlichen Dienst und bewährte Managementstrategien aus der Privatwirtschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, welche Herausforderungen für Kommunen bestehen und ob betriebswirtschaftliche Konzepte – wie Rekrutierungs- oder Qualifizierungsstrategien – auf die starren Strukturen der Verwaltung übertragbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine explorative Analyse der bestehenden Organisations- und Verwaltungsliteratur, um Zusammenhänge zwischen Demografie, Personalpolitik und Verwaltungspraxis herzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erarbeitet zunächst die Auswirkungen des demografischen Wandels, beschreibt dann die Rahmenbedingungen des öffentlichen Dienstes und führt schließlich einen Vergleich der Ansätze durch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Demografischer Wandel, Kommunalverwaltung, Personalmanagement, Öffentlicher Dienst und Erwerbspersonenpotenzial charakterisiert.
Warum ist die Übertragung betriebswirtschaftlicher Konzepte auf den öffentlichen Dienst schwierig?
Die Übertragung wird durch die besonderen rechtlichen Rahmenbedingungen des Berufsbeamtentums, das starre Laufbahnsystem, das Senioritätsprinzip und die eingeschränkte externe Rekrutierung erschwert.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich des Wissensmanagements?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass ein strategisches Wissensmanagement zur Bewahrung impliziten Wissens nach dem Ausscheiden der Baby-Boomer-Generation auch im öffentlichen Dienst ohne große strukturelle Hürden implementiert werden kann.
- Arbeit zitieren
- Sven Piechottka (Autor:in), 2014, Management des Demografischen Wandels in der öffentlichen Verwaltung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286110