In meiner Arbeit werde ich die Theorie der Wahrnehmungsentwicklung nach Félicie AFFOLTER vorstellen.
Zur Einführung gehe ich zunächst auf den komplexen Begriff der Wahrnehmung im Allgemeinen ein, indem ich verschiedene Sichtweisen von mir ausgewählter Autoren beschreibe. Danach stelle ich AFFOLTERs spezifische Sichtweise von Wahrnehmung vor, um diese dann anhand der vorgestellten Sichtweisen von Wahrnehmung kritisch zu hinterfragen.
Im Anschluss daran folgt die Darstellung neurophysiologischer Grundlagen, um die komplexen physiologischen Vorgänge bei der menschlichen Wahrnehmung aufzuzeigen. Hierbei beschreibe ich zunächst den Aufbau des Zentralnervensystems, die Vorgänge bei der Reizübertragung und Reizverarbeitung und stelle dann die einzelnen Sinnessysteme vor. Weiter erläutere ich in Anlehnung an HÜLSHOFF (2005) und ZIMMER (2005) die Entwicklung des kindlichen Gehirns und der Wahrnehmungsfunktionen.
Nach dieser Einführung gehe ich dann auf AFFOLTERs Theorie der Wahrnehmungsentwicklung ein. Diese hat ihre Grundlage in der Theorie der geistigen Entwicklung nach Jean PIAGET. Darauf aufbauend entwickelte sie das Stufenmodell der Wahrnehmungsentwicklung und ihr „Wurzel-Modell“, welche die Basis ihres Förderkonzepts bilden. Beide Modelle werde ich im Anschluss an einen kurzen Überblick über PIAGETs Entwicklungstheorie erläutern.
Inhaltsverzeichnis
Einleitungsgedanken
1. Grundlegendes zur Wahrnehmung
1.1 Was ist Wahrnehmung?
1.1.1 Allgemeine Überlegungen zur Wahrnehmung
1.1.2 AFFOLTERs Verständnis von Wahrnehmung
1.1.3 Reflexion von AFFOLTERs Wahrnehmungsbegriff
1.2 Neurophysiologische Grundlagen der Wahrnehmung
1.2.1 Aufbau des Zentralnervensystems
1.2.2 Reizübertragung und Reizverarbeitung
1.2.3 Das Sinnessystem
1.3 Entwicklung beim Kind
1.4 AFFOLTERs Theorie der Wahrnehmungsentwicklung
1.4.1 J. PIAGETs Theorie der geistigen Entwicklung als Basis – Ein Überblick
1.4.2 Das Stufenmodell der Wahrnehmungsentwicklung
1.4.3 AFFOLTERs „Wurzelmodell“ der Entwicklung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Theorie der Wahrnehmungsentwicklung nach Félicie Affolter und hinterfragt diese kritisch vor dem Hintergrund allgemeiner wahrnehmungstheoretischer sowie neurophysiologischer Ansätze. Dabei wird die zentrale Bedeutung der gespürten Interaktionserfahrung als Grundlage für die kindliche Entwicklung herausgearbeitet.
- Allgemeine Grundlagen und Definitionen des Wahrnehmungsbegriffs
- Neurophysiologische Basisprozesse der menschlichen Wahrnehmung
- Entwicklung des kindlichen Nervensystems und der Sinnessysteme
- Das Stufenmodell der Wahrnehmungsentwicklung nach Affolter
- Das Konzept des Wurzelmodells zur ganzheitlichen Entwicklungsförderung
Auszug aus dem Buch
1.1.2 AFFOLTERs Verständnis von Wahrnehmung
„Wir kommen in diese Welt. Wir erfahren, dass sie da ist – uns umgibt – eine Um Welt ist! Diese Erfahrung beruht auf Wahrnehmung. Um wahrzunehmen, besitzen wir verschiedene Sinnesbereiche. Der wichtigste und zugleich komplexeste ist der taktil-kinästhetische oder das Spüren. Spüren bildet die Grundlage, um mit der Umwelt vertraut zu werden; dazu hören, riechen, sehen und schmecken wir.“ (Hervorhebungen von mir; AFFOLTER 1987, 17)
AFFOLTER versteht unter Wahrnehmung im weiteren Sinne das Aufnehmen von Reizen über die verschiedenen Sinnesbereiche, die den Menschen mit der Umwelt verbinden (vgl. 1987, 17).
Diese wahrgenommene Umwelt an sich ist jedoch noch nicht Wirklichkeit; erst das Wissen über Ursache-Wirkungszusammenhänge zwischen Umwelt und der Person lässt diese Umwelt zur Wirklichkeit werden. Damit dies möglich wird, benötigt man „Wahr-Nehmung im engeren Sinne“, so AFFOLTER (Hervorhebungen im Original; vgl. 1987, 17f.).
Betrachtet man das Wort „Wahr-Nehmung“ genauer, so findet sich darin der Begriff des „Nehmens“. Aus AFFOLTERs Sicht ist dieses „Nehmen“ notwendig, um etwas als „wahr“ zu erkennen. Da man nur etwas Wirkliches, etwas Dreidimensionales und Körperhaftes nehmen kann, etwas, das einem Widerstand entgegensetzt, gehören Wirklichkeit und Widerstand als wesentliche Bestandteile zur Wahrnehmung. (vgl. AFFOLTER / BISCHOFBERGER 1996, 77; AFFOLTER 1983, 298) „Nehmen“ bedeutet stets “Interaktion“, so AFFOLTER. Man könne nicht nehmen ohne zu berühren. Berühren kann man nur durch Veränderung der Beziehung zwischen sich und der Umwelt (vgl. AFFOLTER / BISCHOFBERGER 1996, 77). „Indem ich die Umwelt nehme und damit etwas bewirke, kann ich mich auf sie richten, ihrer gewahr werden. So erfahre ich, dass die Umwelt besteht – ich nehme sie wahr.“ (AFFOLTER 1987, 18)
Zusammenfassung der Kapitel
Grundlegendes zur Wahrnehmung: Dieses Kapitel erläutert den komplexen Wahrnehmungsbegriff aus verschiedenen Perspektiven und stellt Affolters spezifischen, auf das Spüren fokussierten Ansatz dar.
Neurophysiologische Grundlagen der Wahrnehmung: Hier werden der Aufbau des Nervensystems, die Prozesse der Reizverarbeitung sowie die Funktionen der verschiedenen Sinnessysteme in Bezug auf die Wahrnehmung dargelegt.
Entwicklung beim Kind: Es wird die Entwicklung des Gehirns und der Wahrnehmungsfunktionen bei Kindern dargestellt, wobei die medizinischen Aspekte der Reifung im Zentrum stehen.
AFFOLTERs Theorie der Wahrnehmungsentwicklung: Das Kapitel führt in das Stufenmodell und das Wurzelmodell ein, die auf Piaget basieren und die Entwicklung als interaktiven Prozess mit der Umwelt beschreiben.
Schlüsselwörter
Wahrnehmung, Félicie Affolter, taktil-kinästhetisch, Spüren, Wahrnehmungsentwicklung, Neurophysiologie, Zentralnervensystem, Wurzelmodell, Interaktionserfahrung, Alltagsgeschehnisse, Entwicklungsstufen, Kausalitätsbezug, Sinneseindrücke, Heilpädagogik, motorische Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Wahrnehmungstheorie von Félicie Affolter, ihre Grundlagen und deren Bedeutung für die Entwicklungsförderung von Kindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die neurophysiologischen Grundlagen, das Verständnis von Wahrnehmung als aktiver Prozess und die Entwicklungsstadien des Kindes.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, Affolters Theorie der Wahrnehmungsentwicklung vorzustellen und diese kritisch mit anderen wissenschaftlichen Sichtweisen zu vergleichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse bestehender Konzepte und Forschungsergebnisse zur Wahrnehmungspsychologie und Heilpädagogik.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Im Hauptteil werden der Wahrnehmungsbegriff, neurophysiologische Grundlagen, die kindliche Entwicklung und Affolters Stufen- sowie Wurzelmodell im Detail erläutert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Wahrnehmung, taktil-kinästhetische Erfahrung, gespürte Interaktion, Wurzelmodell und Problemlösende Alltagsgeschehnisse.
Warum ist das taktil-kinästhetische System bei Affolter so wichtig?
Affolter betrachtet das Spüren als Realitätssinn, da es als einzige Sinnesmodalität Aufnahme und Manipulation gleichzeitig ermöglicht und somit die Basis für die Interaktion mit der Umwelt bildet.
Was versteht man unter dem „Wurzelmodell“ der Entwicklung?
Das Wurzelmodell beschreibt die Interaktion mit der Umwelt in Form von Problemlösenden Alltagsgeschehnissen als fundamentale Wurzel der Entwicklung, aus der sich komplexere Fähigkeiten wie Sprache und abstraktes Denken entfalten.
- Citar trabajo
- M.A. Nina Friedlein (Autor), 2006, Grundlagen der Wahrnehmung. Allgemeines und Félicié Affolters Wahrnehmungstheorie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/286194